Die Grenzen der Interpretation?!

  • Nun, später Bernstein halt!

    Faszinierend, sehr interessant, aber sehr oft meilenweit von den Angaben des Komponisten (Tempi) in der Partitur weg. Nicht so extrem wie bei den Mahler-Aufnahmen, wenn ich die richtig in Erinnerung habe, z. T. aber beträchtlich!

    • Offizieller Beitrag

    Nun, später Bernstein halt!

    Faszinierend, sehr interessant, aber sehr oft meilenweit von den Angaben des Komponisten (Tempi) in der Partitur weg. Nicht so extrem wie bei den Mahler-Aufnahmen, wenn ich die richtig in Erinnerung habe, z. T. aber beträchtlich!

    Genauso ist das, die erste Sibelius-Ga Bernsteins ist große Klasse; die hier bei der DG "nur" subjektiv ein Bernsteinpsychogramm und als solches interessant.

  • Genauso ist das, die erste Sibelius-Ga Bernsteins ist große Klasse; die hier bei der DG "nur" subjektiv ein Bernsteinpsychogramm und als solches interessant.

    Es ist ja immer die Frage, wie weit man Interpretation fassen darf. Es gibt nun mal die großen „subjektiven“ Interpreten.

    Was Furtwängler z. B. mit Beethoven macht, was der späte Bernstein mit Mahler oder Sibelius macht, ist ja nun rein objektiv weit von den Vorgaben des Komponisten weg. Dennoch ist das Ergebnis faszinierend, ich würde sogar daß Wort „große Klasse“ als Untertreibung bezeichnen, das Ergebnis können nur wenige erreichen.

    Nur fällt es mir schwer, das als Beethoven, Mahler oder Sibelius zu bezeichnen auch wenn es offenbar irgendwie in den Noten steckt.

    Ich glaube, man muß es auch als Hörer entsprechend einordnen. Dazu gehört viel Erfahrung, viel Bildung, viel Offenheit.

    • Offizieller Beitrag

    Es ist ja immer die Frage, wie weit man Interpretation fassen darf. Es gibt nun mal die großen „subjektiven“ Interpreten.

    Was Furtwängler z. B. mit Beethoven macht, was der späte Bernstein mit Mahler oder Sibelius macht, ist ja nun rein objektiv weit von den Vorgaben des Komponisten weg. Dennoch ist das Ergebnis faszinierend, ich würde sogar daß Wort „große Klasse“ als Untertreibung bezeichnen, das Ergebnis können nur wenige erreichen.

    Nur fällt es mir schwer, das als Beethoven, Mahler oder Sibelius zu bezeichnen auch wenn es offenbar irgendwie in den Noten steckt.

    Ich glaube, man muß es auch als Hörer entsprechend einordnen. Dazu gehört viel Erfahrung, viel Bildung, viel Offenheit.

    Das alles ist natürlich ein so weites Feld mit so vielen terminologischen Tretminen, dass man sich kaum traut, sich darauf einzulassen. Was ist Interpretation? Was ist Werktreue? Wie eng bindet eine Partitur bzw. wieviel Freiraum lässt sie? Gibt es etwas anderes als subjektive Interpretationen?


    Bernstein ist natürlich ein Paradebeispiel mit Mahler und Sibelius, weil er da in seinen jeweils zwei Zyklen enorme Unterschiede zeigt, wie ich zuletzt anhand Mahlers Zweiten zusamenfasste: "1963 leidenschaftliche knackige Objektivität; 1987 transzendente epische Subjektivität". Aber schon bei Furtwängler bin ich anderer Ansicht, ich glaube nicht, dass er wirklich weit weg ist; ich bin sicher, Beethoven wäre begeistert gewesen.

  • ich bin sicher, Beethoven wäre begeistert gewesen


    Als Mensch/ Komponist des frühen 20. Jh. vielleicht, als Komponist/Mensch des 18./ 19. Jh.: Ziemlich sicher nicht!


    Warum? Nur die Tempi Furtwänglers konterkarieren die komplette Musikauffasung der Beethoven Zeit, ganz zu schweigen von Artikulation und Phrasierung. Man könnte jetzt ins Feld führen, Beethoven wäre ein großer Neuerer gewesen. Das ist richtig, aber an der grundlegenden zeitgenössischen Auffassung der Musik als rhetorische Kunst hat er zumindest kompositorisch nicht gerüttelt. Er hat vielleicht (unbewußt) Samen gelegt, der 50 Jahre später aufgehen sollte.


    Gerade vor dem Hintergrund seines akribischen Kompositionsstiles von der Skizze bis zur fertigen Partitur erscheint es seltsam zu unterstellen, er hätte Artikulation und Tempi nicht so gewollt, wie von ihm notiert. Ich hebe damit nicht auf seine Metronomzahlen ab, sondern allgemein auf die Satzbezeichnungen, die neben der Affektbezeichnung ja auch kläre Tempobezeichnungen sind.


    Da ist Furtwängler ganz weit weg von der Musikauffassung um 1800 und damit von Beethoven. Er bringt ein interessantes, faszinierendes Ergebnis zustande, das für sich Bestand und großen Wert hat. Interessanterweise macht das ja die Komposition Beethovens möglich. Hier kommen wir nun zwangsläufig zum Werkbegriff: gestehen wir der schriftlichen Hinterlassenschaft eines Komponist in Partiturform eine neue in ihrem Kosmos ruhenden Werkcharakter zu oder sprechen wir erst von Werk, wenn es jedesmal aufs Neue erklingt? Mir ist bewußt, daß mit dieser frage das nächste Faß geöffnet wird!


    Für meine Person kann ich sagen, daß Furtwängler mit seiner Interpretation ein Werk geschaffen hat. Allerdings ist das aus meiner Sicht nicht Beethoven oder Beethovens Werk, vielmehr ist es Furtwängler, sein Werk, eine Bearbeitung Beethovens vor dem Hintergrund des Menschen Furtwänglers mit seiner ganzen Sozialisation. Nicht ganz so weit gehend wie Zenders Beabeitung der Schbuertschen Winterteise etwa aber doch auf dem Weg dorthin! Dadurch wie durch jede Auseinandersetzung mit einem Werk werden neue Aspekte des ursprünglichen Werkes sichtbar


    Eben vor diesem Hintergrund hat Furtwängler auch seine Berechtigung, vor diesem Hintergrund hat omi generell ihre Berechtigung.