BWV 248 - Weihnachtsoratorium und seine Liebhaber

  • Da ihr mich so oft gefragt und regelrecht gelöchert habt; will ich euch nicht vorenthalten, was derzeit meine liebsten WOs sind. 8-)


    Platz 1


    Johann Sebastian Bach

    Weihnachtsoratorium BWV 248


    Barbara Schlick

    Michael Chance

    Howard Crook

    Peter Kooy


    Collegium Vocale Gent

    Philippe Herreweghe

    1988


    Herreweghe vereint die Vorzüge der beiden folgenden WOs: Feierlichkeit, Intimität, Klangschönheit und Reinheit. Auch wenn bei den Solisten sicher noch Luft nach oben ist, findet er einfach den Goldenen Mittelweg.



    Platz 2




    Johann Sebastian Bach

    Weihnachtsoratorium BWV 248


    Paul Esswood

    Kurt Equiluz

    Wiener Sängerknaben

    Concentus Musicus Wien

    Nikolaus Harnoncourt

    1972


    Radikal anders und neu und als einzige frühe wirklich opi mit Knabensolisten und ruppig im Stil ohne Rücksicht auf Verluste; das gefällt, wenn man mit omis aufgewachsen ist.


    Platz 3




    Johann Sebastian Bach

    Weihnachtsoratorium BWV 248


    Helen Donath

    Marjana Lipovsek

    Eberhard Büchner

    Robert Holl
    Peter Schreier


    Chor des Leipziger Rundfunks

    Blechbläserensemble Ludwig Güttler

    Staatskapelle Dresden

    Peter Schreier

    1986


    Die Prachtentfaltung in ihrer höchsten Form, aber lange wird sich die Aufname nicht mehr halten können; Kuijken etc. drängeln schon.

    Ob ich insgesamt so viele Weihnachtsoratorien wie h-Moll-Messen habe, müsste ich erst eruieren; sicher nicht; aber zwei bis drei Dutzend werden es schon auch sein.

    "Ich bin also wahrscheinlich ein wertekonservativer Liberaler mit roten Socken und grüner Latzhose." (guter Freund) :)

  • Ganz so sicher bin ich mir mit meinem Ranking nicht. Es gibt einige, die ich gerne da hintensetzen würde, aber es gibt mehr Kandidaten für die drei Plätze. Sicher sagen kann ich aber, daß keine omi-Einspielung darunter ist.



    Gardiner gehört dazu, weil er der Freude einen Ausdruck gibt, der über das rein "sportive" hinausgeht. Er hat damals mit einer Menge Vorurteile und Gewohnheiten gebrochen, und heute ist das immer noch eine famose Einspielung.



    Meine jüngste, vor zwei Jahren erworben, als sie gerade erschienen war. Das ist eine konsequent solistisch besetzte Einspielung, die mich durch ihre fragile Klanglichkeit sehr angesprochen hat. Zwar ist die Realisierung nicht immer optimal, aber ihre Unmittelbarkeit hat etwas Entwaffendes.


    Sehr beeindruckt hat mich auch Kuijkens 2014er Einspielung: auch solistisch besetzt, klanglich beeindruckend mit überzeugenden Solisten und Instrumentalisten.


    Herreweghes 1989 erschienene Aufnahme muß ich aber ebenso nennen - besonders ausgeglichen, vorzüglich musiziert und gesungen.


    Ganz ähnlich wie Herreweghe geht Suzuki ans Werk: groß besetzt, prächtig im Klang, exzellent umgesetzt.


    Insgesamt ist man beim WO wirklich gut mit klassen Einspielungen gesegnet - selbst in der omi-Fraktion findet man noch einige Perlen. Aber das Gefälle zwischen beiden Lesarten ist doch extrem angewachsen: Freude, Würde oder Festlichkeit unterliegen ganz anderen Sichtweisen, Dukten, Tempi und Gesangstraditionen. Heutzutage ist ein WO mit 170 Minuten wirklich lahm, wirkt dank 100köpfigen Chor und 80köpigen Orchester einfach zu unbeweglich und zu überladen. Hier hat HIP/opi am Meisten Veränderungen eingebracht.

  • Tja, das WO kenne ich eigentlich nur aus diversen Livekonzerten (1 - 3, 4 - 6, 1 & 3 & 6 oder in welcher Zusammenstellung auch immer) zur Weihnachtszeit. Ich kann mich nicht erinnern das "Werk" jemals gesamthaftig von irgendwelchen CDs (2 bis 3) gehört zu haben, obwohl auch hier, selbstverständlich, einige Gesamtaufnahmen, omi & opi, herumstehen, wie Gardiner, Brilliant Cl. I (Interpreten?), Richter und wahrscheinlich zwei oder drei weitere. Offenbar kenne ich unsere Sammlung nicht gut genug, um hier präzisere Angaben zu machen, :(.

  • Nun, was soll ich sagen; ich bin ja selbst zutiefst betrübt. Andererseits sollte man bedenken, dass die Anschaffungen dieser ganzen WOs noch aus einer Zeit stammen, als ich den Wert einer Neuanschaffung nicht daran gemessen habe, dass mir hier etwas ganz Einzigartiges begegnen könnte, sondern daran, dass das Teil eben günstig, den Begriff "billig" vermeide ich besser, war.

  • Ich bitte dich: billig ist noch nicht das Unwort des Jahres... *opi*


    Es ist ja ein besonderes Glück, daß man durchaus gute Einspielungen von Bachs großen Vokalwerken für wenig Geld beziehen kann. Und einige Aufnahmen sogar für Versandkosten plus einigen Cents Bearbeitungsgebühr... *yes*


    Aber wir müssen dich mal ermahnen und zum Glück zwingen: als Buße wirst du bis zum 6. Januar eine deiner Einspielungen komplett durchhören... *sm*


    Tut mir leid, aber wir müssen dich zurück in die Spur zurückbringen... :saint:

  • Tja, das WO kenne ich eigentlich nur aus diversen Livekonzerten (1 - 3, 4 - 6, 1 & 3 & 6 oder in welcher Zusammenstellung auch immer) zur Weihnachtszeit. Ich kann mich nicht erinnern das "Werk" jemals gesamthaftig von irgendwelchen CDs (2 bis 3) gehört zu haben


    Das "Schicksal" teilst du sicher mit vielen Zeitgenossen. :)Viele kennen sicher nur den Beginn. 8-) Ich höre das WO entweder komplett oder einzeln an den jeweiligen Tagen. Es sei denn, ich werde irgendwie unterbrochen.

    "Ich bin also wahrscheinlich ein wertekonservativer Liberaler mit roten Socken und grüner Latzhose." (guter Freund) :)

  • Nun, was soll ich sagen; ich bin ja selbst zutiefst betrübt. Andererseits sollte man bedenken, dass die Anschaffungen dieser ganzen WOs noch aus einer Zeit stammen, als ich den Wert einer Neuanschaffung nicht daran gemessen habe, dass mir hier etwas ganz Einzigartiges begegnen könnte, sondern daran, dass das Teil eben günstig, den Begriff "billig" vermeide ich besser, war.

    Je häufiger ich das lese, deso frecher finde ich das. :)8-);)

    "Ich bin also wahrscheinlich ein wertekonservativer Liberaler mit roten Socken und grüner Latzhose." (guter Freund) :)

  • Alle Jahre wieder,ab heute taggenau die einzelnen Kantaten des einzig wahren WOs ( gilt nur für mich...also immer mit der Ruhe Ihr OPIs):

    Jannowitz,Ludwig,Wunderlich, Crass, Münchner Bachchor und Orchester unter Richter- nicht zu vergessen an der Orgel die Continuo-Klangzauberin Hedwig Bilgram



    Skandalös: diese Aufnahme ist als CD bei beiden Handelspartnern nicht lieferbar.

    Nicht mal die Bilder wollen sich einfügen lassen...*sm*

    Mäßigung, das ist meine eiserne Regel. Neun oder zehn Whiskys sind eine vernünftige Erfrischung, alles andere artet in Trinkerei aus.


    schottische Weisheit

  • Erstaunlich - so seltsam unausgewogen hätte ich es jetzt gar nicht erwartet. Aber gut - wenn man sie live hört, mag es anders sein; da braucht man vielleicht wirklich keine Aufnahmen.


    Aber wenn ich mir ansehe, was du an h-moll-Messen hast, hätte ich nicht erwartet, daß du bei einem anderen der großen Vokalwerke Bachs so "wenig" hast... *juck*

  • Guten Tag


    neben dieser


     


    Aufnahmen von 1973 ( hatte ich auch als LP ) mit den Wiener Sängerknaben und dem Concentus Musicus Wien


    höre ich auch gerne Rene Jacobs Einspielung:


     


    mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin.



    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Frage an die hier versammelten Experten:

    Wer hat das Weihnachtsoratorium solistisch besetzt eingespielt?

    Danke im Voraus für eure Antworten!


    Siegfried 🙂

    Ich bin alles andere als ein Experte. Allerdings soll diese Produktion solistisch besetzt sein:




    Sunhae Im, Petra Noskaiova, Stephan Scherpe, Jan van der Crabben, La Petite Bande, Sigiswald Kuijken


    Bei JPC heißt es:


    "Die Solistenbesetzung übernimmt gleichzeitig die Chorstimmen, jeweils mit nur einem / einer Sänger / in besetzt. Auch das Instrumentalensemble kommt mit einer nur fünfköpfigen Besetzung der hohen Streicher aus."


    Einzelheiten zu diesem Konzept kann man im Booklet nachlesen.