Die Zauberflöte mit Kadenz der Damen

  • Guten Tag!

    Ich bin auf der Suche nach Aufnahmen der Zauberflöte, die die von Mozart gestrichene Kadenz der drei Damen im ersten Satz beinhaltet.
    Rene Jacobs und William Christie haben zwar ein gutes beispiel geliefert, allerdings basieren diese versuche auf die Restauration von Aloys Fuchs und sind deshalb leider nicht authentisch, da Fuchs die Kadenz um 4 Takte erweitert hat. Es fehlen aber nach Mozarts Schreibweise ca. 16-20 Takte, da Mozart eine Doppelseite aus dem Autograph entfernt hat. Dazu gibt es noch ein Paar Probleme in seiner Version. Zum beispiel fehlt im Autograph der Haltebogen zu C bei der zweiten Dame, den er in seiner Restauration vorgibt. ?(

    Sollte es keine authentischen Restaurierungen geben werde ich mich mit meinen 17 Jahren wagen die Kadenz selbst zu vervollständigen. :D

    Trotzdem dürft ihr mir auch Aufnahmen empfehlen, die eine nicht authentische Kadenz beinhalten. ;)

    Ich sag schon mal Danke für eure Antworten. :saint:

  • Hallo,


    soweit ich mich erinnere, ist die Cadenz hier mit eingebaut:




    Les Arts Florissants

    William Christie


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • "Authentisch" kann nur etwas sein, das als Original verbürgt ist. Als Original überliefert ist der Beginn und das Ende der Kadenz (Notentexte unter Durchstreichungen Mozarts, die wohl weiter lesbar sind). Die dazwischen liegenden Takte, Du schreibst von einer Doppelseite, dürften verlorengegangen sein, mithin stellen sich sämtliche Ergänzungen (Fuchs/Haenchen) als Rekonstruktionsversuche dar, sind also nicht authentisch. können auch nicht authentisch sein, solange die in Rede stehende "Doppelseite" nicht auf irgendeinem Dachboden wiedergefunden wird. Den Text von Hartmut Haenchen zu der Thematik kennst Du ja sicher.

  • "Authentisch" kann nur etwas sein, das als Original verbürgt ist. Als Original überliefert ist der Beginn und das Ende der Kadenz (Notentexte unter Durchstreichungen Mozarts, die wohl weiter lesbar sind). Die dazwischen liegenden Takte, Du schreibst von einer Doppelseite, dürften verlorengegangen sein, mithin stellen sich sämtliche Ergänzungen (Fuchs/Haenchen) als Rekonstruktionsversuche dar, sind also nicht authentisch. können auch nicht authentisch sein, solange die in Rede stehende "Doppelseite" nicht auf irgendeinem Dachboden wiedergefunden wird. Den Text von Hartmut Haenchen zu der Thematik kennst Du ja sicher.

    Letztens wurde ja auch aus Mozarts Requiem eine Skizze der Amen Fuge entdeckt. Also denke ich das so ein "Dachbodenfund" gar nicht so unwahrscheinlich ist. ;)

    Und klar bin ich bei meinen Recherchen auch auf Haenchen gestoßen! :D


    Haenchens Rekonstruktionsversuch (http://www.haenchen.net/filead…f/mozart_zauberfloete.pdf) ist schon näher am Original nehme ich an. Allerdings passt diese Version wenig zum restlichen Klangbild der Zauberflöte (Akkordwechsel, Arpeggios, usw...). Trotzdem ist es ein ganzes Stück authentischer als das was man von Fuchs gewohnt ist. Das was Haenchen dort aufs Papier (oder mehr PDF-Datei) gebracht hat ist schon eine sehr gute Überlegung zur "authentischen" Aufführungspraxis. :thumbup::thumbup::thumbup:

  • „Authentisch“ und im „Original“ sind die Takte bewusst gestrichen. Insofern ist jede opi-Einspielung ohne Jacobs und Christies authentischer und originaler als alles andere.


    Die Amen-Fuge re-existiert schon relativ lange (für meine Begriffe), im Sinne eines 17jährigen also noch deutlich länger.


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich könnte die Cadenz wahrscheinlich im Schlaf schreiben, habe aber inzwischen lernen müssen resp. gelernt: vom Komponisten gestrichene Takte gelten als niemals da gewesen. Ich kann allerdings Deine Neugier und Deinen „Hunger" nach bislang unbekanntem - mithin für uns „neuem" - Mozart durchaus nachvollziehen.


    Wenn man die ReKo von z.B. Christie hört, dann erschließt sich dem Hörer sehr schnell, warum Mozart die Cadenz gestrichen hat.


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Ich könnte die Cadenz wahrscheinlich im Schlaf schreiben, habe aber inzwischen lernen müssen resp. gelernt: vom Komponisten gestrichene Takte gelten als niemals da gewesen. Ich kann allerdings Deine Neugier und Deinen „Hunger" nach bislang unbekanntem - mithin für uns „neuem" - Mozart durchaus nachvollziehen.


    Wenn man die ReKo von z.B. Christie hört, dann erschließt sich dem Hörer sehr schnell, warum Mozart die Cadenz gestrichen hat.


    :wink:

    Klar wäre es für mich auch kein großes Problem die Kadenz zu vervollständigen, hab ich auch mehrmals gemacht. Allerdings hab ich immer den Gedanken das meine ReKo nicht in Gedanken Mozarts sind und das nahm mir immer die Motivation und deshalb hab ich mich dann an diesem Forum gewendet, weil ich der Meinung war in diesem Forum Musikwissenschaftler anzutreffen die sich im HIP bereich spezialisiert sind haben und meine Frage beantworten können. :)


    Die ReKo von Christie und Jacobs sind beide von Fuchs. Und ja, ich bin sehr Neugierig oder "Hungrig" nach dem unbekanntem, da ich Mozart erst durch die sensationellen HIP-Operneinspielungen von Jacobs, Gardiner und Currentzis für mich neu entdeckt habe. Neben bei interessiere ich mich auch sehr für die Historische Aufführungspraxis. :D

    Nach einer Legende hat Mozart bei den Proben die Seite aus Wut aus der Partitur gerissen, weil die drei Damen der Uraufführung einfach zu unfähig für diese "scheinbar" äußerst schwierige Kadenz waren. ^^

  • Ich könnte die Cadenz wahrscheinlich im Schlaf schreiben, habe aber inzwischen lernen müssen resp. gelernt: vom Komponisten gestrichene Takte gelten als niemals da gewesen. Ich kann allerdings Deine Neugier und Deinen „Hunger" nach bislang unbekanntem - mithin für uns „neuem" - Mozart durchaus nachvollziehen.


    Wenn man die ReKo von z.B. Christie hört, dann erschließt sich dem Hörer sehr schnell, warum Mozart die Cadenz gestrichen hat.


    :wink:

    Also wäre es für dich kein Problem die Kadenz du rekonstruieren? Ich hatte mich schon vor ein paar Monaten rangewagt und bin einfach nur neugierig was man aus diesem Fragment machen kann. :)

  • Also wäre es für dich kein Problem die Kadenz du rekonstruieren?

    Wie gesagt: nein; aber dieses Jahr nimmer und eigentlich habe ich überhaupt keine Ambitionen. Ein gutes Beispiel für eine dreistimmige Cadenz (allerdings Sopran I, Sopran II, Tenor) bietet das Di tai pericoli non ha aus Davidde penitente. Daran würde ich mich zumindest orientieren.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790