Yoricks Nachtgedanken bei Tage: Diskussionsthread

  • Na dann empfehle ich, dass Du Dich bisweilen einmal mit der Regelungssystematik der §§ 218 ff. StGB ernsthaft beschäftigst, vielleicht ergänzend auch einige grundlegende BVerfG-Entscheidungen zur Hand nimmst. Zudem solltest Du Dir die klassischen Ebenen der Strafbarkeit - Tatbestand/Rechtswidrigkeit/Schuld - vergegenwärtigen. Viel Erfolg dabei.

  • Ich will Dir nicht zu nahe treten, aber ich finde Deine Darlegungen völlig überzogen, zumal der Gesetzgeber sich selbst den Schutz des ungeborenen Lebens auf die Fahne geschrieben hat. Und dass Du die Vorschriften der §§ 218 ff. StGB verinnerlicht hättest, bezweifle ich, mein lieber Yorick.


    :wink:

  • Ich will Dir nicht zu nahe treten, aber ich finde Deine Darlegungen völlig überzogen,

    Da bin ich ganz deiner Meinung, eines meiner Stilmittel ist stets die Überspitzung. *yes*

    Zitat

    Und dass Du die Vorschriften der §§ 218 ff. StGB verinnerlicht hättest, bezweifle ich, mein lieber Yorick

    Das halte ich nicht für unmöglich. *yes*

    Zitat

    zumal der Gesetzgeber sich selbst den Schutz des ungeborenen Lebens auf die Fahne geschrieben hat.

    Allein hier möchte ich insistieren: Wortlaut und Praxis divergieren stark und ich denke, das weißt du. Wenn eine völlig gesunde Frau ein völlig gesundes KInd abtreiben lassen kann, nachdem sie die Formalitäten eingehalten hat, dann ist jeder Wille des Gesetzgebers obsolet.

  • Lieber Yorick,


    bis jetzt wird der Sozialstaat durch menschliche Arbeit finanziert, würde man dazu die gesamt geleistete Arbeit, also auch die Maschinenarbeit heranziehen, wäre Geld im Überfluss da.

    Die Alterspyramide würde dabei eine immer geringere Rolle spielen, da die Berechnungsgrundlage eben nicht mehr die Humanabeit ist, sondern letztendlich die Produktivität.

  • Als ich vor knapp 15 Jahren in Berlin war, wurde mir während einer offiziellen Fragerunde von einem hohen Regierungsbeamten gesagt, dass das Kommunismus sei. Fünf Jahre später dann hat mir dann ein anderer hoher Regierungsbeamten bei einer ähnlichen Veranstaltung gesagt, das stehe im Moment nicht zur Debatte.

    Und mit Verlaub, von dieser "kommunistischen" Position zu einem "nicht zur Debatte Stehen" hin, da hat man sich doch ein gehöriges Stück bewegt, weswegen Hopfen und Malz doch noch nicht ganz verloren ist. 🤗

  • also auch die Maschinenarbeit heranziehen

    Hübscher Gedanke die Kollegen Roboter beim Finanzamt antanzen zu lassen, bei gleichzeitiger Entlastung der menschlichen Arbeit in finanzieller und zeitlicher Hinsicht, der Gestaltung eines überschaubaren Renteneintrittsalters (für mich Jg. 1980, etwa so ab 60), der Einführung eines bedingungsfreien Grundeinkommens, der Abschaffung des Beamtenstatus, der angemessenen Bezahlung von Menschen in prekären Berufen, etc.

  • An die für den Klimaschutz streikenden Schüler: Uns allen wäre am Ehesten geholfen, ihr ginget fleißig in die Schule und lerntet, was das Zeug hält! Wenn wir etwas brauchen wir für die Zukunft, [...]

    Uff, das ist harter Tobak... *deibel*


    Ganz ehrlich: auch Streiken gehört zum zukünftigen Handwerk, und ich glaube nicht, daß alle Schüler sich dadurch auf die "schiefe" Bahn bringen lassen. Es gibt genug Schüler, die wissen, daß man Gas geben muß, wenn man voran kommen will. Zugegeben: dieser Anteil mag früher höher gewesen sein.


    Dennoch: was mir heutzutage fehlt, ist ein wirkliches Bewußtsein dafür, wie man sich wehrt. Das ist eine Mischung aus gezielt vermittelter Unwissenheit und Betäubung durch Überinformation. Die Vermittlung an Wissen erscheint mir heutzutage zu sehr nach dem Prinzip "funktionell" zu gehen, was nicht alleine auf die Eltern, die Lehrer oder die Bildungsminister abzuwälzen ist. Aber das läßt sich durchbrechen - nur Viele wissen nicht mehr, wie man das schafft.

  • Na ja, starker Tobak; du kennst ja mein Stilmittel der Zuspitzung zur Genüge. Ich gehöre zu den wenigen Menschen und Lehrern, die tatsächlich freie und kritische Geister, selbstständig und verantwortungsbewusst heranziehen wollen. Dazu gehört auch das Recht auf Streik und jede Form der gesellschaftlichen Teilhabe; aber auch du wirst wissen, dass die Majorität der plötzlichen Umweltaktivisten nur die Schule meiden will, ein Event vermutet und überhaupt nur Abwechslung und Fun.

  • aber auch du wirst wissen, dass die Majorität der plötzlichen Umweltaktivisten nur die Schule meiden will, ein Event vermutet und überhaupt nur Abwechslung und Fun.

    Ja, natürlich - das läßt sich nicht ausklammern.


    Aber die Verantwortung für das eigene Leben wird durch den eigenen Antrieb getragen.

  • An die für den Klimaschutz streikenden Schüler: Uns allen wäre am Ehesten geholfen, ihr ginget fleißig in die Schule und lerntet, was das Zeug hält! Wenn wir etwas brauchen wir für die Zukunft, dann sind das universal gebildete und selbstständig denkende Charaktere, die sich nicht für blöd verkaufen lassen, unsere Renten finanzieren können und dennoch auch den eigenen Lebensstandard wahren. Unsere westlichen Wohlstandsgesellschaften werden nur überleben, wenn sie ihren technologischen Vorsprung behalten und ausbauen; ihre einzige Waffe sind die Köpfe künftiger Generationen. Daher drückt lieber die Schulbank und steht euch nicht freitags die Beine in den Bauch; statt euch instrumentaliseren zu lassen, solltet ihr lernen, die Instrumente selbst zu gebrauchen.

    Der Adressat ist hier in meinen Augen völlig falsch gewählt und die dargelegte Sichtweise verkennt meines Erachtens die Lage: gerichtet hätte dies berechtigterweise an Deine, meine, unsere Generationen sein müssen - dazu ist es längst zu spät. Daraus ergibt sich in diesem Beitrag eine unangemessene Überheblichkeit derer, die den status quo herbeigeführt oder seiner Herbeiführung nicht vehement widersprochen haben, gegenüber jenen, die in der Zukunft mit den vererbten Folge klarkommen müssen. Wir haben die Schulbank gedrückt und rausgekommen ist ein mindestens problematischer, schlimmstenfalls katastrophaler Weg, den die heute junge Generation nicht mitgehen will, weil sie zu Recht erkennt, dass es an ihr Eingemachtes geht. Dass sich nun eine weltweite Bewegung entwickelt hat, die eben nicht nur aus Schulflucht besteht (der oben stehende Satz zur angeblichen Majorität der bloß Schulflüchtenden unter den Demonstrierenden ist bis auf weiteres hier bloße Behauptung und Unterstellung und wäre statistisch zu belegen), sondern längst einen Schulterschluss der Schülerinnen und Schüler mit jenen Wissenschaftlern darstellt, die seit Jahrzehnten (!) vor den Folgen unseres Umgangs mit unserem einzigen Planeten warnen ohne ausreichenden Niederschlag in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dafür verzeichnen zu können, ist das beste, das uns, wenn auch zu spät, passieren kann. Aus dieser öffentlichen Präsenz kann nun tatsächlich etwas entstehen. Falls dem so sein wird, sind auch die beteiligten Drückeberger ohne eigentliches Engagement in der Sache mit am Erfolg beteiligt.


    Eine für mich viel wesentlichere Frage ist die nach der ganz eigenen Bereitschaft auf Verzicht und bewusstem Lebenswandel unter den Demonstrierenden. Eine Petition zu unterschreiben, ein Transparent hochzuhalten, eine Forderung zu artikulieren ist das Eine, ein Anderes die Reflektion eigenen Handelns zum Wohle des Geforderten, wofür es letztlich in der Tat keiner Teilnahme an der Öffentlichkeit bedarf.

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)

  • Eine für mich viel wesentlichere Frage ist die nach der ganz eigenen Bereitschaft auf Verzicht und bewusstem Lebenswandel unter den Demonstrierenden. Eine Petition zu unterschreiben, ein Transparent hochzuhalten, eine Forderung zu artikulieren ist das Eine, ein Anderes die Reflektion eigenen Handelns zum Wohle des Geforderten, wofür es letztlich in der Tat keiner Teilnahme an der Öffentlichkeit bedarf.


    Das unterschreibe ich zu 100 Prozent!

  • Der Adressat ist hier in meinen Augen völlig falsch gewählt und die dargelegte Sichtweise verkennt meines Erachtens die Lage: gerichtet hätte dies berechtigterweise an Deine, meine, unsere Generationen sein müssen - dazu ist es längst zu spät. Daraus ergibt sich in diesem Beitrag eine unangemessene Überheblichkeit derer, die den status quo herbeigeführt oder seiner Herbeiführung nicht vehement widersprochen haben, gegenüber jenen, die in der Zukunft mit den vererbten Folge klarkommen müssen. Wir haben die Schulbank gedrückt und rausgekommen ist ein mindestens problematischer, schlimmstenfalls katastrophaler Weg, den die heute junge Generation nicht mitgehen will, weil sie zu Recht erkennt, dass es an ihr Eingemachtes geht.

    Eine nachvollziehbare Argumentation aus deiner Sicht. ABER: Ich als DDR-Bürger weise da jede Schuld von mir; ich habe weder Ressourcen verbraucht in dem Maße wie BRD-Bürger noch später sonstwie die Probleme verursacht, mit denen wir heute zu kämpfen haben. Daher bin ich auch weder überheblich noch zynisch.


    die eben nicht nur aus Schulflucht besteht (der oben stehende Satz zur angeblichen Majorität der bloß Schulflüchtenden unter den Demonstrierenden ist bis auf weiteres hier bloße Behauptung und Unterstellung und wäre statistisch zu belegen)


    Du kannst es aber auch nicht widerlegen: Ich mit meiner Erfahrung aus 25 Jahren an der pädagogischen Front bin mir recht sicher.


    Dass sich nun eine weltweite Bewegung entwickelt hat, die eben nicht nur aus Schulflucht besteht (der oben stehende Satz zur angeblichen Majorität der bloß Schulflüchtenden unter den Demonstrierenden ist bis auf weiteres hier bloße Behauptung und Unterstellung und wäre statistisch zu belegen), sondern längst einen Schulterschluss der Schülerinnen und Schüler mit jenen Wissenschaftlern darstellt, die seit Jahrzehnten (!) vor den Folgen unseres Umgangs mit unserem einzigen Planeten warnen ohne ausreichenden Niederschlag in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dafür verzeichnen zu können, ist das beste, das uns, wenn auch zu spät, passieren kann.


    Entschuldige, aber das ist naiv: Dein Schulterschluss ist genauso behauptet wie eine positive Folge von dem allen. Hier werden Jugendliche instrumentalisiert und missbraucht. Die Klimapolitikdebatte wird seit Jahrzehnten statt naturwissenschaftlich ideologisch geführt. Es gibt keinen Konsens, weder bei Wissenschaftlern noch bei Politikern. Jetzt die Jugend zu mobilisieren, erinnert mich doch sehr an Maos Kulturrevolution oder meine Erfahrungen in der FDJ; natürlich unter den "modernen" Vorzeichen einer supermedialen Event- und Unterhaltungsindustrie.

  • Das schrieb eine Frau bei Fb


    Trifft es gut ...

  • Wir haben die Schulbank gedrückt und rausgekommen ist ein mindestens problematischer, schlimmstenfalls katastrophaler Weg


    Das ist bei Lichte besehen natürlich richtig: Die Tradition des klassischen Bildungsbürgertums unserer Vorfahren hat uns nicht davor bewahrt, Auschwitz zu erleben; und auch unsere Bildung hat die derzeitigen Probleme nicht verhindert. Aber man muss schon unterscheiden: Die heutigen Probleme haben ihre Wurzeln auch in der Bildungspolitik der 68er, die im Grunde für fast alle Miseren mitverantwortlich ist.