Die Reihe "Opern der Welt" von Kurt Pahlen

  • Ich möchte hier die Reihe "Opern der Welt" des Musikwissenschaftlers Kurt Pahlen vorstellen, die manchem natürlich nicht unbekannt sein dürfte. Alle Veröffentlichungen dieser Reihe kenne ich nicht, aber durch einige Opern haben mich die entsprechenden Bücher bereits mit Gewinn begleitet und ich gehe davon aus, dass Pahlen sein Niveau durchweg gehalten hat.


    Kurzbiografie auf der Verlagsseite von Schott:


    Kurt Pahlen, geboren 1907 in Wien, Dr. phil. (Musikwissenschaft), war in Buenos Aires Generalmusikdirektor der Filharmònica Metropoitana und Direktor des Teatro Colón sowie an der Universität Montevideo Gründer und Inhaber des Lehrstuhls für Musikgeschichte. Als Gastdirigent bedeutender Konzert- und Opernorchester, Gastprofessor vor allem südamerikanischer Universitäten und Verfasser von über 50 in zahlreiche Sprachen übersetzten Büchern mit breit gefächerter Thematik, erwarb er sich einen internationalen Ruf als Pionier des Musiklebens. Sein besonderes Engagement gilt mit jährlich mehr als 200 Vorträgen der einführenden Vermittlung des Opernrepertoires an ein breites Publikum. 1994 wurde er von der Universität Buenos Aires zum Ehrendoktor ernannt.


    Was die Bücher über jeweils eine Oper bringen (Deutschland und Italien sind Schwerpunkt, Geheimtipps gibt es nicht, es handelt sich um die üblichen Verdächtigen) ist mehrerlei. Zunächst einmal sind sie Textbücher, die das Libretto auf der rechten Seite darstellen, bei italienischem Originaltext parallel mit deutscher Übersetzung. Auf der linken Seite, synoptisch zum Operntext, erscheinen Erläuterungen, die sowohl Figuren und Handlungen als auch musikalische Aspekte wie Aufbau, Instrumentierung, Motive usw. behandeln und vertiefen, teils mit Notenbeispielen. Darauf folgt eine mehrseitige Inhaltsangabe. Dazu kommt im Anschluss ein umfassender Kommentar, der das Werk biografisch und musik-, entstehungs-, aufführungs- und rezeptionsgeschichtlich einordnet und Fragen der Interpretation aufwirft. Abschließend folgen ein paar Schlagworte zur Oper, sozusagen Trivia oder Varia. Den Abschluss bildet eine Kurzbiografie des jeweiligen Komponisten entlang besonders relevanter Jahreszahlen. Sach- oder Personenregister gibt es nicht.


    Damit erhält man insgesamt sowohl allgemeinere als auch ins Detail gehende Informationen und Perspektiven, die den Zugang zu einem Werk erleichtern und darüber hinaus durchaus auch in die Tiefe gehen. So wie die Bücher aufgebaut und geschrieben sind, gelingt es dem Leser leicht, jene Informationen herauszuziehen, die ihn interessieren. Man kann natürlich von vorne bis hinten lesen, z.B. begleitend zum Hören der Oper, man kann aber auch genauso gut springen, schmökern, kursorisch lesen.


    Um auf den letzten Punkt der Stilistik noch genauer einzugehen, denn den finde ich besonders bemerkenswert: Pahlen schreibt gehaltvoll, nicht oberflächlich und zugleich auch nicht zu wissenschaftlich-akademisch. Was mich überraschte, als ich erst später bemerkte, dass der gute Mann 1907 geboren wurde (und 2013 verstarb), denn der Ton seines Schreibens ist keinesfalls altbacken, sondern (man muss schon sagen nach wie vor) aktuell und zeitgemäß. Ich hätte die Bücher für deutlich jünger gehalten. Dazu kommt, dass er, was ich gleichermaßen angenehm und redlich finde, beispielsweise in strittigen Fragen die verschiedenen Argumentationen und Debatten darstellt statt letzte Antworten zu geben. Er romantisiert nicht, sondern eröffnet den Blick durch das Angebot vieler Perspektiven, bleibt beim Deskriptiven. Das empfinde ich als sehr anregend und bedient genau, was ich mir von einer Werkeinführung erhoffe.


    Eine ganz dicke, herzliche und hoffentlich den ein oder anderen bereichernde Empfehlung meinerseits.


    *sante*



    Die meisten Bände scheinen so ungefähr zwischen 1978 und 1983 erscheinen zu sein und liegen auch aktuell bei Schott vor, teils in durchgesehenen Ausgaben. Wer sucht, mag eventuell auch nicht mehr aufgelegte ältere Veröffentlichungen finden (ich erhebe hier lieber keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Im Folgenden einmal der Versuch einer Übersicht der leicht zugänglichen Bände, ich habe mich auf die aktuellsten Ausgaben beschränkt.



    Beethoven

    • Fidelio




    Bizet

    • Carmen




    Humperdinck

    • Hänsel und Gretel




    Mozart

    • Così van tutte
    • Die Entführung aus dem Serail
    • Don Giovanni
    • Le nozze di Figaro
    • Die Zauberflöte






    Mussorgskij

    • Boris Godunow




    Puccini

    • La Bohème
    • Madame Butterfly
    • Tosca
    • Turandot





    Rossini

    • Der Barbier von Servilla




    Strauss

    • Der Rosenkavalier




    Wagner

    • Der fliegende Holländer
    • Götterdämmerung
    • Lohengrin
    • Die Meistersinger von Nürnberg
    • Parsifal
    • Das Rheingold
    • Siegfried
    • Tannhäuser
    • Tristan und Isolde
    • Die Walküre








    Verdi

    • Aida
    • Don Carlos
    • Nabucco
    • Othello
    • Rigoletto
    • La Traviata
    • Der Troubadour
    • Ein Maskenball






    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)

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