Yoricks Nachtgedanken bei Tage

    • Offizieller Beitrag

    Das Schlimme am gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Diskurs ist ja die Schwarzweißmalerei und die undifferenzierte pauschale Parteinahme und Ablehnung. Dabei sind die Probleme der Moderne so komplex, dass es normalerweise keine so tiefen Gräben zwischen politischen Parteien, gesellschaftlichen Gruppierungen, sozialen Schichten und mentalen Haushalten gibt.


    So rennen die Grünen bei mit ihren überkommenen klassischen Positionen wie Natur-, Umwelt-, Tier- und Klimaschutz oder auch Basisdemokratie schon immer offene Türen ein. Biologisch-ökologischer Anbau, Regionalität, Nachhaltigkeit, Sparsamkeit, Verzicht, Konsumkritik – das alles schrieb ich schon auf meine Fahnen, als die Grünen noch in Turnschuhen im Parlament einen auf Bürgerschreck machten. Wenn es nach mir ginge, würden in unserem Rechtssystem Tiere nicht als Sache, sondern als Lebewesen eingestuft; das Tierschutzgesetz würde ich verschärfen; es gäbe keine Massentierhaltung; die Innenstädte wären autofrei; alles verfügbare Geld ginge in Bildung und die Energieformen der Zukunft; es gäbe Infrastruktur wie Straßen, Kanäle, Schienen, Trassen nur im Einklang mit noch schärferen Umweltauflagen; bei mir würden keine Schlote mehr rauchen; alle Autos führen inzwischen mit einem halben Liter auf 100km; Flüge wären so teuer, dass man sich überlegt, ob man wirklich nach Übersee oder nach Malle muss; der Öffentliche Nahverkehr wäre kostenlos und würde do dicht ausgebaut werden, dass selbst der ländliche Raum wieder angeschlossen ist an den urbanen. Ich könnte noch hunderte andere Aspekte anführen, für die ich mein Kreuz bei den Grünen machen würde, wenn sie so Politik umsetzen würden.


    Was mich stört, ist die Rücksichts- und Bedenkenlosigkeit bei der Umsetzung etwa der sogenannten Energiewende: Natürlich bin auch ich für die Abkehr von fossilen Brennstoffen und, insoweit wir sie sicherheitstechnisch nicht in den Griff kriegen; auch von der Kernkraft. Aber eben vernünftig und immer mit Blick auf das Ganze und Machbare; also evolutionär, nicht revolutionär. Wenn Kohle und Uran noch fünf oder zehn Jahre weiterlaufen, bis wir soweit sind mit den erneuerbaren Energien; dann ist das doch kein Beinbruch und die Welt wird nicht eher untergehen als nötig. Keine Planwirtschaft, sondern vernünftiges Handeln im Rahmen der kapitalistischen Privatwirtschaft mit staatlichen Enklaven; keine Schnellschüsse und vorschnellen Entscheidungen, die das Land wirtschaftlich und psychologisch-seelisch zu zerreißen drohen; staatsmännische Gelassenheit und Weitblick statt ethisch-moralischer Vorgaben, die mit der Wirklichkeit nicht korrelieren.


    Und noch mehr stört mich das, was ich für mich den ideologischen Überbau nenne; diese Fixierung auf im Grunde unwichtige bzw. nicht so sehr drängende Themen und die Massierung von Truppen auf Nebenkriegsschauplätzen, die Flanken der Hauptarmee entblößt und schutzlos allen Fährnissen ausgeliefert. Die „wichtigsten“ dürften die Genderproblematik, die Emanzipation, die Umwertung und Umdeutung von Geschichte und Kultur und der Umgang mit einem vermeintlichen Gegner von rechts sein. Hier obwaltet keinerlei Vernunft und Maß mehr; hier wird verfälscht, bevormundet und böses Blut gemacht; polarisiert, Zwietracht gesät und letztlich durch Indoktrination das eigentliche Gute und Innovative der linksgrünen Bewegung in den Hintergrund gerückt. Mich wundert ehrlich gesagt, dass die klügeren Köpfe der Grünen das nicht erkennen und versuchen, den alten Kampf der 80er zwischen Realos (gibt es die eigentlich noch?) und Fundis insofern neu aufzulegen; als dass man wieder Anschluss zur bürgerlichen Mitte findet; was heute heißt, dem einfachen Volk in Ost und West wieder näherzukommen und dessen Probleme verstehen zu wollen ohne ihm aus sozialer Sicherheit heraus etwas politisch von oben zu diktieren und es als infantiles Schreikind abzufertigen.


    Dennoch würde ich immer eine starke linksliberale oder grüne Opposition befürworten, falls es mal wieder eine christlich-liberale Regierung gibt oder eine Mitte-Rechts-Regierung; ganz einfach, weil so eine Opposition lebensnotwendig ist für eine lebendige Demokratie. Man darf nie vergessen, dass auch CDU/ CSU, FDP und SPD für viele Probleme verantwortlich zeichnen; deren jahrzehntelanger Widerstand gegen viele Notwendigkeiten auch erst zu einer Radikalisierung der anderen Seite geführt hat. Wichtig ist für mich, dass es eine richtige Opposition gibt; das gilt eben auch umgekehrt; eine solche, die wie derzeit eben keine ist gegen die zum Teil abstrusen Maßnahmen der Ampelkoalition, braucht es nicht; da wären wir wieder bei den Blockparteien in der Volkskammer. So wie ich möchte, dass Linke und Grüne den Christdemokraten oder der AfD Feuer unter dem Hintern machen; wenn sie unsozial oder umweltfeindlich regieren; möchte ich; dass eine FDP für Freiheitsrechte steht und eine CDU wie früher für breitere Volksschichten eher kleinbürgerlichen Zuschnitts, die weder jeden Tag Genderdebatten führen noch sich ihre Muttersprache verhunzen lassen wollen. Die Mischung macht es und zusammen sind wir stark und schaffen es vielleicht.


    Ein Leser schrieb Michael Klonovsky eine Menge gescheite Dinge; richtig warm machte mir das Herz Punkt 7: "Freundlichkeit und ehrenwertes Verhalten. Spaltung, Atomisierung, Angst und Hass sind die Ziele von Globalisten, GEZ-Apparat und Politik. Seien Sie freundlich zum grün wählenden wählenden Nachbarn. Vielleicht ist er ungeimpft, gegen WhatsApp und offen für Signal, für einen Boykott von Amazon oder einfach trinkfreudig … Neue Allianzen sind möglich!" Ita est!

    • Offizieller Beitrag

    Wissenschaft produziert nicht Wahrheiten, sondern die neuesten Irrtümer. Jede Hoffnung auf eine Technokratie ist daher irrig; denn die Totalität menschlicher Gemeinwesen lässt sich naturwissenschaftlich-technisch und also rein positivistisch nicht abbilden; die Wirkkräfte sind noch ganz andere, ältere, tiefer liegende. Wer DIE Wissenschaft mit DER Wahrheit gleichsetzt; tut nichts anderes, als was frühere Zeiten mit Religion und Ideologie getan haben; sie nehmen Teile für das Ganze und Nebensächliches für das Wesen.

    • Offizieller Beitrag

    In meiner Heimat im Reußischen Oberland im äußersten Südosten Thüringens an der Oberen Saale im Thüringer Schiefergebirge gibt es zwar vereinzelt auch schon welche; aber richtig schlimm ist es hier in der Heimat meiner Frau an der Mittleren Ilm in der Thüringer Toskana mit den Weinbergen und diesem ganz besonderen mediterranen Flair. Da stehen dicht an dicht in verschiedenen Rotten und Sturmabteilungen Windräder an Windrädern; die man auf Grund der Landschaftsstruktur schon dutzende, ja hunderte Kilometer weit sieht und die sich vervielfachen und immer dichter drängen, wenn man sich über die Saaleplatte dem Holzland bei Eisenberg nähert. Fährt man dort auf die Autobahn 9 gen Norden fühlt man sich erst in Sachsen und dann in Sachsen-Anhalt in bizarre futuristische, postapokalyptische, dystopische Mondlandschaften versetzt, wenn hunderte von riesigen Windrädern ganze Quadratkilometer zu No-Go-Areas machen; zu unbewohnbaren lebensfeindlichen Nicht-Lebensräumen; zu toter Landschaft mit toten Pflanzen, toten Tieren und toten Seelen der Menschen. Ganz im Norden in Mecklenburg-Vorpommern und anderswo, wo Platz ist und Raum scheinbar für solcherart unmenschliche Zerstörungswut, gibt es natürlich über noch ganz andere Dimensionen zu berichten.


    Michael Klonovsky sprach, glaube ich, von mit Windrädern zugepflanzten oder zugepflasterten Caspar-David-Friedrich-Landschaften, und an diesem Bild haben sich die Streitenden immer wieder abgearbeitet. Etwa ein niedersächsischer Umweltminister: „Uns muss klar sein: Windenergie wird Teil unserer Kulturlandschaft sein. Hier ist uns nicht geholfen, wenn wir mit Blick auf die extremen und sichtbaren Folgen des Klimawandels einem romantisierten Bild von Landschaft hinterher trauern. Das ist unehrlich.“ Unehrlich ist für mich persönlich diese Argumentation; weil sie Begriffe vorbehaltlich gebraucht und unreflektiert und undifferenziert unterstellt und pauschal urteilt, was bei diesem komplexen Thema so nicht geht.


    Mehr Mühe gibt sich Astrid Sonja Fischer, verschiedene Ansätze referierend und reflektierend. Sie geht davon aus, was für die Deutschen zu einer schönen Landschaft gehört; Wiesen, Weiden, Hügel und ein Bach. Und die Chancen stünden gut, dass für die nächste Generation auch Windkraftanlagen dazu gehören; weil insbesondere jungen, gebildeten Frauen die neue Energiewelt gefalle; denn ästhetisch könne auch erhebend und beeindruckend bedeuten. Das Bild einer schönen Landschaft werde nämlich seit der Kindheit durch Stereotype geprägt und das eröffne Möglichkeiten einer gesellschaftlichen Umdeutung in der Wahrnehmung von Landschaften. Unser Blick auf Landschaft werde nicht durch herumstehende Objekte gesteuert, sondern durch die eigenen Vorstellungen. Und wenn der gewohnte Raum verändert und damit in unserer Vorstellung zerstört wird und damit das, was wir Heimat nennen, verstockt und bockt der Mensch. Dabei ändere sich doch auch die heimatliche Normallandschaft von Generation zu Generation. Für die neue Generation werde es normal sein, dass es Windkraftanlagen oder Stromtrassen gibt. Immerhin sei die Industriearchitektur von vor hundert Jahren heute eine reizvolle Kulisse; ein Braunkohletagebau könne mit seinen Dimensionen beeindrucken. Und so könne man auch vor einer 180 Meter hohen Windkraftanlage stehend respektvoll staunen. Das sei im Prinzip sogar ein klassisches Deutungsmuster der Romantik. Ulrich Franke habe das bekannte Bild Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ in ein Foto mit einem Menschen vor einer Hochspannungstrasse übersetzt; auch dieses könne durchaus Assoziationen an eine romantische Ästhetik wecken.


    Georg Etscheit sieht das, auch er zum Teil referierend und reflektierend, anders. Nach ihm kommen die europäischen Kulturlandschaften unter die Räder und verwandeln sich flächendeckend in riesige Industriegebiete und wir müssen das auch noch schön finden nach dem Willen der Energiewender. Selbst hochgebildete Menschen, musisch und sensibel; durch und durch Ästheten; klagten über die Zersiedlung der Landschaft, die Betonklötze überall, die Neubau- und Gewerbegebiete; aber Windräder seien halt notwendig; denn irgendwoher müsse der Strom ja kommen. Die verheerenden landschaftsästhetischen Auswirkungen von mittlerweile rund 30.000 Windkraftwerken werden nicht wahrgenommen selbst in Regionen; die nahezu vollständig massakriert und ihres anmutigen Charakters beraubt wurden.


    Die Wahrnehmung landschaftlicher Reize liege im Zusammenprall von ökologischem Wissen und ästhetischer Wertschätzung; die Weinanbaugebiete an der Mosel etwa seien dem Ökologen als Monokultur von Übel; ein passionierter Weinkenner dagegen würde alles daran lieben; weil er weiß, was daraus erwächst. Wenn dann noch die ästhetische Wahrnehmung durch Werbung und Propaganda verzerrt wird und jemand etwa aufgrund fortgesetzter Propagierung der Windenergie diese doch ästhetisch bejahe, opfert jener in einem Akt identifikatorischer Anpassung seine eigenen landschaftsästhetischen Bedürfnisse und Gefühle fremden, außerästhetischen Werten. Menschen sollen Landschaft ästhetisch so erleben, wie sie sie erleben sollen. Unbeeinflusste, nicht manipulierte Menschen empfänden die turmhoch aufragenden, Horizonte sperrenden, aus der Nähe bedrängend wirkenden Rotoren meist als weniger schön als eine traditionelle, bäuerliche Kulturlandschaft mit ihrem rhythmischen und maßstäblichen Neben­ und Ineinander von Feldern, Äckern, Wäldern, Wasserläufen, Baudenkmälern und Siedlungen, das noch nicht großtechnisch überbaut wurde und in dem der Kirchturm noch den höchsten Punkt im Blickfeld darstelle. Zeugen des industriellen Zeitalters würden oft als störend wahrgenommen, weil der moderne Mensch sich immer wieder vergewissere, dass wir nicht nur Geist, sondern auch Natur sind.


    In Deutschland hätte die jahrzehntelange Klima­ und Ökopropaganda im Verein mit der historisch bedingten Abwertung all dessen, was mit Nation und Heimat zusammenhängt, für eine ungute Gemengelage gesorgt, der Widerstand gegen Windkraftanlagen sei nur noch gering; wenn es nicht um das eigene Häuschen oder die Vogelwelt ginge. Seltsamerweise trete selbst der sonst so wichtige Naturschutz, der ausdrücklich die Verpflichtung, Natur und Landschaft so zu pflegen und zu schützen, dass Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert dauerhaft gesichert sind; hinter der „Notwendigkeit“ der Windräder zurück. In anderen Ländern sei der Widerstand größer; weil man dort das eigene nationale Kulturerbe, zu dem auch die Kulturlandschaften zählen, pflege und erhalte. Die Gleichsetzung von Umweltschutz und Unantastbarkeit der Natur, die etwa in Italien gilt, wird hierzulande stark kritisiert. Daher sollte man nach der zitierten Meinung eines besonders radikalen Landschaftsarchitekten Windräder möglichst in besonders schöne Landschaften stellen, um diese noch schöner zu machen. Da sie sich ohnehin nicht verstecken ließen, müssten sie nach landschaftsästhetischen Gesichtspunkten in die bestehenden Landschaften eingefügt werden; entlang von markanten Höhenzügen oder anderen starken Landschaftsstrukturen. Der besondere Schutz herkömmlich schöner Landschaften sei weniger wichtig als der der Alltagslandschaften in den mehr oder weniger be­- und zersiedelten Speckgürteln rund um die Städte, wo viele Menschen leben. Es sei unethisch, diese vorbelasteten Landschaften noch weiter zu belasten, etwa durch Windräder und Solarkraftwerke, die man ja für die Energiewende brauche; die sollten dahin, wo noch nichts stehe; etwa in die letzten, relativ unberührten Mittelgebirgsregionen. Nur so sei ein Zukunftsdiskurs möglich; der Schutz traditioneller Kultur- und Naturlandschaften sei altes Denken von alten, konservativen Männern. Windkraftanlagen seien als neue Elemente in die Kulturlandschaft zu integrieren und dürften nicht als Fremdkörper gesehen werden. Die Jungen hätten das schon längst kapiert und diese neue Ästhetik verinnerlicht, die darauf hinausläuft, die Erinnerung an frühere Begriffe von Schönheit und Harmonie auszulöschen.


    Die hier angeführten Autoren haben natürlich alle Recht, wie sie auch alle Unrecht haben. Das gilt ebenso für die von jenen zitierten Autoritäten und die jeweilige angemessene und überspitzte Wiedergabe einschließlich meiner weniger kompetenten eigenen hier. Während die Dame geradezu fröhlich und positiv den neuen Weg begrüßen möchte als Teil ihres Selbst; deutet der Herr landschaftsästhetische Fragen in Aspekte fundamentalistischer Ideologie um. Beide Ansätze sind wahr und falsch; beide bedürfen der Relativierung; des fortgesetzten Nachdenkens. Meine eigene Position ist hier im Gegensatz zu sonst recht eindeutig; denn ich halte Windräder und Windparks, wie bereits aus dem ersten Absatz hervorgeht, für eine kaum glaubhafte Verirrung der Moderne. Das hängt damit zusammen; dass ich ein außerordentlicher Verehrer der europäischen und deutschen Kulturlandschaft bin; ein großer Naturliebhaber und Wanderer und ein besonderes Faible für Geschichte und Tradition habe. Dass in dem Begriff Kulturlandschaft die gesamte Geschichte der Hochkulturen und Zivilisationen seit mehr als 5000 Jahren steckt, scheint vielen nicht bewusst; genauso wenig wie der Befund; dass Kultur UND Natur gleichberechtigt sein sollten. Was dort als stereotypes Bild einer schönen Landschaft, das man einfach verändern könne durch Umdeutung und Umprägung, leichthin abgetan wird; ist speziell in Mitteleuropa das Ergebnis von ein- bis zweitausend Jahren kultureller Entwicklung; deren industrieller Teil gerade einmal 250 Jahre umfasst. Und wenn wir historisch ehrlich sein wollen; muss man bis zur Neolithischen Revolution zurückdenken. Diese vielen tausend Jahre gegen ein Bedürfnis oder eine vermeintliche Notwendigkeit der letzten 20 oder 30 Jahre einfach fallen zu lassen, ist schon ein starkes Stück und sagt viel aus über das Verhältnis zu Geschichte und Kultur; vor allem aber über das Denken bezüglich des menschlichen Wesens. Als ob man einen genetisch, biologisch, sozial, historisch und gesellschaftlich über hunderttausende Jahre geprägten und geformten Hominiden in kürzester Frist umschulen könnte zum Neuwahrnehmer der Wirklichkeit.


    Ich sage es offen: Gäbe es keine andere Möglichkeit, die Energieversorgung der Menschheit zu gewährleisten; ich würde eigenhändig die Teile mit aufstellen helfen und meinen eigenen Garten bereitstellen. Wir wissen aber, dass dem nicht so ist; es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten auch auf dem Gebiet der erneuerbaren, alternativen Energien; und bis zur Bewerkstelligung der Kernfusion oder anderer revolutionärer Energiequellen täten es auch aushilfsweise fossile Brennstoffe oder Kernenergie. Außerdem ist gegen Windräder und ganze Anlagen von ihnen in Wüsten, Steppen, Ozeanen und Meeren oder sonst unwirtlichen und unbewohnten Gegenden überhaupt nichts einzuwenden; aber da müsste man sich endlich einmal ernsthaft den Fragen von Energietransfer und Speicherung ohne zu große Verluste widmen. Selbst das Einpassen von Windrädern in die Landschaft halte ich partiell für möglich; das wäre immer im Einzelfall zu entscheiden; was die jeweils in Rede stehende von ihrem Wesen und Charakter so hergibt. Aber die Anlagen werden dort errichtet, wo der Wind weht, keine behördlichen Restriktionen bestehen und wo es im Zweifelsfall am wenigsten Widerstand seitens der Bevölkerung gibt. Und vor allem stehen sie nicht in den urbanen Zentren; nicht in Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Stuttgart; wo der meiste Strom verbraucht wird und die meisten Ressourcen benötigt; sondern auf dem Land, das vergleichsweise wenig braucht und verlangt. Windkraft bedeutet nämlich nicht nur Strom oder Landschaft, sondern wirft auch ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis zwischen Stadt und Land; macht deutlich, dass man seitens der politisch-medialen Eliten längst nur noch die großurbanen Konglomerate als erhaltenswert ansieht und das weite Land drumherum bloß noch nützlich ist für Landwirtschaft, Versorgung und Urlaub. Die klassische Kulturlandschaft hat auch noch in den Zeiten, als die Massen vom Land in die Städte zogen; davon profitiert; dass man Stadt und Land als Einheit betrachtete, die sich nicht in quantitativen Verhältnissen erschöpfte; sondern auch einen ideellen Wert besaß und zwar immer mehr je intensiver der industriell-technische Fortschritt die Lebensverhältnisse veränderte. Und ich frage mich natürlich; warum man nach dem Ende des Bergbaus und der Schwerindustrie aus dem Ruhrgebiet eine neue grüne Lunge gemacht und in der Lausitz und rund um Leipzig aus den riesigen Tagebaulandschaften über Renaturierung eine außerordentliche Seenlandschaft mit einer Vielzahl an Pflanzen und Tieren geschaffen hat? Warum diese Rückführung zur klassischen Landschaft, wenn doch die Zeugnisse der Industriekultur uns so beeindrucken?! Werden dereinst dann die Windräder, so sie nicht mehr gebraucht werden, abgeholzt und verschrottet oder werden die dann eigene Wurzeln schlagen können, Chlorophyll produzieren und neues echtes Leben generieren?


    Wenn ich unter diesen Gesichtspunkten unsere Landschaften im Osten betrachte, fallen mir wirklich nur noch Begriffe wie Brutalismus, Landschaftsfaschismus, Flurbolschewismus ein. Die seelenlose Zerstörung jahrtausendealter Kulturlandschaften ohne jede Güterabwägung lässt sich beim besten Willen auch nicht mit veränderbaren Sehgewohnheiten entschuldigen. Der Begriff Naturromantiker scheint nun auch in die Reihe derer zu wandern; die veraltet und inzwischen unangemessen sind, wie der des Sozialromantikers der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich behaupte aber und da bin ich nicht der einzige, dass man den Geist einer Gesellschaft, die Seele eines Volkes oder einer menschlichen Gemeinschaft daran erkennen kann, wie sie sich in Raum und Zeit bewegt und verhält; welche Architektur sie pflegt und wie sie mit ihrer Umwelt, der Natur und der Landschaft umgeht. Mit Blick auf die Verheerungen der Windräder kann man daher nur von einem Ungeist sprechen, verkümmerten Seelen und dem Untergang geweihten Völkern. Wer so emotionslos und gelassen vorgeht; muss sich an den kalten und furchteinflößenden Monumentalbauten der Faschisten und Bolschewisten messen lassen; an den Industrieanlagen der Frühkapitalisten, den trostlosen Neubaugebieten der DDR-Oberen; all den Zeugnissen „moderner“ brutalistischer, seelenloser Architektur; nur auf Nutzen, Effizienz getrimmt; bar jeder Humanität und Ästhetik. Aus dem vermeintlichen Volk ohne Raum ist nun wirklich ein solches geworden und niemand scheint es zu bemerken. Wer aber keinen Raum hat für seine Seele und seinen Geist; für seine Kultur und Geschichte; dem bleibt auch nur noch wenig Zeit. Wäre ich der edle Junker Don Quixote de la Mancha; ich zöge aus mit Schild und Lanze und scharte Getreue um mich zu Tausenden und wieder und wieder rennten wir an wider die teuflischen Vorboten eines unheiligen Endes. Oder ach; geböte ich nur den Winden wie Aeolus; ich ließe sie verebben; Boreas, Kaikias, Apheliotes, Euros, Notos, Lips, Zephyros, Skiron lägen ermattet darnieder und sprachlos und kalt stünden dann nicht im Winde die blassen Hünen.

    • Offizieller Beitrag

    Die Vergänglichkeit ist mir stets bewusst, den Vanitasgedanken habe ich verinnerlicht, das Memento Mori höre ich zu jeder Stunde und das „Media vita in morte sumus“ sage ich auswendig her mit pastoraler Miene. Trotzdem will ich sicher gehen und habe am Schreibtisch ein Schauschild mit der geologischen Zeitskala aufgehängt; vom Hadaikum bis zum Holozän im Quartär des Känozoikum im Phanerozoikum. Andernorts erinnern mich großformatige Abbildungen des Weltalls mit Abermillionen Sternen an noch größere zeitliche und räumliche Dimensionen.


    Was sind wir Menschen in diesem unermesslichen Raum in dieser unendlichen Zeit? Unser Leben währt die millionstel Sekunde einer millionsten Sekunde einer millionsten Sekunde; nicht einmal für die Dauer eines Blitzschlages öffnen sich unsere Augen zum Bewusstsein; ganze Generationen von uns können nicht Schritt halten mit den Maßen von Zeit und Raum des unendlichen Alls. Ein lauter Nichts sind wir; Schaben, die man blitzartig verschwinden sieht, wenn man nachts die Küchentür öffnet, Würmer, die sich krümmen und wieder im Erdreich verschwinden; große Affen mit zu großen Gehirnen und kleinem Denken, Gemisch aus Scheiße und Mondschein. Wenn wahr ist; dass alles, was entsteht, wert ist, dass es zugrunde geht, und es drum besser wäre, dass nichts entstünde; so steht der Mensch zum Exempel mit all seinem zeitlichen Krempel.


    Das also alles bedenkt der Weise und lächelt mild und nachsichtig mit sich, den Menschen und der Welt. Warum ärgern wir uns über Kleinigkeiten; warum sind wir immer unzufrieden; warum reiben wir uns auf an den großen und kleinen Fährnissen; warum treiben uns Mikro- und Makroaggressionen um; warum kümmert uns, was andere über uns denken; warum wollen wir so unbedingt etwas leisten in der Welt und etwas darstellen in ihr? Warum wollen wir etwas schaffen, dass unsere eigene Existenz überdauert; einen Baum pflanzen, ein Buch schreiben, ein Kind zeugen? Und wenn wir Millionen Bäume pflanzten und Millionen Bücher schrieben und Millionen Kinder zeugten; auch sie würden irgendwann eingehen, zu Staub zerfallen und in der Erde vermodern und weder der Planet und schon gar nicht das Weltall würden es bemerken; diesen Wimpernschlag eines Wimpernschlags eines Wimpernschlags.


    Und siehe, da läuft eine Frau; eine junge und schöne; und alles ob jung ob alt eilt, sie zu gewinnen; zu erobern und sich mit ihr zu vereinen und auf dem Lager der Liebe und in höchster Ekstase verströmt sich das lauter Nichts und aus der Nichtigkeit gerinnt eine Bedeutung von solchen Ausmaßen; dass nur ein Gott sein kann; der so fühlt und dessen Herz so schlägt; und so wird aus der Vergänglichkeit die Ewigkeit und Raum und Zeit schrumpfen im Abglanz der eigenen Schöpfung und die Jahre seit dem Urknall und die Erdzeitalter werden zu millionstel Sekunden einer millionsten Sekunde einer Millionsten Sekunde; kaum aufgeflammt schon wieder verloschen; der Schöpfer aller Dinge und von Raum und Zeit widmet sich schon anderen Welten, Räumen und Zeiten; ein Schweißtropfen von ihm fällt und so viele Welten entstehen, werden, vergehen; wer will sie alle zählen. Die Vergänglichkeit ist ein Schild wider die eigene Gewalt und Größe.

    • Offizieller Beitrag

    Sommerurlaub, Anreisetag; nach fünf Stunden Fahrt mittags …


    … am Kanal zwischen Plauer See und Müritz ein Selbstbedienungsrestaurant; die Leute bekommen Plastikteile mit an ihre Tische, die laut mitteilen, dass sie nun ihr Essen holen können; bei großer Frequenz jetzt Anfang mitten in der Saison hupt es in einem fort, permanente Unruhe. Auf dem Wasser schleichen große und kleine Schiffe vorbei; gelangweilte Damen liegen auf dem Bug, sind frustriert, dass sie in Mecklenburg sind und nicht an der Côte d’Azur; das Essen aus der Dose kostet zusammen 50 Euro; nichts wie weg und nie wieder her.


    Abends aber …


    … mit dem Hund durch den Garten des Ferienhauses hinaus zur Dorfstraße und nach hundert Metern sind wir am renaturierten See mit Wasservögeln aller Art und vielem Getier im Schilf und rundum; eine Allee führt zum nächsten Ort, einem alten Gut, die winzigen Häuschen des Gesindes und der Häusler stehen in dessen Schatten und führen in die noch stillere Stille der Natur. Ein Feldweg zwischen Teichen mit Reihern und Schwänen gewinnt den Wald und zwischen den Bäumen steht eine alte Burg, verlassen seit hunderten Jahren; nur die Mücken leben dort, es ist ein Paradies außerhalb aller Zeit.


    … Urlaubsfreuden und Urlaubsleiden in nuce …

    • Offizieller Beitrag

    Früher war ich ein passionierter Besucher von Ausstellungen und Museumsgänger und habe mich auch von den Massentouristen, die als Alibi zwischen den Mahlzeiten ihre Zeit hindurchhastend totschlagen, nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber schon damals habe ich die Fülle der Eindrücke kaum bewältigen können und mit jedem Jahresring wird das schwerer und ich würde mich am liebsten vor ein Bild setzen und es stundenlang betrachten; aber das ist nicht möglich, weil man ständig gestört wird, der Ischias zieht, man nicht sein Pausenbrot auspacken darf und die Einrichtung beizeiten schließt.

    • Offizieller Beitrag

    Eben baut ein Zirkus bei uns im Stadtpark seine Zelte auf wie meist im Herbst. Für mich ist es unerklärlich, wie diese kleinen Unternehmen mit ihrem enormen logistischen und sonstigen Aufwand übererleben können und wirtschaftlich über die Runden kommen. Allein die Unmengen an großen LKWs, Zugfahrzeugen; Wohnwagen, sonstigen Fahrzeugen; die vielen Leute für die Montage, Tierpflege; die Artisten und Zuständigen für das Drumherum; und dann sind die Vorstellungen nur schwach besucht, halbleere Zelte die Regel.


    Ich selbst verspüre seit meinen frühen Kindertagen eine ausgesprochene Abneigung gegenüber dem Zirkus. Das mag zum einen damit zusammenhängen; dass mir der „normale“ Zirkus des Lebens und der Welt schon mehr als zu viel ist und ich daher nicht noch einen weiteren brauche. Zum anderen aber mit meinen Erlebnissen als Kind: Wie alle anderen Kinder auch bettelte ich meine Eltern, mit mir in den Zirkus zu gehen; als wieder einmal einer in der Stadt war, in der wir damals lebten; der größten in Ostthüringen. Meine Eltern gingen nicht gerne in den Zirkus und versuchten deshalb alles mit tausenderlei Ausflüchten meinem Ansinnen nicht zu entsprechen. Aber gegen ein quengelndes Kind ist ein Kraut gewachsen und so losten sie wohl untereinander aus, wer mich begleiten müsste.


    Es traf meinen Vater und so nahm er mich mit finsterer Miene an die Hand und wir marschierten los. Aus der Ferne sieht ein Zirkus bis heute wie ein Heerlager aus, meist ein orientalisches; und ich vermute, es wird seinerzeit bei der Belagerung von Wien auch so gerochen haben. Obwohl ich zur Hälfte ein Bauernkind war; das jedes Wochenende bei den Großeltern auf dem Land verbrachte mit Schweinen, Rindern, Hühnern, Enten, Ziegen, Schafen, Karnickeln, Hunden und Katzen; nahm ich den infernalischen Gestank schon von Weitem wahr; er hatte etwas Animalisches, Wildes, sehr Strenges und für mich Unangenehmes; kaum gemildert durch Zivilisation und menschliche Düfte. Die Vorstellung mit ihrem Krach, ihren grellen Effekten und endlosen Zumutungen brachte mich schnell an den Rand der totalen Erschöpfung; bis heute sehe ich vor meinem inneren Auge die Pferde stundenlang im Kreis laufen, wozu die Peitsche schwingenden Dompteure irgendetwas riefen; das mir unverständlich blieb.


    Ich wartete begierig auf die Raubtiere; vielleicht auch wie alle anderen Kinder auf der Welt. Mich langweilten die Pferde maßlos; auch die balancierenden Artisten auf ihren Seilen; die akrobatischen Turnübungen zu mehreren mit den sich selbst anfeuernden Rufen; selbst die waghalsigen Manöver am Trapez unter dem Zeltdach. Die Clowns hasste ich geradezu; sie machten mir eher Angst mit ihrer eingefrorenen Schminke und ihren furchtbaren Grimassen; wie konnte man Clowns als lustig empfinden?! Das waren erbärmliche und zugleich schreckliche Gestalten; die klinische Depression in menschenähnlicher Gestalt, mit keinerlei Verbindung zu Humor, Ironie, Komik und einfach nur Frohsinn. Alberner primitiver Slapstick; alles viel zu laut und übergrell; lange bevor ich Stephen King gelesen habe; konnte ich über Clowns nicht lachen und bis heute gibt es eigentlich nur den Clown Ferdinand von Jiří Vršťala, der mir etwas bedeutet; weil er von Anfang ehrlich war in seiner Traurigkeit.


    Als nach den Elefanten dann endlich die Tiger und Löwen kamen; pochte mein Herz wie wild; aber es beruhigte sich schnell; denn die Raubkatzen hatten auch einen niedrigen Ruhepuls. Sie langweilten sich offensichtlich und das Geschehen im Käfig ödete sie an, so sehr ihre Dompteure auch schrien und ihre Peitschen schwangen. So saßen sie auf ihren Hockern und gähnten; schlichen im Kreis herum und als höchstes der Gefühle sprangen sie durch einen Reifen, der nicht einmal brannte. Ich war während der stundenlangen Kreisritte der Pferde schon einmal weggenickt, aber nun schlief ich tief und fest. Mein überglücklicher Vater nahm mich Huckepack und trug die ganzen Kilometer durch die Stadt in mein Bett. So leicht wäre ihm noch nie eine sportliche Leistung gefallen, meinte er später; ich wollte zur Freude meiner Eltern nie wieder in den Zirkus und das gleiche Szenario wiederholte sich Jahre später mit meinem jüngeren Bruder.


    Natürlich, ich schrieb schon früher davon, hat das alles auch mit meiner Abneigung gegen jede Art von fahrendem Volk zu tun; da kommt sicher das jahrhundertealte bäuerliche Misstrauen meiner Vorfahren zum Tragen. Mittlerweile fügt sich der Zirkus aber als Glied ein in die Kette Zoo, Tierpark etc.; also alle Versuche der menschlichen Kultur, das wilde Tier in halbwegs gezähmter Form präsentieren zu können. Mit diesem Kulturbetrieb bin ich im Grunde nicht einverstanden; aber das würde hier zu weit führen. Immerhin ist der Zirkus für mich wie Jahrmarkt und Rummelplatz aber auch ein Hafen und Sammelbecken für Außenseiter, Gestrandete, Ausgegrenzte; Missgestaltete und Menschen mit besonderen Begabungen. Im Film „Der Elefantenmensch“ von David Lynch verhilft dieser bunte Haufen dem Helden zur Flucht und auch bei „Malcolm mittendrin“ gibt es eine Episode, in der Dewey von einer wahren Menagerie aus einer Klemme geholfen wird. Manchmal denke ich, ich gehörte auch in so einen Zirkus und müsste in der Manege den Clown geben; ich stünde einfach nur da und schaute traurig drein.

    • Offizieller Beitrag

    Die Verlagsinformation zur Vita des Deutschen Buchpreisträgers 2022:


    "KIM DE L’HORIZON, geboren 2666 auf Gethen. In der Spielzeit 21/22 war Kim Hausautorj an den Bühnen Bern. Vor dem Debüt ›Blutbuch‹ versuchte Kim mit Nachwuchspreisen attention zu erringen – u. a. mit dem Textstreich-Wettbewerb für ungeschriebene Lyrik, dem Treibhaus-Wettkampf für exotische Gewächse und dem Damenprozessor. Heute hat Kim aber genug vom »ICH«, studiert Hexerei bei Starhawk, Transdisziplinarität an der ZHdK und textet kollektiv im Magazin DELIRIUM. ›Blutbuch‹ wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet und ist nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022."


    Zum Buch heißt es:


    "Eine Lektüre, die an der Körperwahrnehmung und an den eigenen Gewissheiten rüttelt


    Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2022 und dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung. Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2022.


    Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, lebt sie mittlerweile in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie.


    Dieser Roman ist ein stilistisch und formal einzigartiger Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten. Kim de l’Horizon macht sich auf die Suche nach anderen Arten von Wissen und Überlieferung, Erzählen und Ichwerdung, unterspült dabei die linearen Formen der Familienerzählung und nähert sich einer flüssigen und strömenden Art des Schreibens, die nicht festlegt, sondern öffnet."


    Leseproben:


    "Ich spüre meinen Körper nur, wenn ich ihn fortgebe, wenn ich ihn anderen anbiete, jemensch in mich eindringt, die selbst errichteten Grenzen meines Körpers durchdringt und sich dahinter hinterlässt. Ich habe nicht primär das Bedürfnis, Schwänze in mir zu spüren, ich habe das Bedürfnis, mich zu spüren, jenen pulsierenden Mantel um die Schwänze."


    „Wie unglaublich sanft und lebendig sich ein penetrierter Arsch anfühlt. Als wäre mensch ganz aus Seide gezimmert“


    "Ich bin ein*e Zeug*in für diese Zeit, für diesen Körper’"


    "Ich wurde ein Werwolf, ein Wenwolf, ein Wenfickeichheute-wuff.”


    Die Medien sind voll des Lobes.


    Dazu zwei Vorbemerkungen: Literatur hat neben anderen auch die Aufgabe; den Randgruppen, Minderheiten, Außenseitern, Deklassierten, Ausgegrenzten, Ausgebeuteten, Entrechteten, Unterdrückten, Glücklosen, Benachteiligten, Unterprivilegierten, Kranken, Behinderten, Versehrten, Siechenden, Sterbenden eine Stimme zu geben; vielleicht ist das sogar ihre wichtigste; den "Normalen" und "Gesunden" einen Spiegel vorzuhalten, wie sie mit diesen Menschen als Individuen und als Gruppen umgehen. Und Literatur kann und muss immer wieder sogar auch formal innovativ sein; was den Aufbau eines Textes angeht; die Sprache und die Erzählweise: Experimentelle Prosa haben wir im Deutschen von Fischart bis Arno Schmidt und beide gehören zu den bedeutendsten und größten Schrifstellern, die wir je hatten. Ein grammatisch unbestimmbares Subjekt im Mittelpunkt; Wechsel der Personalpronomen; der Zeitformen; Neologismen; Reime, Reihungen, Handlungsfetzen, Sprünge - gegen all das ist per se überhaupt nichts zu sagen; wenn es im Ganzen einen innerlogischen Sinn ergibt, es sich organisch einfügt in ein nachvollziehbares Konzept.


    Nun sind bislang eher die sozial Schwachen in den Focus der Schriftsteller geraten; die Farbigen aller Couleur; die Schwulen und Lesben, Dissidenten und Oppositionelle; Kinder und Jugendliche; Alte und Kranke; geistig und körperlich behinderte Menschen; Querulanten und Querdenker; Einsame und Verlassene. Dort, wo Leid und Elend stärker zu greifen sind, finden sich immer auch engagierte Künstler; die sich der Themen und Menschen annehmen; einen Stoff, eine Geschichte und Figuren daraus machen und so zum Vermittler werden zwischen Kunst und Leben. Allen genannten Gruppen gemeinsam ist ihre zahlenmäßig, also statistisch verhältnismäßig relevante Größe; jeder fünfte bis zehnte Mensch ist zum Beispiel homosexuell. Wie ich andernorts schon schrieb; haben etwa in Deutschland 0,2 % der Bevölkerung oder 0,007 % der Neugeborenen Probleme mit ihrer geschlechtlichen Identität. Natürlich will ich damit nicht sagen, dass Außenseiter beinahe irrelevanter Größenordnung sich nicht äußern dürften, zumal sich jedes Außenvorsein übersetzen lässt in andere Erfahrungen und Erlebnisse in der realen Welt mit realen Menschen. Literatur ist keine Statistik. Aber wenn das im wie im vorliegenden Fall auch Auswirkungen auf die Sprache hat und 99, 8 Prozent der Menschen inhaltlich nicht angesprochen und ihre sprachlichen Gewohnheiten unterminiert werden mit einer Gender-Zeichen-Sprache; dann wird es schwierig.


    Der Verdacht; dass wieder einmal politische und ideologische Motive bei der Preisvergabe wichtiger waren als literarisch-ästhetische Aspekte, wird schwer zu entkräften sein. Das wäre nicht weiter der Rede wert; weil das vom Nobelpreis, dem Stigma der Mittelmäßigkeit, wie Arno Schmidt sagt; angefangen, schon immer so war; und auch der wichtigste deutsche Buchpreis da seit Jahren nicht anders verfährt; aber es ist wie gesagt für mich jedenfalls noch ein Unterschied; ob jemand über Ostdeutsche schreibt, über unterdrückte Frauen, diskriminierte Migranten etc.; oder ob man gesamtgesellschaftlich ein Thema, das praktisch niemanden betrifft, so in den Focus stellt, dass es zum Leitthema wird. Dass der/ die/ das Autor nun von Schwänzen, Penetrationen und überhaupt Körpererfahrungen schreibt, halte ich nicht für schlimm; ganz im Gegenteil; entscheidend ist, wie das gemacht ist künstlerisch und ob es im Ganzen wie im Detail literarisch standhält. Immerhin haben mit Arno Geiger, Katharina Hacker, Julia Franck, Uwe Tellkamp, Eugen Ruge, Ursula Krechel,Terézia Mora, Lutz Seiler, Frank Witzel und Bodo Kirchhoff die Richtigen und ganz Großen diesen Preis erhalten. Das Urteil der Jury stellt den jungen Autor, die junge Autorin, das junge Autor; d** jung** Autor*** in diese Reihe; eine Gesamtlektüre muss weisen, ob das berechtigt ist.

    • Offizieller Beitrag

    In Stuttgart liegen in den Rathaustoiletten der Herren nun auch kostenlose Tampons und Hygienebeutel für Binden aus; damit sie auch von nicht-binären oder Trans*Menschen genutzt werden können. Das finde ich sehr vorausschauend; aber wenn wir über ein Herren-WC reden, fiele mir noch so viel mehr ein: Ein Kühlschrank mit Bier für den Durstigen, ein großer Flachbildschirm in der oberen Ecke mit Sport im Pay-TV; eine Art Melkmaschine für geschlechtlich Erhitzte; eine Zeitschriftenauslage mit Auto- und Herrenmagazinen; ein Furzomat, der die Dezibel misst und dem Sieger einen Preis zuerkennt und so weiter und so fort. Das alles sind Sachen, die 99 Prozent der Männer beträfen; aber die Mehrheit hat es leider schwer im demokratischsten Deutschland, das es je gab.

    • Offizieller Beitrag

    Das "Schönste" am Invalidenrentner im Pensionärsstande ist; dass, wenn man früh aufwacht und sich so richtig scheiße fühlt, weil das Herz spinnt, die Knie schmerzen oder einem der Schädel platzt; man nicht beschämt und verlegen zum Telefonhörer greifen muss, um mit heillos schlechtem Gewissen den Arbeitgeber zu informieren und dann stundenlang im vollen Wartezimmer des Arztes campiert auf unbequemen Stühlen, um sich die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen zu lassen; sondern man einfach ohne zehrende Gedanken an die sonst mehrarbeitenden Kollegen versucht, irgendwie über die Runden zu kommen und den Tag hinter sich zu bringen, ohne jemandem zur Last zu fallen oder zu verscheiden.

    • Offizieller Beitrag

    Nachrichten aus der pädagogischen Provinz


    Der Heimatsender berichtete kürzlich, dass Thüringer Grundschüler im Bildungsvergleich schlecht abschneiden und vor allem Rechtschreibung und Lesen Probleme bereiten. Die zitierten Studien ähneln sich, seit die ersten PISA-Studien im Jahr 2000 veröffentlicht wurden; aber sie werden immer wieder im Tenor der Überraschung und des Unverständnis wiedergegeben. Neuerdings hat man mit Corona, der mangelhaften Digitalisierung und auch dem Ukraine-Krieg die Schuldigen ausgemacht. Dass die desaströsen Leistungen mit der Krise des Bildungssystems, des Schulwesens und dem Stellenwert von Bildung in der Gesellschaft überhaupt zu tun haben, hört man eher selten von den Verantwortlichen in Politik, Medien und Zivilgesellschaft. Seit einem halben Jahrhundert hat man in der Folge der 68er Umwertung aller Werte die im Wesentlichen gute und stabile pädagogische Tradition Deutschlands zerstört und nichts Adäquates dafür als Ersatz geschaffen. Das Ergebnis ist erschütternd und selbst bei einem kaum zu erwartenden Umdenken auf Jahrzehnte unumkehrbar. Es liegen unzählige Bücher, Konzepte, Ideen auf dem Tisch; die das Problem genau analysieren und tragfähige Konzepte vorschlagen; aber in der bundesdeutschen Wirklichkeit ändert sich nichts. Jeder Pädagoge kann hier nur noch verzweifeln.

    • Offizieller Beitrag

    Hin und wieder rufen mich Leute, die einen Haushalt auflösen oder einfach ausmisten und Platz schaffen wollen, damit ich mir die Bücher und Bibliotheken ansehe, um einzuschätzen, ob davon etwas wert ist oder alles auf den Müll kann. Dafür nehme ich natürlich kein Geld, sondern suche mir, wenn etwas mein Interesse weckt und ich das Wort der Eigentümer habe, etwas aus und trage es freudig in meine vier Wände. Natürlich geht auch das nur noch sporadisch, weil ich trotz zweier Lagerstätten kaum noch Platz habe. Allein die Bücher aus dem letzten Beutezug, wunderbar gut erhaltende Ausgaben aus DDR-Zeiten und den 20er und 30er Jahren, türmen sich haushoch auf dem Tisch im Wintergarten, sodass der ächzt und sich krümmt.


    Was mich jedes Mal bewegt und ergreift, ist die Hilf- und Ratlosigkeit der Menschen vor dem Bücherschrank oder den Regalen. Ich meine das in keiner Weise despektierlich; selbst ich bin mit jedem Jahr und Buch mehr inzwischen überfordert von fremden Büchermassen und ohnedies der Meinung, dass man fremde Bibliotheken und Sammlungen nicht den eigenen einfach so eingliedern kann; die eigene Bibliothek muss mit einem selbst wachsen. Aber Bücher als Teil des eigenen Lebens, als Begleiter und Ratgeber in schwierigen Zeiten, sind den meisten Menschen fremd geworden.


    Zuletzt rief man mich wegen der Bücher des Großvaters und des Vaters; der eine ein längst verstorbener Pfarrer, der andere Arzt im Ruhestand. Die Bestände waren nicht riesig; vielleicht zwölf große Umzugskisten; aber die Qualität ließ sich sehen. Natürlich Geschichte, Theologie, Medizinisches; aber auch sehr viel Belletristik und Sachbücher über Reisen und fremde Kulturen. Die jetzige Frau des Hauses, Schwiegertochter des Mediziners, wollte die Bücher gerne schnell aus dem Haus haben, um die alten, stabilen, unzerstörbaren wunderbar tiefbraunen Bücherschränke aus dem Wohnzimmer entfernen und modernere, hellere, leichtere und luftigere Möbel aufstellen zu können.


    Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen; die Zeiten ändern sich und mit ihr die Moden; aber ich fand ihre Scham dennoch irgendwie anrührend. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie die Bücher einfach so weggab aus sozusagen weltlichen Gründen und sie meinte beinahe entschuldigend; sie habe immerhin jedes Buch beim Verpacken einmal in Händen gehalten und in einigen geblättert. Solange die Leute noch zögern und innehalten, wenn sie Bücher aus ihrem Lebensumfeld verbannen oder wegschmeißen, ist noch Hoffnung und glimmt ein letztes schwaches Lichtlein der Kultur, aber ich fürchte, hier ist mehr Etikette als innerliche Einkehr im Spiel. Und auch ich stehe nun regelmäßig vor dem Papierdepot der hiesigen Entsorgungsgesellschaft und schmeiße Bücher zu hunderten hinein und schäme mich nicht.

    • Offizieller Beitrag

    Wenn man am Abend zuvor die Küche blitzblank hinterlassen hat; alle Töpfe und Pfannen im Schrank verstaut sind und alles sauber und ordentlich aussieht und man am nächsten Morgen nach dem Frühstück keine zwei Stunden mit dem Hund unterwegs ist; um nach der Rückkehr eine Küche vorzufinden, die aussieht wie ein einziges Schlachtfeld mit endlosen dreckigen Töpfen, Schüsseln, Gläsern und Geschirr und mittenmang die glückliche Frau mit eingematschter Kochschürze; weil die Quitten reif waren und geerntet sind und nun daraus Quittensaft, Quittenmus, Quittenmarmelade, Quittenkompott, Quittenwein, Quittenlikör gemacht wird; obwohl ich den Geschmack von Quitten hasse; dann möchte man ein ganz klein wenig durchdrehen; aber die Liebe geht eben durch den Magen, auch den der Köchin.

    • Offizieller Beitrag

    Männer, die den Kinderwagen schieben, sind heute eine Selbstverständlichkeit; sei es der Vater oder der Großvater; so richtig entscheiden kann man das oft nicht mehr angesichts der verschobenen Altersstruktur bei der Familienplanung. Interessant ist aber, dass es kaum einen Mann gibt, der wie eine Frau den Kinderwagen ganz selbstverständlich mit beiden Händen am Steuer ohne jede ablenkende Geste oder Alibihandlung geradeaus schiebt. Üblich ist der Schiebevorgang mit einer Hand, betont cool; aber nicht zu leger, weil man der Öffentlichkeit auch den verantwortungsvollen Papa vorzeigen muss. Die Paralellen zwischen Vehikel und menschlicher Schiebeperson werden immer durchbrochen; der biologisch wahrscheinliche, wenn auch nicht felsenfest sichere Vater nimmt meist eine leicht verschobene Position zum Wagen ein. Auch die Geschwindigkeit ist entweder sehr hoch und zielgerichtet auf das Ankommen oder betont niedrig, als wolle man aller Welt zeigen, wie normal und lässig das Kinderwagenschieben in der Moderne auch für Männer ist; dass sie sich gar nicht lange genug damit aufhalten können. Es ist eine schöne neue Welt, in der wir leben; aber Nuancen gibt es doch; die beweisen, dass wir alle verschieden sind und es sogar zwei Geschlechter gibt.

    • Offizieller Beitrag

    Es juckt mich in den Fingern, niederzuschreiben; wie ich mir wünsche, dass die heutige Jugend, die so vollmundig vom Klimaschutz spricht und dass der Planet gerettet werden muss; weil wir Alten eher sterben und sie die Welt länger erleben dürfen; nur ein paar Wochen und Monate lediglich so leben müssten wie wir Ossis in den 70ern in der DDR.


    Also werktags morgens nicht erst um 7 Uhr aufstehen und in eine geheizte Wohnung zum Frühstück schlurfen; sondern um 5 raus und Kohlen aus dem Keller holen, den Ofen anschüren; Wasser für den Boiler erhitzen und hoffen, dass Mutti inzwischen Frühstück macht. Nicht mit dem Auto bis vor die Schultür gefahren werden, sondern alles, was unter fünf Kilometern ist; zu Fuß gehen mit schwerem Gepäck und dem kleinen Bruder an der Hand und ansonsten die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, deren Frequenz einem viel Zeit zum Nachdenken über Gott und die Welt lässt. In der Schule kein Baguette am Imbiss kaufen, sondern das geschmierte Brot aus der Brotdose mampfen; Mittag gibt es ordentlich aus der Schulküche und nicht vom Döner- oder Pizzamann.


    Wieder daheim warten 120 Zentner Kohlen, die man mit Vater oder Opa in den Keller schaufelt; ein heißes Bad danach geht nur, wenn es sonntags ist. Immer wieder ist auch mal der Strom weg für längere Zeit; da ist nichts mit Fernsehen; Musik hören; Computer, Internet und mobilem Handtelefon; da muss man bei Kerzenlicht lesen oder mit anderen Menschen analog von Angesicht zu Angesicht reden. Auch Wasser ist nicht immer da; manchmal kommt ein Tankwagen ins Dorf und man holt mit dem Eimer die zugestandene Ration und schleppt sie die Stockwerke hoch. Da überlegt man sich ganz genau, was man mit jedem Tropfen Wasser beginnt und Verschwendung kommt nicht einmal als Gedanke vor.


    Natürlich mag die Mode wechseln jedes Jahr, wie sie will; man selbst trägt die Sachen der älteren Geschwister auf und ein besonderes wie teureres Kleidungsstück muss man sich selbst erarbeiten und verdienen und dann viele Jahre tragen. Natürlich gehört auch Selbstversorgung dazu und damit viel Arbeit im heimischen Garten, vielleicht noch eine halbwegs artgerechte Tierhaltung mit Hühnern, Schweinen und Kaninchen, die man nach glücklichem Leben selbst schlachtet und bewusst mit Achtung und Ehrfurcht in Familie verspeist. In den Urlaub geht es nur im eigenen Land, möglichst nicht so weit weg wegen des Kraftstoffs oder der limitierten Transportmöglichkeiten in den Zügen der Bahn; natürlich keinerlei Fernreisen mit dem Flugzeug, keine Rundreisen mit dem Auto oder überhaupt passive Ferien. Man wandert, fährt Rad; badet und schwimmt; lernt Land und Leute kennen und freut sich über eine Wurst am Lagerfeuer.


    Diese anachronistische Erzählung ließe sich fortsetzen; aber ich denke, man erkennt, worauf ich hinauswill. Bei den meisten Jugendlichen kann ich mir einfach nicht vorstellen, ob sie auch nur ansatzweise begreifen, was ihre zum Teil berechtigten Forderungen für sie selbst bedeuten würden. Im größtmöglichen Wohlstand aufgewachsen und selbst die meisten Ressourcen verbrauchend würden sie sich umkucken; was sich alles ändern müsste, wenn ihnen die Rettung des Klimas und der Umwelt wirklich so wichtig ist, wie sie behaupten. Ihr ganzes Leben würde sich grundlegend ändern; „ärmer“, statischer und dürftiger werden; was Verzicht und Maßhalten wirklich bedeuten; können sie nicht einmal ansatzweis erahnen. Was sie bislang für Verzicht halten, ist bestenfalls eine Nuance des weniger Luxus; von wirklicher Nachhaltigkeit und kleinen ökologischen Fußabdrücken machen sie sich keinerlei realistische Vorstellungen.

    • Offizieller Beitrag

    Miniatur nach Eugen Egner:


    Heimlich im Keller vom Rumtopf gekostet. Ausgang nicht mehr gefunden. Mit der Heizung das Lied gesummt. Geweint. Zu Füßen der Stufen eingeschlafen. Von Frau gefunden. Zeter und Mordio. Wieder geweint. Nachts wieder hinunter. Den ganzen irdenen Topf mit der großen Schöpfkelle geleert. Im Spital erwacht. geweint.