Metastasio, Pietro (1698-1782)

    • Offizieller Beitrag

    Im Jahre 1730, gerade als Pietro Metastasio sich in Wien niederließ, schrieb er das Libretto zur Leidensgeschichte


    ~~ La Passione di Nostro Signore Gesù Cristo ~~


    Das Libretto erfreute sich großer Beliebtheit und wurde von etlichen Komponisten des 18. Jahrunderts vertont:


    1730 von Antonio Caldara (1670-1736)


    1749 von Niccolo Jommelli (1714-1774)


    1773 von Joseph Myslivecek (1737-1781)


    1776 von Antonio Salieri (1750-1825)


    1783 von Giovanni Paisiello (1740-1816)


    sowie von Gottlob Harrer (1703-1755), Joseph Schuster (1748-1812), Johann Gottlieb Naumann (1741-1801) und Francesco Morlacchi (1774-1841).


    Zuvor hatte auch Alessandro Scarlatti 1708 ein Oratorium selben Titels komponiert. Das Libretto aber kann hier schwerlich von Metastasio stammen. Es gibt noch verschiedene Vertonungen des Stoffes, z.B. Joseph Haydns Sieben letzte Worte oder Ludwig van Beethovens Christus am Ölberge, um die geht es hier aber nicht. Mozart hat sich übrigens dezent zurückgehalten.


    Metastasios Dichtung ist – wie sollte es anders sein – in Italienischer Sprache. Als Mitwirkende der azione sacrale hat er Pietro (Simon/Petrus), Maddalena (Maria Magdalena), Giuseppe d’Arimatea (Joseph von Arimatäa) und Giovanni (Johannes) auserwählt. Es handelt sich quasi um einen Augenzeugenbericht. Das Oratorium hat zwei Teile. Pietro, als erster Jünger, entlockt die Leidensgeschichte durch Befragung der drei übrigen. Norbert Bolín schreibt, dass der zweite Teil des Oratoriums als Folge von Reflexionen gestaltet ist, die den Untergang der Ungläubigen im Allgemeinen und der am Tod Jesu Schuldigen im Besonderen, die Verheißung der Auferstehung und den Glauben zum Inhalt haben. Der Chor wird hier – ganz im Sinne der Opera seria – als Kommentator eingesetzt.


    Der Dirigent Christoph Spering hatte imo eine integrale Einspielung aller (bekannten und greifbaren) Vertonungen des Metastasio-Librettos vorgesehen, leider ist das Projekt eingeschlafen. Ein paar Einspielungen gibt es dennoch - und insgesamt lohnt es sich, den musikalischen Umgang der einzelnen Komponisten mit diesem Stoff zu vergleichen:



    Josef Myslivecek (1737-1781)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Sophie Karthäuser, Maddalena (Sopran)
    Jörg Waschinski, Pietro (Sopran)
    Yvonne Berg, Giovanni (Alt)
    Andreas Karasiak, Giuseppe (Tenor)


    Chorus Musicus Köln
    Das Neue Orchester


    Christoph Spering opi



    Antonio Salieri (1750-1825)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Melba Ramos, Maddalena (Sopran)
    Franziska Gottwald, Pietro (Alt)
    Florian Mock, Giovanni (Tenor)
    Hanno Müller-Brachmann, Giuseppe (Baß)


    Chorus Musicus Köln
    Das Neue Orchester


    Christoph Spering opi



    Giovanni Paisiello (1740-1816)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Roberto Invernizzi, Maddalena (Sopran)
    Alla Simoni, Pietro (Alt)
    Luca Dordolo, Giovanni (Tenor)
    Jose Fardilha, Giuseppe (Baß)


    Coro della Radio Svizzera
    I Barocchisti


    Diego Fasolis opi



    Giovanni Paisiello (1740-1816)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Halina Górzynska, Maddalena (Sopran)
    Miroslava Kacprzak, Pietro (Alt)
    Jerzy Knetig, Giovanni (Tenor)
    Jerzy Mahler, Giuseppe (Baß)


    Warsaw Chamber Opera Chorus
    Warsaw Sinfonietta


    Wojciech Czepiel omi(nös)



    Antonio Caldara (1671-1736)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Mária Zádori, Maddalena (Sopran)
    Angelos Fotiadis, Pietro (Altus)
    Timothy Bentch, Giovanni (Tenor)
    István Kovács, Giuseppe (Baß)


    Capella Savaria
    Savaria Baroque Orchestra


    Pál Németh opi


    Ich kenne bis auf die gezeigte Caldara-Version, deren Hörbeispiele mir aber imponieren (...der Castrat... naja...), Myslivecek, Salieri und Paisiello (letzteren omi). Von diesen dreien gefällt mir Myslivecek am besten, da es sich um ein lebendiges und real wirkendes Werk handelt. Paisiello ist eher bedächtig und sehr gedehnt, ziemliche Trauer verbreitend und Salieri sehr geistlich (er zitiert imo auch einige Choralmelodien).


    Unbekannt ist mir dagegen:



    Niccolo Jommelli (1714-1774)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Anke Herrmann, Maddalena (Sopran)
    Debora Beronesi, Pietro (Mezzo)
    Jeffrey Francis, Giovanni (Tenor)
    Maurizio Picconi, Giuseppe (Baß)


    Ensemble Vocale Eufonia
    Berliner Barock Akademie


    Alessandro de Marchi opi




    Johann Gottlieb Naumann (1741-1801)
    La Passione di Nostro Signore Gesu Cristo


    Monica Bragadin, Maddalena (Sopran)
    Raffaele Giordani, Pietro (Tenor)
    Makoto Sakurada, Giovanni (Tenor)
    Alfredo Grandini, Giuseppe (Bariton)


    Coro La Stagione Armonica
    Orchestra di Padova e del Veneto


    Sergio Balestracci opi


    Ob dem folgenden Werk ebenfalls das Libretto Metastasios zugrunde liegt, entzieht sich mangels Kenntnis des Werkes meinem Wissen (vielleicht kennt es jemand und kann etwas dazu sagen?):



    Andrea Luchesi (1741-1801)
    La Passione di Gesu Cristo (!)


    Alessandra Vavasori, Paola Manfredini, Manuel Pierattelli
    Accademia Musicale San Grigorio Coro
    Orchestra Barocca di Cremona


    Battista Columbro


    Da nur drei Protagonisten, eher unwahrscheinlich.


    Während bei Myslivecek die Stimmen noch nach Alter der Protagonisten im Sinne der Opera Seria bestimmt sind (je jünger, desto höher), folgen Salieri, Paisiello und erstaunlicher Weise Jommelli (!) dem Chor-Schema SATB. Naumann hingegen folgt der realen Stimmverteilung. Ich bin gespannt, wer welche Werke kennt und wie bewertet.

    • Offizieller Beitrag

    Metastasios L'Olimpiade war eines der beliebtesten Libretti des Dichters. Mehr als 60 Komponisten vertonten den Stoff, darunter:


    Antonio Caldara (1670-1736): 1733
    Antonio Vivaldi (1685-1741): 1734
    Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736): 1735
    Leonardo Leo (1701-1744): 1737
    Domenico Alberti (1710-1740): 1739
    Baldassare Galuppi (1706-1785): 1747
    Giuseppe Sarti (1729-1802): 1752
    Davide Perez (1711-1778): 1753
    Johann Adolph Hasse (1699-1783): 1756
    Tommaso Traetta (1727-1779): 1758
    Niccolò Jommelli (1714-1774): 1761
    Niccolò Piccinni (1728-1800): 1761
    Vincenzo Manfredini (1737-1799): 1762
    Antonio Sacchini, (1730-1786): 1763
    Florian Leopold Gassmann (1729-1774): 1764
    Josef Mysliveček (1737-1781): 1778
    Domenico Cimarosa (1749-1801): 1784
    Giovanni Paisiello (1740-1816): 1786
    Luigi Cherubini (1760-1842): unvollendet
    Gaetano Donizetti (1797-1848): 1817, unvollständig


    Obige Liste zeigt eigentlich seit dem Entstehungsjahr, das 1733 mit der Vertonung von bzw. durch Antonio Caldara begann, eine durchgehende Präsenz der Stoffes bis in die Mitte der 1780er Jahre hinein. Für die Herren Cherubini und Donizetti waren offenbar schon andere Zeiten angebrochen, da selbst Mozarts "La CLemenza di Tito" (1791) bereits nicht mehr up-to-date war, wenn auch das Libretto breitflächig überarbeitet worden war. Mozart vertonte zwar nicht die gesamte Oper L'Olimpiade wie die zuvor gelisteten Herren, doch immerhin zwei Textteile: die Arie "Alcandro, lo confesso" - "Non so, d'onde viene" KV 294 für Sopran resp. KV 512 (für Baß) und die Canzonetta für 2 Soprane und Baß "Più non sí trovano" KV 549.


    Die "Gesamtvertonungen" folgen nicht immer vollständig dem Libretto Metastasios - es wurden Änderungen vorgenommen, was für die Zeit typisch war: vornehmlich wurde der Stoff auf ein praktikables Format gekürzt. Dieser Umstand nun veranlasste die Macher folgender CD, ein Pasticcio aus verschiedensten Vertonungen zusammenzustellen, um so im Ergebnis (angeblich) die vollständig vertonte Oper zu erhalten:




    Metastasios L'OLIMPIADE


    Zusammengesetzt aus Kompositionen der Herren und Damen Leonardo Leo, Hasse, Galuppi, Sarti, Myslivecek Paisiello, Perez, Vivaldi, Gassmann, Caldara, Traetta, Jommelli, Cherubini, Pergolesi, Piccinni und Cimarosa wird hier (angeblich) die vollständige Vertonung von Metastasios Werk wiedergegeben.


    Romina Basso [Mezzo] Megacle
    Franziska Gottwald [Mezzo] Licida
    Karina Gauvin [Soprano] Argene
    Nicholas Phan [Tenore] Clistene
    Ruth Rosique [Soprano] Aristea
    Nicholas Spanos [Counter] Aminta


    Venice Baroque Orchestra
    Markellos Chryssicos
    (opi)


    Da sind sicherlich einige Schätze dabei. Außerdem sprang mir die Interpretin Karina Gauvin ins Auge... *yepp*


    Ich bin sehr gespannt!


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Dieses Pasticcio wirkt erstaunlich homogen, selbst Cherubinis Anteil (lt. italienischem Wikipedia 1783 entstanden, im deutschen findet man dazu nix... wozu auch?) fällt hier nicht als "Fremdkörper" auf, was mich wirklich staunen macht: kennt man doch von Cherubini allenfalls seine sagenhafte Medée oder Medea (vielleicht noch seine beiden Requietes), die nun stilistisch nichts mehr mit der Opera Seria gemein haben... Cherubini komponiert hier ganz im Seriastile, der in den 1770er Jahren seinen klassischen Höhepunkt fand und dann ausstarb. Demselben Wikipediaartikel ist auch zu entnehmen, daß Cherubini um diese Zeit herum weitere Libretti Metastasios vertonte: L'Alessandro nelle Indie (1784) und Demetrio (1785); leider sind mir diese Werke nicht bekannt, stilistisch wären sie jedoch sicher hochinteressant.


    Ich merke diesem Pasticcio nur ganz selten an, daß es nicht "aus einem Guss" ist - und dies vermutlich auch nur, weil ich es weiß. Es ist eine wirklich großartige Kompilation von Arien, Ensembles und Chören der großen Seriameister. Neben Cherubinis auffallender "Zutat" sind es besonders Vivaldis Mentre dormi, gesungen von Franziska Gottwald als Licida, Leopold Gassmanns Duetto Ne' giorni tuoi felici und Jommellis Lo seguitai felice (mit Hornsolo!), die zutiefst beeindrucken.


    Von Rezitativen wurde (erfreulicher Weise) abgesehen; soviel zum Thema "vollständig"... :beatnik:


    Die Solisten sind allesamt ganz hervorragend, vor allem auch die neben Karina Gauvin und Franziska Gottwald weniger bekannten. Das Ensemble hat einen sehr ausgeglichenen Sound, spielt sehr einfühlsam, korrekt, manchmal vielleicht etwas zu brav.


    Wirklich mal eine tolle Neuproduktion! Die macht auch wieder Lust darauf, sich den gezwungener Maßen "beteiligten" Komponisten im Einzelnen zu widmen. Dabei waren derartige Pasticci ja im 18. Jahrhundert auch durchaus üblich.


    HIP-HIP-HURRA!


    :jubel::jubel::jubel:

    • Offizieller Beitrag

    Da fällt mir gerade ein, daß ich ja folgende DVD besitze:



    Baldassare Galuppi (1706-1785)
    L'Olimpiade (1747)


    Mark Tucker (Clistene)
    Ruth Rosique (Aristea)
    Roberta Invernizzi (Argene)
    Romina Basso (Megacle)
    Furio Zanasi (Alcandro)
    Filippo Adami (Aminta)


    Venice Baroque Orchestra (opi)
    Andrea Marcon


    Diese Produktion stammt von denselben "Machern" wie das o.e. Pasticcio... auch bei den Interpreten gibt es diverse Kongruenzen. Hinter dem jpc-Link verbirgt sich auch ein Videotrailer...


    :wink:

    • Offizieller Beitrag


    Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)
    DEMOFOONTE


    Matthias Habich, Eleonore Marguerre,
    Sunhae Im, Netta Or


    Cappella Coloniensis
    Bruno Weil


    Was hier als angebliches Opernfragment präsentiert wird, ist in Wahrheit ebenfalls ein Pasticcio: in diesem Fall wird allerdings ausschließlich Musik von Mozart verwendet. Fragment kann nur etwas sein, das jemals vollständig war oder als vollständig geplant war; im Falle von Mozarts Demofoonte-Vertonungen war dies niemals der Fall. Mozart hat nur selektiv Texte aus Metastasios Demofoonte vertont und niemals geplant, daraus eine Oper zu machen. Außerdem passen die hier zusammengestellten Arien auch stilistisch nicht zueinander (was deren Einzelwert natürlich nicht mindert), da sie im Zeitraum von 1769 bis 1782 entstanden sind:


    1769
    Ah, più tremar non voglio KV 71 (Akt I, Scene 1 - Tenor - Fragment)


    1770
    Misero me - Misero pargoletto KV 73e (ex 77, Akt III, Scene 2 - Sopran)
    Se adire, e speranza KV 73o (ex 82, Akt I, Scene 13 - Sopran)
    se tutti i mali miei KV 73p (ex 83, Akt II, Scene 6 - Sopran)


    1771
    Non curo l'affetto KV 74b (Akt I, Scene 7, Sopran)


    1781
    Ma, che vi fece, o stelle - Sperai vicino il fido KV 368 (Akt I, Scene 4 - Sopran)


    1782
    In te spero, o sposo amato KV 383h (ex 440, Akt I, Scene 2 - Sopran - Fragment)


    Als Ouvertüre wurde die Sinfonie G-Dur KV 74 vorangestellt. KV 383h, das nur für Singstimme und Bass von Mozart skizziert ist, wurde hier vervollständigt, die fragmentarische Arie KV 71 taucht nicht auf. Eingestreut werden Einzelsätze aus diversen Divertimenti und Cassationen, zum Schluß wird die Ballettmusik zu Le petit riens KV 299b in Auszügen angehängt.


    Das Ganze ist also doch irgendwie ein unbefriedigendes Fragment.


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Die Azione sacra La Betulia liberata von 1734 wurde ebenfalls nicht nur von Mozart vertont:



    Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)


    Margot Oitzinger, Christian Zenker,
    Markus Volpert, Marelize Gerber,
    Ulrike Hofbauer, Barbara Kraus
    L'Orfeo Barockorchester
    Michi Gaigg



    Johann Amadé Naumann (1741-1801)


    Gramß, Haller, Schäfer, Mammel, van der Kamp
    Rheinische Kantorei
    Das kleine Konzert
    Hermann Max


    Keine Einspielungen gefunden habe ich zu den Kompositionen von Antonio Salieri (1821), Niccolo Jommelli (1743), Ignaz Holzbauer (1752), Antonín Kozeluh (1780) und Joseph Schuster (1787)...

  • Keine Einspielungen gefunden habe ich zu den Kompositionen von Antonio Salieri (1821), Niccolo Jommelli (1743), Ignaz Holzbauer (1752), Antonín Kozeluh (1780) und Joseph Schuster (1787)...


    Die Simphonie zu und eine Arie aus der Vertonung von Johann Georg Reutter ist auf diese CD enthalten laut jpc (ich kenne sie sonst nicht):



    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Kürzlich las ich irgendwo, dass Metastasio seine Rezitative singend am Klavier dichtete.
    Damit der jeweilige Affekt nicht gestört werde, war er sehr gegen solistisches Hervortreten von Instrumenten in Arien.
    Während Hasse im Laufe seines Lebens dem Metastasio-Ideal immer näher kam, entwickelte sich der Rest der Komponistenzunft genau entgegengesetzt.

    • Offizieller Beitrag

    Während Hasse im Laufe seines Lebens dem Metastasio-Ideal immer näher kam, entwickelte sich der Rest der Komponistenzunft genau entgegengesetzt.


    Was Hasse anbelangt, so ist das richtig: es entwickelt sich eine regelrechte Symbiose von Text (Metastasios) und Musik (Hasses). Den späteren Komponisten darf man aber eine entgegen Metastasios Absichten gesetzte Entwicklung nicht vorwerfen - das waren schon ganz andere Zeiten, Metastasio hätte um 1770/80 statistisch gesehen längst tot sein sollen/können. Hasse wiederum, der ja in etwa die selben Lebensdaten (1699-1783) wie Metastasio (1698-1782) aufweist, hat seinen Stil nicht unbedingt weiterentwickelt, sondern "nur" perfektioniert; er war nicht so progressiv wie beispielsweise Joh. Chr. Bach, der von Metastasio z.B. Artaserse, Temistocle, Cantone in Utica und Alessandro nell'Indie vertonte. Joh. Chr. Bach war schon die nächste Generation (1735-1782), die sich der alten Texte lediglich bediente, weil es offenbar nur selten bessere neue gab und die ganz natürlich schon anders (von mir aus: moderner) komponierte. An den Lebensdaten im Vergleich mit dem Bachsohn erkennt man sehr gut, daß sowohl Metastasio als auch Hasse "ihre Zeit" stur überlebten...


    Ich schließe daraus, daß die Generation ab Joh. Chr. Bach weniger Wert auf die Poesie legte; wenn das Publikum jener Zeit die Oper besuchte, wollte es schon mehr unterhalten werden (Koloraturen, Bühneneffekte etc.) und nicht mehr so vergeistigte Werke, bei denen das Wort resp. der Sinn der Worte im Vordergrund stand, verinnerlichen. Prima la musica e poi le parole. Giambattista Casti, der Autor des von Salieri vertonten Werkes, lebte von 1724 bis 1803... Mozarts Schauspieldirektor, der dem Werk entgegengestellt wurde, verlor m. E. nicht wegen dessen Musik, sondern weil die Musik von zu viel Text umgeben war... und Salieris Werk genau das zum Thema hatte. Eine quasi sich selbst erfüllt habende Prophezeiung.


    :wink: