Yoricks Nachtgedanken bei Tage

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    Nun ist es soweit: Die Wehrmacht musste vor der Rasputiza und dem russischen Winter kapitulieren; in der DDR war der Winter neben dem Frühling, Sommer und Herbst der größte Feind des Sozialismus, wenn die NVA in die Schächte zur Kohle ausrückte, um die Stromversorgung zu sichern; und nun hofft der Wirtschaftsminister der BRD auf mildes Wetter, weil man ohne Not eine Energiekrise herbeiregiert hat. Das kann man gar nicht parodieren ...

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    Vor über 100 Jahren hat der letzte Deutsche Kaiser aus dem Haus Hohenzollern abgedankt und alle deutschen Fürstenhäuser folgten ihm in ihren jeweiligen Territorien nach. Seitdem hat weder die Absolute noch die Konstitutionelle Monarchie über die grundverschiedenen politischen Systeme hinweg eine Rolle gespielt in gesellschaftspolitischen Diskursen; die verbliebene Aristokratie taugt für die Regenbogenpresse und vereinzelte Repräsentationszwecke. Dennoch läuft seit Tagen im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk eine stundenlange Liveübertragung nach der anderen wegen des Todes einer Königin. In der größten regionalen Tageszeitung meines Bundeslandes steht ein Brief des linken Ministerpräsidenten an König King Charles III. , in dem er dessen Wurzeln beschwor, damit der nach Thüringen komme.


    Muss man sich da noch eigens an den Kopf greifen, um jemandem verstehen zu geben; dass man die Welt nicht mehr begreift und die Menschen in ihr?! Ausgerechnet in einem Land mit seit über 100 Jahren dezidiert antimonarchischer und republikanischer Tradition hofiert man das britische Königshaus; die Regenten eines Landes, das seit wenigstens 1871 eine ebenso dezidiert antideutsche Politik betrieben hat und für alle großen und globalen Konflikte des 20. Jahrhunderts mitverantwortlich zeichnet?! Ausgerechnet ein Land, das seine eigene Geschichte ignoriert, verachtet, verfälscht und auf zwölf Jahre verengt; macht Kniefälle vor einer tausendjährigen Monarchie?! Ausgerechnet ein Land, das alles tut; um seine eigenen Wurzeln zu zerschneiden und die eigene ethnische Herkunft leugnet; beschwört die Wurzeln des britischen Königshauses in ernestinischen Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha?!


    Großbritannien ist nicht einmal Teil der Europäischen Union und seit dem Brexit wurden unsere gesellschaftlich-medialen "Eliten" nicht müde, den Premierminister und alle möglichen gesellschaftspolitischen Ereignisse auf der Insel in den düstersten Farben zu malen; nur weil dort eine demokratische Entscheidung gefällt worden ist, die hierzulande nicht gutgeheißen wird von den entsprechenden Kreisen. Boris Johnson kam gleich nach Donald Trump und noch vor Kim Jong-un. Aber für das Königshaus scheint das alles nicht zu gelten: Es muss offensichlich das Gute, Wahre und Edle repräsentieren innerhalb eines durch und durch dunklen und bösen Systems. Es ist halt wie im Märchen: Erst musste die schöne, so sehr gute und von aller Welt geliebte Prinzessin sterben; dann starb einhundertzweijährig die Queen Mum und nun wurde tatsächlich auch auf die 100 zugehend die Queen zu Gott befohlen. Das ist fürwahr eine Tragödie; deren man gedenken muss in Deutschland.

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    Szene im Hause Yorick. Küche am Morgen: Dirty old Yorick beobachtet aus dem Fenster einen gefiederten Gast im Garten; kann ihn aber nicht zuordnen:


    Dirty old Yorick (rätselnd) : Das ist ja ein seltsamer Vogel ...

    Gemahlin (am Küchentisch, ganz stolze Hausfrau) : Ja, die Fenster sind alle frisch geputzt; dass man sich drin spiegeln kann ...

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    In Gerhard Roths letztem und hier schon zweimal angeführten Roman "Die Imker" berichtet der durch und durch unzuverlässige Erzähler Franz Lindner, Patient einer Einrichtung für psychisch beeinträchtigte Künstlerinnen und Künstler; der offensichtlich mit wenigen anderen Menschen eine Katastrophe überlebt hat, immer wieder von Filmen, die man nach der Apokalypse im Laufe von zwei Jahren zusammen zu verschiedenen Anlässen gesehen hat, und mal ausführlicher, mal knapper; wie diese auf ihn wirkten und was sie in ihm auslösten. Da kommen zuerst fast alle Filme von Andrei Tarkowski zur Sprache; später Buñuels "Ein andalusischer Hund" und "Freaks" aus dem Jahr 1932 von Regisseur Tod Browning. Das kulminiert in der so einfühlsamen wie nachvollziehenden Darstellung von David Lynchs "Der Elefantenmensch" mit John Hurt und Anthony Hopkins. Das Berührende bei dieser Lektüre ist das Gefühl, in der Figur oder eben im Autor einen Menschen gefunden zu haben; der ähnlich denkt und fühlt wie man selbst; dass man also doch nicht alleine ist auf der Welt und gefangen im eigenen Körper und Geist. Dass es nun ausgerechnet ein nach "normalen" Maßstäben Verrückter ist; der so denkt und fühlt wie man selbst; hätte mich vor 20 Jahren noch verunsichert; jetzt tut es da nicht mehr; im Gegenteil.

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    Es sind nicht die dummen Menschen, die wirklich gefährlich sind. Gefährlich sind die Menschen, die allen Ernstes glauben; sie dächten und handelten aus freiem Willen heraus, rational, logisch, vernünftig, mit klarem Bewusstsein und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Dass der Mensch eben nicht Herr seines Willens ist, nicht frei in seinen Entscheidungen; sondern diese zu 99,9 Prozent aus dem Bauch heraus trifft, aus unbestimmten Gefühlen und Empfindungen heraus; dass das Unterbewusste unser Denken, Fühlen und Handeln lenkt und wir oft genug nur Objekte anderer, von uns nicht zu erkennender und zu bändigender Kräfte sind; weigern sich diese einzusehen und laufen damit immer wieder in die Katastrophe, in die sie alle anderen mit hineinziehen.


    Man muss sich nach dieser Einsicht nicht fatalistisch in sein Geschick ergeben: Unser kognitiv-logisches, mathematisch-naturwissenschatliches, positivistisch und empirisch geprägtes Weltbild sorgt natürlich für hinreichenden "Fortschritt", auf den wir nicht verzichten sollten. Auch das Bemühen zumindest um eine vorurteilsfreie, halbwegs "objektive", unparteiische Sicht auf alle möglichen Aspekte des Menschseins und aller gesellschaftlichen Sphären sollte sich von derlei grundsätzlichen und deterministisch klingenden Einsichten nicht beeinträchtigen lassen. Wichtig ist lediglich eben diese Einsicht, die uns eine Demut auferlegen könnte und eine innere Einkehr ermöglichen, die dazu geeignet wäre, unseren Hochmut zu zügeln und damit jede Menge Not und Elend zu verhindern.

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    Das Interesse für Geschichte hat mich mein ganzes Leben lang begleitet und es gibt eigentlich keine Epoche, die mich nicht irgendwann interessiert und umgetrieben hat: Nicht zuletzt durch Umberto Eco waren es das Mittelalter und die Frühe Neuzeit besonders in meinen späten Jünglingsjahren und während des Studiums; später in der Schule wuchs das Interesse am 19. und 20. Jahrhundert. Bereits als Kind liebte ich die Ur- und Frühgeschichte; ein Umstand, der auch damit zu tun hatte; dass mich mein Vater früh mit in die entsprechenden Museen in Berlin, Halle (Saale) und Weimar nahm und mich später an der Universität Jena der spätere Ordinarius für Ur- und Frühgeschichte Karl Peschel, von uns Studenten ehrfürchtig unehrerbietig Peschelpithicus genannt, stark beeindruckte in seiner Kompetenz und Schrulligkeit. Momentan sind es über die russische Geschichte die Entwicklungen in Fernost; besonders in China, Japan und Indien, die mich stark interessieren.


    Interessanterweise aber hatte ich nie einen wirklichen Bezug zur Geschichte des Alten Ägypten; also zu der Epoche der Alten Geschichte, die alle Schüler interessiert und sogar bildungsferne Laien, die sich sonst überhaupt nicht mit historischen Themen beschäftigen. Das mag zum einen damit zu tun haben; dass in meiner späten Kindheit und frühen Jugend über die Publikationen des Urania-Verlages Burchard Brentjes der Hausgott meines Vaters und von mir war; seine Bücher wie „Land zwischen den Strömen. Eine Kulturgeschichte des alten Zweistromlandes Irak“, „Das alte Persien. Die iranische Welt vor Mohammed“, „Von Schanidar bis Akkad. 7 Jahrtausende orientalische Weltgeschichte“, „Völker an Euphrat und Tigris“ oder „Steppenreiter und Handelsherren. Die Kunst der Partherzeit in Vorderasien“ lenkten mein Interesse mehr in den vorderasiatischen Raum und später wurde er noch im Herbst 1989 als Professor für Orientalische Archäologie zu meinem hochgeschätzten akademischen Lehrer an der Universität Halle (Saale); auch und gerade wenn er in Pantoffeln und Strickjacke zur Vorlesung erschien.


    Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass ich die Altägyptische Geschichte immer als sehr aufdringlich und irgendwie „übertrieben“ empfand. Natürlich beeindruckten auch mich die Pyramiden, die Sphinx, die Tempel und Grabmäler; die Mumifizierung, die geheimnisvollen Hieroglyphen, die ägyptische Kunst und Religion. Aber das war alles so exorbitant groß und bunt und extrovertiert; so über die Maßen monströs, monolithisch und gigantisch; drängte sich der eigenen Wahrnehmung förmlich auf durch schiere gigantomanische Überwältigung der Sinne, Gedanken und Vorstellungskraft; da war mir in der Gesellschaft der griechischen Götter in deren Tempeln deutlich wohler. Zwar dienten mir als Memorierobjekt die 31 Dynastien vor Alexander dem Großen als Möglichkeit, die Zeit in unendlich langweiligen und sinnlosen Dienstberatungen totzuschlagen, denn hier boten sich über die Vorgeschichte, die Prädynastische Zeit, die Frühdynastische Zeit; das Alte, Mittlere und Neue Reich; die Zwischenzeiten und die Spätzeit vier Jahrtausende in aller Fülle dar; aber erst mit dem Vordringen des Hellenismus begann mich Ägypten wieder zu interessieren; natürlich vor allem geistes-, religions- und kulturgeschichtlich.

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    Mir fiel anlässlich der Lektüre von Adam Zamoyskis1812. Napoleons Feldzug in Russland“ der Funkdialog Arno SchmidtsMüller oder Vom Gehirntier“ ein; in dem er eine Unterredung zwischen Napoleon und dem damals berühmten und heute längst vergessenen Historiker Johannes von Müller schildert. Ich zitiere einen Auszug:


    A.: Die ‹Preußische Partei› hat also ihren Willen gehabt – das heißt : den Krieg. Hat prompt die verdiente Quittung empfangen; und sämtliche Helden, Seine Majestät an der Spitze, sind in Richtung Tilsit verduftet. Zurück in Berlin bleibt, wie üblich, die – erst mit Säbelrasseln ‹scharf gemachte›, nun freilich ‹wie betäubte› – Bevölkerung; in Erwartung der ‹fremden Besatzungsmacht›. / Zu den solchermaßen ‹Betäubten› zählt, wie zu erwarten, auch Müller; der, mit der bekannten Weltfremdheit des ‹Universalhistorikers› alle Zeiten begriff, nur seine eigene nicht. – Entsprechend seiner dickbesagten Mentalität stellt er sich sogleich tot ..... :

    C. (klagend): »So hübsch war der Plan für den Rest meines Lebens; und nie würde ich dieses Land verlassen haben – da kam der Donnerschlag bei Auerstädt! / Arbeiten kann ich nicht, höchstens des Abends ein wenig excerpiren. / Nun das Alte offenbar vergangen, die Welt hingegeben, eine lange Periode der Universalhistorie geschlossen ist, so ergebe ich mich ohne Heuchelei noch Zurückhaltung.«

    A. (grimmig): Jetzt auf einmal weiß er es wieder ..... :

    C. (verworren; ablehnend): »Mein Reich ist nicht von dieser Welt : ich will meine Stelle von der Nachwelt begehren.«

    A. (billigend): Er darf das schon sagen; denn sein Ruhm als Schriftsteller ist inzwischen ‹europäisch› geworden – König Ludwig von Bayern konsultiert ihn um Personenverzeichnisse für die einst zu bevölkernde ‹Walhalla› – Jedermann weiß von ihm : auch er, der Kaiser, Napoleon, er, der von allen Groß=Eroberern seit Alexander immer noch der am wenigsten Unsympathische : am 19. Mai 1806 erhält Müller durch Minister Maret die Aufforderung : den folgenden Abend, Punkt 19 Uhr, zu einer Audienz beim Empereur zu erscheinen.

    B.: Also wieder einmal mehr eines jener dekorativen, sorgfältig vorbereiteten, ‹Dichtergespräche›; um dem deutschen Volk ein gewinnendes Theater vorzumachen.

    A.: So sehen Sie aus! Napoleon war schon ein anderer Mann, als sämtliche Preußenkönige zusammengenommen! / Und selbstverständlich waren jene immer=merkwürdigen Göttergespräche bedeutend vorbereitet : Sie ließen sich ja schließlich auch nicht absichtlich 3 Wochen vorher den Bart stehen, und kämen in Unterhosen zu Hermann Hesse. Und wenn er Sie fragte, ob Sie den ‹Steppenwolf› kennten, würden Sie wohl auch nicht rüde erwidern : ‹Nö, ich komm’ kaum ins Kino!›; sondern Sie würden zuvor, körperlich wie geistig, fein säuberlich ‹Toilette machen›!

    B. (geschickt ausweichend): Aber die Gespräche waren doch unleugbar auch Politica.

    A.: Sie wurden dazu. – Nicht nur, weil Napoleon dadurch die ‹führende Intelligenz› Deutschlands für sich gewinnen wollte; sondern vor allem deswegen, weil die Deutschen solcher ‹Dichterehrungen› seitens ihrer Könige gar nicht gewohnt waren. / Die Unterredungen Napoleons mit Goethe oder Wieland sind allgeläufig; aber die hier – die übrigens die erste der Serie war! – ist relativ unbekannt. / Natürlich war Alles vorbereitet; die Kulissen gestellt : goldgestickte Marschallsröcke erschimmerten; aus fernen Zimmern klang, gedämpfter Hörnereffekte übervoll, der schweizer ‹Kuhreigen›; ab & zu unterbrach ein adjutierender Herzog mit einer welthistorisch=impressiven ‹Sondermeldung› das Kammerspiel .....

    C. (angeregt=vertraulich): »Der Kaiser saß auf einem Sopha; wenige Personen, mir nicht bekannt, standen entfernt im Zimmer. Er fing an, von der Geschichte der Schweiz zu sprechen : daß ich sie vollenden solle; daß auch die späteren Zeiten ihr Interesse hätten. / Wir gingen auf Alt=Griechenland über; auf die Theorie der Verfassungen; auf die gänzliche Verschiedenheit der asiatischen (und ihrer Ursachen : Klima, usw.). Die entgegengesetzten Charaktere der Araber (die der Kaiser sehr rühmt). Auch der tatarischen Stämme – welches auf die für alle Civilisation immer von jener Seite zu besorgenden Einfälle führte, und auf die Nothwendigkeit einer Vormauer dagegen. / Der Kaiser sprach anfangs wie gewöhnlich; je interessanter aber die Unterhaltung wurde, immer leiser; so daß ich mich zuletzt ganz bis an sein Gesicht bücken mußte, und kein Mensch verstanden haben kann, was er sagte. – Wie ich denn auch Verschiedenes nie sagen werde!«

    A. (trocken): Wie sich bei Müller eigentlich von selbst versteht, hat er die Geheimnisse natürlich nicht für sich behalten können – etwa wenn ihm die gefährliche, allwissenheitssüchtige Groß=Klatschbase Varnhagen mit einer kostbaren Flasche Weins ‹die Zunge lupfte›.

    B. (neugierig): Und worum handelte es sich wohl dabei?

    A.: Um Dinge, die, vor allem für Napoleon, äußerst aufschlußreich sind; welthistorische Erkenntnisse, bemerkenswerten Ranges, abwechselnd mit pikantesten psychologischen Interieurs aus den dämmrigen Gehirnkammern der ‹Gottesgeißeln›. –

    Das glücklichste Zeitalter der menschlichen Geschichte? – : Man einigte sich, relativ schnell, auf die Regierung der Antonine. B.: Für mich ein sehr schattenhafter Begriff : muß ich mich jetzt sehr schämen?

    A.: Das ist eine reine Frage der Dickfelligkeit : wenn Sie anschließend nach Hause gingen, und 14 Tage lang fleißig das betreffende 2. Jahrhundert nach Christi studierten – 1 Vierteljahr wäre freilich angemessener – : dann brauchte von ‹Schämen› keine Rede zu sein. – Aber weiter : Müller blieb die Luft weg, als der Kaiser das Christentum schlankweg als Rückschlag des griechischen Geistes gegenüber dem römischen bezeichnete – das notierte sich, nebenbei bemerkt, Talleyrand aus den Gesprächsfetzen, die er erhaschte.

    B.: Naja, das ist aber ..... : im Christentum wäre viel Griechisches .....?

    A.: Viel Plato, wenn Ihnen das vertrauter tönt. –

    Dann aber kam man, bei diesem Gespräch ‹quer durch die Eifel›, diesem ‹Sich=Beriechen›, organisch auch auf Cäsar zu sprechen .....

    B. (hineinmurmelnd): ..... kein Wunder : Cäsar spricht über Cäsar .....

    A.: Und zwar auf eines jener abstrus=interessanten Probleme à la : Was würde er getan haben, wenn er nicht ermordet worden wäre? : die ‹Inneren Angelegenheiten› der Republik weiter konsolidiert? Oder aber die gefährlich über die Ostgrenzen schwärmenden Parther zurückgetrieben?

    B.: Achduliebergott – : ist das nicht ein bißchen sehr akademisch? : ‹Was wäre geschehen, falls Hagen Siegfried nicht erschlagen hätte?› : die Aufsatzthemen hab’ ich als Kind schon gehaßt!

    A.: Das hier war doch weit=weit mehr! : In einem nie=wiederkehrenden 100=Minuten=Gespräch, mit ‹Seiner Hälfte› – um mich Aristofanisch=Mythisch auszudrücken : der Geistesriese flüstert mit dem Tatenriesen; der notwendigerweise, Sie wissen es nun, in einem anderen Körper haust – in einer wahrhaften ‹Sternstunde der Menschheit› also, verriet es der große Kaiser .....

    B. (mürrisch): Was heißt hier ‹verriet›? : Wieso & Was?

    A.: Ihre Frage ist typisch für jene ‹echt deutsche› Geisteshaltung, an der der schon erwähnte Massenbach zugrunde ging. – (Mit resigniertem Nachdruck): Meinherr : Napoleon stand genau vor der gleichen Entscheidung, wie Cäsar in jenem hypothetischen Fall : Sollte er sich der ‹Inneren Festigung Frankreichs› widmen? Oder aber dem ‹Krieg gegen die Parther› : dem Russlandfeldzug, Mensch!!! –

    B. (betroffen): Achso?! Napoleon vorwegnahm das Problem? Das ‹unserer Tage›, auf das wir – nun, da es 150 Jahre zu spät ist – so stolz sind? Meingott, welche Parallele reißen Sie auf?!

    A.: Lange ließ er Müller reden=schwatzen. Lange ihn die Gründe pro et contra erwägen : Lange Jenen sämtliche Zeugnisse der Geschichtsschreiber aus gigantisch=unerschöpflichem Gedächtnis hersagen. – / Dann fuhr er auf. Kurz. Zerhieb das Theoriengewebe. Und befahl :

    »Il aurait fait la guerre aux Parthes!!!«

    B.: Ach! : also : erst Rußland niederwerfen – dann Alles Friedlich=Andere?! –

    Es wird mir im Augenblick zu viel! – Was war denn Müllers Resümee jener – doch; ja; Sie haben recht : sehr bedeutenden! – Unterredung?

    A.: Laut verkündeten es seine Briefe Allerwelt ..... :

    C.: »Ich redete einst mit Friedrich dem Großen, und war entzückt. – Doch Napoleon? : ist mehr!!! / Bei ihm ist Alles, was er spricht, als könnte nur er dies gedacht haben. – Bei Friedrich geriet man wohl auf die leise Frage : woher der König diesen ‹schönen Gedanken› haben möge?? / Wenn ich nach der Erinnerung richtig urteile, so muß ich dem Kaiser, in Ansehung der Gründlichkeit wie der Umfassung, den Vorzug geben! / Es war einer der merkwürdigsten Tage meines Lebens : durch sein Genie, durch seine unbefangene Güte hat er auch mich erobert!«


    Ich finde das sehr spannend, wie Napoleon über den historischen Bezug zu Caesar seine aktuellen politisch-militärischen Vorhaben klären will und dann doch so typisch imperial handelt. Bliebe die Frage, ob Hitler auch so eine Unterredung hatte, wobei schon völlig unklar ist, wer von den damaligen Historikern in Frage gekommen wäre; und selbst Putin hätte vielleicht gut daran getan, den einen oder anderen Militärhistoriker zu konsultieren vor seinem Ukraine-Feldzug.

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    In der wunderbaren Dokumentation Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte erzählt Horst Mahler, der im Laufe seines Lebens und Denkens von der extremen Linken zur extremen Rechten gewechselt ist; was er selbst gar nicht als Wechsel empfand; ab 47:40, dass Otto Schillys größtes Verdienst war, als er ihm die zwei Bände der Hegelschen „Logik“ ins Gefängnis bringen sollte; weil Marx sich häufig auf Hegel bezieht, aber als Polemiker ihn nicht befriedigen konnte; ihm aber stattdessen gleich die 20bändige Gesamtausgabe brachte. Hegel in dieser Situation zu lesen, im Gefängnis, sei ein existenzielles Erlebnis gewesen und hätte sich ihm tief eingeprägt und die ersten Gedanken für eine Neubewertung des nationalen und des Nationalsozialismus durch ihn angeregt. Bis zu Hegel galt, so Mahler; was auf einen Widerspruch führt, kann nicht wahr sein; Hegel dreht das um und sagt, was nicht auf einen Widerspruch führt ist unwahr; der Widerspruch sei ein Zeichen der Wahrheit.


    Ich denke, dass diese Erkenntnis ein Knackpunkt in unserer gesamten Geschichte seit der Französischen Revolution ist, sowohl der politischen als auch der geistesgeschichtlich-philosophischen. Unsere Welt ist genauso voll mit Widersprüchen wie der Mensch selbst ein durch und durch widersprüchliches Wesen ist; gut und böse in einem; fähig zum Höchsten und zum Niedrigsten; ein Gott und ein Teufel; Gemisch aus Scheiße und Mondschein. Die Moderne glaubte, diese Widersprüche auflösen zu müssen in einer falsch verstandenen Dialektik. Schon Alexander der Große, den ich immer mochte; weil sein imperialer Zug auf ein multiethnisches Reich zielte; hat meines Erachtens falsch gehandelt, als er der Sage nach den Gordischen Knoten einfach mit seinem Schwert durchschlug und nicht korrekt entwirrte; vielleicht musste er deshalb scheitern. Alle großen Ideologien des 20. Jahrhunderts folgten letztlich der berühmten Marxschen Feuerbachthese „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern“; und sie alle haben millionenfaches Leid und millionenfachen Tod über die Welt, die Menschen und die Menschheit gebracht; weil sie begreifen konnten und wollten; dass bestimmte Widersprüche anthropologische Konstanten sind und eben nicht aufgelöst werden können ohne Sündenfall und Apokalypse.


    Nehmen wir als Beispiel ein zeitlos aktuelles der Gegenwart, die Frage der hier schon behandelten Abtreibungen: Der Oberste Gerichtshof der USA entschied dieses Jahr, dass die einzelnen Bundestaaten über die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen zu entscheiden hätten, woraufhin einige sofort Verbote aussprachen. Fast zeitgleich beschloss der Deutsche Bundestag; das Verbot der Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft aufzuheben. Ich persönlich halte beide höchstrichterlichen und höchstlegislativen Entscheidungen für falsch und richtig. Michael Klonovsky schreibt hierzu: „Ich ergreife in der Abtreibungsfrage nie Partei, weil es sich um ein wirkliches Problem handelt und es für wirkliche Probleme keine Lösung gibt.“ Auf der einen Seite ist es die Frau, die das Kind austrägt und bekommt; es handelt sich ausschließlich um ihren Körper, für den sie allein die Verantwortung trägt; und sie allein war über Jahrhunderte hauptverantwortlich für das Kümmern und die Erziehung. Auf der anderen Seite würde sie ohne das von einem konkreten Mann analog in konventioneller Art und Weise oder von entsprechenden Einrichtungen unter medizinischer Aufsicht bereitgestellte Sperma kein Kind bekommen können; noch dazu heute, da ungewollte Schwangerschaften durch die vielfältigen Möglichkeiten der Verhütung praktisch kaum noch vorkommen sollten.


    Wie also soll man entscheiden? Das Problem ist unlösbar; weil der Widerspruch, der biologische und gesellschaftliche Gründe hat, unlösbar ist; es sei denn, man wendet „Gewalt“ an und entscheidet zu Gunsten der einen oder anderen Seite. Die heutige Tendenz, in „modernen aufgeklärten“ Ländern der Frau jedwede Verfügungsgewalt über ihren Körper zuzugestehen, ist irgendwo verständlich; aber letztlich auch nicht „richtig“. Man wird hier stets nur eine Teillösung finden, wenn das Erfolgsmodell der Schöpfung, Mann und Frau zusammen, auch zusammen eine Lösung finden will. Da man aber rein „wissenschaftlich“ heutzutage Befruchtung, Zeugung etc. vom eigentlichen Akt trennt und als bloße abstrakte Biologie und Genetik ansieht ohne jeden ethischen oder gar religiösen Aspekt, wird man keinen Schritt weiterkommen; jede Gesellschaft muss ihren eigenen Weg finden. Richtig und falsch; wahr und unwahr, gut und böse gibt es hier aber nicht; leider leugnen dies allzu oft gerade diejenigen, die sich für modern und aufgeklärt halten. Läsen sie doch Hegel statt Marx …

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    Ich erwache schweißgebadet und mit rasendem Herzen. Vier schwarze Gestalten stehen an meinem Bett und schauen mich traurig und anklagend an. Sie murmeln vor sich hin, es klingt irgendwie sächsisch, Leipziger Gegend vielleicht; ich glaube auch lateinische und griechische Vokabeln zu hören; womöglich hebräisch und kirchenslawisch. Alle vier schauen mir weiterhin unverwandt ins Gesicht; der eine wie ein furchterregender spätmittelalterlicher Inquisitor, der andere wie ein gestrenger orthodoxer Lutheraner; der nächste wie ein humorloser calvinistischer Prediger und der letzte wie ein vollbärtiger Pope inmitten von Weihrauchschwaden.


    Wer seid ihr? Was wollt ihr?“. „Kennst du uns nicht einmal mehr? Uns, die wir dir solange Gesellschaft geleistet haben; von denen du soviel gelernt hast?“ Nun sehe ich langsam klarer; die vier sind Bücher in schwarzen Umschlägen; langsam dämmert es mir; sie kommen mir natürlich bekannt vor, beinahe kann ich sie wieder riechen. „Ja, du hast uns weggeben, als du uns nicht mehr zu brauchen schienst!“ Wer aber gibt seine Kinder weg, sag, wer?“ Ich erröte und stammle: „Aber, aber; meine Wohnung ist so klein; meine Regale sind so voll; ich muss doch ab und zu ausmisten; sonst ersticke ich in den tausenden Bänden. Wäre ich reich und besäße eine große Bibliothek, ich würde euch nie fortgegeben haben; selbst wenn ich heute ganz andere Möglichkeiten habe mit dem Internet und nagelneuen kirchengeschichtlichen Darstellungen. Aber bedenkt doch nur, eure Reihe „Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen“ der Evangelischen Verlagsanstalt zählt über 40 Bände!“ „Wir sind aber nur vier; vier wie die Evangelien und vier wie die Evangelisten; und du hast uns verraten wie Judas den Erlöser! Dafür wirst du in der Hölle schmoren!“


    Mir sitzt ein Kloß im Hals, kalter Schweiß auf der Stirn; ich spüre schon das ewige Feuer und rufe laut um Vergebung, bitte um Gnade. Aber sie hören mich nicht mehr; leise psalmodierend entfernen sie sich und murmeln Gebete; ich kann kaum glauben, dass ich wach bin. Bin ich wach?

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    Ich gehe jetzt bei gegenwärtiger Sachlage einmal davon aus; dass die BRD auf Grund ihrer wertegeleiteten und feministischen Außenpolitik künftig bei jedem internationalen Konflikt den jeweiligen Aggressor sanktioniert; dessen Kriegsdienstverweigerer bei uns aufnimmt und natürlich auch die Flüchtlinge aus dem überfallenen Land und dessen Nachbarstaaten. Ich schlage vor, für die entsprechenden Angelegenheiten ein eigenes Ministerium oder Siedlungsamt zu schaffen, das die komplexen Vorgänge koordiniert und nötigenfalls auch die unbürokratische Ausreisepflicht der bundesdeutschen Ureineinwohner organisiert, wenn es im Land zu voll wird und die Ressourcen des Sozialstaates nicht mehr für alle reichen sollten.


    Im gegenwärtigen Fall könnte man einen Ringtausch vornehmen und willige Deutsche in den leerer gewordenen Lebensraum im Osten lancieren; dieser Migrationsbewegung läge auch eine gewisse historische Tradition zu Grunde und würde überdies die Kampfkraft der russischen Armee stärken, falls dies wirtschaftspolitisch vom Westen gewollt ist. Die Rüstungsindustrie fährt ja gerade erst hoch, einmal auf Touren braucht es natürlich seine Zeit, bis alle Panzer, Flugzeuge, Granaten etc. verkauft und verbraucht sind. Man sieht, hier überkreuzen und überschneiden sich zahlreiche diffizile Problemschaffungs- und Problemlösungsstrategien; die nur europäisch und global in Angriff genommen werden können. Man muss nur vorher entscheiden, wer zu Europa und zum Globus gehört.

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    Besteht eigentlich eine Affinität zwischen der Liebe zur Klassischen Musik und der eigenen physischen und psychischen Gesundheit? Wenn ich beispielsweise an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, habe ich die Klassische Musik vor allem in Perioden des Krankseins oder der Isolation für mich entdeckt und besonders genossen und bis heute möchte ich einen gewissen transzendenten Aspekt, auch einen Moment des Trostes und der Heilsamkeit nicht missen, obwohl ich eigentlich Atheist und Freigeist bin. Klassik kann mich sehr glücklich, aber auch sehr traurig machen. Der Einfluss dieser speziellen Musik auf unser emotionales Befinden und damit auf unsere körperliche, seelische und geistige Gesundheit scheint mir enorm und unerachtet der Tatsache, dass auch andere Musikstile (Pop, Blues etc.) alle möglichen Charaktere ansprechen; vermute ich beinahe, dass fern jedes elitären Denkens viele Klassikliebhaber schon besonders anfällig für seelische und psychische Anwürfe sind. Oder liege ich da falsch?

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    Joris-Karl HuysmansÀ rebours“, dessen Protagonist Jean Floressas Des Esseintes wahrscheinlich ebenso neurotisch und nervenkränkelnd ist wie ich selbst; habe ich Laufe eines Vierteljahrhunderts inzwischen sechsmal gelesen; in jeder deutschen Übersetzung einmal und zweimal in der ersten mir vorliegenden von Hans Jacob bei Diogenes; zuletzt die von Caroline Vollmann bei Haffmans.


    Schon lange trage ich mich mit dem Gedanken, dieses herrliche Buch, dass die Dekadenz des Fin de Siècle in Gestalt des feinnervigen und überfeinerten Adligen auf die Spitze treibt, zu „modernisieren“ und also auf heutige Verhältnisse zu übertragen. Eingeschlossen in seine Eremitage beschäftigt sich der Held ja mit lauter erlesenen Büchern, mit Kunst, exotischen Pflanzen, Edelsteinen, Düften; überall das Gesuchte, Erlesene, Künstliche, Besondere und irgendwie Exotische bevorzugend; ein impotenter Ästhetizismus, der lebensbedrohlich wird und dem nur die Flucht in Tod, Narrenhaus oder Katholizismus zu wehren vermögen.


    Was ließe sich da heutzutage alles zaubern? Eine Klausur fände sich immer, ob nun in einem Landhause inmitten tiefer Wälder oder einsam unter vielen Menschen in einem städtischen Loft – statt der unsichtbaren Diener die mannigfachen Segnungen des Internets und der Versandhändler und Lieferdienste. Die wichtigsten Kapitel würden sich natürlich der Literatur, der bildenden Kunst, der klassischen Musik widmen; wobei dann natürlich zu überlegen wäre, wie man Huysmans extravagante Ideen umsetzt, wenn Des Esseintes ausschließlich abseitige scholastische Werke liest oder Baudelaire und andere symbolistische Texte; wenn er Redon und Moreau bewundert.


    Man müsste in jedem Bereich das herausdestillieren, was heutigen Intellektuellen zwar noch bekannt ist, aber dennoch schon als aus der Welt gefallen erscheint. Im Grunde in der Art des Dr. Chaim Breisacher im „Dr. Faustus“, dessen paradoxer Konservatismus zwischen Überintellektualismus und Barbarismus/ Präfaschismus oszilliert. Ein Marx und Engels lesender Ästhet wäre heutzutage schon wieder obskurer und enigmatischer als einer, der Adorno liest. Meine Überlegungen gehen in Richtung Spengler, Theweleit, Drewermann und Sloterdijk, aber darüber wird viel nachzudenken sein. Und natürlich würden in dieser modernen Fassung die Segnungen ebendieser Moderne nicht fehlen dürfen; also neben Bücher und Kunstwerke treten wie selbstverständlich Tonträger wie Schallplatten, MCs oder CDs, das diesbezügliche Kapitel stelle ich mir nach nun schon vieljährigen Studien in diversen Klassikforen und bei Amazonrezensenten zusammen.


    Das ist eine Pracht und macht Laune, wenn man spitzfindig, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt, über 80 Jahre Aufnahmegeschichte spintisieren kann, über die Vorteile und Nachteile dieses und jenes Orchesters und Dirigenten, über technische Details der Aufnahmen von mono über stereo und analog zu digital; gerätetechnische Aspekte der Wiedergabe (allein die Zusammenstellung einer Musikanlage in einem eigens angefertigten Musikzimmer ist eine Wissenschaft für sich); über Sänger und Pianisten und so fort. Da muss dann eben eine total verrauschte uralte Aufnahme aus den 40ern mit Furtwängler oder Erich Kleiber in den Olymp gehoben werden, während eine aufnahmetechnisch höchsten Ansprüchen genügende der letzten Jahre in Grund und Boden gestampft wird, weil der Interpretation die Seele fehlt, auch wenn die Ohren verwöhnt werden.


    Aber auch andere Sphären dürfen nicht fehlen; Kinofilme und Fernsehen müssen abgehandelt werden und ein exklusiver, schwer auszurechnender Held schaut eben nicht vordergründig nur Arthouse-Filme, sondern müsste auf Gattungen und Genres fixiert sein, die man nicht zuerst bei ihm vermutet hätte; etwa klassische Western oder Heimatschnulzen, denen er auf seine verschrobene Art und Weise irgendetwas abgewinnt. Computerspiele könnte ich mir des Weiteren vorstellen; Comics; aber auch Pornographie im Internet, die unter irgendeinem Gesichtspunkt zu einer hochintellektuellen Frage von Sein oder Nichtsein stilisiert werden kann. Mal sehen, was mir noch zufliegt; hoffentlich auch eine Antwort auf die Frage, wo und wie das Büchlein endet, wenn wir Kirchhof, Selbstmord, Spital und Psychiatrie ausschließen? Der Schoß der katholischen Kirche scheint mir wenig plausibel …

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    Nachrichten aus der pädagogischen Provinz


    Immer, wenn ich in meiner aktiven Zeit "Romeo und Julia", "Kabale und Liebe", "Faust I" oder "Frühlings Erwachen behandelt habe; versuchte ich in die jeweilige Stoffeinheit zum Abschluss eine Stunde zu integrieren, in der wir zusammen und einzeln versuchten, das jeweilige Stück aus seiner geschichtlichen Zeit in unsere Gegenwart zu transformieren, also sozusagen aktualisiert umzuschreiben. Ich war immer wieder überrascht und erstaunt, wie schwer das selbst älteren Schülern fiel, wenigstens die Grundzüge des jeweiligen Plots, des zentralen Konklikts und der entscheidenden Figurenkonstellation um- und neuzudenken aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert für beispielsweise das Jahr 2000. 2010 oder 2020. Die genannten Dramen sind ja zeitlos und noch heute aufführbar; weil in ihnen etwas steckt, das die Menschen noch einhundert, zweihundert oder dreihundert Jahre später fesselt, packt und fasziniert.


    Ein Jugendlicher, der mitunter mehr Verfilmungen dieser klassischen Stoffe kennt als die Bücher selbst und also eigentlich das Problem vor der Nase und den Augen hat, kann das in der Regel noch nicht übersetzen, weil ihm der Horizont fehlt, die Lebenserfahrung. Wie man an den Erwachsenen sieht, etwa an den Drehbuchschreibern und Regisseuren diverser "Theaterstückverfilmungen", sind diese auch nicht besser dran; an die Verfechter des Regietheaters will ich gar nicht erinnern, die glauben; es reiche, ihren Schauspielern Anzüge anzuziehen oder sie nackt über die Bühne laufen zu lassen; möglichst mit Aktenkofffer; und wenn ein Despot dargestellt werden soll, dürfen SS-Uniformen und Hakenkreuz nicht fehlen. Dabei ist es so leicht, vorsichtig und zurückhaltend ein Stück zu modernisieren; freilich muss man bereit sein, die historischen Konstellationen als immer noch die eigenen zu begreifen und dass der Mensch sich nicht geändert hat. Wer im Früher nicht das Heute sieht und darstellt, hat schon verloren.

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    Ich sah neulich in der Mediathek des Ersten die Dokumentation "Rabiat: Wer pflegt Mama?" von Lena Oldach. Es war natürlich eine eher dürftige Behandlung des Themas; es wurde ein komplett unrepräsentiver Fall vorgestellt; ein typischer; die Mutter der Autorin und eine mobile Pflegekraft begleitet; aber was will man auch in knapp 45 Minuten unterbringen. Dennoch legte die Dokumentation den Finger in die Wunde, stellte die richtigen Fragen und verwies so auf die "richtigen" Antworten.


    Der Pflegenotstand in Deutschland ist eines der wenigen Tabuthemen; niemand spricht darüber; nicht die Politik, nicht die Medien, nicht die Pflegenden, nicht die Gepflegten und leider auch nicht die, die künftig gepflegt werden müssen. Wenn man bedenkt, wie viele unwichtige Themen jeden Tag in den Sozialen Medien totdiskutiert werden; worüber die Fernsehsender und Zeitungen so berichten; nimmt es wirklich wunder, dass die wirklich heißen Eisen von niemandem angefasst werden, nicht einmal von den unmittelbar Betroffenen. Warum ist das so? Das hat unter anderem mit Scham zu tun und nichts verdrängt Probleme mehr als dieser allzumenschliche Affekt, der viel mit der eigenen Kultur zu tun hat und daher auch von den "Kulturträgern" geflissentlich ignoriert wird.


    "Vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, meist von Frauen. Für sie rächt es sich oft im Alter, wenn sie für die Pflege der Angehörigen aufhören zu arbeiten. Dann fehlt ihnen Geld zur Rente. Der Staat aber rechnet wortwörtlich mit pflegenden Angehörigen. "Ambulantisierung" heißt das Schlagwort der Politik: Die ist billiger als stationäre Pflege." Der Staat packt das Problem also mehrheitlich auf die Schultern der Angehörigen. Die sind dann überlastet und werden selbst pflegebedürftig. Die Wartelisten für Pflegeheim sind lang, aber die Pflege dort ist oft genug dürftig und niemand will wirklich dort hin. In ein paar Jahren wird dieses System kollabieren und das, obwohl seit etwa 50 Jahren abzusehen war, dass die Alterspyramide auf eine andere Pflegepolitik hinausliefe.


    Die Menschen werden heute viel älter als noch vor einem halben Jahrhundert; wer aber alt ist, hat Gebrechen und braucht Pflege und das oft sehr lange, Jahre und sogar Jahrzehnte. Die Kernfamilien aber, in denen man sich früher um Pflege gekümmert hat, sind auch älter geworden durch veränderte Ausbildung und Biografien in einer komplexeren Lebens- und Arbeitswelt. Mein Bruder ist Mitte 40, genau wie seine Frau voll berufstätig, hat zwei Kinder, die noch viele Jahre im Haushalt sein werden; dazu Haus und Garten. Mit der Pflege unserer Eltern, beide Mitte 70, wäre er vollkommen überfordert; da müsste einer von beiden Erwachsenen seinen Beruf aufgeben. Das ist, wie auch die Dokumentation zeigt, heute der Normalfall.


    Dazu kommt, dass eine Politik, die seit Jahrzehnten eine Mobilität fordert, um der jeweiligen Arbeitsstelle nachzuziehen, die traditionellen lokalen Versorgungsstrukturen innerhalb der Familie zerstört hat; also planer gesprochen die Verwandten oft hunderte Kilometer weit weg wohnen. Daher ziehen heute weniger die Kinder und Enkel zu den Eltern und Großeltern; sondern die Großeltern und Eltern im Alter in die Nähe der Kinder und Enkel, damit man sich gegenseitig helfen kann; denn oft genug brauchen die Jüngeren die Eltern für die Kinder, weil die Arbeit wenig Zeit lässt. Das ist natürlich auch der Punkt zu fragen, wo eine Welt hinführen soll; in der die einen zu viel arbeiten müssen und die anderen niemanden finden, der sie pflegt.


    Enorm aufschlussreich der Fall im Film, als die Tochter, auch sie mit eigener Familie und berufstätig, den Vater von Schwerin, wo er alleine lebte; nach Dresden zu sich holte, in eine Wohnung in der Nähe. Dort kam der Vater alleine nicht zurecht und wechselte daher ins Heim; wo es ihm nicht gefällt, weshalb er seiner Tochter Vorwürfe und ein schlechtes Gewissen macht. Diese sieht das aber realistisch und ist eine taffe Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht; anderen würden solche Vorwürfe sehr zu schaffen machen. Und damit sind wir am wichtigsten Punkt; bei denen nämlich, die es betrifft oder bald betreffen wird. Warum hat sich der Vater nicht schon in Schwerin rechtzeitig um seine Zukunft gekümmert; warum sieht er in Dresden nicht, dass er alleine gar nicht zurechtkommt; warum sieht er nicht, dass er seiner Tochter zu viel zumutet?


    Die Filmemacherin erlebt das Gleiche mit ihren Eltern: Die sagen, sie wollen so lange es geht und möglich ist, in ihrem gewohnten Umfeld bleiben; auch wenn das ganz und gar nicht altersgerecht ist. Sie fragt sie, wie das aber wäre, wenn andere erkennen; es geht schon lange nicht mehr? Betretenes Schweigen. Natürlich ist es absolut menschlich und verständlich, dass man, wenn man vielleicht 40, 50 oder 60 Jahre an einem Ort gelebt hat; man dort auch alt werden und sterben möchte. Aber wenn man pflegebedürftig wird, muss die Vernunft obwalten und zwar rechtzeitig genug, um alles in die Wege zu leiten.


    Auch meine Eltern haben jede Frage nach Altern und potenzieller Pflege immer abgeblockt; meist mit dem Verweis, man kümmere sich darum, wenn es soweit sei. Jeder Vorschlag von uns zwei Söhnen, unser Elternhaus altersgerechter umzubauen, ins untere Stockwerk zu ziehen oder einen Umzug in die nächste Stadt oder in die Nähe meines Bruders und von mir anzuvisieren, wurde barsch abgelehnt. Nun ist mein Vater pflegebedürftig, meine Mutter körperlich und seelisch am Ende durch die Pflege, und nicht einmal jetzt zeigen sie sich einsichtig. Was soll man tun? Was sollte der Staat tun?


    Ich selbst habe bereits klar geregelt, wie das bei mir ablaufen wird; und mich dabei auch über die Willensbekundungen meiner Frau hinweggesetzt. Aber ich habe es auch leichter; weil ich letztlich schon immer ein Härte- und Pflegefall war; und es mir leichter fällt, mich in die Obhut fremder Leute zu begeben; auch wenn es gar nicht erst so weit kommen muss.

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    Ich mache mir derzeit etwas Sorgen: Wenn es so sein sollte, wie ich vermute; dass auch Doppelmoral und Heuchelei; Hoffart und Ignoranz, Dummheit und Frechheit nach dem Ableben und dem Gerichtstag durch unseren Herrn und Heiland direkt in die Hölle führen wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Kinderschändung und Brandschatzung auch; dann wird es dort künftig noch enger werden als bisher und ich befürchte, dass vor allem die Energieversorgung kollabieren wird. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie der Teufel und seine Großmutter in den letzten zweitausend Jahren diese sichergestellt haben; ob sie auf fossile Brennstoffe setzten, auf Öl und Gas oder sich auch schon in Richtung alternativer Energieformen orientiert haben; wobei das sicher nicht leicht ist; weil man Photovoltaik, Windräder und Wasserkraftwerke natürlich nur auf der Erde effektiv betreiben kann und dort der Herrgott und das herzallerliebste Jesulein samt Heiligem Geist verantwortlich zeichnen; es sei denn, es liegt ein älterer Vertrag bezüglich Nießbrauch vor; schließlich ist man im leeren Himmel droben ja mitverantwortlich für die Überbevölkerung da drunten.


    Nun ist der Satan immer schon einer derjenigen gewesen, die sehr weitsichtig vorausplanen; aber selbst er wird angesichts der steigenden Preise für jede Art von Energie seine Kosten nicht mehr decken und die ganze Bude ordentlich auf die Temperaturen hochheizen kann; die man im Prospekt (das Buch der Bücher) versprochen hat und die man auch benötigt, um die erforderlichen ewigen Qualen zu erzeugen für die verschiedenen Sünder. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, ob Dante etwas dazu geschrieben hat; ob in verschiedenen Räumen der Hölle unterschiedlich geheizt wird; ob sozusagen jeweils ein Thermostat für die verschiedenen Verbrechen und Untaten die Grade hoch- oder runterregelt und ob es zwischendurch auch mal Zeiten gibt, da das ganze Heizsystem heruntergefahren und gewartet wird. Der Vatikan konnte oder wollte mir auf meine entsprechende Anfrage auch nicht Bescheid tun; aber ich glaube dennoch; dass es nun bald auch in der Hellen und ihrer Spelunk kälter und selbst für Luzifer und sein Gefolge frostiger wird.


    Im Himmel droben ist man da wirklich besser dran; weil das Paradies so gut wie leer und man im Äther natürlich zum einen frischere Lüftchen gewohnt ist und die Solarzellen so nah bei der Sonne praktisch ein millionenfach größeres Elysium ökologisch und nachhaltig beheizen könnten. Mein Vorschlag wäre also, einfach die Örtlichkeiten zu tauschen; eine himmlisch-diabolische Rochade sozusagen; das käme einer Win-Win-Situation ziemlich nahe. Freilich weiß man, wie schwer sich gerade ältere Herrschaften damit tun, ihre angestammten Plätze und Lebensgewohnheiten zu verändern und beide CEOs sind sich ja selten grün und sprechen weniger miteinander, als dass bei so einer engen Zusammenarbeit eigentlich notwendig wäre. Man wird also abwarten müssen, wie sich der Energiemarkt entwickelt.

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    Wenn ich die Wahl hätte zwischen dem Oktoberfest; dieser durch und durch und seit Jahrzehnten rein kommerziellen Volksfestimitation mit lauter Großkopferten, doppelmoralischen Politiker*Innen, koksenden jugendlichen Wohlstandverwahrlosten und Massen von Einheimischen und Touristen in viel zu großen Zelten mit viel zu lauter und bescheuerter Musik und schon lange nicht mehr wirklich volkstümlicher Küche und Maßkrügen voller schalem Bier; und dem absolut allerletzten hässlichen kleinen versifften Bierzelt in der ostdeutschen Provinz in der Uckermark, in Anhalt oder im äußersten Südosten Thüringens mit den paar örtlichen Trunkenbolden, rauchgeschwängerter Luft und hundsmiserabel aufspielenden Blaskapellen, deren Mitglieder sich selbst kaum noch auf den Beinen und Männerchören, die aus ähnlichen Gründen den Ton nicht halten können; bei Bockwurst und anständigen halben Litern von dem Bier, das man sich gerade noch leisten kann; und wo die Schwaden der Urinkaskaden der Wiese dahinter hineinwallen, Erbrochenes neben heruntergefallenen Speiseresten liegt und die ganze Atmosphäre etwas Endzeitlich-Ewigwährendes hat; müsste ich nicht lange nachdenken oder überlegen; im Gegenteil müsste man mir wenigstens zehntausend Euro bar in die Hand drücken, dass ich mich auf den Weg machte in diese entstellte und verzerrte Karikatur eines reinen Konsum- und „Seht, wir sind hier und machen Party“ -festes, das mit dem Volk genauso viel zu tun hat wie die alteingesessenen Suffköppe in den neuen Bundesländern mir der selbst ernannten medialen und gesellschaftspolitischen Elite.

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    Es gibt orthografische Sünden, die selbst ich Sprach- und Literaturliebhaber und alter Deutschlehrer als lässlich empfinde und sozusagen vom Takt, der Sitte und Erziehung her verstehe. So liest man überall in Deutschland in Restaurants und anderen Einrichtungen, die auf Gäste warten und diese begrüßen wollen; "Herzlich Willkommen"; obwohl es natürlich "Herzlich willkommen" heißen müsste; weil man das Adjektiv der vollständigen Wendung „Seien Sie herzlich willkommen“ eben klein schreibt und es nur großgeschrieben wird als Substantiv, wenn man "ein herzliches Willkommen“ ausspricht. Aber ehrlich und Hand auf's Herz - wenn man jemand herzlich begrüßen will, dann tut man das nicht mit kleinen Lettern, sondern schreibt eben groß wie man früher die höfliche Anrede in jedem Anschreiben und Brief immer großgeschrieben hat. Manchmal schlägt die Höflichkeit die Rechtschreibung.

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    Im Jahr 2016 präsentierte die Thüringer Landesausstellung "Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa" unter anderem in Weimar im Neuen Museum "die Herrscherfamilie zwischen Reich und Familie, Land und Glauben, Kunst und Wissenschaft." Wer sich mit der Thüringer Landesgeschichte auskennt, weiß; dass die ernestinische Linie des Hauses Wettin genau wie die wesentlich mächtigere albertinische, die späteren Herzöge, Kurfürsten und Könige in Sachsen; über Jahrhunderte versuchte, kleinere Herrschaften mit deren Herren, Grafen und Fürsten zu schlucken und zu mediatisieren; also ihrer Landeshoheit zu berauben; was damals hieß, sie von reichsunmittelbaren Potentaten, die nur dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches unterstellt waren, zu einfachen landständischen Adligen zu erniedrigen, die den jeweiligen sächsischen Landesfürsten untertan wären. Das Fürstenhaus der Schwarzburger und auch das meinige der Reußen konnte sich diesen Bestrebungen zunächst bis 1806 und unter anderen historischen Rahmenbedingungen schließlich sogar bis 1918 entziehen.


    Daher sah ich es als meine Pflicht an, die Ausstellung in einer sehr offensiven Art und Weise mit mehreren Kleidungsstücken in den schwarz-goldenen Farben der Fürsten Reuß und mit ihrem großformatigen Wappen auf Brust und Rücken zu besuchen; nicht ohne über Stunden zum Verdruss meiner Gemahlin, gebürtig aus dem Herzogtum Pommern, aber längst seit vielen Jahrzehnten in Apolda lebend, das über Jahrhunderte verschiedenen ernestinischen Linien angehörte; sehr auffällig vor den verschiedenen Exponaten zu posieren und zur trotzigen Miene ein verwildertes kämpferisches Gebaren an den Tag zu legen. Leider hat sich niemand dafür interessiert; kein Besucher, kein Mitarbeiter des Museums, nicht einmal die sonst so gestrengen Hüter von Recht und Ordnung in den einzelnen Sälen. Vielleicht hätte ich doch eine breitere Phalanx organisieren müssen; eine Art Volksfront der Reußischen, Schwarzburger, Schönburger, Mansfelder Herren, Grafen und Fürsten; um den Wettinern auch ein paar hundert Jahre später den Finger zu zeigen und dass sie sich am unbedingten Willen zu Unabhängigkeit und Freiheit die Zähne ausgebissen haben.

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    So ein Lese- und sonstiges Leben ist einfach zu kurz: Obwohl ich natürlich alle Romane, Erzählungen, Essays, Briefe und Tagebücher in den älteren Ausgaben des Fischerverlages besitze; bin ich ja seit gut zwanzig Jahren Subskribent für die "Große kommentierte Frankfurter Ausgabe" der Werke Thomas Manns und die bislang ausgelieferten 15 oder 16 voluminösen Bände "Text und Kommentar in einer Kassette" imitieren inzwischen schon eine neue Chinesische Mauer in meiner Bibliothek. Dennoch ist das erst ein Bruchteil; das Erzählerische Werk liegt mit dem dieses Jahr erschienenen Band "Der Erwählte" vollständig vor, aber es fehlen noch ein Großteil der Essays, die meisten Briefe und alle Tagebücher! Ich telefonierte eben mit dem Fischer-Verlag und teilte der verantwortlichen Herausgeberin mit, dass ich schon Anfang 50 bin und den Abschluss der Ausgabe gerne erleben würde. Aber es scheint, dass ich dann werde gesünder leben müssen; meine Ernährung umstellen, weniger trinken und rauchen und viel mehr Sport treiben. Das wiederum würde meine Zeit für Lektüre stark beschneiden; mal wieder ein Circulus vitiosus.

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    Und mal ganz ernsthaft so beiseite gesprochen: Wenn wir als BRD wirklich eine wertegeleitete Außenpolitik betreiben und unsere westlichen Moralvorstellungen als Richtschnur eines ethischen außen- und wirtschaftspolitischen Kurses zu Grunde legen; warum beziehen wir dann Gas aus Saudi-Arabien, das die Menschenrechte mit Füßen tritt und schicken unsere Fußballnationalmannschaft zu einer Weltmeisterschaft nach Katar, die nur durch Korruption in der FIFA und Ausbeutung und vielfachen Tod von asiatischen Arbeitssklaven möglich wurde? Und warum ächten wir nicht mit China eine grausame Diktatur; sondern arbeiten eng mit ihr zusammen? Denn China ist seit vielen Jahren unser wichtigster Handelspartner, die meisten Waren wurden von dort importiert und es liegt als Exportland auf Platz 2. Der Eindruck, dass man die Moral nur obenan stellt, wenn es um ganz andere Dinge geht, drängt sich hier natürlich auf.