Yoricks Nachtgedanken bei Tage: Diskussionsthread

  • Tut mir leid, aber die Pointe bleibt mir verschlossen...*hä*

    So geht es mir oft bei Max ... :)

    "Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …" (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 365)

  • Zitiert ER oder stammen die oft zitierten Weisheiten aus diesem Brief?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus.

  • Zitiert ER oder stammen die oft zitierten Weisheiten aus diesem Brief?

    Original Claudius. *yes*

    "Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …" (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 365)

  • Für mich immer wieder verblüffend, frappierend, konsternierend etc.; dass ausgerechnet diejenigen, die sich lauthals für weltoffen, tolerant und frei im Geiste halten,

    Sprichst Du von Dir? Nein wohl eher nicht, sonst hättest Du nicht "halten" geschrieben; m.a.W,, Dein Ego ist unerschöpflich, denn vermutlich legst Du Wert auf die Feststellung, dass Du anerkanntermaßen auch von Dritten "für weltoffen, tolerant und frei im Geiste" gehalten wirst. Mit Blick auf das, was danach kommt, halte ich wohl besser meine vorlaute Klappe.

  • Getroffene Hunde bellen? :wink: Wobei ich nicht glaube, dass du bunte Sachen trägt und die Haare lang. Ich denke eher an Jeans mit Sakko und eine seriöse Frisur. *yes*


    Mein Ego ist natürlich nicht unerschöpflich, sondern begrenzt durch meinen Körper und meinen Geist. Weltoffen bin ich sicher nicht, intolerant gegenüber Dummheit, Heuchelei und Doppelmoral. Aber und dazu stehe ich; ich bin frei im Geiste, weil ich a schon immer so war und b durch die Wende so wurde. Ich schrieb es einst: Ich bin ein Alt-Europäer, Weltbürger und Kosmpolit, aber mit tiefen Wurzeln im deutschen Sprach- und Geschichtsraum. Und ich weiß im Gegensatz zu den meisten, dass ich fehlbar bin und nur ein Mensch, der viel zu wenig weiß. Ich habe schon mehr als einmal alles hinterfragen und umdenken müssen, wahrscheinlich im Gegensatz zu dir; denn ich wüsste nicht, was gegen meinen letzten Satz spräche, es sei denn, man wäre ein Simpel, Tropf oder ... :)

    "Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …" (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 365)

  • Geil ... :love:

    "Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …" (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 365)

  • Anlässlich der Feierlichkeiten zu 30 Jahren Wende und den noch zu erwartenden zu 30 Jahre deutsche Einheit [............]

    Tja, Yorick, wie soll ich dir's erklären...


    Nein, nach 30 Jahren wächst sowas nicht zusammen - vielleicht auch nach 100 Jahren nicht, wenn man sich den amerikanischen Sezessionskrieg ansieht. Ja, die neuen Bundesländer haben einen hohen Preis dafür bezahlt - ein Teil der Aufregung ist durchaus berechtigt.


    Aber:


    Nein, die alten Bundesländer haben auch einen hohen Preis zahlen müssen - nur daß dieses Zur-Kasse-Bitten sich allmählich nach Jahrzehnten herausschälte. Glaube bitte nicht, daß es heutzutage einfacher ist, sich eine Existenz aufzubauen, wenn man nur einen ordentlichen Job hat. Das ist gelaufen! Das ist nicht mehr möglich!


    Die Generation meiner Eltern hat sich noch etwas aufbauen können, hat gewisse Reichtümer angehäuft, von dem sie heute zehren können, ohne ins Abseits zu kippen. Aber wir können das nicht mehr. Das ist Tatsache. Der Staat zieht sich im sozialen Bereich immer mehr zurück, lastet bestimmte Kosten immer mehr auf die Bevölkerung ab, läßt es zu, daß Lohndumping Hof hält usw. Unser System amerikanisiert immer mehr, was ich für eine Katastrophe halte, doch in der Regierung gibt es niemanden mehr, der sich dagegen wehrt.


    Wie auch immer: tue mir den Gefallen und lasse dieses Jammern sein, denn ich sehe mich als "Wessi" mit den "Ossis" zusammen im gleichen Boot sitzen, welches allmählich voll Wasser läuft, weil die Planken morsch werden und immer mehr lecken. Und wir haben bald nichts mehr zum Stopfen da.


    Dann noch dieses:


    Das Wirtschaftssystem der DDR war nicht kompatibel mit dem Kapitalismus - also hat dieser dafür gesorgt, daß es abgestellt wird. Ja, es ist nicht witzig gewesen und ich verstehe, daß ihr darunter noch heute leidet. Aber wir leiden auch darunter - diese abgeblichen Unterschiede in Vermögen und Durchschnittsgehalt in Ost und West sind doch nur ein leichtes Gefälle, nur Augenwischerei. Die Probleme, die jetzt immer akuter werden, sind doch ÜBERALL zu finden, nicht nur bei "Euch". Wenn es heißt: Absaufen - heißt das, es saufen ALLE ab!


    Das eigentliche Problem nennt sich Globalisierung und Wirtschaftswachstum. Das soziale Element steht am Abgrund. Und wir "Wessis" sind ebenso betroffen. Mag sein, daß wir nicht ideologisch einen Einbruch erlebt haben, aber einen sozialen auf jeden Fall.


    Und ich wehre mich dagegen, dafür herzuhalten, das Ziel von einer Unzufriedenheit zu sein, die darauf basiert, daß unsere Seite angeblich gewonnen haben soll. Hat sie nicht. Die Gewinner waren immer bestimmte Klientel wie Banken, die zunehmend das globale Wirtschaftssystem vereinnahmen. Und ich wehre mich dagegen, diese Probleme darauf zu fokussieren, daß die "Anderen" einem alles wegnehmen wollen. Ich bin es so leid, immer wieder den gleichen Käse hören bzw. lesen zu müssen - denn es ist einfach uninteressant, was damals vor 30 Jahren mal gesagt worden ist. Niemand konnte damals abschätzen, wohin die Reise geht; daß bestimmte wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden mußten, war damals ebenso klar, und das wurde auch von der sterbenden DDR getroffen und gewollt. Ihr "Ossis" wolltet die D-Mark, den Konsum, eine gewisse Freiheit usw. - doch ein Schlaraffenland war niemals der Deal gewesen. Aber wir "Wessis" sind jetzt schuld, weil die Wirklichkeit leider brutal war.


    Ganz ehrlich: es ist nicht witzig, in einem kapitalistischem System zu leben. War es nie. Wird es auch nie sein. Und ihr könnt nicht zurück, weil eine Ideologie, die sich gegen Realität stellt, nicht dauerhaft funktionieren kann. Das war es nicht, was Marx und Engels einst gepredigt hatten. Aber was soll man auch von Leuten wie Lenin und Stalin schon erwarten außer das, was sie gegeben haben. Dann lieber sich mit Gewinnstreben herumschlagen, weil es wenigstens eine Chance beinhaltet. Wenn auch nur eine schnöde.


    Und damit schließe ich dieses unleidliche Thema "Wessi und Ossi"...*leberwurst*

  • Lieber JD, darf ich das anderswo zitieren, natürlich ohne Nennung von Interna?

    "Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …" (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 365)

  • Ich hätte das natürlich nur mit meinem Posting zusammen gemacht. Aber keine Sorge, ich tue es nicht. Verlinken geht ja auch. Danke. :)

    "Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …" (Uwe Tellkamp: Der Turm, S. 365)

  • Zitat

    Wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten zur Information und Bildung allein das Medium Fernsehen im Gegensatz noch zu den 80ern und 90ern bietet, fällt die Desinformation und Missbildung breiter Bevölkerungsschichten noch mehr ins Gewicht! Wir haben heute DasErste mit seinen digitalen Kanälen Einsfestival, EinsPlus, Eins-Extra und seinen dritten Programmen BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR; das ZDF mit seinen digitalen Ablegern zdf_neo, zdfinfokanal, zdf.kultur; dazu gesellen sich die bereits etablierten ARTE, 3sat, BR-alpha, PHOENIX; und zusätzlich kann man auf Sky etwa über ein Dutzend Spartensender zu Kultur, Geschichte, Natur und Technik buchen! Also allein über zwanzig für alle frei empfangbare Sender, die neben der Unterhaltung Kultur und Bildung großschreiben, gut das Doppelte, wenn man nicht geizig noch bis zu fünfzig Euro monatlich für Pay-TV ausgibt! Und da beziehe ich gar nicht die vielen Radiosender und Internetangebote in meine Überlegungen mit ein!


    Ein typischer Befund für unsere postmoderne Informations- und Dienstleistungsgesellschaft: Je umfassender und umfangreicher die Möglichkeiten zur Information und Bildung werden, desto weniger werden sie von der Masse genutzt bzw. kritisch und pragmatisch instrumentalisiert. In schlichten Worten: Die Leute werden trotz des neuen Reichtums an Möglichkeiten immer dümmer und gleichgültiger! Denn die massenhaft produzierten und publizierten Daten der Informationsgesellschaft wollen verarbeitet sein und das bedarf einer besonderen Kompetenz. Es ist leichter, aus wenigen Quellen zu schöpfen denn aus vielen! Das gilt jedoch vor allem für das Tagesgeschäft in Politik und Gesellschaft; es entschuldigt nicht die Blindheit und Faulheit angesichts der im TV dargebotenen Kultur- und Bildungsgüter!

    Ich weiß es nicht; das Überangebot verleitet zumindest mich oftmals dazu, zu denken: jo, das hat dann Zeit, weil es gibt eh sooooo viel, das kann ich jederzeit nachholen (wenn ich gerade Lust und Zeit habe). Letztgenanntes findet dann eher selten statt, weil: ichn könnte es ja jederzeit tun ...


    *hä*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus.

  • Ich glaube eher, daß die Kompetenz zu "denken" nachgelassen hat - ist aber nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was 80% der sozialen Medien ausmachen, die konkret genutzt werden: tägliches Allerlei auf den fb/What's Up-Seiten, lockeres Unterhalten über im Grunde unnütze Informationen. Dazu eine soziale Kompetenz, die in der Schule nicht aufgeholt werden kann (weil falscher Ort für die Vermittlung). Es entsteht eine Generation an Menschen, die den Kontakt zur Wirklichkeit massiv gefiltert erfährt durch den Blick aufs Smartphone bzw. PC. Und darin werden die Inhalte so dermaßen mundgerecht [naja...eher denkfaulgerecht!] präsentiert, daß dieses wichtige Element der menschlichen Spezies - die Gehirnleistung - kaum mehr berührt wird.


    Die Qualität der Kommunikation war schon immer der entscheidende Punkt, nicht deren Quantität. Das zeigt sich heutzutage mehr denn je.