Yoricks Nachtgedanken bei Tage: Diskussionsthread

  • Dir ist sicheraufgefallen, dass ich meinen völlig unverfänglichen Beitrag schon vor einigen Stunden gelöscht habe, lieber Yorick.


    :wink:

    Nein, ist es nicht. Aber sei's drum ...

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Um das abzuschließen nach dem ersten Ärger: Ich verstehe die Beweggründe und kann sie aus forentechnischen Gründen auch nachvollziehen. Damit ist die Rechtmäßigkeit gegeben und es besteht kein Grund zur Veranlassung.


    Dennoch verwahre ich mich gegen Anwürfe der Art, hier sexistisch oder homophob etc. geschrieben zu haben. Ausgehend von einem satirischen Text habe ich das Thema erweitert und das kabarettistische Element springt einem förmlich ins Gesicht. Wie ich bereits sagte, liefert jede durchschnittliche Satire- und Comedysendung täglich Ärgeres. Was bitte ist denn eine Pseudolesbe und warum sollte eine bewusste Pauschaulisierung wie struntzdumm oder hässlich darauf Rücksicht nehmen, dass es auch einige wenige kluge Politiker gibt und Schönheit im Auge des Betrachters liegt, welch letzteres übrigens beweisbar falsch ist, wie die Wissenschaft nachgewiesen hat. Übertreibung und Zuspitzung sind doch DIE Mittel der Satire!


    P.S. Überdies: Die Geschichte belegt mehr als billig, wie beispielsweise zu kurz Gekommene oder sich dafür Haltende nur deshalb ihren Weg gemacht haben - siehe Napoleon - weil sie kompensiert haben oder zu müssen glaubten.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • und niemals den Fahrtrichtungsanzeiger setzen.

    Fällt das nicht unter die DSGVO?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • *lol**lol**lol*


    Heutzutage bestimmt ...

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • So sehr ich die Frauen jeglichen Alters vom mobilen Pflegedienst in ihren kleinen Flitzern schätze und hochachte, zumal sie ihr Fahrzeug auch meist sehr gut beherrschen; so sehr missachten sie dennoch permanent jegliche Straßenverkehrsordnung, wenn sie mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt düsen, bei Dunkelgelb bis glatt Rot über die Ampel rasen, links und rechts überholen und niemals den Fahrtrichtungsanzeiger setzen.

    Ich hatte mal einen Behinderten-Bus vor mir, der fuhr wie eine gesengte Sau. Hinten prangte ein Aufkleber "zufrieden mit meiner Fahrweise?". Naja, da habe ich dann den Ampelstau genutzt, um da mal anzurufen… die Reaktion war sehr überrascht und man werde auf die Fahrer Einfluss nehmen. Haha. Aber den Effekt war es mir wert…

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Es mutet mich immer wieder wie Hybris und eitel Hoffart an; wenn wir Modernen uns arrogant und süffisant über die Menschen des Mittelalters und deren scholastische Weltbilder mokieren; wie viele Englein wohl auf einer Nadelspitze Platz hätten und ob die Erde eine Scheibe sei oder nicht! Als ob unsere gegenwärtige Gutgläubigkeit, Naivität, Einfalt und unkritische Gesamthaltung nicht seinesgleichen hätte; als ob unser Kinderglaube an Medizin, Fortschritt, technische Wissenschaft und die Veredelung des Menschengeschlechts nicht einzigartig wäre angesichts der Unmenge an verfügbarem Wissen, das gegen all das spricht; als ob gerade unsere Geschichtsbilder trotz aller Gegenbeweise und deutlicher Indoktrination nicht einseitiger und intentionaler wären als die fundamentalistischen Heilslehren bestimmter Schriftreligionen!

    Wenn ein Gelehrter des Mittelalters in unsere Zeit käme, träfe er auf Autos, Licht, Wärme… aber woran er wirklich verzweifelte, wäre dieses: das gesammelte Wissen der Welt liegt in unserer Hand, zu jeder Zeit und fast überall — und was machen wir damit? Wir teilen lustige Katzenvideos…

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Das kann ich sehr gut nachvollziehen.


    Was ich jetzt schreibe, weißt Du ja eh - ganz verborgen im Herzen: ruf Dir in Erinnerung, wie viele Menschen sehr häufig über ihre 'guten, alten Lehrer' berichte(te)n (wenn sie sie auch seinerzeit mehr oder weniger gehasst haben; es war vielleicht eher eine Art Hassliebe). Und Du bist genau der Mann, der gegen diesen von Dir beschriebenen Missstand ankämpft (oder es zumindest versucht); und es wird etwas hängen bleiben. Bei jedem. Vielleicht nicht das, was Du denkst und/oder Dir wünschst: aber viele Lehrer gaben bislang (so auch bei mir) den definitiven Startschuss ins Leben; es war eine (vielleicht) unbedachte Kleinigkeit, die etwas auslöste ...


    Ich rege mich auch ständig auf, wenn ich beispielsweise auf Facebook lese, mitunter eine an unseren Ministerpräsidenten gerichtete Frage: 'Haben Sie mal zwecks Logik nachgedacht?' - Ja, nee ... ich erkenne: es ist gut gemeint (der Inhalt der Frage ist auch erkennbar), aber es ist und bleibt: unterirdisch. Mitunter geht es auch mir so, daß mein Wortschatz verkümmert und nur durch aktives Lesen wieder aufgehellt werden kann ... aber das ist in der derzeitigen Situation für mich schier unmöglich (auch zu 'overstressed'; aber ich bin bemüht). Einen Brief schreiben mit (Stahl-)Feder und Tinte: gar nicht mehr soooo einfach: man kann nicht einfach die Sätze und Wörter per Mausklick verschieben und das Geschriebene perfektionieren; man muß vorher ein genaues Konzept haben, um zu wissen was man wie schreibt; oder eben vor-schreiben, wie es auch in den Jahrhunderten zuvor dokumentiert ist; das ist nicht zwingend mehr Aufwand, es verteilt sich nur anders (letztlich schreibe ich heute meine Besprechungen auch mindestens drei, vier Mal; indem ich Textpassagen häufig ändere, ergänze, streiche = das kommt letzten Endes auf das Gleiche heraus).


    Während meiner Schulzeit wurden die besten, gewitztesten, Aufsätze im Jahrgangsheft publiziert (damit haben sich die Deutschlehrer geschmückt; von mir war nie einer dabei). Ich fand die meistens doof - mir war das zu hoch; ich habe das nicht verstanden (heute sehe ich das anders und verstehe es, wenn ich darin herumblättere, was für ein Amusement).


    Ich weiß, daß Du weißt, daß Du etwas bewirken wirst resp. es bereits getan hast (und es wahrscheinlich niemals erfahren wirst), aber das ist eine Gewissheit, die ich nicht unterschätzen würde. Gleichzeitig verstehe ich Deinen Aggress, Deine Unzufriedenheit: das geht mir mit meinem Beruf genauso, weshalb ich im August letzten Jahres diesen zu 95% quittiert habe. Deine Aussichten sind allerdings besser: Frührente, Rente oder Pension ... ich bin und bleibe nachwievor selbständig (letzen Endes dann nur: selbst).


    :beatnik:*danke*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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  • Es ,,gefällt" mir natürlich nicht, ich ziehe aber den Hut vor Deiner schonungslos klaren Benennung, zu welch kulturloser Barbarei der Mainstream unserer Gesellschaft verkommen ist...

    Man muss schon etwas wissen, um verbergen zu können, dass man nichts weiß.


    Marie von Ebner- Eschenbach

  • Man ist als Pädagog und Mensch ja mit sich selbst uneins, will nicht ständig jammern und lamentieren; den Puristen herauskehren, den Bildungsphilister oder eben Kulturkritiker, der Tag für Tag den Untergang des Abendlandes beklagt. Was will man auf Einwände erwidern, die darauf hinweisen, dass die moderne hochtechnisierte multimediale Gesellschaft eben anders funktioniert und anderes Wissen, andere Kenntnisse benötigt. Ich halte auch Schwanitzens Bildung. Alles, was man wissen muß für ein groteskes Missverständnis; wie sich die Moderne von der Tradition abnabelt, hat Peter Sloterdijk in Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Über das anti-genealogische Experiment der Moderne wesentlich scharfsinniger herausgearbeitet.


    Und natürlich löst heute jedes Kind im Alltag wesentlich komplexere Probleme in der reinen Anwendung technischer Geräte und Kommunikationsmittel etwa als jeder Gelehrte im 17. Jahrhundert; rein kognitiv, sozial, emotional und kommunikativ sind wir schon hunderte Male so gefordert wie ein Bauer im Mittelalter, allein die Daten- und Informationsverarbeitung und diejenige der gewaltigen Flut der Bilder und Geräusche. Aber das sind eben Fragen der Wahrnehmung, der reinen Anwendung usw.; nicht solche, die über das gewaltige Was und Wie und Warum der Welt Aufschluss geben, in der man lebt und die schließlich irgendwoher kommt, Wurzeln hat, die uns bis heute speisen und nähren, ob es uns bewusst ist oder nicht.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Neulich in der Zehnten kam im Text die Wendung ein moderner Don Quijote vor [...]

    Ja, der Zug ist abgefahren - Richtung Verschrottung. Inzwischen ist die Verschiebung dieser kulturellen Marge soweit fortgeschritten, daß man mit alten Verweisen nichts mehr erreichen kann. Ich persönlich warte auf den Tag, wenn der erste Mensch fragt: "Wer ist Michael Jackson?" Den Namen Beethoven mußte ich übrigens schon am Telefon buchstabieren...*sm*


    Diese Ausrichtung an die Moderne (schnell, flexibel, automatisierend) erfordert halt einen Bachelor: die richtige Komponente an der richtigen Stelle einsetzen, um sofort als Arbeitnehmer zu funktionieren. Keine Zeit fürs Nachdenken, keine Zeit für Wiederholungen - schnell durchschleusen, damit neues Futter für den Arbeitsmarkt entsteht.


    Wie war das nochmal mit dem Spazierengehen in Bradburys Fahrenheit 451? [Fahrenwas? ...*hä*]


    Das Problem ist heutzutage: die Menschen sind wenig neugierig. Wenn ich etwas nicht weiß, dann google ich danach und bekomme meistens die Antwort recht schnell serviert; doch das scheint bereits eine Ausnahme zu sein, wie mir manchmal scheint. Denn irgendwie muß ja erklärbar sein, daß viele Menschen eine Sichtweise - ein Weltbild - zu eigen haben, welches sich so weit von Vernunft und Verstand entfernt hat. Sie googeln nicht.


    Doch das Schlimmste ist nicht das Nichtkennen: es ist das Unberührtbleiben. Was Don Quichote eigentlich ausmacht, kommt nicht an, weil das Empfindungsorgan dafür zu verkümmert ist. Du, Yorick, würdest dich wundern, wie wenig deine Schüler mit dieser Figur was anfangen können, wenn du den Roman durchnehmen würdest. Das Grundgerüst ist nicht mehr da, das Verständnis für bestimmte Werte und Ansichten. Es wird gegen etwas ersetzt, was Urban Priol zurecht als "asoziale Medien" bezeichnet hat.

    keiner frug nach

    fragte ... :boese::boese::boese:

  • keiner frug nach

    fragte ... :boese::boese::boese:

    :)


    Beides erlaubt ... *yes*

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Neulich in der Zehnten

    Aus meiner Sicht kann man Dich für Dein berufliches Dasein sogar beneiden, denn immerhin zeichnet sich dieses durch eine gewisse Verläßlickhkeit aus. Verläßlich dahingehend, dass einige Deiner Schüler, wie Du berichtest, völlig unbeleckt von Don Quijote sind oder gar Joachim Ringelnatz für ein Pelztier halten, was offenbar, wenn ich Dich richtig verstehe, keine Ausnahme darstellt; alles schon erlebt anlässlich irgendwelcher Vorstellungsgespräche in einem meiner früheren Leben. In meinem derzeitigen beruflichen Umfeld vermisse ich Verläßlichkeit sehr, wenn ich bisweilen miterleben muß, dass das was in mühevoller Kleinarbeit, sozusagen als Gesamtkunstwerk, erarbeitet und gestaltet worden ist, plötzlich und unerwartet aus politischen Gründen verwässert wird, überregionale Gremienbeschlüsse nicht beachtet werden und dergleichen mehr. Plötzlich haben eher nebensächliche Fragen eine ungeheure politische Brisanz, :-| . Das nervt mich ungeheuer, das darfst Du mir glauben.

  • Wie selten einmal nur ein paar Autos aufm Diska-Parkplatz ... Amok läuft

    Vielleicht solltest Du einen Teil Deiner überschäumenden Energie darin investieren, Dir einen entsprechenden Ruf zu erarbeiten, so dass es in den Konsumläden in Apolda und umzu zukünftig nur noch heißt - ach Du Scheiße, oh, oh, oh, macht schnell die Kassen frei, Yorick kommt, schnell, schnell.

  • Das Gegenteil ist der Fall: Die meisten im Internet halten mich für ein arrogantes, sexistisches, faschistisches Arschloch; aber in der realen Welt mögen mich die Leute und strömen zusammen, um mit mir zu plaudern. Das ist wirklich paradox: Im Oberland kannte mich ja schon jeder, aber auch hier in der neuen Heimat habe ich inzwischen mehr Freunde als daheim. Ich kann mit dem Hund kaum eine Runde um den Block gehen, ohne sturzbetrunken aus einem der Gärten zurückzuwanken.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Na ja, ich dachte früher immer, ich wäre ein Einsiedler und zuweilen habe ich diese Neigung zur Klausur; aber sonst bin ich ein sehr sozialer und geselliger Mensch.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Die brauchen zwei Stunden, um ihr Zeug aufzuladen; natürlich auch, um es wieder vom Band zu nehmen. [...]

    Oh Gott, da sagst du was! Neulich hat eine Frau nach ihrem (langsamen!) Einkauf die Kassiererin gefragt, wo sie den Mitarbeitern ein Trinkgeld geben kann; die Dame an der Kasse mußte zweimal erklären, daß sie und ihre Kollegen kein Trinkgeld annehmen dürfen. Und damit war es...nicht getan: ihren verdammten Scheiß-Einkaufswagen rollte sie mit 0,0000000000000000001 µm/Jahr von der Kasse weg. Da wäre ich auch bald ausgerastet...*sm*

  • Das war im Lockdown hier recht passabel geregelt: manche Supermärkte haben spezielle Rentner-Einkaufszeiten angeboten ... das hätte man beibehalten sollen. Nun ja, der alte Gag, wenn man einen Rentner fragt, warum sie gerade zu Stoßzeiten einkaufen gehen, wo sie doch den ganzen übrigen Tag auch Zeit hätten: 'Da ist halt mehr los ... da gibt's was zu sehen und zu erleben ...'. Das verstehe ich natürlich auch. Diese Menschen sind einsam und der tägliche Einkauf ist ein Event.


    Bei unserem CAP-Markt ist das dann nochmal ein paar Yorickstufen extremer: da ist auch das Personal nicht unbedingt besonders schnell (aber gerade diese Art Markt unterstütze ich sehr gerne; im Moment kann ich meine Einkäufe und Einkaufszeiten recht gut planen und das 'Übel' auf mich nehmen, wobei ich zuvor auch meist wie eine bereits gezündete Rakete an der Kasse stehe ...). Da gibt es mitunter Kassierer, die jedes Produkt dreimal umdrehen, analysieren, es mit einem persönlichen 'Ahja' begrüßen und fragen, ob das auch schmeckt und Dir schließlich erklären, daß das ja ziemlich teuer ist ... Service der etwas anderen Art.


    Andererseits bin ich manchmal tatsächlich überrascht: wenn eine - gefühlt - 119jährige Oma mit dem Handy bezahlt. Was funktioniert. Obwohl es in dem Markt kein Netz gibt. Jedenfalls nicht Teledumm - und ich dann (violett vor innerer Wut) stundenlang in meinem Rucksack nach dem Karten-Case suchen darf, weil wieder die einfachsten Dinge NICHT funktionieren ...


    Bei uns nehmen sie Trinkgeld übrigens an, platzieren es separat und benutzen es, weil Opa Bierflasche mit dem langen Bart (von dem Du die Speisekarte der letzten drei Jahre ablesen kannst) noch nie was von Pfand gehört hat und es mal wieder um 8 Cent klemmt.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Da habe ich auch so schonmal eingegriffen. Beim Bäcker fehlten 10 cent zu einem größeren Brötchen, die offenbar das Abendessen sein sollten.

    Das ging dann eine Weile hin und her, und er wollte schon hängenden Hauptes fortgehen und das Brötchen dort lassen. Ich habe zehn cent in die Schüssel gelegt (und die tun mir nun wirklich nicht weh), die Verkäuferin hat kassiert und er hatte seine Semmel.

    Muss man dann auch nicht groß diskutieren. Er hat ja nicht gebettelt. Hat sich nett bedankt und ging. Mit Semmel.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Na ja, ich dachte früher immer, ich wäre ein Einsiedler und zuweilen habe ich diese Neigung zur Klausur; aber sonst bin ich ein sehr sozialer und geselliger Mensch.

    Auch das scheint uns zu verbinden:

    von Natur aus eher einsiedlerisch gestimmt ( diese Phasen strenger Klausur brauche ich zum Atmen) genieße ich zuweilen sehr eine ausgewählte anständige oder, um den Genuss vollkommen zu machen, unanständige Gesellschaft...;)

    Man muss schon etwas wissen, um verbergen zu können, dass man nichts weiß.


    Marie von Ebner- Eschenbach