Yoricks Nachtgedanken bei Tage

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    Meine Frau und ich streben in Wolfenbüttel einem Tisch draußen vor dem Ratskeller zu; als sich eine touristische Vierergruppe frech vordrängelt und sich einfach unseres potenziellen Mittagstisches bemächtigt. Überall voll, nur an einem Tisch sitzt ein einzelner Mann; eigentlich ein Herr, wie mir scheint. Ich frage höflich, ob wir Platz nehmen dürfen und er bejaht freundlich. Ohne Gelegenheit zu haben, ihn ins Gespräch zu ziehen; hat er es schon eröffnet, in dem er meine Frau ansprach, während ich schnell mal für kleine alternde Studienräte gehen musste.


    Ich habe ja so meine Probleme mit den Menschen aus den alten Bundesländern; vor allem, wenn sie offenkundig sozial höheren Schichten angehören und sich für weltoffen und gebildet halten. Dieser hier war gut gekleidet; elegant, aber dennoch bodenständig; zum gut gewählten gesunden und schmackhaften Essen trank er wenigstens zwei Gläser Wein. Er sprach distinguiert, aber in natürlicher Art und Weise und ganz und gar nicht übertrieben oder angemaßt. Er war mir trotz anfänglicher Vorbehalte dennoch bald sympathisch: Es ist eben immer eine Wohltat; mit einem wirklich gebildeten, kultivierten Menschen plaudern zu dürfen; zumal in der von mir jüngst beschriebenen Atmosphäre von Wolfenbüttel.


    Und es stellt sich heraus; dass er abends in der Stadtbibliothek eine Lesung abhielt und zwar aus seinem neuesten Buch „Die Toten von Fehmarn“, das er wie seine vorherigen Krimis alle als Eric Berg veröffentlicht hatte. Ich echt und auf den früheren Büchern heißt er Eric Walz, wie ich später Wikipedia entnahm: Ich kannte ihn nicht, das ist immer ein furchtbar peinlicher Augenblick; das einem Autor vis-à-vis eingestehen zu müssen; aber er reagierte souverän. Nach dem Gesprächsverlauf war ihm schon klar, dass ich eher andere Bücher las; ohne seine Genres und Ansätze geringzuschätzen. Er kann von seinen Büchern leben; aber nur, weil er bereits seit Jahrzehnten etabliert ist und mit dem sogar verfilmten „Das Nebelhaus“ vor knapp zehn Jahren einen richtigen Bestseller abgeliefert hat. Als neuer Autor, jung oder alt; habe man heute kaum eine Chance mehr, sich auf dem Buchmarkt zu positionieren.


    Er hat trotz frühem Wunsch, Schriftsteller zu werden; ein unruhiges vielgestaltiges Leben geführt; bevor er vor 20 Jahren mit historischen Romanen begann. Er stammt aus Hessen, seine Oma wohnte in der hessischen Rhön; das war auch der Gesprächsaufhänger; weil auf dem Cousinentreffen meiner Frau in einem Dorf unweit Wolfenbüttels auch viele aus der thüringischen Rhön anwesend waren. Er lebte später lange in Berlin und Spanien und nun ausgerechnet im Wendland zwischen Dannenberg und Lüchow-Dannenberg; also dort, wo wir vor drei Jahren in Hitzacker den schönsten Urlaub meines Lebens absolvierten und eben Herzog August die später nach ihm benannte Bibliothek zu Wolfenbüttel präfigurierte. Was für Koinzidenzen!

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    Wolfenbüttel, um das Thema abzuschließen, gehört den wenigen Städtchen, in denen es sich für einen wie mich aushalten ließe. Die niedersächsische Landschaft drumherum liegt mir sehr; in der Stadt ist es ruhig und nicht viel los, dennoch ist sie verhalten schön mit ihrer Innenstadt, der imposanten Kirche und natürlich den vielen Gebäuden der Herzog August Bibliothek. Der morbide Charme einer langsam verfallenden, überalternden und irgendwann sterbenden Stadt nimmt mich sehr für sie ein. Eine Stadt wie für mich gemacht.


    Wenn man als Büchermensch in Deutschland lebt und die universitären Großbibliotheken ausklammert, hat man gar nicht so viele Bibliotheken ersten Ranges, die aufzusuchen Pflicht sein und in deren Nähe und Dunstkreis man eigentlich leben und wohnen sollte. Für mich gehören neben der Bibliotheca Augusta die heimische Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek im benachbarten Weimar dazu und die Stiftsbibliothek Waldsassen in der Oberpfalz.


    Ich bin ja trotz meiner vielen Jahrzehnte im Reußischen Oberland, fern jeder Bibliothek und anderen kulturellen Einrichtung, außerordentlich glücklich, nun im Auge des geistesgeschichtlichen Orkans deutscher Kultur leben zu dürfen; im Mittelpunkt des Dreiecks Jena-Weimar-Naumburg; also geniegeografisch mit Wieland, Herder, Goethe, Schiller, Nietzsche an einem imaginären Tisch sitzen und speisen zu können; ich natürlich nur unsichtbar anbetend am Katzentisch. Ähnlich und quasi als Vorläufer des Ereignisses Jena-Weimar muss man sich in Wolfenbüttel fühlen, wo Leibniz und Lessing als Bibliothekare wirkten und an ihren Werken arbeiteten.

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    Beim belgischen Althistoriker David Engels heißt es im Klappemtext des lesenswerten Buches "Renovatio Europae. Für einen hesperialistischen Umbau Europas":


    "Masseneinwanderung, Werteverfall, Gender Mainstreaming, Radikalisierung, Parallelgesellschaften, Parteienkartelle, gesellschaftliche Polarisierung, Schuldenberge – wohin man auch blickt: Europa verfällt vor unseren Augen; der politisch korrekte Universalismus hat uns an den Rand des Abgrunds geführt.


    Es ist höchste Zeit für eine Rückbesinnung auf jene Werte, die das Abendland einst groß gemacht haben, wollen wir das Schlimmste verhindern.


    Dies geht nur über einen fundamentalen Neubau Europas auf Grundlage einer politischen Überzeugung, die wir »Hesperialismus« nennen wollen:


    Wir brauchen zwar ein Europa, das stark genug ist, den einzelnen Nationalstaat vor dem Aufstieg Chinas, der demographischen Dynamik Afrikas, der gespannten Beziehungen zu Rußland und der Radikalisierung des Nahen Ostens zu schützen. Aber ein solches Europa wird nur dann Akzeptanz finden, wenn es treu zur abendländischen Tradition steht und diese nicht zugunsten eines chimärischen multikulturellen Universalismus bekämpft.


    Verteidigung der natürlichen Familie, strenge Regulierung der Zuwanderung, Rückkehr zum Naturrecht, Sicherung eines sozialverträglichen Wirtschaftsmodells, radikale Durchsetzung der Subsidiarität, Wiederbelebung der kulturellen Wurzeln unserer Identität und Erneuerung unseres Sinnes für das Schöne – dies sind, in wenigen Worten, die programmatischen Grundpfeiler eines solchen neuen, »hesperialistischen« Europas."


    Natürlich ist es dafür längst zu spät. Engels vergisst; muss man das Problem derart thematisieren und eine Rückbesinnung einfordern; ist der Zug längst abgefahren. Was sich nicht von selbst aus sich heraus entwickelt, sozusagen organisch und unreflektiert; ist dem Untergang geweiht. Er hat mit allem Recht, die Analyse stimmt; aber was nützen Traditionsknüpfungen im Nachgang, wenn die Wurzeln längst zerschnitten sind? Kein Indianer Noramerikas hat durch eine Rückbesinnung auf die Kultur der First Nations die alte Welt vor Kolumbus wiederherstellen können. Was bleibt, ist Folklore. Und vielleicht ein Kulturreservat, wie es Arno Schmidt in "Die Schule der Atheisten" vorgedacht hat, noch im Schatten des Kalten Krieges; aber man sieht ja, so abwegig war das gar nicht.

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    Ich liebe das mundartliche nacksch, laut Internet erzgebirgisch; aber ich kenne das aus dem gesamten mitteldeutschen Raum. Aber im Gegensatz zum hochdeutschen nackt, das immer neben anderem auch voyeuristisch, erotisch und überhaupt irgendwie aufgeladen ist hormonell, soziologisch oder machtstrukturell; führt das Nacksche immer wieder wie selbstverständlich zum Natürlichen zurück, das die Nacktheit eigentlich darstellt.

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    Adson von Melk hat als blutjunger Novize ein einziges Mal geliebt und zwar im Film ein namenloses italienisches Bauernmädchen aus sozial prekären Verhältnissen; also bettelarm und verwahrlost in einer degenerierten Familie unterhalb des Klosters lebend. Ich habe nicht nur einmal geliebt, aber ganz entschieden doch auch sehr früh jenes Mädchen, das von Valentina Vargas gespielt wurde.


    Sie taucht außerhalb ihrer wichtigsten Szene nur für Sekunden auf; und auch der Liebesakt in der Küche nachts dauert kaum länger als eine Minute; aber wie vielen damals Gleichaltrigen dürften sich diese intensiven Momente auch noch anderen eingebrannt haben. Die tiefschwarzen wirren Haare, der junge schöne Leib; die handlichen Brüste und der feste Hintern - ich war hin und weg; auch weil die beiden Schauspieler überzeugend agierten und die wilde Liebe und Lust des Mädchens so natürlich rüberkam. Und wer kann ihr Gesicht am Ende vergessen, als sie dastand wie die Jungfrau Maria; sie hätte gut in Pasolinis Il Vangelo secondo Matteo gepasst.


    Valentina Vargas hat später nicht wirklich Karriere gemacht im Filmgeschäft; am Talent, Aussehen und ihrer Ausstrahlung kann es nicht gelegen haben. Die Chilenin war die perfekte Besetzung für das arme italienische Bauernmädchen. Der US-Amerikaner Christian Slater gab einen stimmigen Deutschen Adson von Melk; der blinde uralte Spanier Jorge de Burgos wurde gar von von einem Russen, Fjodor Schaljapin, gespielt. Da stimmte national gesehen der William von Baskerville Sean Connerys bedeutungsschwanger schon viel eher. Aber so geht es, wenn ein Franzose den Roman eines Italieners verfilmt.


    Und erinnern wir uns, was Umberto Eco seinen fiktiven Erzähler sagen lässt im Vorwort: Was man vor sich habe, ist „die deutsche Übersetzung meiner italienischen Fassung einer obskuren neugotische-französischen Version einer im 17. Jahrhundert gedruckten Ausgabe eines im 14. Jahrhunderts von einem deutschen Mönch auf lateinisch verfassten Textes.

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    Eine sehr gute Freundin meiner Frau klagt über ihr Kind an der Universität: Nicht über Faulheit, nicht über finanzielle Abenteuer, Promiskuität, Wäscheberge oder Alkohol- und Drogeneskapaden; sondern ganz schlicht über politische Radikalisierung und Gehirnwäsche. Früher sei die Tochter lieb und nett gewesen; immer schon eher links orientiert; aber doch verträglich.


    Jetzt fahre sie die knallharte Linie des links-grünen Hardecorelagers, was auch nicht weiter schlimm wäre, wenn sie nicht so unduldsam auf Konfrontation ginge; nicht mit sich reden lasse und jegliche sachliche Diskussion im Keime ersticke durch aufrührerische, anklagende Reden. Die Alten, die Erwachsenen, seien an allem schuld; sie seien in der Bringepflicht; es müsse enteignet werden, knallhart vorgegangen gegen alle Faschisten, wozu sie freilich gut die Hälfte des deutschen Volkes zählt. Zur Not halt auch mit Gewalt, das ginge ja nicht anders.


    Ich muss dann immer lächeln, wenn ich sie tröste; es wäre nie anders gewesen; die Universität sei ein luftleerer Raum; eine Art Elfenbeinturm auch für nicht Gelehrte; hier schössen schon immer die krausen Ideen ins Kraut; hier gediehen schon immer die Revolutionen der Welt, geführt von bürgerlichen Intellektuellen, die die Welt nur aus Büchern kennen und sie für eine gestaltbare halten; nicht ohne dabei über die Leichen von Millionen einfachen Arbeitenden zu gehen. Erst die Wirklichkeit des Lebens außerhalb der Universität holt die jungen Menschen wieder zurück auf den Boden der Tatsachen; wer freilich alle Jahrzehnte seines Berufslebens dort verbringt, wird nie erwachsen werden.

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    Nicht immer schon oblag ich nur den hier schon so oft erwähnten Bereichen der Geistes-, Gesellschafts-, Kultur- und Sozialwissenschaften; bis in die EOS hinein fesselten mich die Naturwissenschaften auch; neben Biologie und Chemie besonders die Physik und ganz besonders die Astronomie. Meine Abkehr erfolgte in der 11. Klasse, als sich in allen diesen Fächern erwies, dass man ohne ordentliche Kenntnisse der höheren Mathematik in keinem fortkam und reüssieren konnte; es wurde unglaublich viel gerechnet und jede höhere Theorie erschien in noch abstrakterer Gestalt von Formeln und Gleichungen; Ableitungen, Stochastik, Integral- und Differentialrechnung inklusive. Das war ganz eindeutig nichts für mich; ich liebe die Mathematik; aber sie liebt mich nicht.


    Aufgegeben habe ich aber bewusst auf Grund eines Erweckungserlebnisses in tiefer Nacht: Ich saß mit 17 Jahren im Frühsommer draußen im Garten; der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir; als mich plötzlich schauderte, nicht weil mich das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume ankam; sondern die Erkenntnis, dass diese unermesslichen Räume da droben mit ihrer ebenso unermesslichen Zeit nicht für das menschliche Gehirn geschaffen schienen. Sie gingen den Menschen nichts an, sie waren für ihn nicht fasslich und fassbar; diese Dimensionen machten einen schwindeln und trieben einen womöglich ins Irrenhaus vor der Zeit. Da habe ich, der ich mit Vater so gerne mit dem Teleskop in die Sterne blickte, Bücher über Astronomie las; Dokumentationen dazu im Fernsehen sah; beschlossen; mich fürderhin nicht weiter damit zu befassen, die Finger davon zu lassen und mich auf den Menschen und seine Zeit und Möglichkeiten zu konzentrieren.


    Und nun lese ich etwa bei Michel Houellebecq in seinem Roman Unterwerfung, wie Robert Rediger, der neue islamische Präsident der Pariser Universität, versucht, den Erzähler François zu überzeugen, zum Islam überzutreten, damit er wieder an der Universität als Literaturwissenschaftler arbeiten könne. Die meisten Menschen im Westen würden sich nicht mit Religion, Ethik, Philosophie befassen; sie denken nur daran, wenn sie mit einer dramatischen Situation konfrontiert sind, einer schweren Krankheit, dem Tod eines Angehörigen. Aber in Wahrheit hätte der Atheismus nicht einmal im Westen eine solide Grundlage.


    Wenn ich mit Menschen über Gott spreche, leihe ich Ihnen im Allgemeinen als Erstes ein Buch über Astronomie. (...) Ja, die Schönheit des Universums ist bemerkenswert, und insbesondere seine unvorstellbare Größe ist unfassbar. Hunderte Milliarden Galaxien, von denen jede aus Hundert Milliarden Sternen besteht, die zum Teil Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt sind – Billionen von Billionen Kilometer. Und auf der Ebene von einer Milliarde Lichtjahren beginnt sich eine Ordnung auszubilden: Die galaktischen Haufen verteilen sich so, dass sie sich zu einem labyrinthischen Bild formen. Konfrontieren Sie einhundert zufällig auf der Straße ausgewählte Passanten mit diesen wissenschaftlichen Fakten: Wie viele von ihnen haben die Stirn zu behaupten, das alles sei aus Zufall erschaffen worden? Zumal das Universum relativ jung ist – bestenfalls 15 Milliarden Jahre. Hier greift das berühmte Theorem des endlos tippenden Affen: Wie lange müsste ein Schimpanse zufällig auf einer Schreibmaschine herumtippen, um die Werke William Shakespeares entstehen zu lassen? Wie lange würde ein blinder Zufall benötigen, um das Universum wieder entstehen zu lassen? Ganz sicher mehr als 15 Milliarden Jahre. […] Ist es im Grunde nicht lächerlich, wenn diese mickrige Kreatur, die auf einem unbedeutenden Planeten in einem Seitenarm einer ganz gewöhnlichen Galaxie lebt, sich auf seinen Beinchen aufrichtet und verkündet ‚Es gibt keinen Gott‘? … “


    Wäre es also möglich, dass ich seinerzeit vor 35 Jahren nicht einfach vor naturwissenschaftlichen Fragestellungen und höherer Mathematik kapituliert habe, sondern vor der Erkenntnis; dass es doch unmöglich keinen Gott geben könne? Und das, obwohl ich damals außerhalb des rein kulturhistorischen Interesses rein gar nichts von Gott wusste, nicht einmal von der schlichten Möglichkeit seiner Existenz?

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    Ich finde es großartig, dass man bei AmazonPrime neben der FSK-Einstufung auch eine Inhaltsempfehlung abgibt der Art "Nacktheit, Rauchen, Alkoholkonsum, Gewalt, Schimpfwörter" etc.; es gibt sicher noch mehr Interesse weckende Termini. Da weiß man wenigstens gleich, ob es sich lohnt; den jeweiligen Film zu schauen.

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    Hans Blumenberg meint, man müsse drei Bücher gelesen haben des 20. Jahrhunderts, wenn man sich mit Philosophie und überhaupt dem Denken beschäftigt: Edmund Husserls "Logische Untersuchungen" (1900/01); Martin Heideggers "Sein und Zeit" (1927) und Arnold Gehlens

    "Der Mensch, seine Natur und seine Stellung in der Welt" (1940).Von Husserl habe ich anderes gelesen, Heideggers Buch hatte ich mehrfach unter den Augen und von Gehlen kenne ich fast alles, also natürlich auch sein Hauptwerk. Es gibt nur ein Problem: Lesen und verstehen sind zwei verschieden Paar Schuhe.

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    Den Ausnahmefilm Die Verurteilten hatte ich hier bezüglich der dortigen Bibliothek schon einmal zitiert; es gibt aber eine Szene, die alles in den Schatten stellt:

    Tim Robbins als Inhaftierter Andy Dufresne legt eine LP auf, deren Musik er unbefugt über Lausprecher den Mithäftlingen zu Gehör bringt. Diese lauschen überall in den Gemäuern und auf dem Hof regungslos dem Briefduett „Sull'aria … Che soave zeffiretto“ aus Mozarts "Le nozze di Figaro" (aufgenommen von der Deutschen Oper Berlin, unter der Leitung von Karl Böhm, gesungen von Edith Mathis und Gundula Janowitz); während sich die Wachen mit brutaler Gewalt den Weg zum entspannten Discjockey freischlagen. Sein Freund, der von Morgan Freeman gespielte Ellis Boyd „Red“ Redding dazu:


    "Bis zum heutigen Tage weiss ich nicht, wovon die beiden italienischen Damen gesungen haben. Um die Wahrheit zu sagen, ich wills auch garnicht wissen. Es gibt Dinge, die müssen nicht gesagt werden. Ich will annehmen, dass sie von etwas so schönem gesungen haben, dass man es nicht in Worte fassen kann. Und dass es direkt ins Herz geht. Ich sage Ihnen, diese Stimmen sind höher gestiegen, als man je an einem so trostlosen Ort zu träumen gewagt hätte. Man hatte den Eindruck als wäre ein wunderschöner Vogel in unseren freudlosen Käfig gefallen und hätte die Mauern zum Einstürzen gebracht. Im Bruchteil einer Sekunde hatte jeder hier in Shawshank das Gefühl frei zu sein."


    Andy bezahlt diesen kurzen Moment des Glücks mit einer furchtbaren Tracht Prügel und Isolationshaft. Später versucht er es den anderen zu erklären; warum es das wert war:


    "Ich hatte es hier drin. Und da drin. Das ist das Schöne an Musik, sie können sie dir nicht nehmen. Habt ihr über Musik nie sowas empfunden? Man braucht Musik, um nicht zu vergessen.... um nicht zu vergessen dass es noch Orte auf der Welt gibt, die nicht aus Stein sind. Dass in deinem Inneren etwas ist, was sie nicht kriegen können. Das dir allein gehört."


    Leider wissen wir aus den Lagern des 20. Jahrhunderts; dass das wohl auch nur ein frommer Wunsch ist. Die Menschlichkeit stirbt zuerst, der Mensch verliert seine Würde. Aber wenn es etwas gibt; an das er sich neben Mitmenschlichkeit und Kameradschaft halten kann, dann ist das die Kunst.

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    Wie hinlänglich bekannt bin ich kein großer Freund des Reisens, von Menschenansammlungen, Krach und Lärm. Aber es gibt ganz wenige Ausnahmen; wo ich das alles in Kauf nehmen würde. Übermorgen beim Finale der Europa League 2022 im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, der Heimspielstätte des FC Sevilla, sein zu können, wenn die Glasgow Rangers auf die Frankfurter Eintracht treffen, wäre so ein Ausnahmefall. Ganz egal, dass ich nach wie vor ein Gegner dieser europäischen Wettbewerbe bin, die jene von früher nicht ersetzen können und nur der Geldmacherei dienen; egal, dass die beiden Mannschaften mir eigentlich egal sind prinzipiell; egal, dass ich fliegen oder lange fahren müsste; egal, dass dort kein schöner Fußball geboten werden wird.


    Das ist alles egal; weil man ganz sicher ein proppenvolles Stadion im ohnehin schon heißblütigen Andalusien erleben wird; dessen 43.833 Plätze man sicher der Nachfrage wegen verdoppeln oder gar verdreifachen hätte können ohne Not; ein Stadion, dass aller Voraussicht nach besetzt sein wird zu gleichen Teilen mit den Fans und Anhängern zweier Mannschaften, die sich schon häufiger in der europäischen Fußballgeschichte ausgezeichnet haben als besonders leidenschaftlich, lautstark, hüpffreudig, trinkfest, treu und kampferprobt. Beide Fanlager treten gern in Massen auf und beide sind auch keine Kinder von Traurigkeit; sie trinken, singen und schlagen sich gern. Mit einem Wort, sie sind richtige Fußballfans; denen man gerne mal die Daumen drückt; auch wenn es nicht um die eigene Mannschaft geht.


    Bei den Glasgow Rangers weiß man, warum deren Fans so sind wie sie sind; das liegt einfach an der schottischen Mentalität; den ethnischen, religiösen und politischen Besonderheiten; die sie zum Beispiel vom gehassten Erzrivalen Celtic unterscheiden. Woher das bei der Eintracht aus Frankfurt kommt; dass man in Kopenhagen fast eine Tribüne zum Einsturz bringt im gemeinsamen Rausch; weiß ich freilich nicht. Die Stadt Goethes, in der man die römisch-deutschen Könige wählte; ist der schottischen Hafenstadt nicht zu vergleichen, die aktive Fanszene allerdings schon. Wenn also in Kürze das Fahnenmeer in Rot-Schwarz-Weiß und Blau-Weiß-Rot fast ununterscheidbar weht in der andalusischen Hauptstadt und aus erzenen Kehlen gälische und hessische Laute die Lüfte wahnsinnig machen, sitze ich leider nur vor dem Fernseher und drehe die Regler hoch.

  • Ich verfluche die Tage in den letzten zehn Jahren, an denen ich meine Bibliothek ausgemistet habe und auch noch stolz war auf mich; ich Rindvieh; foltern und schlagen, teeren und federn müsste man mich noch heute und zwar stündlich. So viele Bücher hatte ich von Will-Erich Peuckert; eines spannender als das andere; und nun ist keines mehr da, kein einziges. Schande über dich, dummer alter weißer dicker Yorick; Fluch über dich bis ins letzte Glied, mögen deine Hände verdorren, die so kühn aussonderten, was tausendmal gescheiter war als jedes deiner eigenen Worte.

    „Es gibt nur zwei Rassen: die geistige und die ungeistige.“ Ernst Barlach

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    Ich aber sage euch; es wird die Zeit kommen, da all die Leute; die derzeit Hunde haben wollen, die nicht bellen, haaren, Rangordnungen in Frage stellen, überall hinkacken, stören und womöglich nicht kinder- und familientauglich sind; den Züchtern die Türen einrennen, die noch herkömmliche, richtige Hunde haben; Hunde, die bellen, wenn sich ein Fremder dem Grundstück nähert; Hunde, die furchtlos nach vorne gehen auf eine vermeintliche oder echte Gefahr zu; Hunde, die zubeißen, wenn es die Situation erfordert; Hunde, die nicht wieder loslassen, wenn es nicht anders geht; Hunde, die töten, wenn dies der letzte Weg ist, um die eigene Familie zu beschützen. Also wird es werden und schwer, denn diese Züchter werden rar sein; denn wie man vor über 30 Jahren die guten ostdeutschen Schäferhund (quadratisch, praktisch, gut) in alle Welt verscherbelt hat, um sich auf den viel zu großen und zu schweren westdeutschen Schäferhund mit dem schrägen Rücken und dem Watschelgang zu werfen; sodass nun kaum noch Blutlinien des arbeitsamen, gesunden und festen Osthundes zu finden sind; so wird man auch die richtigen Hunde, die tun, wozu sie über Jahrtausende gehalten und erzogen wurden; nur noch an den entlegensten Enden dieser Welt finden. Und man wird sie teuer bezahlen müssen.

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    Früher habe ich mich doch tatsächlich gefragt; ob junge Germanisten noch Hebel und Hebbel unterscheiden können und also nicht Johann Peter Hebel (1760- 1826), den großartigen Prosaisten und Weltweisen; und Friedrich Hebbel (1813-1863), den bedeutenden Dramatiker, den verkannten Lyriker und den begnadeten Tagebuchschreiber, miteinander verwechseln. Denn zum Allgemeingut zählen sie beide nicht mehr, nicht der Verfasser der Kalendergeschichten; der ein Deutsch schrieb, das ihn neben die allergrößten Stilisten nicht nur seiner Epoche, sondern der ganzen deutschen Literaturgeschichte stellt; nicht der Dramatiker, der neben Kleist, Büchner, Grabbe, Grillparzer, Hauptmann singulär steht im 19. Jahrhundert. Aber dann fällt mir ein; dass die jungen Literaturwissenschaftler natürlich beide nicht mehr kennen; und ich atme auf und werde wieder ruhig. Die Welt des Geistes ist überschaubarer geworden; die des Ungeistes freilich nicht.

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    Manchmal ist Politik eine einfache Gleichung, eine Milchmädchenrechnung: Ohne die Migrationspolitik und Flüchtlingskrise gäbe es die AfD als politischen Faktor nicht. Und sobald einmal richtig am Wohlstand breiter Massen gekratzt wird, dass auch die Mittelschicht plötzlich in soziale Not gerät und innere wie äußere Probleme existenziell werden, bricht das links-grüne Kartenhaus in sich zusammen und kein Hahn wird mehr nach den heute so Tonangebenden krähen.


    Sobald Energie, Kraftstoffe und Lebensmittel so teuer werden; dass man sie sich selbst im Mittelstand nicht mehr leisten kann; wird es wie von selbst einen Umbruch geben. Letztlich will der brave Bürger nur, dass der Strom bezahlbar aus der Steckdose kommt: dann ist ihm egal, ob der aus alternativen Energien; fossilen Brennstoffen oder gar mittels Kernkraft gewonnen wird. Und ihm wird ebenfalls egal sein, ob Tiere artgerecht gehalten werden, nicht gequält und industriell verwurstet; Hauptsache, man kann sich das Fleisch an der Kühltheke regelmäßig leisten. Und ob das Gas oder Öl vom bösen Russen kommt, ist dann auch egal; solange die Wohnung warm ist und Diesel wie Benzin erschwinglich bleiben.


    Und plötzlich wird sich auch das Verhältnis zu Migranten und Angehörigen des einheimischen Prekariats ändern; denn in existenziellen Krisen duldet man keine Nichtstuer an den Fleischtöpfen. Und völlig egal wird dann sein; ob sich jemand diskriminiert fühlt; beleidigt oder isoliert; keine Sau wird es mehr interessieren; ob dieses oder jenes Wort politisch korrekt ist oder diese oder jene Handlung; niemand wird mehr auch nur einen Gedanken verlieren an Gendern, an politische Utopien, an völlig abstruse Menschenbilder und so naive wie wirklichkeitsfremde Ideologien. Mangel und Not, was bei uns im Westen nur heißen muss, dass man nicht mehr Auto fahren kann oder der Fernseher nicht mehr geht; treiben den Teufel nicht etwa durch Beelzebub aus; sondern durch Gott höchstselbst; den Gott des wahren und richtigen Lebens.


    Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. So war es immer und so bleibt es immer! Wer anderes behauptet, bleibt bis heute den Beweis schuldig; in der Geschichte der Menschen und auch der Menschheit gibt es keinen einzigen Beleg. Die gefährlichen Fantasien der gegenwärtig herrschenden Klasse entspringen unserem Wohlstand; dessen Vorzüge zu genießen es offensichtlich einer Art Ablasshandel bedarf. Man will sich im Westen gut fühlen, während der Rest der Welt schlechter lebt und weniger Ressourcen der folgenden Generationen verbraucht. Dieses Bedürfnis ist so stark, dass wirklich nur Not und Elend hier abhelfen können.

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    Michael Klonovsky bemerkt anlässlich der Rezensionen zum lange erwarteten neuen Roman Uwe Tellkamps: "Merke: Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist."


    Vielleicht kommt der Verfall des Journalismus nirgendwo so deutlich zum Ausdruck als bei der Literatur- bzw. überhaupt Kunstkritik; weil sich hier ideologische Verbohrtheit, Ignoranz, Dummheit, Unbildung und Hoffart ein Stelldichein geben. Ich schrieb es schon häufiger in diesen Blättern aus verschiedenen Gründen und Anlässen, dass man ohne literarische Bildung, ohne Bildung, sei nun klassisch oder nicht; überhaupt, schwerlich in der Lage sein wird, den Kunstrichter zu geben und ästhetische Urteile zu fällen. Da ist es wesentlich leichter, sich am Inhalt hochzuziehen und politisch-ideologische Klassifizierungen vorzunehmen. Von einem vorurteilsfreien und wenigstens gewolltem objektiven Herangehen an ein Buch oder ein Kunstwerk ganz zu schweigen.


    Bei Autoren von Rang wie eben Uwe Tellkamp, aber auch Monika Maron oder Sibylle Lewitscharoff, ist es inzwischen völlig egal; wie gut ihr neues Buch in künstlerisch-ästhetischer Hinsicht ist; die Kunst taucht allenfalls auf Nebenkriegsschauplätzen auf; die Hauptkampfhandlungen werden auf dem Felde der ewigen Wahrheiten geführt. Und die kennt der Rezensent und misst das besprochene Buch daran; ob es inhaltlich wenigstens ansatzweise diesen Vorstellungen entspricht. So nicht, erfolgt der Bannfluch; in den hier beschriebenen Fällen schon vor jeder Lektüre; denn die politischen Meinungsäußerungen der neuen Dissidenten stehen ja schon länger im Raum und müssen immer und immer wieder herangezogen werden für jede Art denkbare Bewertung und Einordnung.


    Jeder Schüler, zumindest bei mir; lernt ab spätestens der 5. Klasse; dass man den Autor mit dem Erzähler und den handelnden Personen und Figuren nicht gleichsetzen darf. Das große Spiel im Roman ist zunächst einmal immer Fiktion und jede Rede ist eine Rede innerhalb des Werkganzen. Der Schriftsteller, der das alles schreibt; mag ganz anders denken oder genauso; das ist völlig unerheblich. Man kann dessen Biografie bemühen und ja, man kann auch dessen gesellschaftspolitischen Einstellungen thematisieren; zumal, wenn er sie öffentlich verlautbart hat. Aber sie sind nicht der Gradmesser für Kunst; nicht die Achse, um die sich eine Rezension drehen soll. Politisches kann ein Aspekt unter vielen sein; keinesfalls aber die Richtlinie für Kritik. Kunst und Moral, das ist ein uraltes Thema; das lösen wir hier nicht auf. Für den Rang einer Prosa sind ethisch-moralische Kriterien nebenrangig bis unwichtig.


    Wenn es dann aber soweit kommt, wie nun bereits Usus; dass man einem Autor vorhält, wo er publiziert; welchen Verlag er nutzt; mit wem die Leute, mit denen er bekannt ist; wiederum noch so bekannt sind; und das alles inkriminiert und gegen nicht nur ihn, sondern überhaupt alle seine künstlerischen Zeugnisse wenden will; dann hat das Niveau seinen Tiefpunkt erreicht; Hand in Hand mit Inquisition und politischer Polizei totalitärer Regime. Die wenigen, die das Buch überhaupt lesen; rücken den Seiten wie Grundschulkinder mit dem Finger oder dem Lineal unter der Zeile zu Leibe, um nur ja zu prüfen, ob etwas Verfassungsfeindliches drinsteht. Wäre ja kein Wunder, bei DER Vorgeschichte; da könne man es wenigstens gleich verbieten.


    Ich bin mit Uwe Tellkamp auch gesellschaftspolitisch der gleichen Meinung; unabhängig davon, dass ich ihn für einen der bedeutendsten Autoren der Gegenwart halte. Seinem „Gegenspieler“ Durs Grünbein kann ich dagegen überhaupt nicht folgen; das ändert aber nichts daran; dass ich ihn als Künstler, Lyriker wie Prosaisten, sehr wertschätze, ja verehre. Mir würde im Traum nicht einfallen, dessen Bücher zu besprechen und von meinem Aversionen gegenüber dessen politischer Haltung Gebrauch zu machen. Im Gegenteil: Ich täte alles, um nur ja nicht ins verfälschende ideologisierende Fahrwasser zu geraten. Diese Scheu ist an den Rezensenten der großen bundesdeutschen Blätter nicht zu beobachten.

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    Heute Morgen mit dem Hund wie fast jeden Tag den sattsam bekannten Weg hinunter zur Ilm genommen über einen Feld- und Wiesenweg und obwohl wie stets als Homo Invalidus sorgsam jeden meiner Schritte wägend, trat mein linker Fuß in eine wahrscheinlich durch den regen kürzlich neu entstandene Spalte, rutschte ein wenig weg; was meine Kniescheibe links zur Luxation bewegte; im Bemühen, mich mit dem rechten Bein abzufangen, sprang auch die Patella rechts raus, sodass ich jeden Halt verlor und sehr eindrucksvoll wie ein nasser Sack zur Erde stürzte, die dem Herrn sei Dank eher weich und noch ein wenig feucht und befreit von Wurzelwerk sich meinen Gliedern und meinem Haupte darbot.


    Wiewohl statt ohnmächtig nur benommen rannte die auf Vorhut sich befindende Babsi zurück, soweit ihr das im Alter möglich war, und leckte mich Wehrlosen umgehend rundum und sehr gründlich ab in Gesicht und auf dem Schädel, mit einer Zunge, die sonst wo gewesen sein mochte die Minuten und ein ganzes Hundeleben zuvor. Dann legte sie sich entspannt neben mir nieder und schien die unvorhergesehene Siesta erst zu begrüßen und dann zu genießen. So lagen wir denn also beide im Gras und hingen unseren Gedanken nach.


    Ich frug mich einmal mehr, ob der da droben nun prustend vor Lachen sich die Oberschenkel blutig schlug und japsend nach Luft rang; bevor mir aufging, wie albern selbstverliebt und egozentrisch das doch ist, als jammervoller kleiner Wurm auf Erden sich als Komödie für den Allerhöchsten geeignet wissen zu wollen. Babsi schien sehr angestrengt an nichts zu denken und im Hier und Jetzt dem einen oder anderen kleinen Flugobjekt mit den Augen zu folgen oder mit Ohren und Nase; ich weiß aber nicht, ob sie nun die Möglichkeit des Fliegens für sich als canide Form der Schöpfung ernsthaft in Betracht zog. Hunde beschäftigen sich wenig mit Dingen, die sie ihrer Natur nach nichts angehen; vielleicht laufen sie daher noch zu Fuß, während wir Menschen fahren und fliegen; wenn wir nicht gerade verletzt an Leib und Seele im Grase liegen.


    Die Sportart, ohne Hilfe der unteren Extremitäten sich wieder in die Vertikale zu bewegen; während einen der Hund umtänzelt und mit einem spielen will; sollte fürder auch olympisch werden. Das sagt natürlich einer, der das seit 35 Jahren trainiert und dem eine Medaille sicher ist.

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    Wenn bei uns daheim einer bekundet; er habe einen gewaltigen Dorscht; dann handelt es sich meist nicht um einen passionierten Angler, der einen Brocken von Kabeljau gefangen hat oder sonst ein Exemplar aus der Familie der Knochenfische; sondern um einen so leidenschaftlichen wie schlichten und ehrbaren Trinker, der einfach nur Durscht hat oder Durst. Interessant ist; dass an dieses Wort keinerlei Assoziationen an Cola, Fanta, Sprite, Tonic oder auch nur Wasser gebunden sind; sondern sich dessen Intention ausschließlich und allein ans Bier knüpft; die Gerstenkaltschale, den Hopfenblütentee. Natürlich kommt es gar nicht so selten vor, dass auch Angler, die ihrem oft langwierigen Geschäft und Vergnügen obliegen, während sie einen Dorsch fangen; davor, danach oder eben währenddessen; einen gewaltigen Dorscht verspüren. Hier schließt sich Grunde der Kreis.


    P.S. Ich entnehme dem Netz, dass es den Dorscht/Durscht vom Erzgebirge bis ins Rheinhessische gibt. In Bayern halt man wohl einen Duascht und im Norden sowas Langgezogenes.

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    Man sollte seinen Gedanken nicht nachhängen; aufhängen sollte man sie! Jeden Gedanken an einen Ast oder eine Laterne; lass' sie zappeln, wie sie wollen; aber dann ist endlich Ruhe. Aber so wird man ihrer nicht Herr; nicht bei dieser Flut, die das Gedankenkarussell unablässig antreibt; dieses Hamsterrad der ewigen Wiederkehr der immer gleichen und fruchtlosen Fragen. Man muss sich dann Gedanken machen, wie man diesen Millionen Gedanken besser zu Leibe rückt; man bräuchte eine quasi industrialisierte Form der Vernichtung quälender Gedanken; eine Art Ideazid. Oder man ist radikal und nimmt allen Gedanken ihre Grundlage; indem man ihren Wirt aus dem Spiel nimmt.