Yoricks Nachtgedanken bei Tage

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    Die Tage mit meiner Frau am Stausee Hohenfelden, den ich bislang mied, weil er zu oft in den lokalen Nachrichten beim Heimatsender erscheint mit Konzerten und sonstigen Veranstaltungen; das zieht vor allem die Landeshauptstädter an, die es nicht weit haben; und zu viel Publikum, mit dem ich wenig gemein habe. Aber natürlich kann der schöne See dafür nichts, man kann ihn mit Frau und Hund gemächlich umrunden; eine größere Strecke schließt Tonndorf mit ein, wo man die „Spinner“ des dortigen Schlosses besuchen sollte, ein buntes Völkchen alternativer Genossenschaftler, von denen es ruhig mehr geben könnte. Wem es dann noch nach mehr lokaler Kultur und Geschichte verlangt, kann im nahen Kranichfeld das Oberschloss in Augenschein nehmen; es gehörte über 150 Jahre zu meinem Fürstenhaus Reuß, daher auch der Kranich in dessen Wappen; sie bauten es zu einem Renaissanceschloss um; das dennoch weiter trutzig wirkte wie die Niederburg auf der anderen Stadtseite.


    Das Freilichtmuseum in der Nähe besuchen wir häufiger; die alten Bauernhäuser mit den Bauerngärten, Obstwiesen, den alten Gewerken, der alten Dorfschule etc. schaffen eine unvergleichliche Atmosphäre, die mich immer wieder in ihren Bann zieht. Und genau in diesem Zusammenhang muss ich wehmütig an das Dorf Tiefengruben ganz in der Nähe denken, eines der schönsten Dörfer überhaupt, die ich als bekennender Dorfliebhaber jemals gesehen habe. Wir steigen immer aus und laufen lange durch den Ort; jedes Haus ist schön und eigen; jedes zweite etwas Besonderes; alles urig und authentisch in diesem Rundangerdorf. Ein Dorfbrunnen, überall grün und alte Bäume; rund um das Dorf die vielen Streuobstwiesen; ein einziger Traum in Dur und Moll für jeden Liebhaber des Landlebens und ländlicher Idylle.


    Aber, aber; wie vielen Menschen begegneten wir, die wir andächtig die Wege und Stege gingen? Wie viele Einheimische standen vor dem Tor oder lehnten am Gartenzaun; wie vielen Menschen konnten wir freundlich zunicken, wie viele grüßen und mit wie vielen ein kleines Schwätzchen halten? Genau, mit Nullkommakeinem! Unsere Dörfer, sie seien so schön wie selten, sind tot; das Leben spielt sich hinter verschlossenen Türen ab und hinter Mauern und Fenstern und Zäunen. Als ich in den 70ern an der Hand meiner Oma durch unser Heimatdorf ging; wurde ich immer unruhig und zappelig, weil man für hundert Meter eine halbe Stunde brauchte; nicht weil Oma nicht rüstig genug war und flink; sondern weil man alle paar Meter anzuhalten und einen Schwatz zu halten hatte. Da liefen die Dörfler noch zu Fuß durch ihr Dorf und wenn sie einander sahen, hielten sie natürlich an und wechselten wenigstens ein paar Worte miteinander. Gefährlich waren die Gespräche über den Gartenzaun, da konnte man sich anlehnen und abstützen und so zogen die Minuten und Stunden dahin; einmal im Latschen, konnte das dauern.


    Später, als ich erwachsen und überstudiert ins Dorf zurückkam, hielt ich es auch so; aber bereits vor 20, 25 Jahren hatten sich die Verhältnisse gewandelt. Die Leute stiegen für jeden Weg in ihr Auto und man sah kaum noch jemanden auf der Straße. Als Einheimischer mit langer Familientradition im Dorf traf man dennoch noch genügend Leute; meist riefen sie aus der offenen Toreinfahrt, man solle doch hereinkommen und ehe man es sich versah, hatte man fünf Bier getrunken, ein paar Würschte gegessen und ein paar Schnäpschen gekippt. Wohl dem, der immer einen Hund dabeihat; der einem dann den Weg nach Hause weist. Es gibt noch Dörfer mit diesen Traditionen, je kleiner, je inniger; auch Ortschaften aus ehemaligen Grenzgebieten pflegen noch so ein Gemeinschaftsgefühl. Auch die Zugereisten sind nicht das Problem; wenn sich alles organisch zum Ganzen fügt; aber die Zeiten haben sich dennoch gewandelt, auch auf dem Dorf. Das ist sehr, sehr schade.

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    Am Stausee Hohenfelden gibt es einziges Restaurant, ein italienisches; geführt von Italienern, deren Familie wohl schon in der Landeshauptstadt einige besitzt. Um 11 Uhr öffnet das Lokal, wir stehen davor, wollen einen Kaffee trinken und uns etwas aufwärmen. Ein junger Mann macht die Tür auf, natürlich keine Sekunde eher; obwohl wir schon länger draußen standen und jener samt Familie auf der Terrasse saß. Keine Begrüßung, kein Blickkontakt, nicht einmal professionelle Freundlichkeit; dann langes Warten bis zur ersten Kontaktaufnahme durch den Kellner; niemand brachte einen Aschenbecher; das Essen war versalzen und lieblos hergerichtet.


    Im Urlaub am Plauer See war das ganz ähnlich; auch beim Italiener: Da standen fünf junge kräftige Burschen herum; aber nichts tat sich. Ehe man die Karte bekam, war der Hunger schon fast wieder weg; kaum einer sprach angemessen unsere Sprache, um sich dem Kunden verständlich machen und dessen Fragen zufriedenstellend beantworten zu können. Da sehen sie einen, wie man sich eine Zigarette ansteckt und raucht; aber niemand bringt einem den Aschenbecher. Zuerst habe ich mir diesen selbst geholt vom Nachbartisch oder drinnen; später habe ich den Kellner höflich darum gebeten und zuletzt war mir das alles egal, ich aschte auf den Boden und schmiss die Kippe zum Schluss hinterher; eigentlich wollte ich sie auch einmal quer über die Terrasse schnippen, was mir meine Frau aber untersagte.


    Ich habe hier von zwei Italienern gesprochen; aber der Befund gilt auch für deutsche Restaurationen. Das Fehlen jeder gastronomischen Grundetikette ist seit vielen Jahren zu beobachten; gleichzeitig sinkt trotz dutzender entsprechender Fernsehformate das kulinarische Niveau und das handwerkliche Können der Köche und Köchinnen beständig. Meine Frau und ich sind keine Leute, die regelmäßig „schön essen“ gehen; dafür kochte meine Gattin selbst zu gerne und zu gut; außerdem ist sie im Gegensatz zu mir sparsam. Und nichts liegt uns ferner, als wie westdeutsche Rentner, die sonst nichts zu tun haben als von einer Gaststätte zur anderen zu reisen und alles zu kritisieren vor lauter Langeweile; einen Rundumschlag wider die Gastronomie zu führen. Aber diese hat schon vor Corona gelitten und dann hat ihr die Seuche den Rest gegeben und ist in der BRD so gut wie tot.


    Zum Gastronomen muss man geboren sein, wie zum Lehrer auch und zu vielen anderen Berufen. Wenn ich die Tür meines Lokals aufmache und es stehen schon Leute draußen; dann schaue ich denen ins Gesicht und in die Augen und sage: „Einen wunderschönen guten Tag; kommen sie doch bitte herein; schön, dass sie uns beehren; nehmen sie Platz, ich bin gleich für sie da.“ Man kann den Schmus sogar weglassen; aber man muss als Gast spüren, dass man willkommen ist und nicht nur als Melkmaschine des Durchgangsbetrieb fungiert oder sogar stört. Einfach einen Blick über die Gäste und Tische haben; sehen, was fehlt; liebenswürdig sein ohne Servilität und falsche Zuvorkommenheit. Die Unsitte, statt eines Milchkännchens oder einer Zuckerdose alles portioniert in Papierform beizulegen; ohne gleichzeitig für einen kleinen geschlossenen Behälter auf dem Tisch zu sorgen, in den man alles entsorgen kann; führt dazu, dass alles von den Tischen fliegt beim geringsten Windstoß, aber das kümmert mich inzwischen auch nicht mehr.


    Wir verlangen auf unseren Tellern auch keine Haute Cuisine; aber solide und bodenständige Kochkunst. Selbst die ist aber immer seltener zu haben: Rohe oder glasige Kartoffeln, zerkochtes Gemüse; zähes oder rohes Fleisch; versalzene Gerichte oder Rohkost mit diversen Innereien – die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Natürlich nicht überall und jederzeit; aber leider immer öfter und in viel zu vielen Gaststätten. Vieles ist natürlich Fertigkost aus der Tiefkühltruhe; vieles stammt aus Massentierhaltung oder vom Discounter; dennoch lässt sich auch damit manches herrichten, ohne dass der Gaumen zu kurz kommt. Ein gutes Schnitzel, des Deutschen Lieblingsspeise, erfordert Fähigkeiten: Gutes Fleisch muss man haben, dieses ordentlich prügeln; die Panade ist sehr wichtig, darf nicht billig sein oder vorschmecken; der Bratvorgang erfordert Geschick; dass das Schnitzel durch ist, die Ummantelung aber knackig. Hand aufs Herz; wer hat in letzter Zeit außer Haus ein richtig gutes Schnitzel gegessen? Die meisten werden aufgetaut und in uraltes Fett geschmissen; ich mag gar nicht weiter darüber nachdenken. Selbst die traditionelle deutsche bürgerliche Küche mit Klößen, Rouladen, Braten, Ente, Haxe, Eisbein verkommt immer mehr zur Fast-Food-Bewegung; man wartet nur kurz auf sein Essen, verdrückt dieses noch schneller und in einer halben Stunde ist alles gegessen. Auch der Kunde trägt natürlich Schuld.


    Die Deutschen taten sich schon immer schwer mit der Gastronomie: Dienen und Pflichterfüllung von der Amtsstube bis hin zum Schützengraben; aber in der Wirtsstube klappt das nicht. Die charmante. elegante und eilfertige Begabung anderer Nationen ist uns dem Wesen nach fremd; vielleicht analog zur deftigen Küche galten derbere Sitten. Inzwischen will von der Jugend niemand mehr in die Gastronomie; Schichten und noch dazu sonn- und feiertags stimmen nicht mit der Work-Life-Balance überein; die Bezahlung ist dürftig im Vergleich zum Aufwand. Die Pandemie hat nun mehrere hunderttausend Beschäftigte im Gaststätten- und Hotelgewerbe in andere Branchen getrieben; die sie problemlos und willig aufgenommen und weiterqualifiziert haben. Eine Rückkehr dieser ist also ausgeschlossen und neues Personal kommt nicht nach. Tausende Gastwirte suchen händeringend Köche und Kellner; nur große Ketten und Familienbetriebe können überleben oder eben solche, die in großen Städten auf studentische Aushilfen setzen können.


    Ein Land aber ohne Wirtshaus- und Gaststättenkultur ist kein zivilisiertes und dem Untergang geweiht.


    P.S. Natürlich gibt es auch positive Beispiele; oft genug im schlichteren Milieu; also Kneipen und Dorfkrügen.

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    Ich habe bereits vor anderthalb Jahren mein Befremden angesichts der unzähligen Neuübersetzungen von George Orwells Roman "1984" zum Ausdruck gebracht und nunmehr die Zeit gefunden, zwei davon komplett zu lesen und in alle anderen hineinzuschauen und punktuell zu vergleichen mit dem Original. Wenn ich denjenigen im Internet, die sich der Mühe eines umfassenden Vergleichs mit wesentlich mehr Kompetenz unterzogen haben; weil sie besser englisch können als ich oder sogar Anglisten oder selbst Übersetzer sind, Glauben schenken kann, unterscheiden sich mit einer Ausnahme alle kaum von der klassischen von Michael Walter aus dem (natürlich) Jahr 1984 bei Ullstein.


    Nur Lutz‑W. Wolff scheint so wenig wie möglich ins Deutsche übersetzt zu und vieles englisch stehen gelassen zu haben; Frank Heibert dagegen hat von der Presse hochgelobt und stets empfohlen den ganzen Roman aus dem Präteritum ins Präsens gesetzt, was diesem mehr Unmittelbarkeit und Gegenwärtigkeit verleihe. Ich achte diesen Versuch einer Interpretation mittels einer Neuübersetzung und kann daher seinen Erklärungen im Nachwort folgen, nach denen er sich dieses Experiment auch nur getraut hat, weil genügend textgetreue andere Übersetzungen vorliegen. Dennoch sollte dann ehrlicherweise vorne drauf stehen, dass es sich um eine Bearbeitung handelt; denn der Wechsel der Tempusform ist nicht lediglich ein grammatisches Problem; sondern verändert die Intention des ganzen Buches; man spielt ja auch ein Stück von Mozart nicht in Moll, wenn es in Dur steht; oder färbt ein Bild von Rembrandt von braunen Grundtönen in blaue um. Wie dem auch sei, zwei sich nennenswert unterscheidende Neuübersetzungen hätten ausgereicht; die anderen Übersetzer könnten sich anderen Autoren widmen, die ebenfalls gut und besser sind; aber hierzulande noch keine Verdeutschung erfahren haben. Aber so funktioniert eben der Kapitalismus nicht; sicherer Profit und sei er noch so gering durch vielfache Teilungen steht über Experimenten ohne sichere Rendite. Da bleiben Kultur und Multiperspektivität eben auf der Strecke.


    Nun haben sich natürlich alle Übersetzer, Herausgeber, Verlagsobere; Journalisten, Rezensenten und sonstigen „kulturellen“ Vermittler nicht unterstanden, die zeitlose Aktualität dieses dystopischen Klassikers der Weltliteratur zu unterstreichen und dabei besonders die gegenwärtigen Zeitläufte hervorzuheben; die ihnen eine Wieder- und Neuauflage der beschriebenen Orwellschen Verhältnisse zu bewerkstelligen scheinen. Aufschlussreich und natürlich vorhersehbar ist dabei, dass es immer die anderen sind; auf die man mit dem Finger zeigt; meist die so genannten rechtspopulistischen Strömungen in vielen Ländern Europas und in Deutschland natürlich die Schwefelpartei AfD mit ihren Methoden und Zielen. Man reibt sich dann als verständiger Leser und Beobachter eben dieser Zeitläufte erstaunt die Augen; denn erstens hatte Orwell natürlich nicht nur die zur Niederschrift eben besiegten faschistischen Regimes im Sinn, sondern auch das bolschewistische; wie er gleichzeitig die gerade technisch möglichen Unterdrückungsmechanismen seiner eigenen westlichen Gesellschaft erkannte; weshalb seine Zukunftsvision immer eine zeitgesättigte allumfassende ist; und zweitens verweisen doch Aspekte wie „Neusprech“; „Doppeldenk“; Fälschung der Vergangenheit; totale (heute digitale) Überwachung; Gedankenverbrechen, Un-Person mitnichten auf rechte Kreise; sondern ganz eindeutig auf die gängige gesellschaftspolitische Praxis der heutigen linksliberalen politisch-medialen Meinungseliten.


    Den größten Coup in diesem Zusammenhang leistet sich dtv mit der schon erwähnten Nicht-Übersetzung von Wolff: Kein Geringerer als der jetzige Stellvertreter des Bundeskanzlers sowie Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck von der Partei Die Grünen zeichnet hier für das Nachwort verantwortlich; was in anderen Ausgaben Daniel Kehlmann oder Mirko Bonné besorgen. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen und wenn man sie in einem Roman verwendete, schrieben alle Rezensenten; das wäre zu konstruiert und hanebüchen. Der Politiker, der in seinem früheren Leben selbst ein Autor gewesen sein mag; dieser Politiker also; der mit Stand Herbst 2022 zu denen gerechnet werden muss; die sozusagen weite Teile des Textes von Orwell wieder mit Leben erfüllen und gesamtgesellschaftlich wirksam werden lassen; kommentiert den Roman, als ob er vor den geschilderten Verhältnissen und Entwicklungen warnen müsse, während er sie selbst schon in die Tat umsetzt, natürlich nicht ohne auf die anderen zu zeigen; die ihn dazu zwängen. Schöne neue Bücherwelt! Das geht nur im besten Deutschland, das wir je hatten.

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    Die Klage der Alten über die Jungen ist so alt wie die Menschheit selbst; zumindest so alt, wie es Hochkulturen und Zivilisationen gibt; aber wahrscheinlich reicht sie bis an die frühesten Anfänge, als sich die ersten Hominiden ihrer nicht nur biologisch-sozialen Verantwortung für den Nachwuchs bewusstwurden, was wenigstens in die Frage „Wer finanziert meine Altersbezüge?“ mündet. Bereits in der griechisch-römischen Antike klagten Politiker, Philosophen und Dichter über die sittenverderbte Jugend, die großmäulig auf großem Fuße lebe; aber die Zitate kann man bis zu den Sumerern, Babyloniern und zu den alttestamentarischen Propheten zurückverfolgen; seit es die Schrift gibt; gibt es diese alte und ewig junge Schelte.


    Und so klagte mein Vater über mich, wenn ich mit 15 Jahren sternhagelvoll früh gegen 5 aus dem Dorf kam oder statt ihm in Haus, Hof und Garten zu helfen lieber las und mich mit meinen Freunden traf; obwohl das selten genug vorkam. Sein Vater dagegen schalt ihn, als er sich in der 60ern die Haare langwachsen ließ, laut Beatmusik hörte und lieber Rundfunk- und Fernsehmechaniker werden wollte statt Landwirt. Dessen Vater nun wieder mochte es gar nicht; dass sich mein Großvater von der Kirche abwandte, Motorradrennen fuhr, zur Jagd ging; gerne einen hob, rauchte wie ein Schlot; die Landwirtschaft nur halbherzig betrieb und sich bei der ersten Gelegenheit ins Bürgermeisterbüro davonmachte. Und mein Ururgroßvater klagte wohl lautstark und auch handfest über die Neigungen seines Sohnes, meines Urgroßvaters; sich neben der Landwirtschaft für nutzlose Dinge wie Bücher und Wissenschaften zu begeistern; in der Methodistischen Kirche zu predigen; für das halbe Dorf unentgeltlich Tierarzt und Heilpraktiker zu spielen und überhaupt ein zu guter Mensch zu sein. Und ich klage eben über eine bequeme, faule, dumme, feier- wie konsumsüchtige und nicht belastbare Jugend; die nur noch vor dem Fernseher oder dem Rechner sitzt; das Smartphone inzwischen als eigenes Körperteil; sich für nichts interessiert als die eigenen Versuche, die Langeweile zu vertreiben und die niederen Gelüste kurzfristig zu befriedigen.


    Da mag man nun denken; in Ordnung; so setzt sich die Reihe eben fort. Aber ich denke, das greift zu kurz; weil sich einfach die gesellschaftlichen Umstände und Verhältnisse so rasend schnell verändert haben in den letzten 50 Jahren. Die Klagen des Ururgroßvaters meines Ururgroßvaters werden sich kaum von denen seines eigenen unterschieden haben und noch weniger dessen von denen des seinen und so weiter bis in die Zeiten vor der Industriellen Revolution; wo sie praktisch über hunderte Jahre ununterscheidbar wurden. Denn in einer überwiegend agrarischen Gesellschaft wird es für die niederen Stände bestenfalls Ärger über die Frage gegeben haben; ob man das Land flieht und in die freiere Stadt mit mehr Möglichkeiten; wen man heiratet und ob man auch fleißig genug ist. In den höheren Ständen achteten die Väter darauf, dass der Filius nicht das gesamte Vermögen vor der Zeit, da er vernünftig wird; verprasst und nicht zu viele Mägde schwängert. Heute ist das natürlich wesentlich komplexer und damit existenzieller: Privatfernsehen, Computer, Internet, mobiles Handtelefon, schier unbegrenzte Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten – unsere Lebenswelt hat sich in den letzten 30 bis 40 jahren so stark verändert; dass erstmals auch die Jungen einem Einfluss ausgesetzt sind; der sich so mit den früheren Jahrhunderten nicht vergleichen lässt.


    Wenn unsere Digital Natives in einem in der Geschichte selbst der westlichen Nationen beispiellosen Wohlstand ohne jedes Existenzangst und ohne jede Motivation sich anstrengen und aus sich selbst heraus entwickeln zu müssen, aufwachsen; dabei von ihren Eltern und Großeltern überbehütet werden bis ins dreißigste Jahr und länger; in den Schulen nicht gefordert werden und ihre guten Zeugnisse für immer schlechtere Leistungen erhalten; sie für jede Bemühung und arbeitsähnliche Tätigkeit hofiert und gelobt und fürstlich entlohnt werden; sie 90 Prozent ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Energie darauf verwenden müssen, ununterbrochen zu kommunizieren via Handy, diverse Messenger, Laptop, Social Media etc.; ihre Freizeit zu organisieren und so zu strukturieren, um möglichst jede Sekunde des ihnen wichtigeren Bereichs der Work-Life-Balance so auszufüllen, dass sie Bilder davon machen und anderen zeigen können, wie ausgefüllt, spaßig und cool ihr Leben ist; spät oder gar nicht heiraten und Nachwuchs zeugen und dann aber heillos überfordert sind mit einer längeren Beziehung und Kindererziehung; und dann gerne möchten, dass Vater Staat das meiste übernimmt und ihnen weiter ein sorgenfreies Leben ermöglicht; wofür sie sich an der Wahlurne mit einer Stimmabgabe revanchieren, die sie weiter entmündigt und infantilisiert, obwohl sie glauben, mit ihrer Feigenblattwahl und ihrem modernen Ablasshandel erwiesen sie sich als besonders unabhängig, modern und fortschrittlich; dann wird es diesmal wirklich ernst und sehr eng für diejenigen, die gerade alt genug werden, um nach der finanziellen und mentalen Absicherung ihres Lebensabends zu fragen.


    Wie soll so eine Jugend eine Zukunft gestalten können; die so viel komplexere Probleme zu lösen hat als jemals in der Menschheitsgeschichte? Ich mutmaße ja, dass, wie das Lamento über die Jungen seitens der Alten mit der Schrift in die Welt gekommen ist; es mit der Schrift auch wieder aus ihr verschwindet. So sehr lange kann das nicht mehr dauern.

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    In der schönen Dokumentation „Die Macht des Bleistifts in der digitalen Welt“ heißt es, die Zeichnung gewinne wieder an Bedeutung als Reaktion zur heute allgegenwärtigen Fotografiererei. Und in der Tat ist gesamtgesellschaftlich eine wenn auch schwache Tendenz zu beobachten, nach der einige Menschen versuchen, sich den Zumutungen der bunten Konsumwelt und des allgegenwärtigen Informations- und Bilderschrotts zu entziehen; sich allgemeiner gesprochen aus der digitalen Welt wieder in eine analogere zu verabschieden und damit zu retten. Statt der tausenden Bilder mit dem Handy, die in Clouds, auf Festplatten etc. auf Nimmerwiedersehen verschwinden wieder die Konzentration auf das EINE Bild, das einem etwas bedeutet; vielleicht sogar auf das, das man selber zeichnet. Produktive, kreative Wahrnehmung der Welt um und in einem statt betäubender sinnloser Massenrezeption ohne Sinn und Verstand bei pausenloser Kräftezehr.


    Da gibt es die Menschen; die so gut es geht auf ein Handy, den Computer und sogar das Fernsehen verzichten; da gibt es die, die im eigenen Garten Gemüse und Kräuter selbst anbauen und sich unabhängiger machen von Supermarkt und Industrie; diejenigen, die sich abends an den Schreibtisch setzen und dem Freund einen langen Brief mit der Hand schreiben; die, welche alles zu Fuß gehen, was irgendwie machbar ist und die die zwei Teller in der Spüle abwaschen; solche, die sich gemütlich hinsetzen und ein Buch lesen; weil sie alle Zeitungen und Zeitschriften abbestellt haben; die, die nicht ins Fitnessstudio gehen und alle Übungen auf ihrer Gymnastikmatte machen oder draußen an der frischen Luft wandern, joggen, laufen oder Radfahren; und natürlich all die, deren handwerkliche Fähigkeiten Reparaturen im Haushalt zulassen und die nichts wegschmeißen und mit sehr wenig Geld über die Runden kommen können, weil sie sich zusätzlich nichts aus der neuesten Mode machen und mäßig essen und trinken.


    Solang es solche Tendenzen gibt und sie womöglich mächtiger und wirksamer werden, besteht noch Hoffnung. Die Masse aber ist verloren.

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    Landtagswahl in Niedersachsen: Es ist mir unbegreiflich, wie die SPD auf die Stimmen kommt; die hat nichts gerissen die letzten Jahre; sie verantwortet im Bund mit den Grünen den ganzen derzeitigen Wahnsinn. Zumindest in Niedersachsen also dürfte es mit Ausnahme der blauen Stimmen niemanden geben, der über hohe Energiepreise und kalte Wohnungen im Winter jammert. Das hat auch nichts damit zu tun; dass eine Landtagswahl entgegen des angeblichen Bundestrends enden kann; ein wenig komplexer ist das inzwischen schon. Das beginnt mit der starken sozialdemokratischen Tradition Niedersachsens, setzt sich fort über Verschiebungen im Wahlverhalten Bund-Länder und endet bei den neuen Konstellationen, die seit 2015 greifen.


    Ich gehöre (leider?) immer noch zu denen; die glauben; hinter einer Wahlentscheidung stünden vielleicht hin und wieder Vernunft, Sachverstand; Kenntnis der gesellschaftspolitischen Strukturen in der BRD und ein wenigstens mittelfristiges Interesse an künftigen potenziellen Entwicklungen im eigenen Land. Ansonsten wäre das Wahlrecht ja wirklich obsolet und letztlich überflüssig. Zumindest ergeben die Wahlen auf Bundes- und Länderebene seit 2015 weder rational-logisch noch emotional Sinn; wenn man sie daran misst; was die Wahlsieger "geleistet" haben. Das mag vorher auch schon so gewesen sein; aber es gab auch noch nie seit dem Krieg und der Wende eine Krise gegenärtigen Ausmaßes.

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    Das Problem mit Joseph Haydn ist; dass ein Menschenleben einfach nicht ausreicht, um allein die über 100 Sinfonien; jedes der vier Dutzend Streichquartette und jede der über 50 Klaviersonaten hinreichend zu hören und zu würdigen; für diesen gewaltigen musikalischen Kosmos braucht es mindestens vier Ohren und 200 Lebensjahre.

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    Der gefährlichste, unerbittlichste, grausamste, ruchloseste, brutalste, entschlossenste, amoralischste, empathieloseste, asozialste, giftigste, galligste, zäheste Gegner; den sich ein Mann machen kann, ist eine abgewiesene Frau. Ein solcher Feind ist mir begreiflicherweise noch nicht erwachsen und wird es aller Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr, aber wen es betrifft; der hat keine ruhige Stunde mehr, der muss um sein Leben fürchten und alles, was ihm lieb und teuer ist; was man so hört und liest.

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    Die Tage beim Tierarzt erzählte mir eine ältere Frau im Wartezimmer von ihren Nachbarn, deren vierjähriger Sohn verschwunden war und nach dem man im ganzen Dorf und in der Umgebung überall suchte beinahe schon mit polizeilicher Unterstützung und den man dann eher zufällig und völlig unvermutet im Hühnerstall fand; wo er in aller Seelenruhe und restlos glücklich und zufrieden mit dem Federvieh auf der Stange hockte und die erleichterten Eltern als wahres Honigkuchenpferd mit den Mundwinkeln an den Ohren so heiter anstrahlte wie ich nun die Zufallsbekanntschaft beim Veterinär.

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    Ich würde so gerne einen neuen Ritterorden gründen wider Dummheit und Ignoranz, Lügen und Halbwahrheiten, Doppelmoral und Heuchelei. Wir errichteten unser Mutterhaus im Zentrum des Übels und nachdem uns der zu erwartende Zulauf zu einer ansehnlichen Streitmacht verholfen hat, würden wir ausziehen als wahre Streiter für das Edle, Wahre und Gute; jeder Ritter ein neuer Miles christianus; und straften die Lügner und Ignoranten; lehrten die Dummen und Einfältigen und trieben die Doppelmoral und Heuchelei aus mit unseren Schwertern aus Schreibfedern und Tintenfässern. Unser Wahlspruch sei "Wider den Ungeist, die Unbildung, die Unkultur und die Inhumanität"; unser Motto "Wehe den Hohlköpfen und Opportunisten"; unser Ordenskleid sei der weiße Umhang der Aufklärung mit dem schwarz-roten Symbol eines Bücherpults und unser Sinnen und Trachten gölte einer säkularen Welt in Friede und Harmonie und ohne doppelzüngige Bestien in Menschengestalt.

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    Unsere "Amadeus-Eieruhr" zum Mitkochen hat heute ihren Geist auf- und den letzten Ton von sich gegeben; die zweite, seit ich hier wohne. Sie hat bis zum Schluss ihren Dienst verrichtet und ist also in ihren Stiefeln gestorben. Ich habe sie in allen Ehren beigesetzt und ihren Nachfolger vereidigt. Über den Vogelfänger kamen wir kaum hinaus; bestenfalls bis zum ersten türkischen Marsch; die Kleine Nachtmusik gab es nur, wenn man es total verpennt hatte oder die Eier mal aufs Brot legen wollte in Scheiben. Wo sind nur die Zeiten hin, da man ein Ei kochte und die viereinhalb Minuten bis zum Übergang zwischen noch weich und noch gar nicht wirklich hart selber ablas an der Uhr? Aber man ist so beschäftigt beim Frühstückmachen, wenn man sich gleichzeitig noch den Schädel rasiert, die Zähne putzt und die Kantate mitsingt; dass man ein musizierendes Kunstei braucht, das alle drei Jahre das Zeitliche segnet.

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    Ich lese immer noch in den Gazetten und im weltweiten Netz nur von Hintermännern, die für dies und das verantwortlich sind und an die man so schlecht herankommt. Es wird allerhöchste Zeit, endlich geschlechtergerecht auch von Hinterfrauen zu sprechen, deren es erstens in der Geschichte der Menschheit so viele gab und gibt und die mittlerweile nicht nur aufgeschlossen haben zu den Männern, sondern diese im Hintergrund sogar in den Hintergrund gedrängt. Zu unterscheiden wäre das aber unbedingt von den Hinternfrauen; das meint etwas ganz anderes; weil phänotypisch Konnotiertes; was uns wiederum zurückführt zu Gender und Sexismus; denn es gibt natürlich auch Hinternmänner.

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    Früher ging man als Mann einfach so los, wenn man irgendwohin wollte. Man verließ das Haus in Jeans und Shirt, steckte den Geldbeutel in die Arschtasche oder noch früher den Kamm und ging seiner Wege. In den 70ern und 80ern schaute ich immer einigermaßen eingeschüchtert auf die Handgelenktasche meines Vaters, die auch von anderen Männern vorwiegend mittleren Alters mehr oder weniger lässig und stilvoll getragen wurde. Was mochte da alles drin sein? Wie bedeutend sind diese Herren, dass sie so viele wichtige Dinge mit sich herumschleppen müssen, welche Verantwortung mochte auf ihren Schultern lasten? Ich besaß nichts, was der Mühe wert gewesen wäre; es aushäusig herumzutragen.


    Heute nun, viele Jahrzehnte später, gibt es für mich nichts Schwuleres und Peinlicheres als so eine Handgelenktasche. Vielleicht deshalb habe ich mich so lange gegen eine Männerhandtasche gesträubt. Aber egal wie alt man heute ist; mit Portemonnaie, Handy, Schlüsselbund, Zigarettenschachtel, Patientenverfügung und diversen anderen Dingen ist zumindest in der wärmeren Jahreszeit, wenn man keine Jacken mit Taschen trägt, eine einzige Hose überfordert. Bei vielen Männern im Stadtbild sieht das dann immer so aus, als wucherten in ihren Beinkleidern gefährliche Tumore, die überall hinstreuten.


    Und so schenkte mir meine Frau, die immer mein ganzes Zeug in ihrer Handtasche verstauen musste unterwegs, was sie gründlich satthatte; eine sündhaft teure Männerhandtasche aus Büffelleder. Die war hübsch; was für ein Wort von einem Mann; aber da passte gerademal das mobile Handtelefon mit Geldbörse rein und wenn man sie so schräg über den Oberkörper an der Seite trug, kam ich mir trotzdem so vor, als rutsche sie jeden Moment vor den Bauch und sähe aus wie meine Brottasche früher im Kindergarten. Für einen Spottpreis wurde also eine Umhängetasche geordert; die man über die Schulter wie einen kleinen Rucksack trägt. Mit der konnte ich mich anfreunden; da passte alles rein und sie sieht in Maßen cool und sportlich aus. Seltsamerweise finde ich sie aber bei anderen Geschlechtsgenossen meines Alters albern; ich darf also nie in den Spiegel schauen mit dem Teil.


    Aber es führt kein Weg zurück. Mit der Zeit werden die beweglichen Teile nichtnatürlichen Ursprungs zahlreicher; das wird mir immer bewusst beim MRT, wenn man Brille, Prothese, Gebiss, Haftschalen, Hörgerät etc. ablegen muss und künstliche Gelenke in Knie, Hüfte und Schulter abgefragt werden. Irgendwann wird auch die Herrenhandtasche voluminöser werden müssen, wenn man unterwegs noch Sanitärartikel benötigt oder auf dem letzten Gang die Makarow, eine Walther PPK oder die HK45 unauffällig zu verstauen sind.

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    Die von mir hochgeschätzte Lyrikerin Daniela Danz kenne ich seit einigen Jahren persönlich; wir beide kamen vor allem über Hölderlin ins Gespräch, dessen Vorbildwirkung ich ihr auf den Kopf zugesagt hatte. Sie schrieb mir daher einige von dessen Zeilen als Widmung in ihre Bücher; diese Bändchen nehmen daher einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek ein.


    Inzwischen hat sie schon wieder zwei Preise abgeräumt in den letzten beiden Jahren, zwanzig sind es jetzt insgesamt. Bei aller Liebe und Freundschaft und bei aller Anerkennung ihrer Begabung und Kunstfertigkeit; diese Häufung von Auszeichnungen spiegelt die Wirklichkeit unserer deutschen Gegenwartsliteratur und besonders auch die der Lyrik nicht im Mindesten wider. Daniela Danz ist eine bemerkenswerte Dichterin, sie ist attraktiv, charmant, weltläufig, sympathisch und redegewandt; sie eckt trotz Themen wie Heimat und Identität nicht an, ist nicht streitbar, sondern konsensfähig mit einem Alibi-Stich in den Hohen Ton und die bildungsbürgerliche Tradition – markttechnisch gesehen verkörpert sie geradezu idealtypisch das Gesamtpaket; das sich gut vermarkten und verkaufen lässt; auch wenn letzteres bei moderner Lyrik eher zu vernachlässigen ist.


    Aber wer sich nur ein wenig auskennt in der Literaturszene, weiß zum Beispiel, wie viele sich auf dem Gebiet der Lyrik versuchen; und natürlich sind 90 Prozent davon als mediokre bis peinlich schlechte Erzeugnisse irgendwo zwischen Banalität und Schrott zu charakterisieren. Aber es gibt genug Ausnahmen; genug selbstständig veröffentlichte Gedichtbände oder solche in Auswahl und als Anthologie; genug Veröffentlichungen auf diversen Internetplattformen; die man für eine Auszeichnung und Preisverleihung ins Auge fassen könnte.


    Aber ich sag es ganz bewusst ohne jede Bemäntelung und frei heraus: Die Verantwortlichen in den Redaktionsstuben, den Kultur- und Literaturteilen der großen Blätter, den entsprechenden Abteilungen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und natürlich in Politik und Gesellschaft überhaupt sind dumm, bequem, faul, ignorant, arrogant und feige; sodass den Stiftern und Vergebern der jeweiligen Preise meist wenig Spielraum bleibt an vorzeigbaren Kandidaten. Man konzentriert sich auf das, was man schon kennt; was niemandem wehtut; wo man immer wieder dasselbe von anderen abschreiben kann und sich nicht in Gefahr begibt mit noch unbekannten Dichtern oder heiklen Themen. Es gibt nur eine Handvoll Autoren, die seit Jahrzehnten alle Preise abräumen; auf Wikipedia sind diese Listen oft länger als die Beschreibungen zu Inhalt und künstlerisch-ästhetischem Wert der Texte.


    Ich betone noch einmal, dass ich jeden Preis für Daniela Danz an sich für berechtigt halte; aber ich bin sicher, sie selbst würde es auch lieber sehen, wenn der eine oder andere ihrer Kollegen, der Qualität hat und bislang übersehen wurde, auch einmal profitieren könnte, um sich weiterzuentwickeln. Zwar neidet der eine Schriftsteller dem anderen nur eines wirklich; nämlich den Erfolg; aber als bereits saturierte Dichterin mit breiterer Rezeption stimmte sie mir sicher zu. Ich traue mich nur nicht, sie zu fragen.

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    Das heikelste gesellschaftspolitische Thema seit spätestens den umstrittenen und letztlich rechtswidrigen Vorgängen im Herbst 2015 ist die Flüchtlingspolitik und damit allgemeiner die Frage der Migrationspolitik. Dieses ist so emotional und ideologisch aufgeladen, dass schon lange keine sachlichen und vernünftigen Argumente mehr gehört werden und keinerlei Güterabwägung erfolgt.


    Von diesen Thesen muss jede Beschäftigung mit dem Problem ausgehen:


    1.
    Wirtschaftliche, soziale, politische, militärische und andere Probleme in verschiedenen Weltteilen können auf Dauer nur vor Ort dauerhaft behoben und gelöst werden. Die Weltbevölkerung wird von jetzt knapp 8 Milliarden bis zum Ende des Jahrhunderts auf voraussichtlich 11 Milliarden ansteigen. Allein in Afrika wird sich die Bevölkerung von jetzt 1,3 Milliarden bis 2050 verdoppeln. Der Migrationsdruck aus sozialen Gründen könnte pro Jahr 15 Millionen Afrikaner in Marsch setzen; kein Land der Welt und schon gar nicht Deutschland würde diese alle aufnehmen können, ohne selbst zu kollabieren. Der Ansatz aller Lösungsversuche muss also darin bestehen, alle demografischen Fehlentwicklungen im Auge zu behalten und mittelfristig so zu steuern, dass die Weltbevölkerung eher sinkt statt weiter wächst.


    2.
    Es können nicht alle Menschen auf der Welt so leben wie wir in Mittel- und Westeuropa und Nordamerika; dafür reichen die Ressourcen nicht aus; der Planet würde ökologisch kollabieren. Wer das aus welchen Gründen auch immer erreichen möchte, müsste den Lebensstandard der ärmeren Völker anheben und den der westlichen Nationen absenken; das ist in der Praxis natürlich undurchführbar ohne Verwerfungen komplexester Art mit Unruhen und Kriegen.


    3.
    Integration ist IMMER und AUSSCHLIESSLICH Aufgabe und Leistung der Migranten. Es versteht sich, dass das aufnehmende Land mit seinen Bürgern versuchen wird, der Integration keine Steine in den Weg zu legen und sie also bestmöglich zu fördern; eine besondere Pflicht aber für die Einheimischen besteht natürlich nicht; wie besonders in Deutschland immer wieder vollkommen irrig und irrational behauptet und gefordert wird. Der Migrant steht in der Pflicht; zuallererst die Sprache seines Aufnahmelandes zu lernen; sich zu qualifizieren, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen; sich an die bestehenden Gesetze zu halten; die allgemein geltenden Sitten und Bräuche zu akzeptieren und sich so weit es geht und ohne die eigene Kultur aufgeben zu müssen dem neuen gesellschaftlichen Umfeld zu assimilieren. Das ist das Mindeste, was man von einem Migranten erwarten kann; der sich nicht mehr um Leib und Leben sorgen muss und zumindest in der BRD sofort sozial und medizinisch abgesichert ist.


    4.
    Die Unterschiede zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und politischen Asylanten müssen transparent offengelegt werden mit den dazugehörigen Konsequenzen. Ein Recht auf Asyl hat laut Grundgesetz derjenige, der anderswo sonst verhaftet, eingesperrt, gefoltert oder umgebracht würde. Ein Recht eines jeden Menschen auf der Welt auf ein besseres Leben in einem bestimmten Land seiner Wahl besteht nicht und wäre auch nicht umsetzbar. Zumindest müsste es dann universell für alle Länder der Erde gelten und ich müsste als Deutscher auch problemlos nach Kanada oder Australien einwandern können ohne jede Vorleistung.


    5.
    Jedem Land sind geografische, bevölkerungspolitische, wirtschaftliche, soziale, finanzielle, ethnische, psychologische, mentale etc. Grenzen gesetzt bei der Aufnahme und Integration von Migranten. Wer diese Grenzen missachtet und willentlich überschreitet, schadet dem jeweiligen Land, schwächt es oder treibt es sogar in den Untergang. Das bedeutet im schlimmsten Ernstfall auch; dass selbst anderswo politisch Verfolgte nicht mehr aufgenommen werden können, wenn das Aufnahmeland bis an den Rand der Selbstaufgabe mit dem Verlust der eigenen Existenz bedroht ist. Wenn ein Boot für 100 Mann ausgelegt ist und weitere 100 an Bord nimmt, wird es unweigerlich kentern; dann sterben 200 Menschen statt vorher 100 oder 50 oder 10 oder gar keiner.


    6.
    Die Migranten mit dem Ziel einer Verbesserung ihrer sozialen Lage, die es bis in die westliche Welt schaffen, gehören überwiegend nicht zu den sozial schwächsten Schichten ihrer Herkunftsländer; denn die verfügen gar nicht über die Mittel, um überhaupt so weit zu kommen. Die inzwischen global organisierten und skrupellosen Schlepperbanden spekulieren sowohl mit der Not und dem Elend der ärmsten Migranten als auch mit dem Drang der weniger armen ein besseres Leben finden zu können. Dafür gehen viele Migranten ein sehr hohes Risiko, das Lebensgefahr mitunter einschließt, ein; und den Schleppern ist Gesundheit und Leben der ihnen Anvertrauten natürlich egal; sie möchten hohe Gewinne erzielen, interessieren sich nicht für Fragen der Sicherheit auf Booten oder ausreichend Sauerstoff in LKWs und spekulieren inzwischen schon auf etwa die Seerettung im Mittelmeer durch Engagierte aus westlichen Staaten. Letztere werden so wider Willen Teil eines durchorganisierten kriminellen Netzwerkes. Dieses kann man nur verhindern, indem man sich diesem Tun verweigert und nicht erpressen und instrumentalisieren lässt. Ich führe in diesem Zusammenhang meist ein Beispiel aus der Hundezucht an, das nur auf den ersten Blick unpassend wirkt; in Wirklichkeit aber den Finger in die Wunde legt. Wenn man Welpen von so genannten Vermehrern kauft, die sich nicht an die Vorschriften und Regeln für eine tierschutzgerechte Zucht halten, ihre Hündinnen als Gebärmaschinen missbrauchen und in elenden Verhältnissen dahinvegetieren lassen; dann unterstützt man deren Geschäft und fördert das Elend der Tiere. Wer aus Mitleid und weil er helfen und retten will, bei diesem System mitmacht; macht sich mitschuldig an größerem Leid, das dadurch entsteht. Wenn die Schleuser sehen, dass niemand mehr kommt, um auf See zu helfen; wird das Geschäft eingehen. Und zuletzt ist jeder, der zum Beispiel auf ein überladenes und seeuntüchtiges Schiff steigt letzten Endes für sich selbst verantwortlich, aus welchem Grund er auch immer diesen Weg gewählt hat. Den westlichen Nationen ein schlechtes Gewissen und sie damit erpressbar machen zu wollen ist ein durchsichtiges Manöver.


    7.
    Solange westliche Großmächte mit den USA und der instrumentalisierten NATO an der Spitze in allen Weltgegenden und besonders im Nahen Osten und in Afrika Interessen- und Sicherheitspolitik betreiben, die den Interessen der dort ansässigen Staaten zuwiderläuft und für innere Unruhen und Kriege sorgt; ist jeder Migrationsprozess aus diesen Gegenden von diesen mitverursacht und mitzuverantworten. In diesem Zusammenhang wäre also beispielsweise die USA in Haftung zu nehmen; sie hätte die Migranten aufzunehmen und zu versorgen. Das geschieht aus verschiedenen Gründen nicht, schon allein wegen der geografischen Aspekte und der sozialpolitisch größeren Attraktivität Westeuropas mit Deutschland an der Spitze. Im Klartext bedeutet das oft genug; dass die Vereinigten Staaten ihre Interessen irgendwo wahren, den Profit einstreichen; die anderen Aspekte aber ihren näher gelegenen Verbündeten zur Lösung überlassen. Das transatlantische Bündnis funktioniert schon sehr lange nur noch in eine Richtung; Migrationspolitik ist ohne global gesehene Macht- und Bündnispolitik nicht zu verstehen und erst recht nicht zu lösen.


    8.
    Migrationsprozesse treffen in jeder Gesellschaft die unteren Schichten und sozial Schwachen stärker als den Mittelstand und die herrschenden Eliten. Das hat viele Ursachen, die ich hier nicht im Einzelnen besprechen werde; die aber letztlich dazu führen; dass jede unkontrollierte Migration und eine über jedes vernünftige Maß gesteigerte Flüchtlingspolitik zu einer sozialen Belastung für das Aufnahmeland wird und den ohnehin schon bestehenden Graben zwischen den besseren Kreisen und den kleinen Leuten verbreitert und im Zusammenhang mit den moralischen Überlegenheitsgesten der sich fortschrittlich gebenden wohlhabenderen Klientel und der als Reaktion darauf sich verhärtenden Reaktionen des angeblich fremdenfeindlichen einfachen Volkes besonders in Osten Deutschlands zu quasi bürgerkriegsähnlichen Zuständen und einem totalen Kulturkampf führen kann.


    9.
    Träumereien von einer Welt ohne Grenzen und überhaupt One-World-Fantasien mögen ideengeschichtlich verständlich sein, für eine Lösung der Migrationsproblematik der Gegenwart sind sie in allgemein philosophischer Hinsicht widersprüchlich und in praktisch- gesellschaftlicher wenig hilfreich und letztlich kontraproduktiv. Die gesamte zivilisierte Welt besteht aus Nationalstaaten mit den dazugehörigen Wirtschaftskreisläufen und geschlossenen Wirtschaftssystemen, aus denen in glücklichen Fällen wie bei uns in der Bundesrepublik Deutschland der Wohlfahrts- und Sozialstaat erwächst; der in seiner Substanz auf einem Geben und Nehmen fußt und nur auf der Basis innerer Stabilität und Ausgeglichenheit existieren und funktionieren kann. Es gibt keinen Weltstaat mit gemeinsamer Legislative, Judikative und Exekutive und nicht einmal die Vereinigten Staaten von Europa; jeder Nationalstaat ist trotz aller übergreifenden globalen Vernetzung der Wirtschafts- und Finanzmärkte immer noch selbst für Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Finanzen, Haushalt, Sicherheitspolitik, Sozialleistungen, Bildung, Armee, Polizei, Kunst und Kultur etc. verantwortlich und ist besonders in zumindest dem Namen nach demokratischen Staaten wie denen des kapitalistischen Westens mit Repräsentativsystem dem Souverän, also dem jeweiligen Wahlvolk, Rechenschaft pflichtig.


    Was bedeuten diese Voraussetzungen für die Bundesrepublik Deutschland? Zunächst einmal die Erkenntnis; dass nur ein stabiles, wirtschaftlich und mental starkes und durch keinerlei innenpolitische und soziale Spannungen zerrüttetes Deutschland mit einer bei aller Heterogenität doch im Ganzen homogenen Gesellschaft in der Lage sein wird, auch in Zukunft politischen Flüchtlingen aus aller Welt Asyl zu gewähren und in den Krisengebieten der Welt vor Ort Hilfe zu leisten und Unterstützung zu geben. Wer den Wirt schädigt, wird auf Dauer nicht mehr satt werden; diese banale Weisheit wäre zu verinnerlichen. Zudem und das ist ganz wichtig; erwächst Deutschland aus seiner Vergangenheit; weder aus der kolonialen noch aus der nationalsozialistischen, eine besondere Verpflichtung; unter Hintanstellung aller Vernunft und Beiseitelassen aller rationalen und logischen Überlegungen eine Migrations- und Flüchtlingspolitik zu praktizieren; die von der übrigen Welt als rein und lauter und geradezu übermenschlich wahrgenommen wird und damit als Sühne für vergangene Untaten; und sich nur an vermeintlich in dieser Situation angebrachten ethisch-moralischen Maßstäben orientiert.


    In der Praxis verfolgen unter anderem Kanada und Australien die rigideste und also am strengsten überwachte, kontrollierte und gelenkte Einwanderungspolitik. In Kanada setzt man auf eine Migration, die dem eigenen Land nützt; indem nur diejenigen aufgenommen werden, die mit ihren Berufen gebraucht werden: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger; Handwerker; Ingenieure; IT-Spezialisten; Hoteliers und Gastronomen; vor allem in ländlichen Gegenden. Über eine Arbeitserlaubnis und eine Aufenthaltsgenehmigung kann man nach drei Jahren die kanadische Staatsbürgerschaft beantragen. In Deutschland suchen wir praktisch genau die gleichen Berufsgruppen und könnten demnach die kanadischen Verhältnisse beinahe 1:1 kopieren. Statt aber sicherzustellen, dass die künftigen neuen Bundesbürger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, die Sozialsystem nicht über Gebühr belasten und sich rasch integrieren können, haben wir im Herbst 2015 unsere Grenzen geöffnet und Migranten in letztlich unbekannter Zahl ohne Pass unkontrolliert ins Land gelassen; und importieren spätestens seit diesem Zeitpunkt in Millionenhöhe Menschen aus fremden Kulturen mit gänzlich anders gearteten Lebensvorstellungen und anderen Religionen, oft bildungsfern und wenig vertraut mit den Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und auch nicht willens oder fähig, diese zu verstehen oder nicht zu verachten, was den Sozialstaat an seine Grenzen bringt und wirtschaftlich, politisch, demographisch und nicht zu unterschätzen kollektivmental für Sprengstoff in Staat und Gesellschaft sorgt und letztlich hauptverantwortlich zur Spaltung letzterer beigetragen hat.


    Eine angemessene Migrationspolitik im Sinne der oben genannten Voraussetzungen hätte sich also zuallererst an den Bedürfnissen Deutschlands zu orientieren; damit dieses auch ferner im eigenen Land und weltweit helfen und unterstützen kann. Dazu gehören als nicht diskutierbare Grundlagen gesicherte Grenzen und eine Vorgehensweise, die zum einen nur Leute ins Land lässt, von denen man genau weiß, woher sie kommen und wer sie sind; eigentlich eine Selbstverständlichkeit; und von denen man annehmen kann, dass sie mittelfristig in der Lage sein werden, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und der bundesdeutschen Gesellschaft einen Nutzen erbringen, der ihnen auch selbst zugutekommt. Mit Blick auf die Gesamtheit und Komplexität der Einwanderungspolitik wäre zentral die gesamtgesellschaftliche Homogenität im Auge zu behalten, die sich weniger an ethnischen oder religiösen Fragen orientieren sollte, sondern an solchen, die einen langfristigen sozialen Frieden und innere Sicherheit und Stabilität garantieren; sodass gar nicht erst Verwerfungen innenpolitischer Natur oder Parallelgesellschaften entstehen.

    • Offizieller Beitrag

    Jetzt, da ich jeden Morgen mit dem Hund durch das fußhohe Laub in allen Farben und Schattierungen laufen kann und der Herbst sein Bestes gibt und ich mich schon freue, dass dem farbigen Tuch bald hoffentlich das weiße folgt, um die Erde zuzudecken für längere Ruhe und Stille und Einkehr; bin ich restlos glücklich und zufrieden. Anderen geht es wohl im Frühling so und ich frage mich; ob jene die Tatkräftigeren; Lebensbejahenderen, Positiveren sind; voller Liebe zu den Anfängen und Energie; während Leute wie ich die sind, die das Ende lieben und den Tod des Jahres herbeisehnen und die Vergänglichket der Natur und eines selbst mit Freude begreifen.

    • Offizieller Beitrag

    Gestern am frühen Morgen im Stadtpark hatte sich am Teich ein fremder Grauschwan eingefunden, der zunächst am Rand sich aufhielt und später aber im feuchten Nass von dem einen der beiden ortsansässigen weißen Schwäne verfolgt, angegangen und immer wieder verjagt wurde nach längeren Verfolgungsjagden zu Wasser, die auch die anderen Bewohner wie die kleineren Enten immer wieder zu tollkühnen Ausweichmanövern zwangen, wollten sie nicht in Mitleidenschaft geraten. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: "Weiße Schwäne attackieren farbigen mit Migrationshintergrund"; ein klarer Fall für den Rassismusbeauftragten der Bundesregierung!

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe gestern beim sonntäglichen Bad in der Wanne festgestellt; dass ich die Vorgaben des Bundesregierung erfülle; weil ich immer fetter werde und mit meiner gewaltigen Masse kaum noch Wasser einlassen muss wegen der Verdrängung. Oder gleicht sich das wieder aus, weil ich bei normaler Körperpflege ja mehr Fläche waschen muss; mehr Nahrungsmittel verbrauche und deutlichere Fußabdrücke hinterlasse? Auf der anderen Seite schwitzen Dicke immer und müssen nicht heizen. Kann man das alles irgendwie berechnen? Wer ist besser für das Klima und Sparmaßnahmen; Dicke oder Dünne?