Yoricks Nachtgedanken bei Tage

    • Offizieller Beitrag

    Es ist gar nicht so leicht heute, die eigene politische Einstellung einem anderen Bundesbürger zu verdeutlichen; weil die klassischen politikwissenschaftlichen Raster schon lange nicht mehr greifen und sich die historischen Aspekte zum Teil stark verändert haben, etwa parteien- und ideengeschichtlich.


    So komme ich aus biografisch-historischen Gründen aus der sozialistischen Linken her; zumindest deren besseren, intelligenteren und undogmatischeren Kreisen; bin durch mein großes Herz für die „kleinen Leute“ auch der traditionellen Sozialdemokratie stark verbunden; mit Blick auf die Freiheit von Meinung und Rede, Wissenschaft und Kunst spätestens seit dem Studium dem klassischen Liberalismus; meine alte Liebe zu Natur und Umwelt lassen mich zu einem frühen Freund der frühen Grünen werden. Ansonsten würde ich mich je älter ich werde wohl am Wohlsten in der CSU unter Franz Josef Strauß bis Mitte der 80er gefühlt haben; nun in der Gegenwart bin ich politisch praktisch heimatlos, auch wenn ich bei einigen wichtigen aktuellen Themen der AfD zuneige; zumal sie mittlerweile die Linke als Sachwalter und Sprachrohr der Ostdeutschen abgelöst hat, für eine Parteinahme aber reicht auch das nicht.


    So bin ich also von der Sache her prinzipiell ein Kulturkonservativer, dem das Herz noch immer links schlägt; während Gehirn und Lebenserfahrung den Takt beruhigend mäßigen; für den der Erhalt der freiheitlich-demokratischen Grundordnung das Wichtigste ist und der Rechtssaat und Gewaltenteilung für die wichtigsten Errungenschaft des Westens hält, wenngleich es sich bei der repräsentativen Demokratie um eine Illusion handelt. Auch wenn ich daran zweifle, dass der Kapitalismus als Gesellschaftsform die massiven Probleme der Zeit wird lösen können; halte ich die derzeitige Entwicklung für sehr gefährlich und letztlich endzeitlich.

    • Offizieller Beitrag

    Und im Fortgang eines früheren Beitrags zu den fehlenden Klassikerausgaben mit einem abgewandelten Zitat von Arno Schmidt: „Gibt denn Niemand die Tatsache zu denken, daß von unserem großen Sechsfachgestirn – Goethe, Herder, Klopstock, Lessing, Schiller, Wieland : nie sah die Welt gleichzeitig ihresgleichen! -, daß …“ es noch immer nicht für alle sechse bezahlbaren Leseausgaben auf dem Buchmarkt gibt, die jederzeit erhältlich wären im Buchhandel oder im Internet? Im Volk der Dichter und Denker?!


    Ja, Goethe: Von ihm besaß ich wie billig zuerst die 12bändige Ausgabe aus der von mir schon oft gerühmten BDK-Reihe des Aufbauverlages; später erstand ich einzelne Bände der Berliner Ausgabe und natürlich viele einzelne Reclambändchen zum Anstreichen; auch schöne und bibliophile Editionen bei Insel oder anderswo. Als die Hamburger Ausgabe in 14 Bänden von Erich Trunz als Koffer lieferbar und vor allem bezahlbar wurde, zog editorische Ruhe in Sachen Goethe bei mir ein; bis heute arbeite ich meistens mit ihr; auch wenn zum Faust noch das eine oder andere dazukam und ich den Taschenbuchausgaben des Deutschen Klassiker Verlages (DKV) nicht widerstehen mochte. Die Münchner Ausgabe erstand ich auch, verkaufte sie aber bald wieder. Ein Freund vererbte mir dann im Vorlass seine Sophienausgabe in 143 Bänden, sie steht so gut wie unberührt in meiner Bibliothek im Oberland und wird nur in nostalgischen Momenten hinzugezogen. Wenn ich Geld hätte, zöge trotzdem die Frankfurter Gesamtausgabe in 40 Bänden bei mir ein; aber dafür bekommt man inzwischen einen guten Kleinwagen.


    Auch bei Schiller war es neben Reclam zunächst die BDK-Ausgabe, die mir Don Karlos oder Wallenstein näherbrachte; nicht mehr lieferbar ist inzwischen die fünfbändige von Peter-André Alt, die ich später erwarb und mit der ich hauptsächlich arbeite neben den Taschenbüchern des DKV; nicht bezahlbar deren komplette zwölfbändige Gesamtausgabe in Leinen. Lessings Werke, auch zuerst via BDK, erstand ich später in 8 Bänden bei Hanser, auch nicht mehr lieferbar. Im Gegensatz zur Edeledition des Deutschen Klassiker Verlages, die nur noch 500 Euro kostet.


    Richtig übel wird es nun bei Klopstock, Herder und Wieland: Man vergesse nicht, Klopstock steht am Beginn der modernen deutschen Lyrik und ich habe ihn – natürlich – über die einbändige BDK-Ausgabe kennengelernt, man kann die Oden und den Messias auch bei Reclam Stuttgart kaufen; aber das war es dann auch schon. Natürlich arbeitet man seit Anfang der 70er an einer historisch-kritischen Edition, der so genannten Hamburger Ausgabe; die auch schon 30 Bände umfasst, ohne abgeschlossen zu sein; aber um die zu bezahlen, muss man eben zu den oberen Zehntausend gehören. Es gibt eben keine Leseausgabe in sagen wir 6 Bänden, in denen man auch die Gelehrtenrepublik oder die Grammatischen Gespräche findet. Das ist so, als fehlten Hauptwerke von Voltaire oder Sterne.


    Auch bei Herder zuerst 5 Bände bei BDK, sehr schwer zu bekommen; nunmehr für zwei Tausender die obligatorische vom Deutschen Klassiker Verlag. Wer sicher gehen will, kommt nach wie vor um die 32 Bände in Fraktur von Bernhard Ludwig Suphan aus dem Ende des 19. Jahrhunderts nicht herum, aber man findet sie kaum vollständig. Und Christoph Martin Wieland verdeutlicht das ganze Elend geradezu symbolisch: Man könnte bei Herder immer noch sagen; ok, das war eben kein Belletrist; und Klopstocks Prosa ist eher etwas für Spezialisten. Wieland aber gehört zu den größten Prosaisten deutscher Zunge und seine diesbezüglich Wirkung ist unermesslich und kaum auslotbar. Die BDK-Ausgabe hat gerade mal vier Bände, die Akademieausgabe aus DDR-Zeiten wurde unvollständig abgebrochen; die Ausgabe beim Deutschen Klassiker Verlag scheint auch nicht weiterzugehen; die Historisch-kritische Oßmannstedter Ausgabe ist erst im Entstehen begriffen und natürlich wieder unbezahlbar; Einzelausgaben einzelner Werke liegen bei Reclam und anderen Verlagen vor; mittlerweile auch bei Wallstein. Aber eine erschwingliche Leseausgabe in sagen wir acht bis zwölf Bänden mit den wichtigsten Hauptwerken? Fehlanzeige! Ich hatte wie schon erwähnt vor zehn Jahren leichtsinnigerweise Wielands Sämmtliche Werke als Reprint bei Greno weggegeben; inzwischen habe ich sie wieder neu gekauft, um meinen Wieland nicht entbehren zu müssen.


    Ich schließe daher mit dem gleichen Text von Arno Schmidt, in dem es heißt: ! (Ich protestiere an dieser Stelle feierlich gegen die heute unaufhörlich kursierende falsche Wortmünze von der „christlich-abendländischen Kultur“." Ich dagegen protestiere wider das Wort vom Land der Dichter und Denker! Ein Land, das im Buchhandel von vieren seiner sechs Großklassiker keine bezahlbare Werkausausgabe für den interessierten Laien bereithält, verdient derartige Zuschreibungen nicht.

    • Offizieller Beitrag

    Die Rede von den mehr als zwei Geschlechtern wird mittlerweile so unverblümt überall im öffentlichen Raum gehalten, dass man sich fragt; woher eigentlich noch die Arroganz gegenüber etwa dem Mittelalter kommt?! Naturwissenschaftlich gibt es keinerlei Zweifel daran, dass es genau zwei Geschlechter gibt, männlich und weiblich; die Biologie ist da recht eindeutig.


    Dass es „Launen der Natur“ gibt, die von den Betroffenen in der Regel gar nicht launig aufgenommen werden; steht dabei gar nicht in Abrede: Es gibt Menschen, die rein physiologisch intersexuell geboren werden mit unklaren Geschlechtszuschreibungen; und es gibt Menschen, die sich mit dem zugewiesenen Geschlecht nicht wohlfühlen bzw. alle Zuweisungen ablehnen; beide Tendenzen können sich hierbei verschränken. Dass man diesen Menschen medizinisch, operativ, psychologisch, psychotherapeutisch, seelisch etc. hilft; versteht sich; der Leidensdruck mag zum Teil erheblich sein. Aber man darf nicht vergessen; dass wir hier von einem verschwindend geringen Prozentsatz der Gesamtpopulation reden; in Deutschland von 0,2 % der Bevölkerung oder 0,007 % der Neugeborenen.


    Es gibt also nicht beliebig viele Geschlechter; sondern genau zwei. Und es gibt keinen Grund, diese Thematik medial derart in den gesamtgesellschaftlichen Focus zu stellen, wie das seit vielen Jahren nun schon Gewohnheit geworden scheint. Ein anderes Thema sind Geschlechterrollen und tradierte Rollenbilder; dass gesellschaftlich-soziale Einflüsse diese stark beeinflussen, liegt auf der Hand. Aber auch hier gilt; dass das biologische Geschlecht kein Konstrukt ist, sondern ein Faktum.

    • Offizieller Beitrag

    Ist es nicht seltsam, dass die ganzen hysterischen Bemühungen der letzten Jahre und Jahrzehnte; das meteorologische Klima in der Erdatmosphäre zu retten; das gesellschaftliche Klima zumindest in Deutschland so vergiftet haben, dass wir alle über kurz oder lang umkommen werden, lange bevor tatsächliche oder eingebildete Klimaveränderungen ihre Wirkungen zeitigen?!

    • Offizieller Beitrag

    Da ich gerade nach seiner Autobiografie auch drei seiner Romane, die ich noch nicht kannte, gelesen habe; wurde mir erneut bewusst, was mich schon früher sehr erstaunt und verwundert hat; dass Vladimir Nabokov nämlich die letzten sechzehn Jahre in der Schweiz im Palace-Hotel in Montreux wohnte, also lebte. Auch von Udo Lindenberg weiß man ja, dass er seit einem Vierteljahrhundert im Hotel Atlantic in Hamburg-St. Georg wohnt, also nicht nur logiert.


    Für einen völlig normalen und durchschnittlichen Menschen wie mich stehen diesbezüglich die Fragezeichen nur so im Raum bzw. in der Hotelsuite? Wie kann man denn ein halbes oder ganzen Leben im Hotel verbringen? Zum einen natürlich in finanzieller Hinsicht; denn auch wenn Lolita den Schriftsteller hat reich und unabhängig werden lassen und der einzige deutschsprachige Sänger von Rang gewiss auch nicht mehr unruhig schlafen muss des Geldes wegen; so möchte ich die Hotelrechnungen nicht mit denen einer Wohnung oder eines Hauses vergleichen wollen, sie seien gemietet oder Eigentum.


    Zum anderen aber gehört schon ein ganz bestimmtes Naturell dazu, für immer im Hotel zu wohnen; ein ganz eigener Charakter. Natürlich kann man es sich gemütlich machen und wohnlich; die Gemächer und Räume persönlich gestalten; aber es bleibt ja doch ein Hotel, in dem ständig Leute aus aller Herren Länder ein- und ausgehen. Man muss sich nicht um das Bettenmachen kümmern, um die Wäsche; um die Mahlzeiten; ums Reinemachen oder um Reparaturen; man muss keine Grundsteuererklärung abgeben, sich nicht mit dem Vermieter ärgern oder ewigen Nachbarn; das alles mag man der Habenseite zuschlagen.


    Aber ansonsten bleibt der Geschmack des Provisorischen; des bloß Vorläufigen; man kann jeden Tag abreisen oder rausgeschmissen werden; nichts ist wirklich sicher in dieser Wohn-Lage, auch wenn sie bequem ist und beinahe schon dekadent. Man muss wohl ein Künstler und Genie sein, viel unterwegs auf Reisen und schwer am Arbeiten; um das auf die Länge aushalten und genießen zu können; um edler Emigrant im eigenen oder fremden Land zu sein.

    • Offizieller Beitrag

    Am 17. Juni 2022 feierte einer der größten Helden meiner Kindheit seinen 60. Geburtstag; Pittiplatsch, der Liebe. Es ist kein Wunder, dass ich schon als Kind jedem Rassismus abhold war, denn Pitti war und ist kohlrabenschwarz, obwohl Kobolde doch eigentlich grün zu sein hatten (nein, den Elfer verwandle ich jetzt nicht …). Wie freute ich mich auf das Wochenende oder die Ferien, wenn im Kinderprogramm bei Meister Nadelöhr Pittiplatsch und die seinen ihren Auftritt hatten; und von allen Sandmännchen war mir der am Samstagabend natürlich am liebsten; wenn es bei ihnen im Garten spielte. „Kannste glauben!“


    In den längeren Episoden reiste Pitti ins Koboldland zu seiner Großmutter ins Koboldland und zu seinem speziellen Spezi Drehrumbum; das war natürlich großartig; ich meine mich zu erinnern, dass das ein Kaffeeservicezug fuhr. Aber es reichten auch die wenigen Minuten am Sonnabend, um sich prächtig zu amüsieren: Pittiplatsch beherrschte den Perspektivwechsel perfekt; er ist faustisch wissbegierig ohne übermäßig schlau zu sein; er scheitert fast immer mit seinen Plänen und Vorhaben und Aktionen; sein Egoismus bleibt immer liebenswert, weil menschlich. Vielleicht musste deshalb ein Kobold ran als Maskerade; einem Kind, also einem kleinen Menschen, hätte man das nicht abgekauft.


    Dieser große kleine schwarze Kobold, dieser Hedonist und unerschrockene Kämpfer für Gemütlichkeit und kindfromme Anarchie - er lebe hoch!!! Freilich, aus heutiger Sicht ist er nicht frei von Sexismus und Speziesismus; denn gegenüber Schnatterinchen und Moppi tritt er zuweilen hoffärtig auf, das muss man zugeben. Und was man unter der Wendung „Ach du meine Nase!“ zu verstehen mutmaßt; hat in einem Kinderprogramm nun wirklich nichts zu suchen.

    • Offizieller Beitrag

    Weil ich schon wieder, bestimmt zum vierten Mal in kurzer Zeit, in W. G. Sebalds "Ausgewanderten" stecke; sah ich heute via YouTube Das Literarische Quartett vom 14. Januar 1993; bei dem es auch um dieses Buch ging. Die Hilf-, Dürftig- und Substanzlosigkeit; mit der Hellmuth Karasek, der schon den Inhalt nicht korrekt wiedergeben konnte; Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und als Gast Barbara Sichtermann diesem Text gegenüberstanden, verblüfft mich nach fast 30 Jahren enorm. Nicht einer der Kritiker vermochte wirklich Tiefgründigeres zu sagen; nichts als Plattitüden, Oberflächlich- und Nebensächlichkeiten; immerhin nicht politisch überhitzt und vergangenheitsbesessen, wie das heute wieder der Fall wäre; aber das kann auch daran gelegen haben, dass man direkt vorher Ruth Klügers "Weiter leben. Eine Jugend" besprochen hatte, dieses Zeugnis des Überlebens in schlimmsten Zeiten. Wie dürftig und geistig arm der von mir seinerzeit schon auch ein wenig bewunderte Marcel Reich-Ranicki aber lamentiert; das hält heute kein Mensch mehr aus. Nicht alles war früher besser; da geben sich die Kritikerrunden heute sachlicher.

    • Offizieller Beitrag

    Sobald in unserer multimassenmedialen Konsumgesellschaft etwa in den Focus gerät und Aufmerksamkeit kumuliert, bedeutet das den Tod dieses Etwas. Fokussierung, Beanspruchung, Inbesitznahme, Profitmaximierung, Überwältigung, Überlastung, Agonie und eben Tod. Sobald etwas in Mode kommt, stirbt es. Seien es Hunderassen, die durch Filme in Mode kommen; seien es wunderschöne Orte in der Natur und auf der Welt, die dann zum touristischen Ziel auserkoren werden; seien es Fußballvereine, die aus welchem Grund auch immer plötzlich interessant werden für völlig Fremde; seien es Stadtviertel, in die plötzlich jeder ziehen will; man könnte noch hunderte Beispiele anführen. Es lebt sich nur noch außerhalb aller Aufmerksamkeit.

    • Offizieller Beitrag

    Wie oft habe ich darauf hingewiesen in den entsprechenden Gremien und Körperschaften; dass die Fachollegen aufhören sollen; ideologisches Geschwätz nachzubeten und einfach mal wieder klassisch geopolitisch, geostrategisch zu denken; mit dem Focus auf Staatsräson und innerlogischer Großmachtpolitik, und Moral und Ethik außen vor zu lassen; um die kümmerten sich auch die Großmächte der Gegenwart von den USA über Russland bis China nicht. Sie alle betreiben schlichte Großmacht- und Interessenpolitik, ohne Bemäntelung und oft genug mit.


    Ein Blick auf die Karte vor dem 1. Weltkrieg zeigt doch mehr als deutlich, dass nur das Deutsche Kaiserreich wirklich in der Bredouille steckte und man als Historiker ungerecht vorgeht, in einer simplen actio-reactio-Gleichung Schuld zuzuweisen. Konrad Canis hat das in seinem großartigen Buch Der Weg in den Abgrund. Deutsche Außenpolitik 1902-1914 minutiös geschildert und analysiert; dass die Zwänge, denen Deutschland ausgesetzt blieb, größer waren als die Möglichkeiten.


    Ich muss immer wieder lachen, wenn ich lese; die Engländer fühlten sich von der deutschen Flottenrüstung provoziert?! Was für eine Perspektive! Der Rest der Welt und besonders Deutschland durfte sich aber von der übermächtigen Flotte des Empire nicht bedroht fühlen? Was für eine verquere Logik! Es hat in Europa seit der Reformation immer eine Vorherrschaft, eine Hegemonie gegeben; erst die spanische, dann die englische, die französische unter Napoleon; und jetzt Ende des 19. Jahrhunderts war eben Deutschland am Zug; bevölkerungspolitisch, wissenschaftlich-technisch, industriell-wirtschaftlich, politisch und auch kulturell DIE Nation der Stunde und daher bedacht auf Hegemonie. Aber was alle Nationen und Imperien vor Deutschland in den vier Jahrhunderten und eigentlich im Verlauf der gesamten Weltgeschichte getan haben, sollte nun plötzlich nicht mehr gelten?! Dass der Stärkste die Regeln bestimmt, dass der Starke entscheidet, wo es lang geht und welchen Lauf die Geschichte nimmt. Nein, da muss um den Preis der eigenen Unabhängigkeit (siehe GB) dieses neue starke Deutschland bekämpft werden, notfalls unter Aufbietung der gesamten Welt, die sich willig einspannen lässt in den kollektiven Selbstmord Europas.


    Dabei wäre ein deutscher Sieg im 1. Weltkrieg, ich bin mir das mittlerweile ziemlich sicher; das Beste gewesen, was Europa hätte passieren können.

    • Offizieller Beitrag

    In diesem Zusmmanhang habe ich auch gerne darauf hingewiesen; dass 1870 der böse Bismarck dem lieben Napoleon III. keine andere Wahl gelassen habe als anzugreifen, weil er und das französische Volk so provoziert wurden; aber 1914, als das Reich sich in Umklammerung befand und keinen anderen Ausweg als den Präventivschlag sah, da war von Provokationen Frankreichs und Russlands und Englands nicht die Rede; da galt auf einmal wieder, wer angreift, ist schuld. So hat Deutschland immer den Schwarzen Peter, wird es angegriffen, ist es schuld; greift es an, sowieso.

    • Offizieller Beitrag

    Lange bevor inzwischen moderne Begriffe wie Lost Places, Urban Exploration oder Dead Mall im Schwange waren und solche wie Geisterstadt oder Geisterbahnhof abgelöst haben; interessierte mich die Aufgabe und der Verfall von menschlichen Ansiedlungen. Mit welchen Gänsehäuten ich Dokumentationen über Prypjat sah, kann man eigentlich öffentlich gar nicht zugeben.


    Es war das eine Gedicht aus Bertolt Brechts Buckower Elegien, das mich schon als Schüler so fasziniert hat:


    Der Rauch


    Das kleine Haus unter Bäumen am See.

    Vom Dach steigt Rauch.

    Fehlte er

    Wie trostlos dann wären

    Haus, Bäume und See.


    Noch beklemmender als verlassene Orte sind solche, die man eigentlich bewohnt erwartet. Man hat sich im Wald verlaufen, sieht endlich ein Haus, aber es ist vernagelt und steht leer. Oder nach langer Odyssee in der Einöde oder Wüstenei stößt man endlich auf eine menschliche Siedlung, findet diese aber komplett verlassen vor. Wie schrecklich das ist, kann man kaum ermessen als satter Wohlstandbürger in komplexen urbanen Strukturen.


    W. G. Sebald hat in der vierten und letzten längeren Erzählung seiner „Ausgewanderten“ den Verfall von Manchester in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sehr anschaulich und bedrückend beschrieben; vor allem das eigentliche Zentrum so gut wie entvölkert und voller Ruinen, auch neuerer. Ausgerechnet die Stadt, von der aus die Industrialisierung ihren Siegeszug durch die ganze Welt antrat; erlebte nach der Weltwirtschaftskrise einen beispiellosen Niedergang; von sie sich über Jahrzehnte nicht erholte. Wie bei einem städtischen Palimpsest folgten Abrisse auf Abrisse; erst jetzt leben wieder 20.00 statt 2.000 Menschen in der Innenstadt; wenn die Zahlen stimmen sollten.


    Es sind gerade die ganz großen Industriemetropolen, die unglaublich schnell wuchsen und deren Bevölkerungszahlen explodierten, die auch den größten Schwund erlebten. Als ich kürzlich den wunderbaren Film „Only Lovers Left Alive“ von Jim Jarmusch sah, wurde mir das wieder bewusst; denn der menschenscheue und melancholische Vampir und Komponist Adam lebt ausgerechnet in einer verfallenen Villa in einem heruntergekommenen Vorort von Detroit und nicht etwa in einem Schloss in Frankreich oder einem gediegenen Landhaus in England. Die Automobilindustrie hat die Stadt reich und berühmt gemacht; als sie verschwand, verlor man weit über die Hälfte seiner Einwohner, ganze Viertel verfielen und wurden abgerissen; teilweise entstand eine bizarre Mondlandschaft mitten in der Stadt, die Kriminalität ist mit die höchste in den Staaten. Ich weiß gar nicht, ob die amerikanische Gegenwartsliteratur das verarbeitet hat. Auch in Chicago wanderte die weiße Mittelschicht in die Vorstädte ab; die Stadt verlor fast eine Million Einwohner, scheint sich nun langsam zu erholen.


    Für einen waschechten Ossi wie mich ist das auf kleinerer Flamme Alltag seit den über 50 Jahren meines Erdendaseins. Ich habe noch zu DDR-Zeiten hautnah den Verfall solcher Städte wie Halle (Saale); Leipzig oder Gera erlebt und nach der Wende den fast aller mitteldeutschen Kleinstädte; später den zeitlich versetzten in Polen, Tschechien und im gesamten alten Ostblock. Ich weiß nicht, ob ein Generationsgenosse einer vergleichbaren Peergroup aus dem Westen das ähnlich erlebt haben kann; diese vielen und vielfältigen Erfahrungen von Niedergang, Agonie und Verfall und emotional so viele trostlose Orte hat in sich aufnehmen und verarbeiten müssen. Weltsicht und Charakter bleiben davon nicht unberührt, das prägt und unterscheidet von anderen.

    • Offizieller Beitrag

    Ich schrieb in einem Schäferhundforum sinngemäß, dass man sich über die mangelhafte Qualität der Beiträge nicht wundern müsse, wenn beziehungsunfähige Frauen mit zu viel Tagesfreizeit, die ihre Komplexe mittels Hundehaltung zu kompensieren trachten, sich dort akkumulieren. Man hat das Posting wegen Sexismus gelöscht; ich verstehe die Welt nicht mehr. Kann denn die Wahrheit sexistisch sein?

    • Offizieller Beitrag

    Dass Menschen unterschiedlich klug, gescheit, intelligent, gebildet etc. sind; ist eine Binsenweisheit. Und dennoch möchte man diese nicht akzeptieren. Bei körperlichen Aspekten gibt es diese Vorbehalte nicht: Wenn jemand größer, stärker, kräftiger, muskulöser, schneller, wendiger etc. ist; dann wird das praktisch immer anerkannt oder notfalls über einen Wettbewerb oder Kampf herausgefunden. Das Gleiche gilt für Fragen von Gesundheit, Schönheit und Attraktivität; all das liegt eben nicht im Auge des Betrachters; die überwältigende Mehrheit weiß um die Tatsachen, Befunde und Zusammenhänge. Für Fragen der Intelligenz gilt das nicht; da gibt es permanent Streit und Diskussionen. Man könnte sagen, alles bloß Körperliche ähnelt den MINT-Fächern; da gibt es objektive Sachverhalte, Logik und unverrückbare Tatsachen; alles Geistige ähnelt im Umkehrschluss den Geistes-, Gesellschafts-, Kultur- und Sozialwissenschaften; dort will man immer erst genau definieren, was Intelligenz überhaupt sei; dann könne man diese ohnehin nicht genau messen und überhaupt sei das alles doch ungerecht, rassistisch und menschenfeindlich.


    Dabei liegt auf der Hand, dass Intelligenz natürlich ein sehr komplexes Gebilde ist; aber keinesfalls undefinierbar. Natürlich hat sie etwas mit so simplen Aspekten wie Gedächtnis und der Herstellung von Verknüpfungen zu tun; einer ganz bestimmten kognitiven Befähigung und damit der „Fähigkeit, die Gesamtheit unterschiedlich ausgeprägter kognitiver Fähigkeiten zur Lösung eines logischen, sprachlichen, mathematischen oder sinnorientierten Problems einzusetzen.“ Ein ganzheitliches Bild dieser zu gewinnen ist nach wie vor schwierig und in der Wissenschaft umstritten; aber Menschen; die leichter und schneller lernen als andere; die sich mehr merken können; schneller lesen und verstehen als andere; schneller und besser Aufgaben welcher Art auch immer lösen können etc.; sind nun mal sichtlich intelligenter als solche, die das nicht können. Das hat ganz sicher etwas mit Genetik und Vererbung zu tun; auch mit Sozialisation und Vergesellschaftung; letztlich aber ist das ohne Belang, wenn man sich das Ergebnis ansieht im Erwachsenenalter: Da gibt es eben intelligente und weniger intelligente Menschen; das ist ein Faktum und keine Frage von Ideologien.


    Der Widerstand gegenüber dieser Realität ist dennoch enorm. Das mag damit zu tun haben; dass sich natürlich weniger intelligente Menschen in der Regel nicht als solche wahrnehmen; während intelligente in der Regel sehr genau wissen, dass sie es sind; gleichzeitig aber naturgemäß auch immer daran zweifeln; sonst wären sie ja nicht intelligent. Die lautesten und selbstbewusstesten Rufer sind meistens die Dümmsten und diejenigen, die sich auch biologisch reproduzieren. Überhaupt sind die Relationen die gleichen wie beim Körperlichen: Es gibt ja nur sehr wenige sehr schöne oder durch und durch gesunde Menschen und auch die intelligenten Menschen stellen eine verschwindend kleine Minderheit dar. Man darf nicht vergessen, dass die westliche Welt ihren naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt nur einigen wenigen hellen Köpfen verdankt; die Masse, die absolute Mehrheit ist dumm, ungebildet und nur bedingt intelligent. Was wiederum auch damit zu tun hat; dass der weniger kluge Mensch immer der glücklichere und zufriedenere sein wird. Demnach müssten diese momentan weltweit noch führenden Gesellschaften alles dafür tun, dass diese wenigen intelligenten Menschen gefunden, gefördert und in die Spitzen lanciert werden durch ein Schulsystem, das fordert und selektiert nach Begabung und Intelligenz. Es geschieht aber überall im Westen das genaue Gegenteil: Das Niveau sinkt durch Egalisierung und die Weigerung, Hierarchien in der Welt der Intelligenz anzuerkennen. Das Ergebnis ist voraussehbar und schon nicht mehr abzuändern.


    Siehe auch 1

    Siehe auch 2

    • Offizieller Beitrag

    Ich vergesse immer wieder, dass die intimsten Momente zwischen zwei Menschen wahrscheinlich nur zwischen Kammermusikern möglich sind; etwa zwischen einem Pianisten und einer Violinistin, wenn Klavier und Geige sich im Spiel vereinen ohne sich selbst aufzugeben und dabei in eine Umlaufbahn geraten, die der Gravitation mal gehorcht und mal nicht; wo man im gleichen Augenblick auseinanderdriften oder ineinanderstürzen kann; wo Zentrifugalkräfte und Kernfusion sich ihrer selbst nicht mehr sicher sein können und die Selbstaufgabe mit größter Selbstständigkeit ringt; wenn Geben und Nehmen keine unterschiedlichen Begriffe mehr sind und die Liebe zum anderen nicht etwa größer ist als die zu sich selbst, sondern überhaupt keine Differenzierungen mehr kennt im Gleichklang des monadischen und nomadisierenden Alls.

    • Offizieller Beitrag

    Der "Fall" Uwe Tellkamp und sein derzeit letzter Roman „Der Schlaf in den Uhren“ wird in ein paar Jahrzehnten und Jahrhunderten in den Geschichtsbüchern stehen als kulturgeschichtliches Paradebeispiel für das unfassbar niedrige Niveau einer im vorauseilenden Gehorsam indoktrinierten und dogmatischen rein ideologischen geifernden „Literaturkritik“ in einem de facto totalitären Kulturbetrieb. Dass wirklich große Literatur im Jetzt nicht erkannt und wahrgenommen wird, ist kein neues Phänomen; die ganz Großen schreiben selten bis nie für die Gegenwart, sondern wohnen schon im Morgen. Aber immer gibt es den einen oder anderen Auskenner und Durchblicker auch im Feuilleton, der wenigstens ahnt; was da vor ihm liegt und was er da gerade gelesen hat.


    Tellkamps neuer Roman gehört in die Kategorie übergroßer Literatur und mir ist ein Rätsel, wie er das trotz der Umstände bewerkstelligt hat. In einer ersten Lektüre ist dieser natürlich nicht zu erfassen und auszuloten; aber man begreift auf fast jeder Seite, dass hier etwas Außerordentliches vor sich geht, das man immer und immer wieder sich wird vornehmen müssen. Hat man sich erst einmal die ersten 30 Seiten durch das sehr reale fiktive Minenfeld gearbeitet; es erinnert ein wenig an die Eingewöhnung in Arno Schmidts Prosa, scheint man die Initiation bestanden zu haben und wird in der Folge auf aberhunderten Seiten mit Ideen, Beschreibungen, kostbarsten Beobachtungen, sprachlichen Edelsteinen in ungeheurer Zahl belohnt; dass die Konstruktion eher in den Hintergrund rückt; obwohl auch sie nicht ohne ist.


    Dieser Roman nun, der sich in eine Reihe stellen lässt mit Fischart, Grimmelshausen, Sterne, Joyce, Arno Schmidt etc., ist wie es sich geziemt überbordend in praktisch jeder Hinsicht. Wer ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen will wie ich; sagt erstmal weiter nichts und greift ihn in einigen Jahren wieder auf; wenn man ihn oft genug gelesen hat. Dafür haben unsere „Literaturkritiker“ natürlich keine Zeit; die intellektuellen Fähigkeiten gehen ihnen auch ab; ihr Bildungsniveau ist dürftig. Das alles konnte man schon bei den Rezensionen zum „Turm“ sehen; aber da instrumentalisierte man den Autor des natürlich vielfach ungelesenen Romans noch; kürte und feierte ihn als Bildungsbürger, den man als Ausnahme von der Regel noch zulassen konnte, weil die DDR ihr Fett wegbekam und nicht die real existierende BRD.


    Ich weiß nicht, ob Uwe Tellkamp wirklich an eine „normale“ Fortsetzung dachte; ich weiß nur, dass er spätestens ab 2015 begriffen hat; dass so ein Vorhaben mit konventionellen Mitteln nicht mehr literarisch gestaltbar ist; dafür hatten sich die inzwischen in Schichten überlagernden Verwerfungen seit 1990 einfach zu hoch aufgetürmt. Er wollte nicht Chronist sein oder der Verfasser von Gesellschaftsromanen; er wollte weiter gehen auf dem Weg des genialen Schriftstellers, der sein Genie der Arbeit verdankt und seinem Wollen. Natürlich hat ihn die persönliche Ausgrenzung und Diffamierung zusätzlich motiviert; aber als großer Künstler hat er eben nicht Tagespolitik mitstenografiert; sondern aus der Gegenwart zukünftige Literatur gemacht. Die vielen Einfälle, der Witz, der Humor; die aberwitzigen Stellen, bei denen ich schallend lachen musste; nein, nein; ein halbwegs objektiver, belesener und gebildeter Zeitgenosse vermag schon bei der ersten Lektüre zu erkennen; dass der Roman ein großer ist.


    Stattdessen richtet unsere Journaille Roman und Autor hin; unisono und partiell so aggressiv, primitiv, dümmlich und bar wirklich jeder ästhetischen Auseinandersetzung; dass genau diese „Rezensionen“ später einmal im Handbuch politischer Publizistik stehen werden, als besonders negative Fallbeispiele für das Versagen kleingeistiger Kritiker vor nicht angemaßter, sondern tatsächlicher Größe; für das Hineinkriechen in den Allerwertesten eines unzivilisierten und politisierten Zeitgeistes. Alles, was man Tellkamp so unappetitlich vorwirft, vom Gekränktsein bis hin zu Hass und Wut; all das findet sich bei ihm nicht; aber genau in jenen „Kritiken“; die ausfallen, als hätten diese Krämer- und Sklavenseelen, diese armseligen Schreiberlinge ohne Rückgrat und eigenen Kopf in einen Spiegel geschaut und dessen Emotionen getreulich nachgezeichnet. Wie dem auch sei, ich werde den Roman in ein paar Jahren besprechen; dann wissen wir mehr.

    • Offizieller Beitrag

    Ich sitze hier, trinke Bier und warte auf den Weltuntergang.

    Ich sitze hier, trinke Bier und warte auf das Ende der Welt.

    Ich sitze hier, trinke Bier und warte auf das Welteende.

    Ich sitze hier, trinke Bier und warte auf den Tod.

    Ich sitze hier, trinke Bier und warte auf die Apokalypse.


    Ich kann mich nicht entscheiden, welcher Satz besser klingt ...

    • Offizieller Beitrag

    Also wenn die Redewendung "Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes" stimmen sollte und Pinocchio wie Burattino nicht bloß fiktionale Figuren wären; dann läge es doch auf der Hand, dass jeder Mann löge und schwindelte wie der Teufel höchstselbst, der Vater aller Lügen. Nun weiß man aber verlässlich, dass Frauen diejenigen Menschen sind; die am meisten lügen, betrügen und nicht die Wahrheit sagen. Tun sie das nun aus dem Grund, weil es vielleicht eine idiomatische Wendung gibt; welche die Korrelation zwischen Lüge und größerem Busen oder kleinerem Hintern festhält? Mir ist so eine jedenfalls nicht bekannt, aber wer weiß und kennt schon alles?