Yoricks Nachtgedanken bei Tage: Diskussionsthread

  • Tatsächlich verweigert man sich in Deutschland und Westeuropa der Fragestellung, was Intelligenz eigentlich sei und inwieweit sie vererbt werden könnte, im Ganzen wie im Detail fast vollständig

    Echt, ist das so? Ich bin tatsächlich mit dem wissenschaftlichen Stand nicht vertraut, aber ich selber würde spontan sagen, daß beides der Fall ist; man kann beides nicht exakt voneinader trennen. Es spielt neben Physiognomie auch die Disposition eine Rolle, und der konkrete Inhalt ist das, was erlernt werden muß.


    Ich persönlich bin ja der Auffassung, daß Wissen immer abhängig ist vom Umfeld, in dem man sich befindet. Das gilt im übertragenen Sinne auch sicherlich für größere Sippen/Verbände/Gesellschaften/Völker. Denn Wissen muß sich nach bestimmten Kriterien ausrichten. (Ein sehr weites Feld - ich schließe hier mal meine Ausführungen.)

  • Ich habe früher auch immer schnell "beides" gesagt; aber daran habe ich inzwischen meine Zweifel.

    Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig

    Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort,

    Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang!

    Friedrich Schiller: Wallensteins Tod II, 3. (Wallenstein)

  • Dazu bedürfe es einer wissenschaftlichen Definition, was eigentlich genau "Intelligenz" ist. Ist das reine Sprachvermögen schon ausreichend, oder geht es auch darum, was man mit der Sprache auszudrücken (und zu verstehen) in der Lage ist?

    Natürlich ist das menschliche Gehirn grundsätzlich in der Lage zur sprachlichen Kommunikation - bei jedem Menschen außer bei pathologischen Fällen.

    Aber das ist für Intelligenz noch zu wenig. Das können auch Vögel. Übrigens kennen Vögel artübergreifende Warnrufe, also eine sprachübergreifende Kommunikation. Ist das schon intelligent? Manche Krähe setzt Werkzeuge und Autos geschickter ein als ein modernder Abiturient. Wer ist intelligenter?


    Ich glaube, das ist eine zu komplexe Fragestellung, um sie hier im Forum erschöpfend erörtern zu können.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Und man sollte wohl auch die Begriffe "Intelligenz", "Wissen" und "Bildung" differenzieren. Aber jedenfalls

    Ich glaube, das ist eine zu komplexe Fragestellung, um sie hier im Forum erschöpfend erörtern zu können.

    ist ein Satz, der von Intelligenz zeugt.


    *sante*

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)

  • Ich sehe das auch so, aber ich bin mittlerweile hellhörig geworden, wenn zu Beginn einer wichtigen Fragestellung festgestellt wird, man müsse erst die und die Begriffe klären und überhaupt sei das alles sehr komplex. Wenn etwas wichtig ist, darf man das gerne beachten; aber anfangen muss man auf jeden Fall. Vielleicht nicht in einem Klassikforum, aber gesamtgesellschaftlich.

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  • Ja; in der drastischen Sprache nicht ganz Dein Stil, Yorick, aber inhaltlich stimme ich Dir zu — und sehe mich auch irgendwie positiv überrascht.

    Lucius Travinius Potellus
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  • Ja; in der drastischen Sprache nicht ganz Dein Stil, Yorick, aber inhaltlich stimme ich Dir zu — und sehe mich auch irgendwie positiv überrascht.

    Die Drastik ist ja kalkuliert hier; dein letzter Satz macht mich aber sehr traurig ...

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  • So war es nicht intendiert. Einerseits macht man sich immer Bilder von anderen Menschen, aber ich bin immer bemüht, jede Aussage für sich zu werten und neige nicht zu festen Schubladen. In dem Sinne war das nicht negativ gemeint.

    Lucius Travinius Potellus
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  • Ich meinte mit dieser Einlassung auch weniger dich, lieber guter Freund, sondern die derzeitigen diskursiven Verhältnisse.

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    Alles sollte sein wie es war - und nicht wie wir es uns wünschen

    (HIPpokrates)

  • Wieso erfährt man eigentlich nichts über die wirtschaftliche Lage im Bereich Prostitution?! Da geht ja seit Monaten gar nichts mehr; wenn es stimmt, dass normalerweise eine Million Männer Dienste in Anspruch nehmen, müssen da ja Milliarden Euro Umsätze verlorengehen. Von einem Hilfspaket habe ich aber noch nichts gehört. Überdies könnte man ja mit Lockerungen beginnen, nur Praktiken wie Blowjob mit Gummi erlauben und natürlich müsste jeder Mann seine persönlichen Daten hinterlassen wie im Restaurant oder beim Frisör. Also ich meine damit Adresse, Telefonnummer etc., nicht die DNA-Reste.

    Obwohl es sich letztlich um Berufe wie alle Anderen handeln sollte (was es faktisch nicht tut, weil immer noch Zwang, Druck und Zuhälterei den faktischen Ton angeben), erfährt man tatsächlich wenig darüber.

    Vor allem wüsste ich gerne, was aus den vielen Illegalen geworden ist, die von ihren brutalen "Besitzern" nur "gehalten" werden, um "anzuschaffen". Da gibt es für mich zwei Alternativen: es geht einfach illegal munter weiter, oder die Frauen und Mädchen haben ein echtes Problem. "Kostgänger" ohne Einkünfte duldet kein brutaler Zuhälter.

    Lucius Travinius Potellus
    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)

  • Obwohl es sich letztlich um Berufe wie alle Anderen handeln sollte (was es faktisch nicht tut, weil immer noch Zwang, Druck und Zuhälterei den faktischen Ton angeben), erfährt man tatsächlich wenig darüber.

    Vor allem wüsste ich gerne, was aus den vielen Illegalen geworden ist, die von ihren brutalen "Besitzern" nur "gehalten" werden, um "anzuschaffen". Da gibt es für mich zwei Alternativen: es geht einfach illegal munter weiter, oder die Frauen und Mädchen haben ein echtes Problem. "Kostgänger" ohne Einkünfte duldet kein brutaler Zuhälter.

    Ich persönlich befürworte Prostitution und halte sie mit Blick auf 5000 Jahre Hochkultur und Zivilisation für unverzichtbar, um gesellschaftliche Spannungen auszugleichen, die sich aus der Not des Sexus ergeben. Aber das ist ein großes Thema und kann und soll hier nicht erörtert werden. Denn wo sollen die ganzen Männer (die Frauenperspektive kann ich schlecht einnehmen), die aus welchen Gründen auch immer keine Frau finden oder mehr haben, mit ihren sexuellen Bedürfnissen hin? Ein einsames Leben mit der eigenen Hand ist genausowenig würdevoll wie jede Art von sexueller Gewalt an Frauen unbedingt zu verurteilen und zu verhindern ist.


    So lange eine Frau aus freien Stücken diesen Beruf ergreift und ihm unter vernünftigen und vor allem sicheren Bedingungen nachgehen kann, ist aus meiner Sicht alles halbwegs im Lot. Dass dieser Sektor freilich die Halbwelt und das Milieu anlockt, weil er mit und neben Drogen, Glücksspiel, Waffen- und Menschenhandel, Schutzgelderpressung etc. extrem lukrativ ist, markiert die Schattenseite. Aber der Markt ist da, wird immer da sein; denn die wenigsten Männer können im realen Leben ihre Fantasien umsetzen, auch die verheirateten nicht. Und ein neu enstehender Beruf wie der des Sexualassistenten für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung findet meine ungeteilte Zustimmung und den allergrößten Respekt.


    Und zuletzt ist das Gewerbe ehrlicher als jede andere gesellschaftlich tolerierte Form der Prostitution, wenn Frauen aus Gründen des eigenen Vorteils bzw. zur Vermeidung vermeintlicher oder echter Gefahren mit Männern schlafen. Das findet man in allen Bereichen; in der Politik, im Gesundheitswesen, im Sport, in der Unterhaltungsindustrie. Die Grenzen sind dabei oft fließend, wie der Fall Weinberg zeigte.

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    Friedrich Schiller: Wallensteins Tod II, 3. (Wallenstein)

  • Lieber Yo,


    das Thema betrifft nicht nur Frauen. Auch ich hatte mich zeitweise mit dem Gedanken befasst, das Genre zu wechseln ... leider habe ich zu lange überlegt; jetzt bin ich zu alt. Da hätte ich richtig Spaß beim Geldverdienen haben können ... so mit 20-28 ... Angebote gab es zahlreiche.


    *salut*

    Alles sollte sein wie es war - und nicht wie wir es uns wünschen

    (HIPpokrates)

  • Glaube ich gerne, die reine Frauensicht bzw. Männer-Männer-Sicht würde ich gerne mal nachlesen, man weiß da als Heteromann so gut wie nichts.

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    Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort,

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    Friedrich Schiller: Wallensteins Tod II, 3. (Wallenstein)

  • Yorick, wir sind ja beieinander. Schwarze Schafe bekämpfen und Frauen ermöglichen, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen, wenn sie dies wünschen.

    Bin froh, dass wir nicht in Italien sind. Da ist Prostitution verboten. Nicht, dass es sie deshalb nicht gäbe… nur eben illegal.

    Dann lieber ordentlich und mit Sozialversicherung.

    Ich habe nur mal einen Bericht gesehen, dass die Wirklichkeit in Deutschland immer noch finsterer aussieht.

    Aber Du hast recht: das kriegen wir hier nicht abschließend erörtert.

    Die von Dir angeführten Gründe und Ansichten teile ich aber i.W.

    Lucius Travinius Potellus
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  • Ich bin schon in den Neunzigern verzweifelt, als ich von meinen Schülern der gymnasialen Oberstufe hörte, Integrale behandle man gar nicht mehr in Mathematik…

    Und als ich einer befreundeten Mathematiklehrerin aus NRW eine schöne Aufgabe aus dem Rollenspiel-Bereich erklärte, in der bestimmte Würfelregeln für Wahrscheinlichkeitstafeln zu konvergierenden Reihen führen, lachte sie mich nur müde aus… selbst im sogenannten "Leistungskurs".

    Es ist verblüffend: die Menge verfügbaren Wissens steigt beinahe exponentiell, und fast im gleichen Tempo werden die Lehrpläne "ausgedünnt".

    Bevor ich mich aufreg', ist es mir lieber egal.

    Lucius Travinius Potellus
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  • Liste: Wörter, die aus dem Duden 2020 gestrichen wurden

    Dieser Logik folgend müssten Gott, Jesus usw. auch längst gestrichen sein. Ganz im Gegensatz zum Duden werden bei den Klassiklabels die ollen Kammellen immer wieder neu aufgebrüht ...


    *hä**jesus?*

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    (HIPpokrates)