Yoricks Nachtgedanken bei Tage

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    Je älter ich werde, desto mehr wundere ich mich darüber; dass Godot keine Frau ist, bzw., weil das Stück ja alle Implikationen zulässt; nicht explizit eine Frau. Denn Warten auf … eröffnet für mich mittlerweile immer nur ein grammatisches Objekt, weil der gemeine Mann immer und ständig und permanent auf seine Frau wartet.


    Früher in den Jahrzehnten als Junggeselle habe ich immer über meine verheirateten Freunde gelächelt, wenn die schimpften, dass sie ihr halbes Leben mit Warten auf ihre Frauen vergeudeten; dachte an überspitzte Reden und Ehestandslyrik. Inzwischen weiß ich es besser, denn wenn es heißt, wir gehen oder fahren gemeinsam da und da hin; beginnt eines der grotesken Lotteriespiele, die Gott so zu amüsieren scheinen.


    Ich dusche, ziehe mich an; schlüpfe in meine Schuhe und stünde bereit; das dauert wenige Minuten; ich bin halt ein Mann. Und natürlich weiß ich; dass Frauen länger brauchen; auch wenn meine zum Beispiel weder ein Modepüppchen ist noch eine Shoppingqueen und nicht länger braucht als ich im Bad oder vor dem Kleiderschrank. Aber ich darf nicht im Weg rumstehen und alleine meine Sichtbarkeit versetzt sie in Zugzwang, sagt sie. Also gehe ich meiner Wege, kümmere mich um den Hund oder das Auto.


    Und dann beginnt das Warten. Man sitzt eine Minute im Wagen, zwei; fünf, zehn. Man wird langsam unruhig, haut aufs Lenkrad und murmelt „Wo bleibt sie denn bloß“; es verstreicht eine Viertelstunde, dann erscheint sie in einer Seelenruhe und Selbstverständlichkeit nach zwanzig Minuten; als ob man sich eben vor zehn Sekunden im Haus zuletzt gesehen hätte. Und schimpft den fassungslosen Mann, weil der ungeduldig polternd am Steuer sitzt. Zum richtigen Streit kann das ausarten, wenn eine halbe Stunde vergangen ist, man aussteigt; ins Haus zurückrennt und die Stiege „Schaaaaatz, wo bleibst du denn???“ hochbrüllt.


    Ich habe mir dann Strategien überlegt; wie ich die Situation managen könnte; habe mich zwar unsichtbar gemacht; aber dennoch in der Nähe aufgehalten, um zu wissen, wann meine Frau endlich in der Haustür steht und sich anschickt, den Hausstein hinunterzugehen. Und dann steht sie da endlich, ich bin sicher; sie muss nun jeden Moment kommen; drehe mich um in Richtung Auto, schaue wie Lots Frau doch zurück so halb über die Schulter – und weg ist sie und taucht erst viel später wieder auf.


    Auf die Frage, was sie um Himmels Willen denn noch solange gemacht hat; erhält man die unterschiedlichsten Antworten. Gängig ist der Vorwurf, da ich ja alles stehen und liegen lasse, müsse sie sich um alles kümmern. Das ist natürlich Unsinn, weil es einfach nicht stimmt. Auch häufig zu hören ist die Information, sie habe noch schnell gestaubsaugt, die Wäsche aufgehängt oder die Blumen gegossen; also Sachen, die durchaus auch hätten warten können, bis man wieder daheim ist; zumal man ja als Wartender darum nicht weiß und wenigstens eine entsprechende Vorinformation hätte erwarten können. Sehr oft aber weiß die Frau selbst nicht zu sagen, wo die halbe Stunde hin verschwunden ist.


    In jedem Fall aber beginnt so die gemeinsame Unternehmung gereizt und jedes Mal nehme ich mir vor; dass das das letzte Mal war und ich mich nicht wieder aufregen werde. Und doch wird es genauso wieder kommen. Ich bin sicher; die Geschlechterpsychologie hat sich schon mit diesem Phänomen beschäftigt und vielleicht herausgefunden, dass Frauen Männer vorsätzlich unbewusst warten lassen; um die Beziehungsstandards zu zementieren oder Machtverhältnisse klarzustellen. Aber wie immer überzeugt mich das nicht restlos; da muss doch noch etwas Anderes dahinterstecken. Verstehe einer die Frauen!

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    Wenn man nur nicht immer Angst haben müsste; dass bei Nachbars ein Airbus oder eine Boeing landet; weil man die Weihnachtsfestbeleuchtung falsch deutet als Landebahn. Gegen einen Außerirdischen mit Appetit auf Kohlsuppe hätte ich ja nichts; aber bei meinem Glück käme einer mit Lust auf Tofu.


    Ich habe nun wirklich nichts gegen die adventlichen Zurichtungen zum Fest; aber muss es denn immer diese aufdringliche Helligkeit, dieser Bombast und dieses kitschige Gewese sein? Ein Kranz hier, ein Gesteck dort; der Schwibbogen (musste eben Schreibweise nachschauen) im Fenster; ein Nussknacker im Regal, eine Pyramide, Räucherkerzen und so weiter; das ist doch alles in Ordnung.


    Aber eben alles in Maßen und eher still und heim(e)lich; wie es Christus auch gewollt hätte. Wenig Prunk und viel Besinnung. Die bunte und grelle Konsumwelt mal hinter sich lassen und lieber eine Kerze anzünden für ein paar Stunden, als mit hunderten elektrischen Leuchten ökologisch sündigen und den Nachbarn blenden.

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    Nachrichten aus der pädagogischen Provinz


    Früher, also schon ziemlich viel früher; haben die Schüler gelesen, gelesen, gelesen; geschrieben, geschrieben, geschrieben; gerechnet, gerechnet, gerechnet. Und dann konnten sie irgendwann lesen, schreiben und rechnen. Im Zeichenunterricht, der noch nicht Kunstunterricht hieß; standen und saßen die Schüler draußen unter freiem Himmel und zeichneten Bäume, Häuser, Tiere; stundenlang, sie übten ihren Blick und gewannen eine sichere Hand. Im Musikunterricht, der oft Singstunde hieß, wurde viel gesungen, sehr viel; man schulte seine Stimme und sein Gehör, lernte richtig zu atmen und erarbeitete sich Kondition der Lungen und Stimmbänder. Im Sport, der Turnen oder Leibesübungen hieß; bewegte man sich viel; man lief sehr lange Strecken, turnte viel und verbesserte so seine Ausdauer und seine Körperbeherrschung.


    Wenn ich Volksbildungsminister wäre, würde ich mir die alten Lehrpläne von früher vornehmen; also von ganz früher; und sie mit allen Erkenntnissen seit der Aufklärung kombinieren, die mir sinnvoll erscheinen. In Biologie zum Beispiel würde ich die ganze Klasse mit Zettel und Stift bewaffnet in die freie Natur schicken und da dürften die Schüler den lieben langen Tag eine Spatzenschaar beobachten, einen Ameisenhaufen oder Schafe und Rinder auf der Wiese; aufschreiben, was sie sehen, protokollieren und Fragen notieren; die sie später in Büchern oder im Netz nachschlagen. In den verschiedenen Fremdsprachen gäbe es natürlich ein Mutterspracheverbot und die permanente Lektüre von Originaltexten, das Schauen von Filmen in Originalsprache mit Untertiteln und ganz besonders Reisen in die jeweilige Sprachkultur. Die Möglichkeiten einer Experimentalkultur in Physik oder Chemie brauche ich gar nicht weiter ausführen.


    Da sind wir nun so stolz auf unseren mediengesättigten Unterricht mit den vielen Sozialformen; der angeblich mit modernen Methoden und demokratischen Mitbestimmungselementen aktions- und schülerorientiert sei und dem Schüler ein Hineinwachsen in unsere moderne Gesellschaft ermögliche, um diese aktiv und kompetent mitgestalten zu können. Die Wahrheit ist; dass unsere Schüler mit Blick auf die elementaren Kulturtechniken weniger können und wissen als die vor hundert Jahren; wenn man einmal vom Computerspiel und der Bedienung des mobilen Handtelefons absieht. Und das ist die Schuld der Erwachsenen!

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    Warum denkt heute eigentlich alle Welt bei Hannibal an den Hannibal Lecter von Anthony Hopkins und nicht an Hannibal Barkas, den karthagischen Feldherren, der Rom beinahe in den Abgrund gestürzt hätte? Wieso gibt es bis heute keinen großen Kinofilm über diesen Mann und sein Schicksal; fast alles in seinem Leben und Kämpfen schreit doch nach einer Verfilmung des Stoffes?

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    Als Kind in den 70ern habe ich in der Verkehrserziehung gelernt, dass man bei Dunkelheit helle Kleidung tragen solle als Fußgänger und Radfahrer, damit man besser gesehen wird von den anderen Verkehrsteilnehmern. Das scheint heute nicht mehr zu gelten; man muss höllisch aufpassen, niemanden zu überfahren; weil überall aus den dunkelsten Ecken noch dunklere Gestalten sich selbstmörderisch urplötzlich auf den Straßen aufhalten. Während einem tagsüber die Augen bluten von den vielen geschmacklos, grell und kunterbunt gekleideten Figuren; tauchen mit der Dämmerung die lichtscheuen Elemente der Kommune ins nicht vorhandene Nachtleben ein.

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    Mich habe ja schon immer finale Geschichten am meisten interessiert; also solche, in denen es auf irgendein Ende zugeht, für den Einzelnen wie für alle. Das sind natürlich zunächst einmal alle apokalyptischen Weltuntergangszenarien; wenn die Menschheit durch atomare Kriege oder Reaktorunglücke, Naturkatastrophen wie Erdbeben, Fluten, Klimaveränderungen; Krankheiten, Pandemien, Mutationen und Zombiekulturen; durch Einschläge aus dem All oder das Einwirken von Außerirdischen vor dem Untergang steht.


    Zum anderen sind das Geschichten von todkranken oder anderweitig dem Tod geweihten Menschen, die versuchen, ihre Angelegenheiten zu ordnen oder Rache zu nehmen; abgehalfterten Polizisten oder Privatdetektiven; die noch einmal alle ihre Kräfte bündeln, um einen Fall zu lösen; bei dem sie selbst mit draufgehen; von Menschen, die sehenden Auges und aus freien Stücken ihr Leben riskieren und einsetzen, um etwas für sie Notwendiges zu tun; und von jenen, die beschlossen haben, selbst aus dem Leben zu scheiden aus den unterschiedlichsten Gründen.


    In letzter Zeit gesellt sich ein weiteres Genre dazu; das für mich zum Beispiel mit den Büchern von Barry Holstun Lopez oder auch der Southern Reach Trilogie von Jeff VanderMeer verbunden ist; natürlich auch mit entsprechenden Sequenzen in dystopischen Spielfilmen. Dort vereinen, ja vereinigen sich menschliche Schicksale mit der Natur und zwar in so einem Maße, dass der Mensch in der Landschaft aufgeht, ein Teil von ihr wird und letztlich sie selbst. Das hat nur noch wenig mit romantischen Vorstellungen zu tun; sondern geschieht meist so, dass die Natur selbst übergriffig wird oder außerirdische Phänomene wirksam werden.


    So verändert sich der Mensch unmerklich, wird ein Hybride, ein Mischwesen aus Pflanze und Hominiden; löst sich so auf in einem schmerzlichen Prozess, aber auch mit einem tieferen Einverständnis; da er mehr wird als vorher. Die Dreingabe der menschlichen Existenz, die Aufgabe des individuellen Bewusstseins; ist in der Regel dann schon vorbereitet durch den Rückgriff auf uralte Mythologien der Naturvölker, die Übersättigung durch eine dekadente Moderne und die Sehnsucht nach einem Ausweg. Für den Beobachter vollzieht sich dieses Schauspiel; wenn er es überhaupt mitbekommt, erst als Flucht in die Einöde und dann als Abgleiten in Wahnsinn und Tod.

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    Meine Ohren arbeiten wie zeitversetzte Muscheln. Wenn ich morgens bei Wind oder Böen oder sogar Sturm und Orkan mit dem Hund durch die Natur laufe; habe ich so ab dem Nachmittag ein veritables Rauschen in beiden Ohren, das bis zum nächsten Morgen nicht nachlässt. Dabei wogen die Wellen in jedem Ohr ein wenig anders, harmonieren selten im ersten Gelingen mit dem Tinnitus und auch der Herzschlag will dann im Ohr vernommen sein. Du hast wohl was an den Ohren?! Ja, habe ich ...

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    Es ist schon erstaunlich, dass die Selbstmordrate bei Rechnern (für Nichtdeutsche Personal Computer, kurz PC) trotz der gewaltigen technischen Fortschritte nicht wirklich sinkt und dass nach wie vor als Methode nur der Strick in Frage zu kommen scheint und sie sich selten vor den Zug werfen oder von der Brücke springen. Zwar lassen sich die meisten von ihnen wiederbeleben und können dann weiterarbeiten; aber sobald sie wieder einmal zu viele Programme ausführen müssen und sich überlastet fühlen, hängen sie sich wieder auf. Ein Teufelskreis!

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    Vor ein paar Jahren schrieb ich anlässlich einer Geburtstagsfeier:


    Inmitten der hundert Leute bei einem runden Geburtstag einer der besten Freundinnen meiner Guten in der Alten Remise Tiefurt fiel mir wieder auf, wie weit ich mich von den "normalen" Menschen entfernt habe und ich sage das ohne Hochmut oder Bitterkeit, nur so als Feststellung. Und ich fühle mich nie einsamer als so mitten unter ihnen.


    So schlimm empfinde ich das nicht mehr; aber gemeinsam einsam zu sein scheint ja die Definition auch für Beziehungen überhaupt? Aber vielleicht ist das auch andersherum und Menschen in Beziehungen helfen ihrem Partner beim nicht Alleinsein?!

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    Ich würde eigentlich gerne schon morgens trinken oder wenigstens am späten Vormittag mit dem Trinken beginnen und das schreibe ich, obwohl ich den Film Der Rausch von Thomas Vinterberg noch gar nicht gesehen habe. Allein, ich könnte nicht einmal mittags ein Bierchen zischen oder ein Glas Wein zum Lunch nehmen; ich schliefe umgehend ein und wäre den Rest des Tages zu nichts mehr zu gebrauchen. Auch nachmittags zur Vesper kann ich nicht wie mein Opa Cognac in den Kaffee schütten und so tun, als sei mir wohl und ich gut drauf. Vor dem Abend schaffe ich es einfach nicht, dem Alkohol zuzusprechen; erst zum oder nach dem Dinner erlaubt mir mein Körper, ein Bier zu öffnen und ein Schnäpschen einzugießen. Es ist schlimm, wenn man so ein verzärtelter Bücherboy ist; der nicht einmal tagsüber zu saufen versteht wie alle großen Männer von Hemingway bis zu meinen Freunden vom Lande.

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    Nach dem letzten Konzert in der Weimarhalle bildeten sich sehr korrekt und sehr deutsch trotz der vielen Touristen ordnungsgemäß zwei Schlangen vor der Garderobe, in der zwei Damen fleißig und umsichtig Dienst taten; als eine sehr kleine Oma, sie reichte mir bis zum Bauch; rüstig und unverzagt an beiden vorüberschritt und ihren Mantel erheischte, den man ihr auch umgehend zu bringen beabsichtigte.


    Ich trete aus der Reihe, klopfe ihr auf die Schulter und spreche zu ihr: „Mütterchen, mal ganz ohne Zorn; weil es mich interessiert; was um Himmels Willen ist so wichtig; so dringend, so eilig und duldet keinerlei Aufschub; dass du hier alle Regeln des Anstands und der Etikette verletzend an hunderten Menschen vorbei strebst, um dir einen Vorteil zu verschaffen, der bei Licht besehen doch gar keiner ist?! Du kannst weder eine Bahn verpassen noch einen Bus; beides fährt um die Zeit gar nicht mehr; sicher bist du mit dem Wagen da oder zu Fuß; warum also vordrängeln und die Leute brüskieren und das in deinem Alter?“ Sie sah zu mir auf, würdigte mich aber keine Antwort und schritt fürbass.


    Meine Frau zog mich zurück, ich sei wieder mal total unmöglich und peinlich, und ich verstehe die Welt nicht mehr. Unmöglich war doch die Oma, die mich an meine Schwiegermutter erinnert; wenn ich sie zum Konzert fahre. Dann ist deren größte Sorge; ob sie nun noch einen Mantel drüberziehen muss oder ob ich mit dem Auto ins Foyer fahren kann, um sie wieder abzuholen. Und wenn das nicht geht, dass sie auch ja rechtzeitig aus dem Saal kommt, um an der Garderobe nicht so lange warten zu müssen, am besten gar nicht. Was hast du denn anzubinden, frage ich dann immer; nach einem schönen Konzert geht es einem doch gut, man ist zufrieden und glücklich; wozu dann die Eile. Wenn man pullern muss; geht man halt nochmal aufs Klo; aber dann hat man doch alle Zeit der Welt und kann die Musik nachklingen lassen.


    Aber gerade die Alten führen sich nach Veranstaltungen aller Art so auf, als müssten sie vor dem Gevatter fliehen; und ignorieren dabei alle Wohlanständigkeit, die sie jahrzehntelang Kindern und Enkeln gelehrt und vorgelebt haben. Nüscht wie heeme; als ob der Beelzebub und alle Heerscharen der Hölle hinter ihnen her wären; und man möchte sie wie jeden Drängler auf der Autobahn fragen, was sie denn mit den fünf Minuten, die sie womöglich gewonnen haben, anfangen werden; was sie beginnen möchten mit der gewonnenen Zeit? Fünf Minuten, für die Verkehrsteilnehmer in Lebensgefahr gebracht und Konzertbesucher gestoßen, zur Seite geschubst oder genötigt werden, wenn man sie nicht wie obige Oma gleich ganz alle Wartenden ignorieren.


    Wenn man mal nur nicht so wird!

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    Ungesunder, ja lebensgefährlicher Anthropomorphismus hat früher so manches Kind in ein Bärengehege steigen lassen; weil ihm seit dem Erwachen seines Bewusstseins von Eltern und Fernsehen eingetrichtert wurde, wie süß und ungefährlich die braunen Kuschelmonster seien; die ihre Kinderzimmer in allen möglichen Erscheinungsformen bevölkern.


    Ähnlich ist das heute mit Waschbären, die aber keine Bären sind, sondern Marder; und die natürlich süß und putzig aussehen, aber in Wirklichkeit wachechte Raubtiere sind. Als meine Schäferhündin mal zwei Waschbärbabys anschleppte, die wahrscheinlich aus dem Bau gefallen oder von Artgenossen rausgeworfen worden sind; war das Entsetzen der sentimentalen Frauenzimmer groß.


    Dabei können Bewohner von Eigenheimsiedlungen außerhalb oder Besitzer von Gartenanlagen am Stadtrand ein Lied davon singen, welches Zerstörungswerk so eine Rasselbande innerhalb kürzester Zeit anrichten kann. Waschbären sehen niedlich aus, aber es sind wehrhafte Raubtiere; auch wenn sie keine Menschen angreifen. Für andere Tiere können sie, wenn sie sich bedroht fühlen, durchaus gefährlich werden.


    Eine Freundin, die auf einem Grundstück auf freiem Grund zwischen den Ortschaften lebt, hatte Glück im Unglück, dass die Mutter des Rüden, der im Morgengrauen einen Waschbären stellte, noch lebte und ins Geschehen eingreifen konnte. Der Waschbär sprang dem Schäferhundmischling auf den Rücken, krallte sich fest und biss ihm ins Genick; als die wütende Mutter hinzuschoss; und nur im Verbund schafften es beide Hunde sich in einen Blutrausch steigernd den Eindringling zu überwältigen und zu zerreißen; dabei selbst aber schwere Verletzungen davontragend, weil Gebiss und Krallen ihnen schwere Wunden zufügten, die ein Tierarzt noch lange danach versorgen musste.

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    Als ich kürzlich den Film Gravity von Alfonso Cuarón mit Sandra Bullock und George Clooney sah; dachte ich, das sei vielleicht der einzige in letzter Zeit, für den ich das Opfer gebracht hätte, wieder einmal ins Kino zu gehen; denn der musste auf der großen Leinwand mit den Soundmöglichkeiten noch unglaublicher wirken; zumal ich das erste Mal begriff, dass die Bullock eine richtige Schauspielerin ist.


    Ins Kino zu gehen ist aber seit der Wende kaum noch eine Option für mich; weil mich natürlich die Menschenmassen nerven; aber vor allem die vielen Idioten, die permanent quatschen, ihr Getränk aus der Halterung nehmen und pausenlos lautstark Popcorn mampfen müssen, nach welchem ohnehin der ganze Saal stinkt. Dazu erschlägt einen das Bild und die Lautstärke ist immer viel zu hochgeregelt und weist zwischen Wort und Ton eine zu große Differenz auf.

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    Reichen fünf Grad Unterschied aus, das eigene Lebensgefühl um 180 Grad zu drehen? Manchmal schon: Gestern Morgen bei fünf Grad minus, frostklarer Luft und mit wenigen Wölkchen am blauen Himmel über gefrorene Wege und Wiesen zur Ilm; da geht einem das Herz auf, wenn die Lungen sich schmerzend blähen und es überall zwickt und zwackt im Gesicht und an den Händen und der Hund vor lauter Freude über die ehrliche Kälte hin- und hertobt und es gar nicht fassen kann; dass endlich wieder die ihm gemäße jahreszeit da ist.


    Und heute bei einem Grad plus, grauem Himmel und nasskalter Witterung über matschige Pfade und aufgeweichten Rasen durch eine traurige Natur, deren Weinen sich nicht grundlos anfühlt und deren nässende Wunden sich in unsere Knochen, in unser Fleisch fressen und in unsere Seele. Der Hund springt von Pfütze zu Pfütze und wälzt sich in Sumpf und Schlamm, er genießt auch dieses Wetter; das nur dem Herrechen später Reinigungsarbeiten die Menge auferlegt.

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    Der alte Goethe würde sich umschauen; was aus seiner Farbenlehre geworden ist; von Isaac (nicht Helmut, oder doch?!) Newton gar nicht zu reden. Ist Grün das neue Rot oder Braun? Und ich liebe rotbraun, es hat so etwas Wärmendes, Anheimelndes; aber Braun kann man doch nur aus den Grundfarben Rot, Gelb und Blau mischen?!


    Und sieht jeder rot, der rot wählt? Sieht jeder schwarz, der schwarz wählt? Ist jeder blauäugig, der blau wählt? Gelb als Grundfarbe entsteht durch die Mischung der Farben Rot und Grün, ist das zu glauben?! Foppt die Natur die Gesellschaft?! Dass die Farbe Braun ein stark abgedunkeltes Rot ist, wundert heute niemanden mehr; aber auch Orange, die Farbe von Buddha, Guru und der ukrainischen Revolution?!


    Und warum ist das Violett, das bei uns lila heißt und hier lilla gesprochen wird, immer so ultramäßig drauf? Warum sind die Violetten nur eine Kleinpartei in unserer kunterbunten Gesellschaft? Warum verbindet man mit Lila immer nur die BSG Wismut Aue oder den VfL Osnabrück und nicht die liturgische Farbe des Christentums für Advent und Fastenzeit? Weil Besinnung, Buße, Einkehr und Umkehr nicht sonderlich populär sind heutzutage?


    Warum bekommt die Stimme bei Rosa immer noch einen samtenen Klang über besonders weichem Schritt? Warum sind Schwarz und Weiß keine Farben, da wir doch heute im großen Zeitalter von Schwarz und Weiß leben; beginnend damit, dass Farbfernseher die alten schwarzweißen ablösten. Grautöne sind doch längst verschwunden und man wartet inbrünstig auf das neue Boch von Peter Sloterdijk, das leider erst im Frühjahr erscheint.


    Wahrlich, ihr People of Color, wir leben in farblosen Zeiten.

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    Es gibt ja bestimmt zwei oder drei Dutzend musikalische Werke, die ich leidenschaftlich liebe; aber nur insgesamt drei, von denen ich wirklich alle verfügbaren besitzen und anhören möchte. Das sind die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz; die Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach und Franz Schuberts Winterreise.


    Ich liebe ja auch die h-moll-Messe; Bruckners und Mahlers Neunte, die Vier letzten Lieder von Richard Strauss und so weiter; aber selbst da habe ich nicht das Bedürfnis, wirklich alle Aufnahmen besitzen zu müssen. Von jedem dieser Werke mag ich über 50 Einspielungen haben und vielleicht kommen auch noch ein paar hinzu; aber es verlangt mich nicht nach allen.


    Was sagt uns das?

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    Idee für einen Roman: Ein junger Musikwissenschaftler soll den Nachlass eines Pianisten, der als Eremit gelebt hat in einem einsamen Haus mit eigenem kleinen Tonstudio, und findet dort die sorgfältig katalogisierte Sammlung von 600 Aufnahmen der Klaviersonate Nr. 3 f-moll (1854) von Johannes Brahms. Offensichtlich hat der Verstorbene in seinen fünfzig aktiven Jahren jeden Monat eine Interpretation eingespielt und akribisch alle diskografischen Details dazu notiert.


    Der junge Mann steht ratlos vor den Aufnahmen. Warum ausgerechnet diese doch eher unbedeutende Sonate? Warum so viele Aufnahmen, immer und immer wieder neu? Warum wurde nie auch nur eine einzige von den hunderten veröffentlicht? Er beginnt, in die eine oder andere Aufnahme hineinzuhören; unwillig erst, weil er alles für gleich und ähnlich hält; bis er die ersten Unterschiede wahrnimmt, es ihn packt und ihn langsam hineinzieht in dieses verrückte Universum des immer Gleichen.


    Mit der Zeit ist er dem Strom der Musik verfallen; vernimmt in jeder Einspielung ganz neue Töne; erkennt jeweils andere Deutungen; aber die Grenzen verschwimmen und er verliert langsam den Boden unter den Füßen. Mit letzter Kraft reißt er sich heraus aus der Musik und sucht nach schriftlichen Zeugnissen im Nachlass, doch was er findet, ist kärglich und kryptisch; er muss die Antworten in der Musik finden. Wird er jemals wieder aus diesem Haus in die Wirklichkeit finden?


    P.S. Die Zahl der Aufnahmen sperrt sich mir noch: Es sollte schon ein halbes Jahrhundert sein; aber würden auch 50 Einspielungen reichen, eine pro Jahr? Oder sollten es gar 2500 sein, also jede Woche eine neue oder gar 17.500, jeden Tag eine? Welche Zahl wäre gerade so noch realistisch; aber im Grunde schon kaum noch glaubhaft?

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    Essenzen


    Es Weisheiten zu nennen, widerstrebt mir. Ein zu großes Wort. Auch Wahrheiten klingt zu sehr nach Anspruch. Essenzen trifft es schon; so ist es, nicht anders, sondern genau so. Ohne Vorwurf, ohne Anklage, ohne den Wunsch nach Veränderung des Unabänderlichen.


    • Der Mensch ist nicht gut. Der Mensch ist nicht böse. Er hat Anlagen zu beidem; auch zum fast absolut Bösen und Guten; aber wohin das Pendel ausschlägt, hängt von vielen Faktoren ab.
    • Die Genetik und die historisch-gesellschaftlich-sozialen Rahmenbedingungen bestimmen unsere Existenz zu beinahe 100 Prozent. Es ist praktisch unmöglich, seinen determinierten Zügen zu entkommen.
    • Liebe, die wir meinen, wenn wir von ihr sprechen, ist ein biochemischer Prozess und Trick der Natur, um die Erhaltung der Art zu sichern. Die wahre Liebe ist etwas ganz Anderes.
    • Es gibt keinen Sex ohne Macht, Gewalt oder komplexe Beziehungsfüge welcher Art auch immer.
    • Es gibt keine Natur an sich; keine ursprüngliche und wilde; es gibt nur die vom Menschen gemachte Natur.
    • Die sachliche Diskussion mit logischen und nachvollziehbaren Argumenten gibt es nicht; sie ist eine Illusion. Kommunikation ist immer eine Art und Weise der Machtausübung und bestimmendes Element ist die Emotion, die Irrationalität und das menschlich-Allzumenschliche.
    • Der Mensch lernt nicht aus der Geschichte. Man kann auch gar nicht aus der Geschichte lernen.
    • Vernunft und Rationalität leisten keinerlei Beitrag zur menschlichen Existenz.
    • Mann und Frau sind grundverschieden und werden niemals zusammenkommen.
    • Zwischen den Generationen gibt es keinerlei Verbindungen; weil es sich um verschiedene Menschen handelt; auch wenn es sich um den gleichen jungen und alten Menschen handelt.
    • Es ist nicht möglich, sich in andere Menschen hineinzudenken.
    • Der Sinn des Lebens besteht darin, es zu leben. Es gibt keinen Sinn hinter dem Leben.
    • Das Leben ist eine Abfolge von Zufällen, Unglücken und Glücken; der Mensch kann nur stoisch sich im Chaos behaupten.
    • Glück gibt es nicht und kann auch nicht angestrebt werden. Zufriedenheit ist möglich, wenn man in seinem Beruf oder sonstigem Tun aufgeht und dafür womöglich noch wertgeschätzt wird.
    • Die Frage anch dem Warum gehört auf den Index.
    • Kunst und Kultur sind immer Kompensationen für das wirkliche Leben.
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    What the hell, poor old yorick, is all this writing???


    Splitter, Aphorismen, Gedanken, Assoziationen, Betrachtungen, Aufsätze, Essays, Geschichten, Erinnerungen, Polemik, Nonsens, Gedichte, Fantasien, Tagebuch, Erzählungen, Autobiografie, Träume, Bemerkungen, Feststellungen, Traktat, Sermon, Pasquill, Reflexionen, Abbitten, Laudatio, Suada, Manifest, Reden, Bekenntnisse, Psychotherapie, Totenklage, Logbuch, Prophezeiung, Psychogramm, Aperçu, Blog, Beichte, Vision, Thora, Sure, Merchandising, Gebrauchsanleitung, Totenbuch, Wetterbericht, Diagnose, Manuskript, Gebet, Vorlesung, Seminar, Dissertation, Promotion, Habilitation, Proskription, Litanei, Prosa, Liturgie, Hirnresektion, Lobotomie, Speisekarte, Bauplan, Exorzismus, Tableau, Snapshots, Komposition, Strecke, Überlegungen, Scheitern, Überleben, Lernen, Oper, Kantate, Passion, Oratorium, Zeremoniell, Partitur, Testament, Brief, Seiltanz, Klimabericht, Nachrichten, Selbstgespräch, Notate, Akten, Urkunden, Blitzeinschläge, Raunen, Runen, Husarenstück, Tamtam, Geschrei, Manipulation, Fallgrube, Schlinge, Fallstrick, Falle, Tanzboden, Opfer, Gabe, Goldenes Kalb, Kreuz, Suizid, Auslöschung, Erlösung, Pranger, Lügen, Betrug, Halbwahrheiten, Heucheleien, Unterstellungen, Maskeraden, Mummenschanz, Clownerie …


    Von allem etwas und noch viel mehr.