Yoricks Nachtgedanken bei Tage

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    In der Arte-Mediathek ist derzeit die zweiteilige Dokumentation "Einstein und Hawking - Das Geheimnis von Zeit und Raum" abrufbar; für alle, die sich noch nicht mit diesen beiden Genies beschäftigt haben, eine gute Einführung in deren Gedankenwelt. Ich selbst wurde durch meinen Vater, der Albert Einstein sehr bewunderte, sehr früh mit jenem bekannt; las aber mehr über ihn als von ihm, weil ich dessen Texte schlicht nicht verstand. Deshalb war für mich wie für viele andere Stephen Hawkings "Eine kurze Geschichte der Zeit" eine Offenbarung und ich verfolgte dessen Werk seitdem mit nie nachlassendem Interesse. Raum und Zeit haben mich schon immer fasziniert, nicht nur im naturwissenschaftlichen Sinne; wahrscheinlich, weil ich nun schon über ein halbes Jahrhundert viel Raum einnehme und von Jahr zu Jahr mehr.

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    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland


    Art 5


    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich

    aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der

    Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

    (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen

    Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

    (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue

    zur Verfassung.


    Dieser Passus gilt noch immer. Warum er jeden Tag verletzt wird, entzieht sich meinem Verständnis.

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    In diesem schönen Land wird regelmäßig demonstriert; zum Beispiel für die Rechte von Schwulen und Lesben, eine gendergerechte Gesellschaft; gegen den Krieg (sehr löblich!) und sogar, wenn in den USA viele tausend Kilometer entfernt Polizisten Polizeigewalt gegenüber afroamerikanischen Mitbürgern ausüben. Da gibt es Sondersendungen, Extrabeilagen in den großen Blättern; medial ist da auf allen Kanälen und überall im weltweiten Netz natürlich der Teufel los und Polen offen.


    Wenn auf einen der größten und bedeutendsten Schriftsteller dieser Welt, der seit fast 34 Jahren auf der Flucht ist, sich verstecken muss und nur noch inkognito leben kann; von einem Attentäter; dessen Name und Herkunft von bundesdeutschen Qualitätsmedien natürlich verschwiegen wird zunächst; über zehnmal eingestochen wird; dieser nur knapp mit dem Leben davonkommt und ein Auge verlieren wird; gibt es natürlich Meldungen und Entsetzensbekundungen; aber damit hat sich das auch schon.


    Warum gehen hier die vielen Engagierten nicht auf die Straße, tragen T-Shirts mit des Autors Konterfei, halten Transparente hoch mit Losungen wie „Keinen Fußbreit den Islamisten“, „Wir sind mehr! Keine Macht dem Terror des religiösen Fundamentalismus“; „Unsere Welt, unsere Werte: Die Freiheit des Wortes und der Kunst sind unantastbar“? Warum halten nicht hunderttausende Demonstranten alle möglichen Übersetzungen der „Satanischen Verse“ in Händen und in die Kameras und warum verteilt die Bundesregierung nicht die deutsche Ausgabe in sagen wir einer Auflage von einer halben Million kostenlos unters Lesevolk? Wo bleiben die Sondersendungen zur Gefahr, die vom politischen Islam ausgeht und die stetig wächst? Wo bleiben neue Sanktionen gegen den Iran? Aber ich denke, das Höchste, womit wir rechnen können; ist die Versicherung von Experten, dass Islam und Islamismus nicht das Gleiche sind und man genau differenzieren müsse zwischen den wenigen Terroristen und den Millionen guten Muslimen im Land; das sind meist dieselben, die sonst kein Problem damit haben, Rechtsextreme mit Konservativen, Liberalen, Bürgerlichen und überhaupt allen Nicht-Linken in einen Sack zu stecken und deren Credo lautet, wer nicht für uns ist, ist gegen uns.


    Warum überhaupt hat Salman Rushdie nicht schon lange den Nobelpreis bekommen? Dreifach hätte er ihn verdient: Er ist vielleicht der einzige Autor von Rang seit dem Krieg, der geschickt ineinander verwoben die Welt des Ostens und des Westens eindrücklich geschildert hat; er ist als Schriftsteller von überragender künstlerischer Qualität in fast allen seinen Büchern und er muss nun schon über drei Jahrzehnte um sein Leben fürchten, nur weil in einem seiner Bücher der Prophet Mohamed sich nicht so ausnimmt, wie sich das eingefleischte Muslime so vorstellen. Wie oft schon hat Stockholm ästhetische Kriterien außer Acht gelassen und mittelmäßige Autoren gekrönt, weil diese gesellschaftlich und politisch engagiert waren in der einen oder anderen Weise, weil sie verfolgt wurden, drangsaliert oder gar getötet. Nach diesen Maßstäben hätte Rushdie den Nobelpreis nicht nur einmal, sondern zwei- oder dreimal verdient gehabt. Jetzt davon zu sprechen als Trostpflaster, weil er gerade noch mal so davongekommen ist (ist er das?), ist nichts weiter als zynisch.


    Ich war lange nicht so wütend und voller Hass! Einem Mann wie Salman Rushdie nach dreieinhalb Jahrzehnten innerer und äußerer Migration seit der Fatwa so etwas anzutun und die Welt, sie lamentiert und ist hilflos!? Ich hoffe, Hadi Matar landet auf dem elektrischen Stuhl und wird auf ewig in der Hölle schmoren. Die gibt es im Islam nämlich auch; heißt Dschahannam und hat noch mehr Namen. Und wenn es Allah wirklich gibt, was ich hoffe; ist dort das Gedränge groß.

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    Weil ich die Tage Beachvolleyball der Frauen schaue: Die offizielle Vorschrift, dass die Bikini-Hosen der Frauen an der Seite nur sieben Zentimeter breit sein dürfen, wurde nach Sexismusvorwürfen richtigerweise geändert; die Mädels dürfen seitdem neben den bisher üblichen Bikinis auch Shorts tragen, die mindestens drei Zentimeter oberhalb des Knies enden müssen. Das sieht mir gerade bei den European Championships in München nicht so aus; das sind wieder alles Hinkucker. Wenn die Damen also so auflaufen und zwar eigenem Bekunden nach ganz bewusst aus verschiedenen Gründen und die Kamera den Po zeigt wie überhaupt die ästhetischen Körper, ist das nun Sexismus, wenn ich da hinschaue?

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    Ich sehe gerade bei der Durchsicht meiner Unterlagen, dass ich selbst mit meinem Spitzengewicht von vor 11 Jahren den Wert meines letzten IQ-Tests nicht annähernd erreiche. Das finde ich total ungerecht, denn bei vielen sehr bewusst sich ernährenden und sportlichen Mitbürgern scheinen die Werte annähernd identisch zu sein.

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    Ich verfolge schon seit 2019 mit wachsendem Interesse die deutschen Finals, zuletzt in Berlin vor kurzem; welche ja an die European Championships angelehnt sind, die derzeit in München stattfinden. In diesen Zeiten des Niedergangs, der Unruhe und Verhärtung freue ich mich sehr, dass es auch mal etwas Positives zu berichten gibt. Zum einen die Location, die zeigt, wie Sportstätten auch nach 50 Jahren noch aussehen und genutzt werden können. Zum anderen die vielen Sportarten wie Kanu, Rudern, Turnen; die man als gelernter DDR-Bürger noch verstärkt wahrgenommen hat; die in der BRD aber medial kaum eine Rolle spielen. Sportklettern habe ich noch nicht gesehen und gerade das Bouldern hat was; nicht nur, weil die Mädels alle leicht und hübsch sind. Die Leistungen dieser "Randsportarten" werden sonst kaum noch gewürdigt; in der Leichtathletik dürfen die Erfolge nicht darüber hinwegtäuschen; dass wir weltweit nur noch Mittelmaß sind. Aber wenn man so einem Turner am Reck oder den Ringen zusieht oder selbst weiß, wie anstrengend Paddeln und Rundern sein kann; dann freue ich mich über diese Gelegenheit, mal in Ruhe zuschauen zu können. Überdies und das zuletzt ein großes Lob an ARD und ZDF für die Berichterstattung; diese lässt kaum Wünsche offen und vor allem das Angebot in den beiden Mediatheken ist großartig; man kann von den Highlights über Live, Re-Live und Schwerpunktsendungen alles zum Wettbewerb samt dem Drukherum erfahren, selbst zu den Spielen von 1972. Chapeau!

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    Und da wir so viel über Medienkompetenz reden; sie nützt einem vielleicht, wenn man die Halbwahrheiten, Lügen; aus dem Kontext gerissenen Zitate, Fake News etc. betrachtet; aber sie sind eben nur die Spitze des Eisberges; der heute selbst für den intelligenten und gebildeten Rezipienten die Welt da draußen fast undurchschaubar macht. Entscheidender ist doch das Vorher; was zeigt man, was nicht; worüber berichtet man; worüber nicht; was wiederholt man; was nicht; was wird immer und immer wieder in den Focus gestellt; was ignoriert man oft oder sogar ganz. Hunderte Beispiele könnte man nennen, ja tausende und wahrscheinlich Millionen; wie der Aufmerksamkeitsfocus völlig unabhängig von der wirklichen Quantität und Qualität des Vorkommens einer Sache justiert wird. So schaffen Massenmedien Hand in Hand mit interessierten Kreisen eine digitale Welt von Bedeutungen; die mit der Realität der analogen nur noch wenig gemein hat.

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    Wider den abartigen endlosen Sommer; die glühende Hitze, die andauernde Trockenheit, die elende Dürre; den Staub und die Agonie des Körpers, der Seele und des Geistes! Für die kommenden Jahreszeiten; den Herbst und den Winter; für Abkühlung und Regen, Winde und Stürme, Schnee und Eis, klirrende Kälte und permanenten Frost, für Dreck und Matsch und ständige Kleidungswechsel; für an die Fenster peitschende Naturgewalten; hinter denen man warm am Ofen Stifter liest und Schubert hört. Für eine von den höllischen Qualen befreite Welt, für die kristallene Klarheit abendländischer Endzeiten. Ich bin das Volk, das schwitzende; also sei es und werde frisch wie zu den Tagen des Anfangs!

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    Systematische sexuelle Übergriffe seitens leider recht vieler Migranten werden ja gerade von Frauen aus dem linksgrünen Lager wiederholt in aller Öffentlichkeit damit entschuldigt; dass diese jungen Männer auch ein Recht auf Sexualität hätten, die deutschen Frauen ihnen aber zu selten entgegenkämen und deren Gefühle nicht ernst nähmen. Ich habe schon einmal das Recht auf Sexualität thematisiert; das es bei uns in den westlichen Demokratien eben nicht gibt, nicht geben kann. Ich als weißer biodeutscher Mann mit meinen erotischen und sexuellen Bedürfnissen zum Beispiel wurde auch die längste Zeit von bundesdeutschen Frauen ignoriert und von einem Hineindenken in meine Gefühlswelt und meinen biografisch-historischen Hintergrund als wurzelkommunistischer kulturkonservativer Ossi-Intellektueller konnte auf gar keinen Fall die Rede sein. Nichtsdestotrotz bin ich niemals übergriffig geworden, habe keine Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt; ich verhielt mich im Alltag (meistens) höflich und zuvorkommend gegenüber dem weiblichen Geschlecht und habe einfach andere Wege gesucht, meine Bedürfnisse als heterosexueller Mann zu befriedigen oder eben in Askese und Enthaltsamkeit gelebt. Da frage ich mich nun, ob ich es bin; der verrückt ist; wenn er die Rechtfertigungsversuche des entsprechenden Milieus vernimmt; oder ob die ganze Welt verrückt geworden ist; dass nichts mehr gilt, was vormals gegolten.

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    Gestern bei meiner Schwägerin selbst hergestellten Honig geholt; sie saß mit einer Freundin vermutlich ähnlichen Alters zusammen. Die meinte; sie würde ihre Kinder nie auf dieses Landgymnasium schicken; zu den ganzen Dorfdeppen, die alle AfD wählen. Es hätte des stählernen Blicks meiner Frau in meine Richtung nicht bedurft; ich zeigte im Gegensatz zu früher, da ich so manche Runde meines Brudes sprengte durch aufrührerische Reden und scharfe Polemik und deshalb nicht mehr eingeladen wurde, keine Regung: Ich war seltsamerweise nicht erbost, sondern irgendwie entspannt, ja sogar erleichtert. Da saß eine jüngere Frau, die an der Uni arbeitet und natürlich grün denkt und wählt; und urteilte in einer derart arroganten und dummdreisten Art und Weise, und ich dachte so bei mir; ne, guter alter Yorick; du gehörst nicht zu den Bösen, du bist nicht schuld an der derzeitigen Misere. Dort sitzt der Spiegel unserer gesellschaftspolitischen Verwerfungen; dort sitzt das Problem; eine Menschin, die sich für modern und gut hält und nichts anderes ist als eine traurige Kopie längst vergessen geglaubter gesellschaftlicher Ressentiments.

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    Winnetou ist mir eigentlich herzlich egal; ich habe Karl May leider viel zu spät kennengelernt; da schwebte ich ostzonal lesesozialisiert und als leidenschaftlicher Kinogänger schon in ganz anderen Sphären, ich könnte also behaupten; solange Chingachgook, die große Schlange; Harter Felsen, Weiße Feder, Ulzana, Severino, Tecumseh und vor allem Tokei-ihto (Harka) unangetastet bleiben, melde ich mich nicht zu Wort. Zumal ich es im Westen ohnehin mehr mit Old Shatterhand hielt; wahrscheinlich, weil er dem Deutschen als weiße Herrenrasse in den Tagen des May weitaus eher entsprach und man die sanfte Rothaut nur als Kontrast brauchte. Im Osten war das anders; Dean Reed konnte ich als Weißen kaum ernstnehmen; der richtige Mann war ein Südslawe und eben ein Indianer.


    Aber im Ernst: Dass der Verlag Ravensburger die Auslieferung von „Winnetou“ gestoppt und die Ware aus dem Programm genommen hat; weil er die Gefühle anderer verletzt hätte, kann man als intelligenter und belesener Mensch mit einem halben Jahrhundert Lektürebiografie einfach nicht mehr kommentieren, ohne zum Rundumschlag gegen eine durch und durch ideologisierte und kreuzdumme Umwelt aufzubegehren. Jetzt Winnetou, später Robinson Crusoe, Die vier Musketiere, Sindbad, Gullivers Reisen. Wo endet der Furor der woken Philister und so Geist- wie Kulturfernen? Stereotype Darstellungen, Klischees; Vorurteile - das sind alles Fragen der jeweiligen Definition und vor allem solche eines spezifischen historischen Kontextes; einmal ganz abgesehen von den anthropologischen Konstanten und Berechtigungen dieser Termini. Unter solcherlei Gesichtspunkten die Weltliteratur durchgemustert und wir hätten bald nur noch nagelneue Bücher in den Auslagen der Buchhandlungen stehen; so wie früher zu DDR-Zeiten die endlosen blauen Bände der MEW.


    Moralische Beckmesser*Innen, Erbsenzähler, Korinthenkacker mit dem geistigen Herizont eines Regenwurms, die keine drei Bücher der großen Literatur zwischen 1750 und dem Jahr 2000 gelesen und verstanden haben; wollen anderen vorschreiben; was gut für sie ist und was schlecht. Wie kann der Einzelne diese geistige Enge verkraften ? Es sind gerade mal reichliche dreißig Jahre vergangen und den Menschen wird wieder vorgeschrieben, welche Bücher sie lesen dürfen und welche nicht. Von allen Malaisen ist dieses moralische Bevormunden und Gängeln das Übelste: Gerade hier im Osten will man sich nicht von oben so oberlehrer- wie dünkelhaft erklären lassen; was man zu denken, zu glauben, zu sagen und zu tun hat. FREIHEIT bedeutet das genaue Gegenteil. Für solche unkulturrevolutionären Aktionen bin ich im Herbst 1989 nicht auf die Straße gegangen. Winnetou ist mein Blutsbruder; auch wenn ich Gojko Mitić mehr zugetan bin im Herzen; und ich werde ihn verteidigen gegen alle Rot- und Grünheute, notfalls mit dem „Henrystutzen“ und dem „Bärentöter“, meinen beiden analogen Tastaturen am Rande der virtuellen Welt.

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    Vor kurzem erst lernte ich über einen jüngeren Kollegen Markus Gasser mit seinem YouToube-Kanal LITERATUR IST ALLES kennen und in einem der älteren Beiträge Überlebender plötzlichen Herztods / Ingeborg Bachmanns "Böhmen liegt am Meer" spricht er davon, wie er nach einem Krankenhausaufenthalt; weil er für Minuten bereits tot war; in eine Buchhandlung ging; um ein Buch zu suchen, das ihm in dieser Situation zuspräche und hülfe. Nichts von den Großen sagte ihm zu; als er plötzlich den Band "Letzte, unveröffentlichte Gedichte" von Ingeborg Bachmann in Händen hielt und das Gedicht "Böhmen liegt am Meer" genau das war, was er suchte und brauchte.


    Und in der Tat gehört die Sichtung, Lektüre kann man hier nicht sagen; dieses Buches zu den wenigen Momenten großen Glücks, von denen ich hier auf diesen Seiten viel zu selten zu berichten habe. Natürlich habe auch ich längst alles von der Bachmann, auch sämtliche Gedichte; allein hier finden sich eben unter anderem jene allerletzten Gedichte einer großen Dichterin und das auch noch als fotomechanische Reproduktionen, sodass man als Leser den Vorgang des Schreibens und Dichtens hautnah erleben, durchleiden und genießen kann; kenntnisreich begleitet und kommentiert vom Herausgeber. Nicht nur für jene Leser interessant, die eine Bachmann verehren; sondern für alle, die wissen wollen; wie Dichtung in einer bestimmten Lebenssituation zu Kunst gerinnt, ohne ihr Menschsein zu verraten.

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    Aus der Rubrik Das Volk der Dichter und Denker, Teil 78:


    Es mag sein, dass der Ruhm Andrei Tarkowskis auch historisch und gesellschaftspolitisch damit zu tun hat; dass in der alten BRD Dissidenten aus dem Osten unkritisch hochgejubelt wurden und der Regisseur aus einem Land kam, in dessen Boden die Väter der nun ihn verehrenden neudeutschen Generation vermoderten; wie Dominik Graf in seinem Vorwort zur lang erwarteten Neuauflage von Die versiegelte Zeit: Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films. Ausgabe letzter Hand schreibt. Aber es kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass Tarkowski zu den bedeutendsten Gestalten der Filmgeschichte gehört. Man sollte also davon ausgehen können; dass im Land der Dichter und Denker dessen Schaffen leicht und mehrfach in vielerlei Gestalt erreichbar wäre; doch weit gefehlt: Dieser große Künstler hat leider nur sieben Spielfilme hinterlassen; weil ihn der Tod zu früh heimholte; aber es gibt zum Beispiel keine Edition dieses Filmschaffens als Blue-ray mit deutschen Synchronisationen und den jeweiligen originalen Tonspuren. Man muss sich jeden Film mühsam einzeln heraussuchen und genau aufpassen; welche Ausgabe welche Sprachen und Untertitel anbietet und wie es überhaupt mit der Bild- und Tonqualität aussieht. Inzwischen ist man etwa bei "Stalker" bei YouTube schon besser aufgehoben als auf dem DVD-Bluy-ray-Markt. Ein Armutszeugnis ...

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    Beinahe hätte ich Gerhard Roth (1942-2022) zu spät kennengelernt. Ich verdanke es W. G. Sebald und seinem Essay zum Roman "Landläufiger Tod" in seinem Buch

    "Unheimliche Heimat: Essays zur österreichischen Literatur", das mir einer der bedeutendsten Vertreter der deutsprachigen Literatur überhaupt nicht durch die Lappen ging. Aber kann man einen Schriftsteller zu spät kennenlernen; solange man noch über hinreichend Augenlicht verfügt und der Kopf noch mitspielt? Ja, natürlich; wenn es ein Autor von Rang ist, der auch noch fleißig und enorm produktiv war. Sein letzter Roman "Die Imker" beschäftigt mich nun schon seit Monaten; es ist schon jetzt klar; dass er das bis zur Bahre tun wird; der wird mich nicht loslassen, der ist so unglaublich gut und so eng verstrickt mit meinem Weben und Streben; den nehme ich mit ins Grab. Aber Gerhard Roth hat allein zwei komplette Zyklen hinterlassen; beide in sieben Bänden; dazu weitere zehn Romane, zehn Bände mit Erzählungen; einige Fotobücher und noch anderes mehr. Die wird man alle gelesen haben müssen, wenn man dereinst beim Jüngsten Gericht vor dem Allerhöchsten steht; dem größten aller Autoren und gewissenhaftesten aller Leser.

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    Nicht Nietzsches Wiederkehr des ewig Gleichen; nicht das oft beschworene Hamsterrad; nicht des Sisyphos Felsblockmarter symbolisieren heute den Leidensweg des modernen Menschen; sondern die Tatsache, dass die Tage des westlichen Wohlstandsverwahrlosten nichts anderes sind als ein ununterbrochenes Ein- und Ausräumen des Geschirrspülers.