Yoricks Nachtgedanken bei Tage

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    Was mich an dem ganzen pausenlosen Gerede von Nachhaltigkeit, ökologischem Fußabdruck und Regionalität so stört, ist; dass inzwischen jeder Konzern, jede Marke, jeder Discounter auf den Zug aufspringt und mit „Bio“, „erneuerbar“ etc. wirbt; aber bei genauerem Hinsehen schnell klar wird, dass es sich um Etikettenschwindel handelt. Und die politisch-medialen Meinungseliten des linksliberalen Lagers mit den Grünen an der Spitze verschweigen, was eine wirkliche Nachhaltigkeit und ökologische Lebensweise mit regionaler Zielrichtung bedeuten würden, nämlich einen kompletten Um- und Neubau unserer derzeitigen kapitalistischen Gesellschaftsstruktur und der damit verbundenen globalisierten Wirtschaftsweise einschließlich aller darauf fußenden Lebenskonzepte.


    Wenn wir Nachhaltigkeit wirklich erreichen wollen; und ich wäre der erste, der das wollte; dann hieße das doch in letzter Konsequenz, endlich der Wegwerf- und Überflussgesellschaft den Rücken zu kehren. Wer einmal die Müllberge mit eigenen Augen gesehen hat; die unweit der Millionenmetropolen aufgetürmt stehen; oder die zugemüllten Strände einsamer Inseln, kann zu gar keinem anderen Entschluss gelangen. Dann müsste man ein Ende machen mit dem immer mehr, immer weiter, immer höher, immer besser, immer mehr wollen und immer mehr haben und besitzen und benutzen und verbrauchen wollen; ein Ende machen mit dem kurzzeitigen Gebrauch und Wegwerfen und dann neu kaufen und so weiter in alle Ewigkeit. Man müsste sich ein für allemal vom Grundgesetz des Kapitalismus, immer weiter zu wachsen und zu expandieren, immer mehr Märkte zu schaffen, immer neue Konsumwünsche und Ansprüche zu kreieren; immer mehr Kapital zu akkumulieren und Profite, Gewinne und Rendite einzustreichen, verabschieden.


    Das hieße dann im Klartext, dass sich ein Mensch im Laufe seines Lebens nicht mehr alle paar Jahre ein neues Auto kauft, einen neuen Fernseher, einen neuen Computer, ein neues Handy, einen neuen Kühlschrank, ein neues Fahrrad, ein neues Sofa, eine neue Küche; nicht mehr jährlich neue Klamotten und Schuhe; sondern nur noch Konsumgüter ersteht, die sehr lange halten und wieder repariert werden können. Das würde natürlich bedeuten, dass ganze Industriezweige; die auf Massenproduktion ausgelegt sind, erst einmal in Schieflage geraten, vielleicht Konkurs anmelden oder sich vollständig umstrukturieren und verschlanken müssen. Die Industrie müsste wieder lange haltbare und funktionierende Güter produzieren; die sich angesichts der ständig fortschreitenden technischen Neuerungen leicht auf- und nachrüsten und bei Bedarf kostengünstig reparieren lassen. Des Weiteren wären Werkstoffkunde und Materialwissenschaft zu den wichtigsten Forschungsdisziplinen zu erklären und entsprechend zu fördern; Grundlagenforschung, angewandte Wissenschaft und Industrie Hand in Hand; um künftig in so ziemlich allen Bereichen auf wieder verwendbare Werkstoffe und Materialien setzen zu können.


    Das hieße aber auch; die eigenen Lebensgewohnheiten zu hinterfragen. Wer täglich via Klick den Internetversandhandel reicht macht; schädigt den lokalen Handel, zieht den LKW-Verkehr auf die Straße, überlastet die Zusteller und schädigt damit die Umwelt und zementiert ein unwürdiges berufliches und soziales System. Das heißt auch, auf überflüssige Fernreisen und überhaupt Flüge zu verzichten; um den Luftraum zu entlasten, den Ausstoß an Schadstoffen zu verringern und Landschaft und Kultur der Zielländer zu schützen. Überhaupt wäre das Ende des Massentourismus gekommen; wenn wir unsere Klimaschutzziele ernst nähmen; was wiederum die Länder, die von ihm leben, zunächst einmal in große Schwierigkeiten bringen würde. Das hieße ebenfalls, den kostenlos zu gestaltenden Öffentlichen Nahverkehr endlich so ausbauen, dass Stadt und Land in vernünftigem Takt so miteinander verbunden sind; dass man das Auto beruhigt stehen lassen kann selbst auf dem Dorf, das 50 Kilometer vom nächsten urbanen Zentrum entfernt liegt. Das bedeutet auch, dass in den Supermärkten und Discountern das Angebot aus aller Welt minimiert wird und man nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit Waren kaufen kann; die über zehntausende Kilometer transportiert werden müssen.


    Und natürlich bedeutet das eine biologische Landwirtschaft regionalen Zuschnitts mit kurzen Wegen zum Endverbraucher. Das bedeutet Pflanzenproduktion ohne Chemie und mit Schwerpunkt auf den heimischen Kulturpflanzen; das bedeutet Tierproduktion mit ausschließlich artgerechter Tierhaltung und ohne Fahrten durch halb Europa zwischen Bauer, Züchter, Schlachter, Verbraucher; das bedeutet den Verzicht auf alle Facetten einer unmenschlichen Massentierhaltung. Das alles wird bedeuten, dass es insgesamt weniger Angebot gibt, das im Gegenzug aber auch bedeutend teurer wird. Wie auch alle oben genannten Konsumgüter teurer werden müssen. Fast alle Lebensbereiche des Menschen und Bundesbürgers werden davon betroffen sein; liebgewordene Gewohnheiten wird man aufgeben müssen; überkommene Traditionen und Einstellungen werden fallen. Und da habe ich hier bislang nur einen Bruchteil berührt.


    Letztlich bedeutet das alles den Abschied von einer unreflektierten Globalisierung und damit vom Kapitalismus als Wirtschaftsform, wie wir ihn bisher kennen und als sehr erfolgreich erlebt haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass er, der so viele Krisen gemeistert hat; auch diesen gewaltigen gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozess wird managen und überstehen können. Aber dafür braucht es von Seiten der Politik endlich auch Taten statt nur der blumigen und markigen Worte und seitens der Menschen das Wollen und den Willen zur wirklichenVeränderung.

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    Im Teil 2 der Dokumentation "Mai Time is Now" erklärt die Sängerin Vanessa Mai, deren Musik so gar nicht die meine ist; dass sie von allen drei Typen, mit denen sie vorher eine feste Beziehung hatte, betrogen wurde. Und als sie ihren jetzigen Mann und Manager Andreas Ferber kennenlernte, wusste sie sofort, den oder keinen. Für mich als Wenigbisgarkeinenerfolgbeifrauenhaber wirft das natürlich zwei Fragen auf: Wer um Himmels Willen betrügt so eine Frau? Und was ist an dem jetzigen dran, dass eine so schöne Frau ihm bedingungslos erliegt? Ich habe zwar hier schon einmal darauf hingewiesen; dass Männer, die solche Frauen kriegen können; natürlich auch andere dieses Kalibers kriegen können und die Angebote einfach schwer ausschlagen können; aber dennoch kriegt man als Normalo fast die Krise. Und was macht einen Mann wie den ihren zu so einem Frauenschwarm? Attraktivität reicht doch da nie und nimmer, ist hier Biochemie im Spiel oder Magie?

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    Mich würde wirklich einmal interessieren; wer von unseren heutigen politischen Entscheidern seine Kinder in ganz normale staatliche Schulen schickt und nicht auf besondere Gymnasien oder Privatschulen; wer in Gegenden mit 80 Prozent Migrantenanteil zur Miete wohnt und nicht irgendwo auf dem Dorf oder in einer Villa am Stadtrand; wer nicht privat mit Chefarztbehandlung und Einzelzimmer, sondern ganz normal gesetzlich krankenversichert ist; wer unmittelbar neben Windrädern wohnt und nicht in eleganten Großstadtvierteln oder in traumhaft schöner unberührter Natur; wer wirklich nachhaltig, umwelt- und klimabewusst lebt und nicht SUV fährt, ständig privat Flugreisen unternimmt, Plastikbeutel im Supermarkt kauft oder die McDonalds-Tüten zum Autofenster rauswirft?!


    Im frühen und hohen Mittelalter zogen die Könige, Herzöge, Fürsten und selbst die Bischöfe noch höchstselbst dem Heer voraus in die Schlacht; erst mit der Auflösung des Personenverbandsstaaates und der Entwicklung abstrakterer staatlicher Strukturen in der Neuzeit wird die Differenz der verschiedenen Lebenswelten und sozialen Stände signifikant. Es ist eine Binsenweisheit, das Politik und Gesellschaft anders aussähen; wenn die Politiker wirklich Teil der letzteren wären und damit organisches Glied der Masse der Bevölkerung und nicht das Vorland der oberen Zehntausend. Alle strittigen Bereiche heute von der Migrationspolitik über Klima- und Umweltpolitik, Bildungs- und Gesundheitspolitik etc. sähen ganz anders aus; wenn diejenigen, die die Richtung vorgeben und die Weichen stellen, unmittelbar und persönlich mit ihrer Familie betroffen wären.

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    Wenn man mich fragt, was die größte Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ist; dann fallen mir nicht zuerst die Bedrohungen von der extremen Linken, vom politischen Islam und von der extremen Rechten ein, die alle auch nicht zu vernachlässigen sind; sondern das Gerede von der Alternativlosigkeit politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen. Das Wort ist nicht wirklich neu und wurde auch früher schon gebraucht von Regierenden; zum Mode- und Machtwort, Totschlagargument, Diskursverhinderer und Grabstein der Demokratie wurde es aber erst durch Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die damit seit spätestens 2009 alle strittigen politischen Entscheidungen und Weichenstellungen rechtfertigte.


    Daher wurde „alternativlos“ bereits im Jahr 2010 völlig zu Recht als Unwort des Jahres gekürt. Die Jury befand:


    Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.


    Wenn die Jury gewusst hätte, wie es im Jahr 2022 aussieht; sie hätte schärfere Worte gewählt. In einer demokratischen, pluralistischen, offenen, diskursiven Gesellschaft wird es abgesehen vom prinzipiellen Konsens hinsichtlich des Grundgesetzes und allgemeinerer Normen IMMER einen und zwar notwendigen Dissens hinsichtlich aller möglichen gesellschaftspolitischen Fragen und Probleme geben. IMMER! Dieser ist notwendig und heilsam und trotz aller Schwierigkeiten im täglichen Umgang mit ihm ungeheuer wichtig, um wichtige politische Entscheidungen von allen Seiten her zu beleuchten und diese dem mehrheitlichen Volkswillen zu unterstellen. Es gibt nichts, keinen Prozess und keine Entwicklung und keine Entscheidung; zu der es nicht auch mindestens eine Alternative gäbe, meistens gibt es sogar mehrere.


    Das betrifft alle Bereiche der Gegenwartspolitik seit der Wende und besonders seit dem ersten Kabinett Merkel. Es hätte zur Bankenrettung Alternativen gegeben, zum Rettungsschirm für Griechenland, zur Flüchtlingskrise sowieso. Aber auch so grundsätzliche Sachen wie die Energie-, Europa- oder Klimapolitik sind nicht alternativlos. Zu jeder Politik gibt es mehrere Alternativen und zwar auch IMMER; zumindest in einem demokratischen Gemeinwesen. Und diese Alternativen müssen auch IMMER gesamtgesellschaftlich auf den Tisch und offen diskutiert werden ohne jede Beeinflussung und Manipulation seitens der jeweils Herrschenden. Nichts ist zementiert für die Ewigkeit! Nur weil wir jetzt seit Jahrzehnten die europäische Union haben, heißt das doch nicht; dass diese alternativlos ist; schon gar nicht, wenn sie sich als unbrauchbar und undemokratisch erweist. Nur weil wir seit Jahren von nichts anderem als dem Klima reden, heißt das noch nicht, dass wir den einzig möglichen Weg beschreiten. Und das ließe sich für JEDES große Thema so fortschreiben.


    Warum führt wohl die einzige wirkliche Oppositionspartei im Land – man mag zu ihr stehen, wie man will – das Wort Alternative im Namen? Weil sie genau das sein will und weil sie genau darauf hinauswill; dass es wieder echte Alternativen im Land gibt, die auch wahrgenommen und diskutiert und nicht totgeschwiegen und ignoriert werden. Hätten die etablierten Parteien beizeiten darauf geachtet; dass der Pluralismus der Meinungen erhalten bleibt und fruchtbar gemacht wird; bräuchte es die AfD überhaupt nicht. Natürlich ist so eine Politik anstrengend; weil demokratische Politik immer anstrengender ist als totalitäres Regieren. Aber es lohnt sich.

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    Ich entnehme der taz, "die als grün-links, linksalternativ und systemkritisch beschrieben wird"; dass die Leugnung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen und Völkermorden jetzt als „Volkverhetzung“ strafbar ist. "Der Bundestag hat in der Nacht zum Freitag ohne jede Ankündigung das Strafrecht verschärft. Dies betrifft zum Beispiel die Leugnung und Verharmlosung von russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine. Bisher war in der Bundesrepublik nur die Billigung von Straftaten aller Art (Paragraf 140 Strafgesetzbuch) sowie die Leugnung und Verharmlosung des Holocausts (Paragraf 130 Absatz 3) strafbar. Nun wurde in Paragraf 130 ein neuer Absatz 5 eingefügt. Danach ist auch die öffentliche Leugnung und „gröbliche“ Verharmlosung von anderen Völkermorden sowie von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen strafbar." Ich entnehme den Kommentaren dazu unter anderem, dass man es seltsam findet; wenn zu einer Uhrzeit, zu der die Öffentlichkeit im Bett liegt unter einem Tagesordnungspunkt, der mit dem Inhalt null und nichts zu tun hat, ohne weitere Ankündigung, ohne erste Lesung und vermutlich auch ohne Aussprache eine Gesetzesänderung durchgepeitscht wird, ohne dass die Beschlussfähigkeit des Bundestags angezeifelt wurde. Dazu kann und mag ich nicht sagen; mir geht es hier allein um den Inhalt.


    Zunächst einmal grundsätzlich: Ich halte den juristischen Tatbestand der „Volksverhetzung“ in Zeiten der multimedialen Massengesellschaft, in der jeden Tag Millionen Falschmeldungen, Beleidigungen, Halbwahrheiten und Lügen durch den öffentlichen Raum schwirren, für anachronistisch. Überdies, ich deutete das im Einverständnis mit dem früheren Bundesinnenmister Otto Schily wohl schon einmal an; finde ich persönlich 15 Jahre Gefängnis für eine wiederholte Holocaustleugnung unangemessen, da sie sich nicht mit den Wiederholungstaten von Mördern, Totschlägern, Vergewaltigern etc. gleichsetzen lässt. Aber darum soll es hier nicht gehen.


    Ich halte eine Neubewertung der Strafwürdigkeit verbaler Äußerungen für dringend angezeigt und hätte auch nichts gegen eine Beibehaltung derzeitiger Bestimmungen, wenn man ALLE derartigen Äußerungen einbezieht und nicht nur die so offensichtlichen von rechts. Das heißt zum einen, dass auch die Relativierung des bolschewistischen Gulag-Terrors, die von zahlreichen Linken nach wie vor straffrei öffentlich betrieben wird, mit Gefängnis bestraft wird. Und das hieße auch, dass man Falschmeldungen und bewusste Verdrehungen historischer Tatsachen unter Strafe stellt; was wiederum für einen nicht erheblichen Teil des politisch-medialen Establishments immer wieder schwedische Gardinen in Aussicht stellen würde.


    Denn das ist doch der Punkt: Wer entscheidet denn, was einer Leugnung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen und Völkermorden gleichkommt und damit als „Volkverhetzung“ strafbar ist? Was bedeutet die Einschränkung, die jeweilige Äußerung müsse „geeignet“ sein, den öffentlichen Frieden zu stören und zu Hass oder Gewalt aufzustacheln? Da ist so viel Spielraum für Interpretationen, das kann niemals gutgehen in einer Zeit, da Justiz, Verfassungsschutz und Medien instrumentalisiert werden seitens der Herrschenden. Wenn schon gröblich verharmlosende Meinungsäußerungen ausreichen, dass eine Staatsanwaltschaft bestimmte Handlungen als Leugnung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen einstuft, können wir praktisch jedes Internetforum schließen und jeden Social-Media-Account und verzichten künftig vorbeugend auf jede Einschätzung politischer Vorgänge.


    Wenn ich als Bundesdeutscher mit türkischen Wurzeln den Völkermord der Türken an den Armeniern im 1. Weltkrieg leugne, komme ich dann auch ins Gefängnis? Wenn ich leugne, dass die Amerikaner in Korea und Vietnam Kriegsverbrechen begangen haben? Oder sie in Guantanamo und im Irak Gefangene misshandelt und gefoltert haben? Was ist mit den Kriegsverbrechen der Alliierten im 2. Weltkrieg; darf ich die leugnen? Nach meiner bisherigen Erfahrung in jahrzehntelanger Beschäftigung darf man das. „Ab wann ist es denn eine gröbliche Verharmlosung? Wenn ich sage, dass die Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine schlimm sind, es aber dauernd mindestens ebenso schlimme gibt (in denen wir sogar unsere Finger drin haben), ist das schon eine Verharmlosung? Oder ist es vielmehr eine gröbliche Verharmlosung der anderen Kriegsverbrechen, wenn wir uns ausschließlich den Verbrechen gegen die Ukraine widmen und nicht denen, die z.B. im Jemen verübt werden?“ Was ist mit der Verharmlosung chinesischer Menschenrechtsverletzungen seitens der Bundesregierung oder der Katars mit Blick auf die Fußball-WM? Was ist, wenn ich die Toten an der innerdeutschen Grenze zwar ehrlich bedaure; aber finde, dass sie im Vergleich mit den Millionen vergasten Juden kaum ins Gewicht fallen? Vermintes Gelände? Das kann man aber glauben.


    Jeder weiß, dass es in jedem Krieg Kriegsverbrechen gibt. Es gibt keine gerechten und keine sauberen Kriege. Die Natur des Krieges ist so, sein Wesen liegt seit tausenden Jahren vor aller Augen. Wenn wir wirklich gleichberechtigt alle Verbrechen im Auge hätten, gäbe es nicht nur keine Kriege mehr, es bräuchte auch keinen Paragraphen für Volksverhetzung. Nach der quasi heimlich und unauffällig betriebenen Novellierung wird doch deutlich sichtbar, in welche Richtung das Gesetz zielt; es geht nicht um Rechtsgleichheit; sondern um Teilinteressen und die vorsätzliche Lenkung des Blicks. Wo soll denn das enden? Kann man denn allen Ernstes jemanden ins Gefängnis stecken, weil er Putins Politik öffentlich billigt; aber jemanden verschonen, der die Kriege der USA im Irak oder in Afghanistan gutheißt? Das ist doch Doppelmoral pur und vor allem ist es Ausfluss einer politischen Agenda. Mit unabhängiger Justiz hat das wenig zu tun.


    Bitte nicht falsch verstehen: Eine wehrhafte Demokratie braucht bei aller Meinungsfreiheit auch Grenzen. Aber für alles, was verlautbarte Meinungen angeht, brauchen wir ein neues Instrumentarium; einfach, weil jeder Depp sich äußern darf und Millionen Menschen erreichen kann. Das war noch vor 50 Jahren anders und da hatte der Tatbestand der Volksverhetzung vielleicht noch so etwas wie eine Berechtigung. Da musste man schon auf die Straße gehen mit Transparent, ein Buch veröffentlichen oder einen Artikel in der Zeitung oder sich noch besser vor Gericht verteidigen mit flammenden Plädoyers, um sein Gift unters Volk zu bringen als geistiger Brandstifter. Aber heute soll unter Umständen ein Smiley ausreichen im Netz?


    Wer also Auschwitz und die Gaskammern leugnet, soll bestraft werden und meinethalben auch ins Gefängnis. Aber Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gibt es so viele mehr, damals wie heute; dass es sehr schwer sein wird, hier als Richter ohne persönliche Note zu urteilen; da wird man im Jurastudium zusätzlich noch Allgemeine Geschichte als Fach lehren müssen. Mit solchen Gummiparagraphen ist niemandem gedient, nicht dem Recht und nicht der Demokratie. Es ist nicht viel anders als mit dem im Verfassungsschutzbericht aus dem Hut gezauberten neue Deliktbereich „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“, der unter anderem das Verächtlichmachen demokratischer Entscheidungsprozesse und Institutionen von Legislative, Exekutive und Judikative als strafwürdig erachtet; vor allem auch von deren Repräsentanten. Was in zivilisierten Ländern Meinungsfreiheit bzw. parlamentarische und außerparlamentarische Opposition genannt wird; wird hier auch wieder dem Ermessensspielraum von Richtern zugebilligt. Das erinnert so stark an den Passus „Öffentliche Herabwürdigung“ der staatlichen Ordnung oder staatlicher Organe aus DDR-Zeiten; dass man stark schlucken muss mit einem Kloß im Hals als alter Ossi.


    Seien wir ehrlich: Der juristische Tatbestand der Volksverhetzung hat im vereinten Deutschland bislang nur eine Stoßrichtung gehabt; die Verbrechen der NS-Zeit. Nun wird das Ganze um die russische Komponente erweitert. Mit Gleichheit vor dem Gesetz, mit Augenmaß, Verhältnismäßigkeit, Transparenz hat das alles nichts zu tun. Aber vielleicht mache ich mich mit solchen Überlegungen schon strafbar.

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    Ich dachte früher, das Wort Haltungsjournalismus bedeute etwas Orthopädisches, Physiotherapeutisches, Körperhygienisches; dass man versuche, halbwegs gesund und gerade auf seinem Bürostuhl vor dem Rechner zu sitzen; aber mittlerweile habe ich erkannt; dass es genau das Gegenteil meint; die Rückgratverkrümmung, die Abwesenheit von Geist und vor allem Charakterschwäche.

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    Irgendwo in einer Doku im TV stellte jemand die Frage; was noch langweiliger als Angeln sei? Antwort: Jemandem beim Angeln zusehen! Ich muss zugeben, dass ich trotz aller Naturverbundenheit und Sinn für Meditation keinerlei Zugang zum Angeln habe; auch mich dünkt es das langweiligste Geschäft der Welt.

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    Meine Vermutung bezüglich des furchtbaren und grausamen Attentats auf Salman Rushdie hat sich bewahrheitet: Niemand weltweit und besonders in Deutschland interessiert sich für dieses unglaubliche Verbrechen. Einzig die von mir hochgeschätzte Thea Dorn hat sich des Themas angenommen und in ihrer Sendung "Das Literarische Quartett" die "Satanische Verse" mit ihren Gästen diskutiert. Ansonsten war die bundesdeutsche mediale Aufmerksamkeit auf andere und wohl wichtigere Themen focussiert; als dass sie ein brutaler und mörderischer Anschlag auf die Freiheit des Worts und der Kunst sonderlich interessieren könnte. Stattdessen reden wir über den Rassismus bei Karl May, Menschen mit unklarer Geschlechtsidentität und darüber; welche Straßen wir noch umbenennen, welche Bücher wir noch aus dem Verkehr ziehen müssen; wen wir noch moralisch verurteilen können und wen retten vor der Realität der Welt. Ein Lehrbeispiel für mediale Aufmerksamkeit und gelenktes Interesse. Ich schäme mich, einer einstigen Kulturnation anzugehören; die sich einen Dreck um wirkliches Unrecht und wirkliche Gefahren kümmert und sich stattdessen mit Pseudo- und Luxusproblemchen beschäftigt.

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    Ich habe ja bezüglich der Realität unserer bundesdeutsche „Demokratie“ schon mehrfach angedeutet; dass der Einzelne als Individuum ohne finanzielle oder berufliche Nachteile kaum Chancen auf wirkliche politische Partizipation hat und dass sich m Großen und Ganzen die politische Mitsprache des mündigen Bürgers in der alle paar Jahre erfolgten Stimmabgabe für eine der erwähnten politischen Parteien erschöpft, auf deren Politik er in der Folge keinen Einfluss mehr hat. Ähnlich verhält es sich mit der Teilhabe an den politischen Diskursen im Vorfeld wichtiger gesellschaftspolitischer Entscheidungen und Weichenstellungen.


    Ich bin ganz entschieden der Meinung; dass diejenigen, die Tag für Tag den Wohlstand des Landes erarbeiten und die Überschüsse erwirtschaften, auf deren Grundlage der Sozialstaat steht; die von ganz „unten“ (Müllabfuhr) bis ganz „oben“ (Chirurg) dafür sorgen, dass die gesellschaftlichen Abläufe reibungslos vonstattengehen und jeder Mensch in der BRD zivilisiert leben kann; am Wenigsten in die Diskussionen einbezogen werden, einfach deshalb, weil sie gar keine Zeit haben oder lange nicht so viel wie diejenigen, die in Bereichen mit geringerem gesellschaftlichen Nutzen tätig sind oder gar nicht arbeiten; und sich daher auch nicht den Zugang sichern können wie all die, die den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen und sich durch die digitale Welt klicken.


    Wer sind denn die Meinungs- und Stimmungsmacher im massenmedialen Zeitalter? Da haben wir auf der einen Seite die Journalisten und sonstigen Medienschaffenden, deren Beruf es ja ist; sich mit gesellschaftspolitischen Themen zu beschäftigen; im Idealfall sogar investigativ und kritisch; was aber schon deshalb nicht vorkommt, weil sich die Mehrheit eigenem Bekunden nach im linksgrünen Milieu verortet. Dann haben wir all die, die einen Beruf ausüben; der es ihnen möglich macht; sich immer wieder am Tag auszuklinken, andere Internetseiten aufzurufen und sich zu diesem und jenem zu äußern. Das sind natürlich größtenteils Büroberufe mit versteckten Pausenzeiten und geringer Arbeitsbelastung. Wie viele Forstarbeiter kennt man, die sich zwischendurch im Bauwagen in aktuelle Diskussionen einklinken? Wie viele Ärzte können während der Operation oder im Praxis- und Stationsalltag im Netz surfen, in Foren schreiben oder Leserbriefe verfassen?


    Das sind des Weiteren die Studenten; die Menschen zwischen zwei Jobs; die viel zu vielen Frauen mit zu viel Tagesfreizeit, das Prekariat überhaupt und natürlich Leute wie ich, die aus Alters- und Gesundheitsgründen keiner beruflichen Beschäftigung mehr nachgehen. Ich kann das als zumindest zeitweiliger Frühpensionär, der auch früher schon immer mal länger ausfiel aus gesundheitlichen Gründen, sehr gut beurteilen. Wenn ich Klassenarbeiten und Aufsätze auf dem Tisch hatte; Prüfungen anstanden oder der Alltag mit schwierigen Klassen kaum noch erträglich war; konnte ich weder lesen noch schreiben noch mich mit irgendetwas anderem sinnvoll beschäftigen; einfach, weil ich viel zu kaputt, zu müde und überreizt war. Die Menschen, die körperlich hart arbeiten; lange Arbeitszeiten haben oder sehr große Verantwortung; die haben tagsüber keine Zeit und Muße für andere Dinge und sind abends rechtschaffen müde.


    Das sieht in den meinungsbildenden Milieus schon anders aus und das hat überhaupt nichts mit Vorurteilen zu tun. Im Grunde machen diejenigen den gesellschaftspolitischen Diskurs unter sich aus; die am Wenigsten arbeiten, am Wenigsten Wohlstand erwirtschaften und am Wenigsten bereit sind; die arbeitende Bevölkerung ernstzunehmen anstatt sie zu bevormunden aus dem bequemen Bürostuhl heraus. Mittlerweile sind das auch diejenigen mit der geringsten Bildung, mit dem größten grundlosen Selbstbewusstsein, der größten Klappe und der größten Naivität und Blauäugigkeit. Ich behaupte: Wenn diejenigen wirklich etwas zu sagen hätten; die auch etwas leisten im Lande; dann sähe unsere schöne Bundesrepublik ganz anders aus. Daher tun die „Eliten“ alles dafür, dass genau das nicht geschieht. Demokratie geht anders!

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    Das Verhältnis der meisten modernen Menschen zum Lärm des Alltags wird mir immer ein Rätsel bleiben. Wenn man wie ich derzeit seit Monaten im eigenen Heim arbeitet; ganz banal am Schreibtisch und am Rechner; und dazu eigentlich in einem reinen Wohngebiet am Stadtrand wohnt; kann man kaum begreifen, warum den ganzen Tag irgendein Lärm oder Krach die Ruhe stört beim Arbeiten oder der Siesta.


    Das geht damit los, dass der eine Nachbar schraubt und bohrt, der nächste mäht stundenlang den Rasen; der wieder nächste sägt Holz mit der Motor- und dann mit der Kreissäge; ein anderer macht seinen Pool sauber mit dem Kompressor; dann kommt mal ein Fahrzeug der Stadt und brummt; den Tag über fahren die verschiedenen Dienstleister vor mit ihren Paketen und Sendungen; die Pizzaboten und asiatischen Reisenden; ein asozialer Köter kläfft sich in Ekstase; ein Nachbar hat die Angewohnheit bei jeden Wegfahren und Ankommen die fünf Türen seines Wagens etwa zwei Dutzendmal auf- und zuzuklappen. Ich könnte noch hunderte Sachen aufzählen; man hat keine zehn Minuten wirkliche Stille im Alltag und ich frage mich, ob das wirklich so sein muss.


    Auch ich mähe Rasen; auch ich fahre mit dem Auto; auch ich mache hin und wieder Krach, das bleibt nicht aus. Aber ich versuche alles, um diesen zu minimieren. Und ich bin der Meinung, dass sich viele Dinge in Haus und Garten auch ohne lärmende Maschinen verrichten lassen und viele Fahrten überflüssig sind, wenn man seinen Tag vernünftig einteilt und nicht aus reiner Langeweile nicht weiß wohin mit sich. Vor allem aber ärgert mich die Gleichgültigkeit und Unempfindlichkeit der meisten Menschen gegenüber Krach und Lärm und ich behaupte, dass seelenlos ist; wer ohne Grund laut ist und Lautes erträgt.

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    In dem furchtbar misslungenen und stellenweise sogar peinlichen Film „Duell – Enemy at the Gates“ von Jean-Jacques Annaud gibt es immerhin ein paar Szenen, die sich nachhaltig einprägen; nicht nur das Chaos des sinnlosen Schlachtens zu Beginn, auch die im Angesicht seiner Niederlage herabgezogene Mütze des von Ed Harris gespielten Major Königs bleibt haften.


    Richtig tragisch aber wird es kurz vor Schluss, als Politkommissar Danilow (Joseph Fiennes) zum in Stellung liegenden Scharfschützen Wassili Saizew (Jude Law), beide lieben sie Tanja Tschernowa (Rachel Weisz), die aber nur Wassilis Liebe erwidert;in die Ruinen kriecht und also seine Rede anhebt:


    Ich war so ein Narr, Wassili. Die Menschen werden immer so bleiben wie sie sind. Es gibt keinen neuen Menschen. Wir haben uns solch eine Mühe gegeben, eine Gesellschaft zu schaffen; in der alle gleich sind und niemand Anlass hat, seinem Nachbarn irgendetwas zu neiden. Aber es wird immer etwas geben, das Neid auslöst. Ein Lächeln, eine Freundschaft; etwas, was man nicht hat, aber gerne haben möchte. In dieser Welt, selbst in der sowjetischen, wird es immer reich und arm geben. Reich an Gaben, arm an Gaben; reich an Liebe, arm an Liebe.


    Nach diesen Worten erweist er seinem Freund einen letzten Dienst; indem er seinen Kopf aus der Deckung hält; der Schuss durch seinen Kopf zeigt diesem die Position des deutschen Majors an, den er nun seinerseits erschießen kann.


    Ein anderer hat das so formuliert: Wo die Gunst ungleich verteilt ist, wird es immer Missgunst geben. So ist das, seit es den Menschen als soziales Wesen gibt; seit hunderttausenden Jahren. Die Hoffnung spätestens seit Marx, man müsse nur die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern, damit auch der Mensch sich ändere und alles gut werde auf Erden, ist eine utopische. Menschen können ihren Status verändern, einen neuen Stand erklimmen; reich und mächtig werden; auch wenn sie vorher arm und machtlos waren. Dafür aber werden andere nun nach unten fallen und deren Nachkommen wieder versuchen, sich zu verbessern. Alle auf gleicher Ebene gibt es nie.


    Gleichheit und Gerechtigkeit hat es nie gegeben und wird es nie geben; weil es sie nicht geben kann; solange die Gaben unterschiedlich verteilt sind bei den einzelnen Menschen und ganzen Völkern und Nationen. Solange die Menschen unterschiedlich zur Welt kommen mit unabänderlichen Tatsachen; die Genetik und gesellschaftlich-historische Einbettung festlegen; wird es den Blick zum Nächsten und Anderen geben; zum Erfolgreicheren, besser Lebenderen, Satteren, Gesünderen, Klügeren, Geliebteren. Und daraus folgen Neid und Spannungen; es kommt zu Konflikten und Kriegen. Das ist ein ewiger Kampf, der sich nicht vermeiden lässt; wenn wir als Menschen unsere Geistes- und Lebenshaltung nicht grundsätzlich an dem orientieren können, was und wer wir selbst sind aus unserem tiefsten Inneren und nichts weiter begehren. Aber das wäre vielleicht auch das Ende der Menschheit und des Menschen.

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    Eine meine wenigen "Stärken" ist mein gutes Gedächtnis; nicht nur für Zahlen, Daten und Fakten und alles, was in Büchern geschrieben steht; sondern auch für Gesichter, menschliche Biografien und soziale Beziehungen. Das fällt mir in den letzten Jahren immer mehr auf die Füße; wenn ich mit Leuten zusammentreffe; die ich lange nicht gesehen habe; von denen ich aber noch mehr weiß, als diesen angenehm zu sein scheint, obwohl oder weil man kaum mehr als Smalltalk unterhalten hatte seinerzeit. Aber wenn ich dann fallenlasse, man wohne doch dort und dort; kenne den und den, mich nach den Kindern mit Namen erkundige und dergleichen; dann werde ich angeschaut, als sei ich ein Stalker oder ein Geheimdienstler. Mich irritiert das sehr, aber es scheint so zu sein; dass die Menschen heute mehr denn je versuchen, ihr echtes Privatleben abzuschotten und Alltagsgespräche tatsächlich nur oberflächlich als gesellschaftliche Zeremonie absolvieren. Ich kann das nicht; wenn ich mit jemandem rede, dann höre ich zu und interessiere mich für mein Gegenüber und das, was er sagt. Wo nicht, gehe ich meiner Wege.

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    Meine Frau und ich haben bei der diesjährigen Wahl zum Vogel des Jahres für den Feldsperling gestimmt, leider erfolglos. Ich bin schon ein wenig verwirrt: Das siegende Braunkehlchen ist ja nun überhaupt nicht politisch korrekt; wenn es wenigstens das Rotkehlchen wäre. Überdies hatte in Zeiten des Krieges der Neuntöter natürlich überhaupt keine Chance; auch kein Vogel mit Trauer im Namen. Also nichts mit gleicher Ausgangslage. Und natürlich völlig klar; dass ein Normale wie der Spatz keine Siegchance hat; was man täglich sieht, beachtet man nicht. Und beim Teichhuhn denken die Leute; ein Huhn ist ein Huhn und kein Vogel. Man sieht, politisch zweifelhaft, keine Chancengleichheit und überhaupt; du Vogel ist ja eigentlich ein Schimpfwort und der Vogel des Jahres wäre ja dann der größte Depp.

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    Warum hat es eigentlich seit dem Ende des Kalten Krieges keine Bemühungen seitens aller Groß- und Mittelmächte gegeben; sämtliche Kernwaffen zu entsorgen und den Planeten frei von Atomwaffen aller Art zu machen? Dann könnte ein unberechenbarer Politiker wie Putin nicht mit ihrem Einsatz drohen und wäre es prinzipiell leichter, internationale Konflikte konventionell in den Griff zu bekommen. Die Antwort liegt natürlich auf der Hand: Welche Atommacht würde hier wohl ihr Veto eingelegt haben? Die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel, Nordkorea? Welche Großmacht wie die USA, Russland oder China wäre überhaupt bereit; auf dieses Bedrohungspotenzial zu verzichten?

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    Nachrichten aus der pädagogischen Provinz


    In meiner aktiven Zeit an der pädagogischen Front legte ich zu Beginn eines jeden neuen Schuljahres akribisch ein Heft an mit dem Titel „Beratungen und Versammlungen“; in das ich meine Mitschriften bei Dienstberatungen, Lehrerkonferenzen, Personalversammlungen, Fachschaftssitzungen, Klassenkonferenzen etc. notieren wollte. Nach einigen Jahren widerstrebte es mir, am Ende des Schuljahres das praktisch so gut wie leere Heft zu entsorgen und so ging ich dazu über; einfach nur einen Zettel (A4, später A5) aus einem Block zu reißen und „Dienstberatung“ (später DB) mit dem jeweiligen Datum drüberzuschreiben. Meist blieb es bei dieser Überschrift und den Rest des Zettels zierten kindliche Zeichnungen und vielerlei Zeugnisse eines furchtbaren Gelangweilt- und Angeödetseins; später der Wut und des Zorns.


    Wer das noch nicht erlebt hat; macht sich keinen Begriff von einer der sinn- und fruchtlosesten Institutionen des Lehrerdaseins im praktischen Schulalltag. Natürlich verstehe ich, dass es Beratungen geben muss und natürlich ist mir klar; dass jede menschliche Gemeinschaft, die zusammen lebt oder arbeitet, hin und wieder eingeschworen werden muss als Initiation. Was aber dem Lehrer in seinem beruflichen Alltag zugemutet wird in diesem Zusammenhang, geht so über jedes vernünftige Maß hinaus; dass man sich fragt, ob empathielose Wahnsinnige den ganzen Betrieb leiten. Ich selbst habe das ausnahmslos in allen Schulen, an denen ich unterrichtet habe; so erlebt mit geringen Abweichungen, Man stelle sich vor, man hat montags 4,5 oder 6 Stunden Unterricht; manchmal beginnt man in der 0. Stunde, also um 7 Uhr; da muss man unter Umständen halb 5 aus der Kiste; dann muss man die Zeit bis zum Beginn der Dienstberatung irgendwie herumbringen, weil man auf die Sport- und Kunstlehrer warten muss mit ihren Nachmittagsstunden; natürlich ohne eine Möglichkeit zum Arbeiten (keine Schule hatte dafür Platz und Ruhe genug) oder zur Regeneration (undenkbar in allen Schulen) zu haben und dann nimmt man drei Stunden an einer Beratung teil, an deren Ende nichts als die Überschrift auf dem Blatt steht, man selber zermürbt und kaputt ist und man eigentlich Amok laufen möchte ob der sinnlosen Zeitverschwendung.


    Die meisten Dinge, die Termine und Aufgaben betreffen; können schlicht ausgehängt oder via E-Mail verschickt werden. Grundsatzdiskussionen zu bestimmten Problemen gehören ebenfalls nicht in allgemeine Beratungen und gleich ganz kann man auf Belehrungen und Ermahnungen der Schulleitung verzichten, die aus Datenschutzgründen auf die Nennung von Ross und Reiter verzichten und sich in allgemeinen Andeutungen ergehen. Immer wieder saß ich fassungslos inmitten meiner Kollegen, von denen einige wenige fleißig mitschrieben (was nur?) und andere die Gelegenheit nutzten, sich zu melden und ausführlich selbst darzustellen mit Pseudofragen und in Pseudodiskussionen; immer dieselben; bezüglich derer, sollten sie sich gegen Ende der Beratung noch einmal in Szene setzen wollen, man Mordgelüste hegte. Wieder andere korrigierten fleißig oder machten Vorbereitungen; was eigentlich strengstens verboten war; oder dösten vor sich hin. Ich selbst konnte und mochte mich nicht auf Korrekturen konzentrieren; ich ging dazu über, sämtliche Fußballmannschaften Europas zu notieren; alle US-Bundessaaten mit ihren Hauptstädten; sämtliche Indianerstämme; später alle Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation; und als es nicht mehr erträglich war, versuchte ich, alle Pharaonen chronologisch in der Abfolge der Dynastien und Reiche (Vorgeschichte, Prädynastische Zeit, Frühdynastische Zeit, Altes Reich, Erste Zwischenzeit, Mittleres Reich, Zweite Zwischenzeit, Neues Reich, Dritte Zwischenzeit, Spätzeit, Griechisch-römische Zeit) zusammenzubekommen; wozu aber nicht einmal die längste Konferenz ausreichte.


    Fakt ist, von allen Malaisen im Schulalltag war diese vollkommen sinnlose Zeitverschwendung diejenige, die mich am Meisten zermürbte. Während sich daheim die Aufsätze, Klassenarbeiten, Leistungskontrollen, Seminarfacharbeiten stapelten; eigentlich Vorbereitungen und Nachbereitungen erledigt werden mussten oder man sich hätte einfach erholen und ausruhen können für den nächsten harten Schultag; musste man seine Zeit totschlagen; weil die Schulleiter derartige Beratungen als einzige nachprüfbare Leistung ihres Tätigkeitsbereiches so richtig abrechnen konnten bei den Schulbehörden. Und es gibt Zeiten im Schuljahr, da häufen sich diese ineffizienten Besprechungen so sehr, dass man seine Zelte im Schulgebäude hätte aufschlagen können. Was mich daran hauptsächlich und grundsätzlich ärgert, ist die damit zusammenhängende Ignorierung und Leugnung der Doppelnatur des Lehrerberufs; die sich in schulischer und häuslicher Arbeit manifestiert. Die Anwesenheit des Lehrers in der Schule ist nur EIN Teil seiner komplexen beruflichen Tätigkeit; sicher der anstrengendste und anspruchsvollere; aber nicht der zeitintensivste. Die meiste Zeit braucht der Lehrer daheim für Vor- und Nachbereitungen, Korrekturen (sic!!!) und andere administrative und organisatorische Aufgaben. Wer also den Lehrer immer wieder zu langen und fruchtlosen Beratungen ohne jede Relation zwischen Aufwand und Nutzen zwingt, leugnet diese Doppelnatur oder erachtet sie für nebensächlich und vergeht sich somit an der Lehrergesundheit und schadet damit nachhaltig dem ganzen Bildungssystem.

    • Offizieller Beitrag

    Warum man in den heutigen aufgeregten Zeiten zulässt, dass Kinder im Dunkeln bei spärlicher Beleuchtung unbeaufsichtigt bei den Leuten klingeln und "Süßes oder Saures?" rufen? Das ist erstens kulturelle Aneignung und zweitens auch sehr gefährlich, denn hinter jeder Tür kann eine Erwachsener mit sehr bedenklichen bis strafrechtsrelevanten Neigungen sich verbergen, der mit "Ihr könnt beides haben!" respondiert. Ich bin sehr für eine Abschaffung dieser Bräuche; das kann man doch auch virtuell erledigen, was auch der Diabetes im Kindesalter vorbeugen würde.