Junghanns, Rolf (1945-1993): Clavier

  • Zu den Wegbereitern der historisch informierten Aufführungspraxis gehört meines Erachtens auch Rolf Junghanns (1945-1993). Rolf Junghanns studierte an der MH Freiburg historische Tasteninstrumente bei Fritz Neumeyer (1900-1983) und wurde Spezialist auf diesem Gebiet. Nach dem Tod seines Lehrers erbte er dessen Sammlung historischer Tasteninstrumente, welche er zusammen mit dem australischen Cembalisten Bradford Tracey (1951-1987) betreute und die nach Junghanns' Ableben sich heute unter der Bezeichnung Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloß Bad Krozingen präsentiert. Das Schloß ist im Besitz von Frau Klaraliese von Gleichenstein, einer Nachfahrin von Beethovens Freund Ignaz Freiherr von Gleichenstein (1778-1828). Diesem Freund widmete Beethoven seine 1807/1808 komponierte Sonate für Violoncello und Hammerclavier A-Dur op. 69.


    Eine Einspielung dieser Sonate, gemäß dort angebrachtem Vermerk die 'Erstaufnahme auf Originalinstrumenten', ist auf CD erhältlich:



    Ludwig van Beethoven (1770-1827)


    Sonate A-Dur für Violoncello und Hammerclavier op. 69
    Sieben Variationen Es-Dur WoO 46
    Zwölf Variationen F-Dur WoO 60


    Rolf Junghanns, Hammerflügel Michael Rosenberger, Wien c1820
    Zoltan Racz, Violoncello Matteo Gofriller, Venedig 1711


    Diese Aufnahme von 1978 ist wirklich mehr als zu empfehlen, da kann so manche moderne HIP-Einspielung einpacken: Der Farbenreichtum des verwendeten Instruments, ganz zu schweigen vom instrumentalen Können der Ausführenden, ist einfach nur herrlich anzuhören. Wie bedauerlich ist es doch, daß nicht alle Cellosonaten von diesem Duo eingespielt wurden.


    Leider finde ich ansonsten wenig: noch eine CD mit Claviersonaten Mozarts (KV 282, 330, 331 u. 545), die offenbar ebenfalls auf dem Rosenberger-Flügel präsentiert werden (zumindest nach dem Coverbild zu urteilen, das hoffentlich nicht in die Irre führt):



    Zusammen mit Rainer Kussmaul spielte er auch Violinsonaten Mozarts (KV 454 und 526) ein, daneben Werke von Johann Sebastian Bach auf dem Clavichord, Werke des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel mit Konrad Hünteler (Flöte), sowie vierhändige Clavierwerke von Mozart, Beethoven und Carl Maria von Weber zusammen mit seinem Compagnon Bradford Tracey.


    Kennt jemand eventuell die ein oder andere dieser Einspielungen?


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)