Yoricks Nachtgedanken bei Tage

    • Offizieller Beitrag

    Ein faszinierendes Phänomen unserer modernen westlichen Gesellschaft ist; dass sie bestimmte Entwicklungen äußerst sensibel wahrnimmt und sehr grell in den Medien ausstellt; sich gleichzeitig aber weigert; den Blick durch das Fernrohr Galileis oder die Mikroskope van Leeuwenhoeks zu richten, um die Ursachen, die Wurzeln des Problems sichtbar zu machen; ganz zu schweigen von der Weigerung, die Lösung dieser Probleme anzugehen. Die Incel-Bewegung, von der ich es schon hatte; bis hin zu den Pick-Up Artists und ähnlichen Strömungen haben ja alle einen Grund; und dass sie sich partiell radikalisieren und in sehr ungute Fahrwasser geraten unter anderem den, dass sich an ihrer Lage nichts ändert.


    Und die Ursache ist schnell benannt: In den westlichen Gesellschaften haben immer mehr Männer nicht die Möglichkeit; mit einer Frau zusammen zu sein und ein normales Beziehungs- und Sexualleben zu führen. Spricht man offen darüber, macht man sich über diese Männer noch lustig; es seien halt Versager; besonders Frauen urteilen hier mit Härte und Häme. Das trifft die Betroffenen besonders hart, sie schließen sich noch mehr ab und radikalisieren ihre Ansichten und manchmal auch Taten. Ein Teufelskreis, der nicht besser wird; wenn man die Gründe totschweigt und sich einen Dreck um die Betroffenen kümmert. Wenn man sich allein den deutschsprachigen Wikipediaartikel zu Incel durchliest; wird einem schnell klar; dass mit so einer Einstellung, Vorverurteilung und ideologisierenden Sicht der Dinge nichts gewonnen ist.


    Tatsache ist; dass Frauen in den westlichen Gesellschaften heutzutage durch den löblichen Wegfall aller sozialen und sonstigen Zwänge auf den Beziehungs- und Heiratsmarkt freier wählen können als noch vor 50 oder 100 Jahren. Diese Entwicklung ist genauso wie die rechtliche und soziale Gleichberechtigung als Ergebnis der Emanzipation zu begrüßen. Für den Partnermarkt hat das allerdings erhebliche Folgen: Stellen wir uns diesen als Pyramide vor, so rangieren oben auf der Spitze bei einer Skala von 1 bis 10 die Zehnen, also die Männer, die Frauen aus welchen Gründen (Aussehen, Körper, Gesundheit, sozialer Status etc.) auch immer am Attraktivsten finden. Früher war es so, dass sich gleich zu gleich gesellte; also vom etwa gleichen „Punktwert“ her attraktive Frauen und Männer. Heute wollen auch weniger attraktive Frauen ihren höherstehenden Angebeteten haben; können sie das nicht; rutschen sie nicht die Pyramide herunter und schließen Kompromisse, sondern warten auf den Richtigen oder verzichten ganz auf eine Beziehung. Männer sollen Studien und Erhebungen zufolge wesentlich rationaler und realistischer an die Sache herangehen, leichter Kompromisse schließen und sich mit der realen Situation schneller anfreunden; während Frauen, die in einer Beziehung unterhalb des Niveaus ihres Wollens nur parken, nur auf den Augenblock warten, sich weiter nach oben arbeiten zu können.


    Analysen vor allem der Internetpartnerbörsen haben ergeben; dass Frauen; obwohl sie in der Regel durchschnittlich 50 Zuschriften erhalten, während ein Mann im gleichen Zeitraum bestenfalls eine erhält, trotzdem häufig davon sprechen, dass auf dieser oder jener Plattform nur „Schrott“ (damit meinen sie die Männer) vorhanden sei und niemand für sie in Frage käme. Ich persönlich glaube nicht, dass Frauen wählerischer geworden sind als in den 5000 Jahren Hochkultur und Zivilisation vorher; ihre Ansprüche waren immer schon absurd überzogen und sind, wie mein Bruder meint, eine wichtige Ursache für die wissenschaftlich-technische Entwicklung durch die Männer; sondern dass sie nunmehr zumindest in den westlichen Gesellschaften die Möglichkeit erhalten, ihre oft übersteigerten Ansprüche verfolgen zu können, ohne dabei Schaden zu nehmen. Eine ledige Frau ist heute etwas völlig Normales; eine alleinerziehende Mutter ist mit keinem Stigma mehr verbunden; Frauen werden wirtschaftlich, rechtlich, sozial nicht in eine existenzielle Notlage geraten; nur weil sie keinen Mann haben. Sie werden vom großen Alphatier Staat alimentiert und versorgt; sodass man es nicht nötig hat, in Beziehungen oder im Alltags- und Berufsleben Kompromisse einzugehen. Das alles wäre natürlich noch weiter zu untersuchen, dafür bräuchte man verlässliche empirische Daten.


    Fakt ist also, dass die weniger sympathischen Entwicklungen im Incel-Spektrum letztlich immer auf den Befund zurückzuführen sind; dass viel zu oft ganz normale Männer trotz gewaltiger Bemühungen schuldlos auf dem Partner- und Beziehungsmarkt auf der Strecke bleiben und sich dafür auch noch verachten lassen müssen. Ursache-Wirkung; Actio und Reactio – so einfach ist das und so ungeheuer schwierig, wenn man das Problem lösen will. Da man gesellschaftliche Zwänge nicht wieder künstlich herstellen kann und das natürlich auch anachronistisch und unethisch wäre; bliebe nur der Weg über die Ansprache; über Vernunft und Einsicht. Diesem Weg wird aber kein Erfolg beschieden sein. Ein Hauptgrund für den absehbaren Untergang der westlichen Demokratien wird demnach auch in dieser Geschlechterschieflage zu finden sein.


    Guckst du ...

    • Offizieller Beitrag

    Die Woche beim Tierarzt: Eine sehr junge Frau; sehr natürlich, drall und sympathisch, sitzt mit ihrem reinrassigen Border Collie, der laut und panisch ein Heidenspektakel veranstaltet, mir und Babsi gegenüber. Ich frage nach: Der achtmonatige Rüde wurde kastriert! Ich kann es gar nicht glauben; weil man das bei Rüden frühestens nach zwei- bis zweieinhalb Jahren machen soll; wenn sie ausgewachsen sind. Ja, meint sie; das wäre nicht anders gegangen, der Tierarzt hätte das auch eingesehen; aber im Haushalt lebt noch eine geschlechtsreife Hündin und im bewohnten Mehrfamilienhaus gäbe es noch zwei Hündinnen, deren Alter noch viel Jahre Läufigkeit garantiert. Der Rüde wäre nun zum jungen Mann geworden und es ginge alles drunter und drüber; er leide ja nur und alle anderen wären genervt.


    Ich sage: Ihr holt euch also einen Rüden in ein Haus, in dem schon drei geschlechtsreife Hündinnen leben, und wundert euch; dass das nicht ohne Theater abgeht? Ja, sagt sie; aber wir wollten unbedingt noch einen Rüden. Ich: Ihr habt also diesen blutjungen Kerl kastrieren lassen, weil ihr unbedingt einen Rüden wolltet?! Nehmt in Kauf, dass der Bursche nie wird Liebe machen können; dass er in seinem Wachstum und seiner Entwicklung beeinträchtigt wird durch diesen viel zu frühen Eingriff; dass ihn später sowohl Hündinnen als auch noch intakte Rüden mobben werden? Ihr habt eure persönlichen Wünschen über das Hundewohl gestellt? Sie bleibt sehr freundlich; sie begreift gar nicht, was ich meine; was ich von ihr will. Mir fällt dazu nichts mehr ein; wie kann man nur so egoistisch und verantwortungslos sein und sich dabei noch als Tierliebhaber fühlen.

    • Offizieller Beitrag

    Bei Hundehaltern ist das ähnlich wie bei Rauchern, die genauso leicht ins Gespräch kommen mit „Hast mal Feuer oder ne Kippe?“; bei ihnen heißt es meist „Junge oder Mädchen?“ (also Rüde oder Hündin); worauf ich immer antworten muss; „Mädchen, also eigentlich schon eine Oma; aber ganz und gar keine Lady, nicht einmal eine im SM-Sinne, denn die Damen gehen wohl systematisch vor und zielorientiert, während die meinige grobmotorisch, herrisch und dominant sich wenig mädchen- oder damenhaft benimmt ganz ohne Plan und sozusagen chaotisch martialisch.“ Bevor ich den Satz endige, sind die meisten gottlob schon weit weg.

    • Offizieller Beitrag

    Bei Sky ist derzeit eine Reihe mit Filmen von Liam Neeson abrufbar und ich sah mir neben anderen nach fast 30 Jahren auch wieder „Nell“ mit Jodie Foster an. Schon damals fand ich den Film unerträglich, ja widerlich; voller Klischees, kitschig, doppelmoralisch, melodramatisch und vor allem durch und durch verlogen; selbst die herausragende Darstellung der „reinen, unverfälschten Wilden“ durch einen der wenigen genialen Hollywoodstars empfand ich als eine Zumutung und Verhöhnung des Zuschauers.


    Auf der anderen Seite ist genau dieses Können der von mir schon immer hochgeschätzten Jodie Foster das Scharnier zu meiner Seele, dass ich mir diesen Film überhaupt noch einmal angetan habe. Ich sehe ihn auch drei Jahrzehnte später noch genauso kritisch; aber ich verstehe den Hintergrund der Macher und kann ihnen ihr Scheitern nicht verübeln: Das Thema ist so alt wie die Zivilisation; die Sehnsucht des modernen Kulturmenschen nach der vermeintlichen Unschuld der Frühzeit; als die Menschen noch im Einklang mit der Natur lebten, ihre Gefühle zeigten und sich am Einfachen freuten.


    Dass es diese Sehnsucht überhaupt gibt; kann einen immerhin beinahe rühren; wie aber die Menschen ohne mit der Wimper zu zucken sich in der Realität einen Dreck um sie scheren, holt einen schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

    • Offizieller Beitrag

    Beim Hausarzt wartet man immer in einem Behandlungszimmer, während er noch im anderen ist: Auf seinem Rechner ein Bildschirmschoner - Bauarbeiter hantieren immer wieder an einem Holzgerüst, ständig immer wieder neu; bauen an, nehmen ab. Ich habe wohl fast 20 Minuten gebraucht, bis ich es kapiert habe, was da passiert.

    • Offizieller Beitrag

    Weil ich es neulich von Shakespeares Cäsar und den fetten Männern hatte, deren einer ich bin: Natürlich gibt es noch ein viel wichtigeres Kriterium, um zu erkennen, auf wen man bauen kann, wen man fürchten muss und wen nicht. Es ist die Selbstironie, deren einer fähig ist oder nicht; die Fähigkeit, ganz natürlich über sich selbst lachen zu können. Wer sich selbst immerzu nur ernst nimmt und seine eigenen Fehler und Schwächen nicht mit Humor nehmen kann, der bleibt ein Sauertopf sein Leben lang und gefährlich für sich und vor allem alle anderen. Es gibt solche Männer zur Genüge und ihr biederer heiliger Ernst speist sich aus allen möglichen Quellen; ihrer Männlichkeit, der Religion, einer Ideologie oder Aspekten einer ungelebten Sexualität. Oft sind es in Tateinheit Pedanten, Kleingeister, impotente Spießbürger; der Intellekt hat wenig damit zu tun; dieser Typus umfasst grenzdebile bis superschlaue Figuren.

    • Offizieller Beitrag

    Macht mir ein älterer Herr in einer geschwindigkeitsbeschränkten Straße des Städtchens mit den Fingern so eine Geste in der Art Knipsen oder Drehen und ich denke, sei artig und spiele mit; also zeige ich ihm auch einen Finger meiner Hand, damit er nicht denkt; ich wäre ein Spielverderber; ich erinnere nur an die schöne Geschichte "Das Fenstertheater" von Ilse Aichinger, die in allen Lesebüchern steht. Pantomimisch war ich in einer guten Ausgangslage, da ich die verlangten 30kmh exakt eingehalten hatte; aber den selbsternannten methusalemitischen Ordnungshütern scheint sich die Zeit nicht zu verlangsamen gegen das Ziel hin, sondern zu beschleunigen. Der Gestapo-Stasi-Mentalität der Deutschen wäre ohnehin ein eigenes Kapitel zu widmen.

    • Offizieller Beitrag

    Ergänzend zu meinen früheren Ausführungen zum Deutschesten Michel aller Zeiten; der sich ausnehmen lässt wie eine Weihnachtsgans, um dennoch von der eigenen Regierung, den politisch-medialen Eliten, dem Rest Europas und der Welt verachtet zu werden; verweise ich nur kurz auf den 66. Eurovision Song Contest 2022, den, quelle surprise, die Ukraine gewonnen hat. Deutschland belegte zum neunten Mal den letzten Platz, die sonstigen Platzierungen sind auch nicht besser; nur 1982 kam man an Nicoles Ein bißchen Frieden nicht vorbei und aus welchem Grund auch immer 2010 an Lenas Satellite. Ansonsten zeigt dieser Wettbewerb, in dem es sowenig um musikalische Qualität geht wie beim Nobelpreis um literarische; dass man in Europa auf Deutschland herabschaut und es verachtet. Und zwar nicht, weil man ihm die Geschichte vorhält oder Klischees vom Tod, dem Meister aus Deutschland; sondern weil man ihm den Wohlstand neidet und sein klägliches Verhalten in der Gegenwart.


    In einem sehr frühen Romanfragment spricht ein alter Nazi zu seinem linken Enkel:


    "Ich frage mich immer, wann die Menschen da draußen in der Welt eigentlich mehr Respekt vor den Deutschen hatten?! Als die Wehrmacht mit ihren Panzern durch halb Europa rollte und die SS mordend hinterher; oder heutzutage, wenn die Deutschen betroffen und weinerlich die Heilsarmee der Welt spielen, sich der eigenen inzwischen uralten Schuld wegen kasteien und bereit sind, sich selbst für ein Millionenheer an kulturfremden Migranten auf- und Deutschland dem geschichtlichen Vergessen preiszugeben. Du kennst die Antwort, mein Freund, auch wenn du einwenden wirst, Respekt und Angst seien nicht dasselbe. Aber vom Wesen her weißt du die Antwort. Niemand respektiert die Schwachen, erst recht nicht, wenn sie freiwillig das Opfer spielen. Man lacht über uns, verspottet uns, verhöhnt uns. Und zwar zu Recht. Anfang der 40er hätte sich das niemand gewagt. Auch zu Recht."


    Das ist natürlich zynisch, aber Fakt ist; wir Deutschen werden nicht geliebt. Und wir werden uns diese Liebe auch nicht erkaufen können oder erschleichen durch Katzbuckeln. Was den ESC angeht, mag es vielleicht wirklich nur an der schlechten Musik liegen; ich bin zwar kein Kenner moderner Unterhaltungsmusik, aber was ich da in den letzten Jahrzehnten so hörte auch aus anderen Ländern, war für mich alles gleich schlecht.

    • Offizieller Beitrag

    Da es seit dem Herbst 2015 auch im privaten Bereich einige Brüche und Verwerfungen mit alten intellektuellen Freunden gab auf Grund der durch die Bundesregierung unter der Kanzlerin verursachten Spaltung der Gesellschaft durch alle sozialen Schichten und politischen Lager hinweg; fragt man sich als intelligenter, selbstreflexiver und stetig an sich zweifelnder Mensch natürlich; ob man sich selbst in eine „falsche“ Richtung entwickelt hat; während die anderen nach wie vor richtig liegen; oder ob man sich selbst weiterentwickelt hat, während die anderen in ihrer Entwicklung stehengeblieben sind; oder ob beide Gruppen falsch oder richtig liegen und was es an Konstellationen und Permutationen noch mehr geben kann. Beantworten lässt sich diese Frage natürlich nicht; noch nicht, das wird erst in einiger Zeit möglich sein; wenn es dann noch eine Zeit gibt und Fragen, die man in ihr stellen könnte. Was ich mir aber zugutehalte, ist; dass ich überhaupt soweit denke: Es zeigt sich ja leider; dass viele der Kombattanten in den verbalen Scharmützeln in keiner Weise angekränkelt sind von des Gedankens Blässe, sie möchten vielleicht nicht Recht haben und im Besitz der allein selig machenden Wahrheit sein.

    • Offizieller Beitrag

    Meine Schwiegermutter, geboren 1935, ist ein Grüne; ohne dass sie sich dessen bewusst wäre und ohne, dass sie sich dessen in der Öffentlichkeit rühmen würde. Wie so viele aus dieser Generation, die in die DDR hineingewachsen sind; hat sie so nachhaltig, sparsam, achtsam und ökologisch gelebt, wie es keiner der vorlauten Jungspunde heute je schaffen wird. Das hat natürlich mit der Kriegserfahrung zu tun, mit der Mangelgesellschaft im Osten; aber vor allem auch mit Erziehung und einer Lebenseinstellung; für die es selbstverständlich war, die eigenen Ressourcen, die des Landes und der ganzen Welt im Auge zu behalten. Ich muss nicht alles aufzählen; was sie so aufhebt und stopft und flickt und repariert und nicht umkommen lässt; mir ist es neulich wieder aufgefallen, als sie eine Einkaufsliste auf die Rückseite eines Briefkuverts schrieb; jede Handbreit Platz auf irgendwelchen schon gebrauchten Papieren wird genutzt für solcherart Niederschriften des Alltags; manchmal schon zu meinem Verdruss, wenn man sich da durcharbeiten muss.

    • Offizieller Beitrag

    Aus der Reihe "Gut, gebrüllt, Löwe ...":


    Carlos A. Gebauer


    "Kurze Rede an die wohlstands-verwahrlosten Luxuskinder


    Eine Generation, die nicht mehr weiß, was körperliche Arbeit ist, bekämpft den Motor und setzt auf Muskelkraft.


    Es ist die Generation Zentralheizung, die glaubt, Wärme komme einfach aus der Wand. Die Generation, die nie Kohle aus dem Keller in den fünften Stock geschleppt hat, um es warm zu haben.

    Ohne Aufzug. Die Generation, die nicht einmal mehr den Satz auf den Mülltonnen kennt „Keine heiße Asche einfüllen“.


    Eine Generation, die jeden erdenklichen Luxus – von der Waschmaschine über den Wäschetrockner bis zur Spülmaschine und von der elektrischen Zahnbürste über den Akkurasierer bis zum Kaffeevollautomaten – für naturgegeben hält.


    Es ist diese Generation, die nun ganze Städte zu Fußgängerzonen umbauen will, damit die alternde Bevölkerung ihre Wasserkästen möglichst nicht nach Hause transportieren kann, sondern Flasche für Flasche einkaufen muss; so wie sie auch jede einzelne Flasche aus dem Müll fischt, um das Pfand in Rente zu wechseln.


    Die wohlstandsverwahrlosten Luxuskinder, deren Schweiß bislang allenfalls im Fitnessstudio floss. All diese Entschleuniger und Natureinklangsfetischisten, die Work-Life-Balancierer und Latte-Macchiato-Jonglierer werden lernen: Motorsägen und Elektrobohrer, Fahrstühle und Lkws, sie alle wurden nicht erfunden, um das Biotop des dreifach gefächerten Wildlurchs oder das Habitat der fluoreszierenden Zwerglaus zu stören, sondern um den endlosen Schmerz, die ächzende Pein und das zerrende Keuchen bei der Bewältigung alltäglichen Tuns zu reduzieren, um das Leben lebenswerter und die Welt freundlicher zu gestalten.


    Ich wage vorauszusehen: Erst wenn Ihr Euer letztes Bettgestell, Eure letzte Schrankwand, Euren letzten Bierkasten und Euren letzten Gartengrill im Nieselregen eines Herbstnebeltages auf dem Lastenfahrrad den Berg hochgezerrt habt, werdet Ihr begreifen, warum Opa froh war, ein Auto zu besitzen.


    Und wenn Ihr dann in einer anschließenden Zwischenphase wieder zwischen Bergen von Pferdeäpfeln über die Straßen gehüpft seid, dann kommt der Tag, an dem Ihr Euer Lastenfahrrad in einem glücktriefenden Moment zum Sperrmüll stellt.


    Sei's drum: Jede Generation hat das Recht, aus ihrer eigenen Dummheit zu lernen. Schmerzen sind der beste Lehrer."


    Das wäre doch ein Spitzentext für eine materialgestützte Erörterung in der Abiturprüfung Deutsch.

    • Offizieller Beitrag

    Bundesregierung und Bundestag im Juni 2022: Man muss eine ganze Weile überlegen, bis man draufkommt, wer eigentlich gerade Bundeskanzler ist; der Grüne Anton Hofreiter leitet den nicht unwichtigen Ausschuss für die Angelegenheiten der EU mit einem Baby auf dem Schoß; der Wirtschaftsminister ruft wegen der angespannten Lage am Gasmarkt die zweite Stufe des Notfallplans Gas aus und fordert das deutsche Volk die deutsche Bevölkerung zum Sparen auf; die Außenministerin möchte schwere Waffen in die Ukraine liefern und am liebsten selbst mit Krieg führen; der Gesundheitsminister orakelt schon jetzt neue Fallzahlen für den Herbst herbei und in Kassel bei der documenta stirbt mal wieder die Freiheit der Kunst. Also alles wie immer, im Westen nichts Neues ...

    • Offizieller Beitrag

    Seit einer Woche fahre ich fast täglich durch den wunderschönen kleinen Ort mit dem herrlichen Namen Adamshoffnung, ein Ortsteil der Gemeinde Fünfseen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Und genauso lange frage ich mich, was es mit dieser Hoffnung des biblischen Stammvaters auf sich haben möchte?! Die auf Eva gerichtete wäre ja nun aufs Verlässlichste enttäuscht worden, darf ich wohl ohne Scheu und geradeheraus sagen; die Sache mit der Rippe war eine Sackgasse; nicht so sehr evolutionsbiologisch als mit Blick auf ruhige Fernsehabende mit Bier, Fußball, Pizza bei ausgeglichenem Hormonhaushalt.

    • Offizieller Beitrag

    Ich bin immer wieder erstaunt, was die Menschen heute so fordern: Selbst unglaublich fettleibige Menschen wollen in der Öffentlichkeit nicht scheel angesehen und beleidigt werden; was ich ja noch verstehen kann; gleichzeitig aber soll niemand überhaupt den Sachverhalt erwähnen, dass sie unglaublich dick sind, weil sie das diskriminieren würde. Das ist zum einen wirklichkeitsfremd, weil jede "anormale" Facette von Körperlichkeit nun mal stark wahrgenommen wird, ich kann ein Lied davon singen; vor allem von Kindern; und zum anderen bleibt die Feststellung eines Sachverhalts doch etwas anderes als eine gezielte Beleidgung. Der Ton macht die Musik, die Noten sind schon da ...

    • Offizieller Beitrag

    Selbst in einem Kiosk mitten im Nirgendwo, auf einer Rundwanderung zu verschiedenen Hügel- und Großsteingräbern, springt einem in riesigen Lettern "Torsten Legat verliert Hoden" entgegen; es fehlte nur noch ein Bild des verwaisten Körperteils. Auch wenn man es seit Jahrzehnten gewohnt ist, was soll man sich über ein Land wundern, in dem so eine Zeitung möglich ist.

    • Offizieller Beitrag

    Ist das noch Romantik oder pathologische Todessehnsucht? Aber wenn ich fort bin, will ich nur eines; wieder nach Hause. Ich will immer nur heim, wenn ich irgendwo bin. Auch in den Urlaub fahre ich nur mit, weil ich weiß, wie schön das Heimkommen ist. Novalis hat das gewusst: "Wo gehn wir denn hin?" "Immer nach Hause."