Yoricks Nachtgedanken bei Tage

    • Offizieller Beitrag

    Im Gebäude der Waldkliniken Eisenberg in Thüringen ist am Sonntag eine neue Synagoge geweiht worden. Das jüdische Gotteshaus soll Patienten die Ausübung ihrer religiösen Pflichten während des Aufenthaltes in der orthopädischen Fachklinik erlauben. Die Weihe nahm der Berliner Rabbiner Yitshak Ehrenberg im Beisein von Vertretern der jüdischen Landesgemeinde und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow vor. Parallel zur Einweihung der Synagoge wurde auch erstmals in der koscheren Küche des Klinikums gekocht. Im Anschluss an die Weihe brachte Küchenchef Tim Foller ein koscheres Menü auf die Tische des klinikeigenen Restaurants. Unter Aufsicht des Maschgiach Motti Weitzmann hatte sich die gesamte Klinik einem strengen Zertifizierungsprozess gestellt, der auch den Ansprüchen orthodoxer Juden genügen soll. Selbst die Fahrstühle sind vorbereitet, im Sabbat-Modus zu laufen.


    In der BRD gehören aktuell rund 95.000 Menschen einer jüdischen Gemeinde an. In Thüringen sind es 679. Wenn ich jetzt überschlage, wieviele davon in Ausübung ihrer religiösen Pflichten während des Aufenthaltes in der orthopädischen Fachklinik den Gebetsraum in Anspruch nehmen werden, weil sie ein Leiden haben an Knie, Hüfte, Schulter etc.; dann gehe ich mal stark davon aus, dass die Synagoge nur wie bei der Einweihung den politisch-medialen Eliten als Bühne der Selbstdarstellung dient.


    Muslime leben um die 5 Millionen in Deutschland; wahrscheinlich sind es längst mehr. In Thüringen sollen es nur 7000 sein. Das sind aber immer noch mehr als zehnmal so viel wie es Juden gibt. Gibt es eine Moschee im Eisenberger Klinikum? Und was ist mit den anderen Religionsgemeinschaften? In Deutschland soll es zum Beispiel etwa 160.000 Zeugen Jehovas geben.


    Der erste Grundsatz eines säkularen Staates: Religion ist Privatsache! Sollte es zumindest sein. Die BRD ist bis heute (leider) kein säkularer Staat. Ansonsten aber kann mir niemand erklären, wieso für eine verschwindend kleine Glaubensgemeinschaft in einer staatlichen Klinik ein Gebetshaus eingerichtet wird? Oder doch? Soll fast 80 Jahre nach Kriegsende und einem der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte immer noch Schuld abgetragen werden von der inzwischen überübernächsten Generation?


    Und für die Kleingeistigen, Bildungsfernen, Dummköpfe und Denunzianten muss ich leider anfügen, was eigentlich selbstverständlich ist: Ich bin spätestens seit Schuders "Gelbem Fleck" ein großer Freund des Judentums, der jüdischen Religion, der jüdischen Bibel und überhaupt der europäisch-jüdischen Kultur. Die Vernichtung des europäischen Judentums durch die Nationalsozialisten hat die alteuropäische abendländische Kultur eines Großteils ihrer Wurzeln beraubt; die mittelosteuropäische Vorherrschaft in Wissenschaft, Kunst und Kultur war damit zu Ende; lange bevor die 68er den Rest besorgten. Ich bin also nicht nur ein Antiantisemit; sondern ein Philosemit reinesten Wassers, übrigens zuweilen auch ein Verteidiger israelischer Politik. Wenn ich nicht Deutscher wäre, wäre ich gerne Russe oder Jude; schon als Kind.


    Im Jahr 2022 mit seinen gesellschaftlichen Verwerfungen eine religiöse Gemeinschaft derart zu priviligieren halte ich mit Blick auf die besonderen Ausprägungen der deutsch-jüdischen Geschichte für nachvollziehbar; dennoch stellen sich mir weitere Fragen.

    • Offizieller Beitrag

    Man hört ja oft "Ich bin einen Ehrenmann"; "Ich bin ein Mann von Ehre" und dergleichen; meist von denjenigen, die genau das Gegenteil sind, nämlich durch und durch ehrlose Gesellen und Spitzbuben, Ehrabschneider und also Ehrlose. Ich möchte jedenfalls die Gelegenheit nutzen und mich als Ährenmann outen: Ich liebe die Ähre in ihrer Vereinzelung genauso wie als Masse; denn ich schätze das Brot auf dem Tisch; die noch warmen Frühstücksbrötchen und überhaupt alles Getreide. Wiewohl genuin ein Kartoffel- und Fleischfresser, gibt es kaum etwas Schmackhafteres als ein Roggenmischbrot oder eine Weizenmehlsemmel; mich sticht der Hafer durchaus lieblich und sanft und dass ich zur Gerste ein nahezu metaphysisches Verhältnis pflege, muss ich nicht eigens erwähnen. Ich bin also ein Mann der Ähre, ein Ährenmann wie nur je einer seit den Tagen der neolithischen Revolution. Da können sich die ganzen Ehrenmänner mal eine Scheibe von abschneiden.

    • Offizieller Beitrag

    Bei Lichte besehen dürfte der Grund für die schwindende Sozialtauglichkeit des Menschen darin liegen; dass er einfach zu wenig Haare auf dem Körper mehr hat und kaum noch von Läusen befallen ist. Primaten lausen sich, um die lästigen Plagegeister loszuwerden; sie fressen sie, werden also satt; und sie agieren innerhalb eines komplexen sozialen Systems von wechselseitigen Gunstbezeugungen und Abhängigkeiten; es werden also längerfristig angelegte Bindungen zwischen den Tieren gestärkt; Hierarchien, Rangordnungen, Freund- und Feindschaften transparent.


    Heute könnte man stattdessen an eine Massage denken; etwa eine Kopf- oder Nackenmassage: Wenn sich die Menschen wieder in ihren privaten und beruflichen Sozialfeldern gegenseitig lausen, also massieren würden; sähe man einserseits die sozialen Strukturen besser; andererseits würden Spannungen abgebaut und Isolierungen vermieden. Der nächste Schritt wäre dann die Nachahmung des Sozialverhaltens der Bonobo, die fast alle sozialen Interkationen mittels ihres äußerst vielgestaltigen Sexualllebens bestreiten.

    • Offizieller Beitrag

    Wenn wir außergewöhnliche Ereignisse wie schwere Krankheiten, Unglücke, Verbrechen, Natur- und andere Katastrophen außen vor lassen; begegnet dem gewöhnlichen Menschen spätestens um die 50 persönlich der Tod; wenn Familienmitglieder, Verwandte, Bekannte oder Freunde in das Alter kommen; da die Biologie ihren gewohnten Lauf nimmt. Ich halte daher dafür, den Vanitasgedanken, das Memento Mori, immer im Auge zu behalten und nicht wie heute üblich zu verdrängen und Möglichkeiten wie Grenzen nach dem eigenen Alter, also quantitativ zu beziffern. Über die Dauer des eigenen Lebens kann niemand wirklich bestimmen; nur die Qualität kann man selbst beeinflussen. Das "Lebe jeden Tag wie deinen letzten" halte ich, wie hier in den Nachtgedanken schon im ersten Beitrag beschrieben, ebenfalls für untauglich im Alltag aus verschiedenen Gründen. Jeder muss hier seinen Mittelweg finden; mit Tod und Sterblichkeit zurechtzukommen.


    Ich selber habe seit jeher und neuerdings besonders das Gefühl, nicht mehr viel Zeit zu haben; obwohl es dafür trotz aller gesundheitlichen Probleme kein wirkliches Indiz gibt; ich weiß nicht, woher das kommt. Das löst in mir aber keinerlei Unruhe aus und keinerlei Bestreben, irgendetwas noch erledigen oder erleben zu wollen; ich habe keine Löffelliste. Ich empfinde mein Leben, das für andere von außen mehr als nur langweilig aussieht in seinem ewigen Gleichmaß und ohne große Höhepunkte; als sehr intensiv; fast zu intensiv, dass ich mich immer wieder herausnehmen muss. Das mag mit der Hochsensibilität zusammenhängen, die viel weniger Eindrücke braucht; einem Sinnesapparat, der schnell überlastet ist, weil mein innerer Krug schnell überläuft bei realem Input. Andererseits kann ich Bücher, Musik etc. fast grenzenlos aufnehmen und fühle mich reich und reicher. Ich denke jeden Tag an den Tod, an meinen; vor allem aber an den meiner Lieben; aber das belastet mich nicht.

    • Offizieller Beitrag

    Nebst den angesichts der allgemeinen Trockenheit und geringen Frostdichte der letzten Jahre unvermeidlichen Mäusen aller Arten hat kürzlich auch eine Wanderrate auf dem Grundstück Quartier genommen. Wiewohl ich auf Nachfrage, welches meine liebsten Tiere seien; gerne erkläre, Hunde, Wölfe, Raben und Ratten; bin ich biografisch durchaus auch negativ geprägt bezüglich dieser großen und klugen Nager und Kulturfolger. Das hängt mit meiner ländlichen Herkunft zusammen; die Bauersleute unter meinen Vorfahren ignorierten Mäuse und überließen sie den Hofkatzen; Ratten aber mobilisierten sie und entfachten eine geradezu beängstigende Wut, erweckten eine tiefsitzende Killermentalität und setzten eine komplexe Tötungsmaschinerie in Gang. Gift, Schaufeln, Spaten, Waffen - nichts wurde unversucht gelassen, um jedes sichtbare und unsichtbare Tier zu töten. Erst wenn man über Wochen keine Ratten mehr sah; kehrte Ruhe ein.


    Ich selbst sah in meiner Kindheit und Jugend; wie nicht nur in die Enge getriebene Ratten die kleineren unserer erwachsenen Katzen angriffen und sich in deren Kehle verbissen. Einmal musste ich mit dem Besen auf die ineinander verschlungenen Tiere schlagen; immer und immer wieder; beide dabei treffend; es ging nicht anders; bis die Ratte aufgab und sich davonmachte. Der Katze, die auch den einen oder anderen Schlag abbekommen hatte; war nur leichtverletzt; aber immerhin lebte sie; das endete nicht immer so. Rattler hatten wir seit den 70ern nicht mehr auf dem Hof; keinen Dackel, keinen Jack Russell Terrier, so mussten wir uns eben selbst behelfen. Später habe ich in der Jungrinderaufzuchtanlage des Dorfes gearbeitet als Jugendlicher; um mein Taschengeld aufzubessern, das ich nicht bekam; die Rinder standen dort auf einer Art glitschigem Gitter, die Fladen fielen durch diesen Rost hinunter in die riesige Kanalisation des Abwassersystems. Dort lebten die Ratten zu tausenden und wenn es zu arg wurde; schnappten sich einige Rinderzüchter die mitgebrachten Luftgewehre und gingen auf die Jagd. Dann hob ein blutiges Treiben an und die Strecke hätte sich sehen lassen können; wenn man die Kadaver geborgen hätte. Noch Ende der 80er in Dresden am Hauptbahnhof erschrak ich nachts tierisch, als aus den Papierkörben dort Ratten so groß wie Kaninchen auftauchten und keinerlei Anstalten machten, sich vor uns Menschen in Sicherheit zu bringen.


    Daher verursachte mir nun der länger entbehrte Anblick von Rattus norvegicus zunächst ein gewisses Unbehagen; wie er oder sie mehr oder weniger unbekümmert über den Hof und durch den Garten strolchte und fraß, was er oder sie fand. Schuld tragen wir natürlich selbst; wir haben einen Kompost und die Schäferhündin kleckert oft beim Fressen – wo nichts zu fressen ist, gibt es keine Mitesser, wusste schon mein Urgroßvater. Überflüssig zu sagen, dass die Ratte wesentlich klüger und gerissener ist als ich; sie widerstand bisher den Rattenfallen aus dem Supermarkt; denen mit Naturköder und denen mit hausgemachten Leckereien; beide hat sie keines Blickes gewürdigt. Auch in den aufgestellten Drahtkäfig bringen sie keine zehn Pferde; ich kenne das noch von früher aus dem Heimatdorf; man fing Nachbarskatzen jede Menge, Marder, selbst Siebenschläfer usw., aber keine Ratte. Ich stand schon wie die frühesten Menschen mit einem großen Stein über dem Kopf und wartete auf meine Gelegenheit; aber sobald sie auftauchte und ich bewegte mich nur einen Millimeter, war sie auch schon wieder verschwunden. Ihr einziges Manko könnte sein; dass sie sich nur wenige Meter von einem entfernt sicher fühlt; mit den Luftgewehren meines Vaters und Großvaters aus Sportschützen – und GST-Zeiten könnte ich sie durchaus erwischen.


    Aber die Ratte ist clever; sie hat inzwischen eine Art Beziehung zu allen Hausbewohnern aufgebaut; jeder schaut aus dem Fenster, wenn sie auftaucht; alle schweigen und tuscheln bestenfalls, wenn man abends draußen sein Bierchen oder Weinchen genießt; um das Tier nur ja nicht zu verschrecken. Sie sieht auch nicht mehr so hässlich aus; sie bewegt sich grazil und beinahe hüpfend wie ein Eichhörnchen, auch die rotbraune Farbe putzt ungemein. Eigentlich ganz niedlich, so der Tenor vor allem der Frauen hier. Ich sage, ja, solange, bis plötzlich neben Muttern auch noch die lieben Kleinen mit herumtollen; die, kaum geboren, auch schon beinahe trächtig sind. Nein, nein; Günter Grassens „Die Rättin“ ist eines meiner Lieblingsbücher von ihm; aber sobald ich es vermag, ist die Ratte dran. Am Liebsten finge ich sie natürlich lebend; dann könnte ich sie an die Ilm fahren und dort aussetzen. Ich weiß freilich nicht , ob sie dann nicht über Kilometer zurückfindet?!

    • Offizieller Beitrag

    Ein Freund - Ist er das? Ich sehe das so; er würde das wahrscheinlich bestreiten - von mir hat mir ausdrücklich erlaubt; diese seine Zeilen aus einem anderen Forum zu zitieren. Dieser außergewöhnlich ungewöhnlich normale Mensch; der mehr mit mir gemeinsam hat; als er je zuzugeben bereit wäre; und der mich angesichts unserer biografischen Zäsuren beinahe an Astrologie und Sternzeichen glauben lässt, ist wie ich ein Hundefreund, weshalb diese Gedanken alle angehen, die sich unseren Vierbeinern mehr verbunden fühlen als den meisten Bipediern:


    "Man sollte Gott nicht zürnen, sein Werk nicht in Frage stellen und ihn ab und zu lobpreisen.
    Er hats eingerichtet und es sollte doch gut sein. Er schuf etwas sehr gutes : Den Mann ! Dem gings paradiesisch bis Gott die Sünde schuf und es Frau nannte.
    Damit war es mit dem paradiesischen Leben vorbei und Mann und Frau mussten dem Garten Eden Lebewohl sagen.
    Dann schenkte er den beiden den besseren Menschen : Den Hund. Somit hatten auch die Hässlichen, Stinkenden, Ungewollten, Ausgestoßenen, Einzelgänger, einen Gefährten der seine Liebe BEDINGUNGSLOS hingibt.
    Und da zürne ich nun doch dem Herrn : Wieso darf der Hund nur ca 10 - 15 Jahre uns begleiten und nicht länger ? Der Esel wird doch auch bis zu 40 Jahre alt.
    Warum ist das so ? Wenn der Herr mir erscheint werde ich ihm diese Ungerechtigkeit vorhalten. Den Mut bringe ich auf. Versprochen."


    Ich habe jetzt lange überlegt und denke, es gibt nur eine Erklärung: Gott will verhindern, dass die Spezies Mensch ausstirbt. Wenn Hunde so alt wie wir Menschen würden, gäbe es bald keine menschlichen Beziehungen mehr. Keine Frau könnte mit einem Hund mithalten; kein Mann; kein Metrosexueller etc. Es müssten also schon Mensch und Hund Nachkommen zeugen können, damit das alles funktioniert. Aber dann gehen die klassischen Probleme schon wieder los ...

    • Offizieller Beitrag

    Aus der Reihe Die größten Texte der Kulturgeschichte:


    Sigmund Freud

    „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ (1917)


    "Nach dieser Einleitung möchte ich ausführen, daß der allgemeine Narzißmus, die Eigenliebe der Menschheit, bis jetzt drei schwere Kränkungen von seiten der wissenschaftlichen Forschung erfahren hat.


    a) Der Mensch glaubte zuerst in den Anfängen seiner Forschung, daß sich sein Wohnsitz, die Erde, ruhend im Mittelpunkt des Weltalls befinde, während Sonne, Mond und Planeten sich in kreisförmigen Bahnen um die Erde bewegen. Er folgte dabei in naiver Weise dem Eindruck seiner Sinneswahrnehmungen, denn eine Bewegung der Erde verspürt er nicht, und wo immer er frei um sich blicken kann, findet er sich im Mittelpunkt eines Kreises, der die 4äußere Welt umschließt. Die zentrale Stellung der Erde war ihm aber eine Gewähr für ihre herrschende Rolle im Weltall und schien in guter Übereinstimmung mit seiner Neigung, sich als den Herrn dieser Welt zu fühlen.


    Die Zerstörung dieser narzißtischen Illusion knüpft sich für uns an den Namen und das Werk des Nik. Kopernikus im sechzehnten Jahrhundert. Lange vor ihm hatten die Pythagoräer an der bevorzugten Stellung der Erde gezweifelt, und Aristarch von Samos hatte im dritten vorchristlichen Jahrhundert ausgesprochen, daß die Erde viel kleiner sei als die Sonne und sich um diesen Himmelskörper bewege. Auch die große Entdeckung des Kopernikus war also schon vor ihm gemacht worden. Als sie aber allgemeine Anerkennung fand, hatte die menschliche Eigenliebe ihre erste, die kosmologische, Kränkung erfahren.


    b) Der Mensch warf sich im Laufe seiner Kulturentwicklung zum Herren über seine tierischen Mitgeschöpfe auf. Aber mit dieser Vorherrschaft nicht zufrieden, begann er eine Kluft zwischen ihrem und seinem Wesen zu legen. Er sprach ihnen die Vernunft ab und legte sich eine unsterbliche Seele bei, berief sich auf eine hohe göttliche Abkunft, die das Band der Gemeinschaft mit der Tierwelt zu zerreißen gestattete. Es ist merkwürdig, daß diese Überhebung dem kleinen Kinde wie dem primitiven und dem Urmenschen noch ferne liegt. Sie ist das Ergebnis einer späteren anspruchsvollen Entwicklung. Der Primitive fand es auf der Stufe des Totemismus nicht anstößig, seinen Stamm auf einen tierischen Ahnherrn zurückzuleiten. Der Mythus, welcher den Niederschlag jener alten Denkungsart enthält, läßt die Götter Tiergestalt annehmen, und die Kunst der ersten Zeiten bildet die Götter mit Tierköpfen. Das Kind empfindet keinen Unterschied zwischen dem eigenen Wesen und dem des Tieres; es läßt die Tiere ohne Verwunderung im Märchen denken und sprechen; es verschiebt einen Angsteffekt, der dem menschlichen Vater gilt, auf den Hund oder auf das Pferd, ohne damit eine Herabsetzung des Vaters zu beabsichtigen. Erst wenn es erwachsen ist, wird es sich dem Tiere soweit entfremdet haben, daß es den Menschen mit dem Namen des Tieres beschimpfen kann.


    Wir wissen es alle, daß die Forschung Ch. Darwins, seiner Mitarbeiter und Vorgänger, vor wenig mehr als einem halben Jahrhundert dieser Überhebung des Menschen ein Ende bereitet hat. Der Mensch ist nichts anderes und nichts besseres als die Tiere, er ist selbst aus der Tierreihe hervorgegangen, einigen Arten näher, anderen ferner verwandt. Seine späteren Erwerbungen vermochten es nicht, die Zeugnisse der Gleichwertigkeit zu verwischen, die in seinem Körperbau wie in seinen seelischen Anlagen gegeben sind. Dies ist aber die zweite, die biologische Kränkung des menschlichen Narzißmus.


    c) Am empfindlichsten trifft wohl die dritte Kränkung, die psychologischer Natur ist.


    5 Der Mensch, ob auch draußen erniedrigt, fühlt sich souverän in seiner eigenen Seele. Irgendwo im Kern seines Ichs hat er sich ein Aufsichtsorgan geschaffen, welches seine eigenen Regungen und Handlungen überwacht, ob sie mit seinen Anforderungen zusammenstimmen. Tun sie das nicht, so werden sie unerbittlich gehemmt und zurückgezogen. Seine innere Wahrnehmung, das Bewußtsein, gibt dem Ich Kunde von allen bedeutungsvollen Vorgängen im seelischen Getriebe, und der durch diese Nachrichten gelenkte Wille führt aus, was das Ich anordnet, ändert ab, was sich selbständig vollziehen möchte. Denn diese Seele ist nichts einfaches, vielmehr eine Hierarchie von über- und untergeordneten Instanzen, ein Gewirre von Impulsen, die unabhängig voneinander zur Ausführung drängen, entsprechend der Vielheit von Trieben und von Beziehungen zur Außenwelt, viele davon einander gegensätzlich und miteinander unverträglich. Es ist für die Funktion erforderlich, daß die oberste Instanz von allem Kenntnis erhalte, was sich vorbereitet, und daß ihr Wille überallhin dringen könne, um seinen Einfluß zu üben. Aber das Ich fühlt sich sicher sowohl der Vollständigkeit und Verläßlichkeit der Nachrichten als auch der Wegsamkeit für seine Befehle."


    Vielfach kritisiert, immer wieder modifiziert, arbeitet sich die gelehrte Welt an diesen Sätzen ab. In aeternum. Oder wenigstens solange, wie es Menschen gibt.

    • Offizieller Beitrag

    Wie nennt man das; wenn eine deutsche Bundesinnenministerin den Begriff Heimat positiv umdeuten will und so definieren, dass er offen und vielfältig ist und ausdrückt, dass Menschen selbst entscheiden können, wie sie leben, glauben und lieben wollen; was ein Gewinn für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wäre? Ja, wie soll man das nennen; wenn der Begriff für vier Fünftel der Deutschen doch schon längst durch und durch und eigentlich schon immer positiv besetzt ist? Ist das noch Naivität, intellektuelle Unbedarftheit oder dummdreiste Frechheit? Eine Politikerin, die offensichtlich nicht weiß oder nicht wissen will; wie ihr eigenes Volk, das deutsche nämlich; über Heimat denkt, was es diesbezüglich fühlt und welchen Stellenwert diese für es hat; sollte keinesfalls in der Regierungsverantwortung stehen. Dass hier Umerziehungsabsichten wie in den finstersten Zeiten der Weltgeschichte mehr als deutlich werden; macht das Ganze nicht nur einfach noch schlimmer; es lässt einem die Gänsehäute über den Rücken jagen. Welche Politiker ein Volk regieren, sagt viel aus über das Vok selbst.

    • Offizieller Beitrag

    Eine kurze Bemerkung zur Prostitution: Dieses wahrscheinlich älteste Gewerbe der Welt hat sicher mehr zu Befriedung der Welt und ihrer Händel beigetragen als sämtliche irenischen und pazifistischen Bestrebungen. Das hat seinen Grund in simplen geschlechtsspezifischen Tatsachen; vor allem der, dass die meisten Männer in ihrem Leben wesentlich weniger Sex haben, als sie gerne hätten. Ich wage in diesem Zusammenhang die Behauptung, dass nur ein Bruchteil der Männer auch heutzutage ein einigermaßen erfülltes Sexualleben führt und in Fragen des Sexus wie erotischer Beziehungen überhaupt rundum zufrieden ist. Daran ist niemand schuld; es sei denn, man will die Natur oder den Schöpfer dafür verantwortlich machen.


    Aber die Sexualität der heterosexuellen Männer funktioniert ganz anders als die der Frauen; die Bedürfnisse sind ganz andere; das Erleben von Sexualität ist ein ganz anderes. Ein Fakt ist die reine Quantität; also die banale Anzahl der sexuellen Handlungen: Die bereits geschlechtsreifen männlichen Jugendlichen haben in der Regel noch keinen Sex; viele Jungmänner sind verhältnismäßig chancenlos auf dem Markt der Geschlechter; in der monogamen Ehe der Erwachsenenjahre ist spätestens nach der Geburt der Kinder lange Schluss und nach den Wechseljahren der Partnerin wird es auch oft in vielen Beziehungen kompliziert. Frauen brauchen ohnehin schon weniger Sex als Männer; kommen dann die beschriebenen biologischen, sozialen und gesellschaftlichen Mechanismen noch zum Tragen; sieht es in sexueller Hinsicht für viele Männer düster aus. Dabei ist ein halbwegs satter und sexuell befriedigter Mann immer ein Garant für Frieden und Wohlstand.


    Und hier kommt eben die Prostitution ins Spiel: Sie ist das Ventil für Spannungen, die sich aus unterdrückten sexuellen Wünschen und nicht ausgelebter Sexualität ergeben. Wenn die Zahlen stimmen; gehen pro Tag eine Million Männer in der Bundesrepublik zu einer Nutte, Hure, Dirne, Prostituierten, Sexarbeiterin und löhnen dafür zwischen 50 und mehreren hundert Euro. Wenn man den Mädels, die in Dokumentationen zu Wort kommen, glauben darf; benehmen sich die meisten Männer ordentlich und haben kaum ausgefallene Wünsche; es sei denn, man zählt Blasen dazu. Dass es auch Arschlöcher gibt, Abartige, Perverse; versteht sich, die Welt ist nun mal nicht anders. Leider wird so viel Geld in dieser Branche verdient; dass die Kriminalität wie von selbst immer mit im Spiel ist; ob in Form von Zuhälterei, Menschenhandel, Gewalt an Frauen, Schutzgelderpressung, Drogen etc.; die Halbwelt wird magisch angezogen vom käuflichen Gewerbe, selbst manche Freier zieht diese bizarre Welt unheimlich an; man denke nur an Heinrich Manns Gymnasialprofessor Unrat.


    Die pauschale gesellschaftliche Ächtung der Prostitution ist aber dennoch ungerecht und jedes verächtliche Naserümpfen Heuchelei; weil das Geschäft Geld gegen Sex immer noch ehrlicher ist als all die Millionen Facetten gesellschaftlich sanktionierter Formen, meist durch die vielfältigen Abhängigkeitsverhältnisse in der "normalen" Berufs- und Arbeitswelt; aber auch im privaten Leben begründet.