Yoricks Nachtgedanken bei Tage: Diskussionsthread

  • Und weil es auch mich betrifft, ich wasche meine Hände in Unschuld:


    1. Ich bin fast 20 Jahre in der DDR aufgewachsen und habe mangels Wohlstandes wesentlich weniger Ressourcen verbraucht als die Menschen im Westen.

    2. Ich fahre nur dann Auto, wenn es nötig ist.

    3. Ich fliege nicht.

    4. Ich verbringe meinen Urlaub in Deutschland.

    5. Ich laufe, fahre Rad oder mit Bus und Bahn; wenn es möglich ist.

    6. Ich vermeide Verpackung, wo es geht.

    7. Ich trenne Müll.


    usw.


    Ich wiederhole mich: Am Lautesten schreien immer die, die die meisten Ressourcen verbrauchen.

  • Nun, ich habe gar kein Auto sondern leihe eins, wenn ich es brauche.

    Ich frage mich, ob nicht mein abnormaler CD-Sammelwahn meine Hauptsünde ist.

    Aber ich fürchte, Du sammelst noch mehr als ich.

    8o

    Und kürzlich habe ich wieder eine aus Japan kommen lassen.

    *hide*

    (War aber erst die 2. in meinem Leben.)

  • :)


    In der Stadt kann man leihen, hier auf dem Land geht das nicht. Aber das rührt natürlich an die Verschränkung von Umweltschutz und Gesellschaft und wer hier nachfragt, erkennt schnell; dass nicht die Dieselfahrer Schuld tragen.


    Und ja, auch wir, die wir bei Onlinedienstleistern bestellen, verstopfen die Straßen. Aber ich würde lieber in einen gut sortierten Klassikladen gehen, nur gibt es diese nicht mehr.


    Umweltschutz läuft nur über Verzicht und den kann ich nicht erkennen.

  • die eben nicht nur aus Schulflucht besteht (der oben stehende Satz zur angeblichen Majorität der bloß Schulflüchtenden unter den Demonstrierenden ist bis auf weiteres hier bloße Behauptung und Unterstellung und wäre statistisch zu belegen)


    Du kannst es aber auch nicht widerlegen: Ich mit meiner Erfahrung aus 25 Jahren an der pädagogischen Front bin mir recht sicher.

    Kann ich bislang nicht, stimmt. Bloß habe ich keine gegenteilige Behauptung aufgestellt, sondern lediglich behauptet, wie ich finde zu recht, dass es zu belegen bleibt. Und warum es mir relativ egal ist, falls es von Erfolg gekrönt sein sollte, habe ich ja geschrieben.

    Das schrieb eine Frau bei Fb [...]


    Trifft es gut ...

    Das nennt man Whataboutism und hat nichts mit dem derzeit vorherrschenden Anliegen der Demonstrierenden zu tun. Der Frau bei Fb steht es natürlich frei, sich ähnlich vehement und öffentlichkeitswirksam für all diese wichtigen Themen zu engagieren, ob nun in ihrer Freizeit oder mithilfe des Nachdrucks eines Streiks oder Ähnlichem. Großartig, wenn die Schülerinnen und Schüler sie mit ihren wie auch immer zu wertenden Aktionen nun dazu motivieren (wobei ich natürlich denke, dass das leider gar nicht der Fall ist).


    Den letzten Punkt sehe ich ja ähnlich, da sind wir uns oben einig. Aber bezüglich Deiner Punkte eins bis sieben: da unterscheiden wir uns eben. Ich habe nichtmal einen Führerschein, nutze täglich Muskelkraft für alle alltäglichen Wege statt ÖPNV und unterschreibe auch die anderen Punkte für mich - spreche unterm Strich aber dennoch von "wir" bei der Verantwortung für den ökologischen status quo und die kommenden Folgen, während Du Dich da betont rausnimmst.


    Was den Schulterschluss betrifft: d'accord, da ist auch auf wissenschaftlicher Seite keine unbedingt gültige Anamnese vorhanden und vieles weiterhin im Diskurs. Allerdings habe ich noch nicht von wissenschaftlicher Seite gehört oder gelesen, dass die ökologischen Maßnahmen, die man nun ergreifen könnte, schädlich für die Umwelt wären. Ihnen widersprechen andere Interessen als ökologische, sie sind dennoch eine gute Idee, die einerseits in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt und gleichzeitig verstärkt im Fokus des Gesetzgebers sein sollte.


    Eine Frage an den Pädagogen in Dir: welche Lernsituation und welche Lernanlässe beinhaltet die Teilnahme an den Schülerdemos, egal von welcher Motivation angetrieben? Ich erinnere mich vergleichsweise mal an die Studentenstreiks in den 90ern: wenn sie auch auf Dauer nicht den zunehmenden Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf die Landschaft wissenschaftlicher Ausbildung an den Unis verhindern konnten und das Druckmittel ähnlich wie jetzt nicht vergleichbar mit dem Streik von Arbeitnehmern in einem Unternehmen war, so haben sich viele Teilnehmer, auch eher unfreiwillige, damals für manche Themen sensibilisiert und ihr Denken politisiert, was im Normalbetrieb nicht möglich gewesen wäre.

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)

  • Das Schlimme am Kranksein ist nicht so sehr die Krankheit, nicht einmal die Schmerzen sind es; am Schlimmsten ist die Ignoranz der Mitmenschen bis in die naheste Familie hinein. Ich bin es so leid, immer wieder mein Unwohlsein, meine geringe Belastbarkeit, meine Unpässlichkeit, mein Nichtfunktionieren, rechtfertigen, entschuldigen zu müssen, dass ich bald keine andere Möglichkeit mehr sehe, als mich sozial zu isolieren und aus allen menschlichen Bindungen herauszulösen. So kann ich niemand mehr enttäuschen.

    Deine "naheste Familie" liest hier doch wohl hoffentlich nicht mit? Lass Dir gesagt sein, Du würdest es zutiefst bereuen, denn es gibt kaum etwas erstrebenswerteres als verlässliche, durch Vertrauen geprägte, familiäre Rückzugsräume.


    *kiss*

  • Du kannst Deine Mitmenschen nicht ändern, Yorick. Andererseits: mit einem Rückzug aus allen Bindungen schadest Du Dir auch selbst.

    Mein Vorschlag: arbeite daran, dass Du ein solches Mitgefühl nicht erwartest. Dann freust Du Dich, wenn Du es erhältst, aber leidest nicht, wenn es ausbleibt.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Mein Problem seit meiner Jugend war schon immer, dass ich für einen Krüppel äußerlich recht fit wirke und es auch tatsächlich immer wieder geschafft habe, schwerere Arbeit zu leisten und Sport zu treiben, als mein Körper eigentlich aushält. So wurde ich immer als Gesunder behandelt, von meinen Eltern und allen meinen Frauen. Jeder denkt, ich bin ein Hypochonder oder simuliere, selbst wenn die Befunde vor ihnen liegen. Das macht einen über die Jahrzehnte fertig und man wünscht sich einen Rollstuhl; ich ging mal am Stock in den letzten Jahren zeitweilig, weil es nicht anders ging der Schmerzen wegen; sofort ließ man mich in Ruhe. Aber ohne ist nichts zu wollen und mit Depressionen und dergleichen kann gleich gar niemand umgehen.

  • Mit psychischen Krankheiten oder Störungen können leider die wenigsten umgehen, das merke ich selbst leider auch immer wieder.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)