BWV 244 - Matthäus-Passion: Einspielungen (opi)


  • Gardiner


    Eine Aufnahme, die mir sehr gefällt. Gardiner ist etwas flotter unterwegs und nimmt dem Werks so die bleierne Schwere.
    Die Solisten sind durchweg sehr gut.



    Leonhardt


    Eine ziemlich karge und zurückgenommene Interpretation - sehr gut gemacht, aber auch schwer verdaulich.




    McCreesh


    Eine solitische Matthäus Passion, ziemliche transparenz, flotte Tempi - schneller als Gardiner.
    In jedem Fall eine neue Hörerfahrung.




    Herreweghe


    ich besitze noch die ältere Aufnahme der Matthäus Passion mit Herrweghe. Beide Aufnahmen sind allerdings gleich gut, unterscheiden sind vor allem durch die Solisten. Und da hat die ältere durch Howard Crook bei mir natürlich die Nase forn.

  • Guten Tag,


    ich habe folgende Gesamteinspielungen von BWV 244:


    1.)


    Collegium Vocale Gent, Leitung: Philippe Herreweghe ( 1998 )





    2.)


    Arnold Schönberg Chor & Concentus musicus Wien, Leitung: Nikolaus Harnoncourt ( 2000 )





    3.)


    Bach Collegium Japan , Leitung: Masaaki Suzuki ( 2005 )




    4.)


    La Petite Bande, Leitung: Sigiswald Kuijken ( 2008 )




    (Demnächst mehr dazu )


    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

    «Es ist wurscht, ob das jemand versteht, aber es muss gesagt werden» (Samuel Beckett)

  • Die Bearbeitung der Matthäus Passion durch Felix Mendelssohn Bartholdy liegt auch in einer sehr guten Aufnahme vor:



    Das Neue Konzert - Chorus Musicus - Christoph Spering


    Auszüge daraus gibt es ebenfalls:




    Es erklingt die Fassung von 1841, die durchaus hörenswert ist. Das Ensemble musiziert auf hohem Niveau und versucht auch den romantischen Ansatz miteinzubringen, was eine faszinierende Hörerfahrung mit sich bringt. Mendelssohn schuf eine ganz eigene Instrumentierung, so gibt z.B. auch kein Orgelcontinuo, sondern der Evangelist wird von tiefen Streichern begleitet.

  • Kennt schon jemand die neuere Einspielung der Niederländischen Bachvereinigung mit Jos van Veldhoven?


    Würde mich reizen, da mir seine anderen Aufnahmen (der Johannespassion, des Weichnachtsoratoriums, und vor allem der h-moll Messe) sehr gut gefallen haben.


    LG
    Tamás
    :wink:

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!

  • Harnoncourt, nun ja, ich habe ihn immer gemieden, aber er scheint seine Verdienste gehabt zu haben, zumindest wurde das in den 80er Jahren von einem Musikwissenschaftler wie Schalz so gesehen.

    Verdienste hat er zurecht angesammelt - aber seine Aufnahmen können sehr gewöhnungsbedürftig sein. Ich habe einiges Sachen von ihm, und die sind mal gelungen, mal nicht. Er geht halt seinen eigenen Weg, und den hält er für richtig. Was andere über ihn denken, scheint ihn kaum zu tangieren. Heutzutage dirigiert er kaum Barock (außer Bach oder Händel), viel Klassik und Romantik. Seine Auffassung von Quellenstudium hat sich dagegen nicht geändert: immer gegen den Strich bürsten.


    -----


    Veldhoven lohnt sich. Allerdings besitze ich h-moll-Messe und Weihnachtoratorium von ihm, keine der Passionen. Auch ein Kandidat für die nächste Saison... *hmmm*


    Von den HIPpen Einspielungen würde ich Herreweghes erste empfehlen:


    (P) 1985


    Sie hat jene ruhige Besonnenheit, die Herreweghes Aufnahmen immer wieder kennzeichnen. Paßt hier sehr gut... :jubel:


    Die von Kuijken ist in der Besetzung rein solistisch:


    (P) 2010


    Und wenn man ein Klangexperiment nachvollziehen will, kommt man an Jacobs nicht vorbei:


    (P) 2013


    Allerdings muß man die Ausgabe mit den Hybrid-SACDs kaufen, nicht die mit den CDs. Hier und hier hatte ich was dazu im Nachbarforum geschrieben.



    jd :wink:

  • Von den HIPpen Einspielungen würde ich Herreweghes erste empfehlen

    Ich habe gerade mal bei jpc nachgesehen, die diese Einspielung nicht haben und dann eben bei amazon, die sie gebraucht sehr günstig anbeiten, danke für den Link 8o (als Gebrauchthändler akzeptiere ich amazon nolens volens). Hörbeispiele gibt es da keine. Dafür gibt es bei jpc welche von der Aufnahme von Veldhoven

    Veldhoven lohnt sich. Allerdings besitze ich h-moll-Messe und Weihnachtoratorium von ihm, keine der Passionen. Auch ein Kandidat für die nächste Saison... *hmmm*

    Ich habe mich mal ein bisschen durchgehört und hatte einen sehr guten Eindruck, als ich die Chor- und instrumentalen Passagen hörte. Bei den Solisten, Evangelist und Alt dann weniger. Der Evangelist scheint mir etwas flau und in der Tiefe schwach. Der Altist hat für mein Empfinden ebenfalls zu wenig Ausdruck und dafür ein Übermaß an Vibrato: Das ist natürlich nur der Eindruck aufgrund der kurzen Schnipsel, von den Solisten ist ja in den Arien meist nach der instrumentalen Einleitung nicht mehr viel zu hören. Das Dirigat, wie gesagt, klingt für mich sehr überzeugend.


    Tja - und eigentlich hätte ich ja schon gerne noch einmal eine aktuelle Interpretation, aber da hatte ich bisher noch kein Glück. Von den beiden HIP-Aufnahmen, die ich besitze, ist mir die Gardiner-Aufnahme nach wie vor die liebste.

    Gardiner ringt für mein Wahrnehmen tatsächlich darum, der Musik so viel Ausdruck wie möglich zu entlocken. Schon als ich bei ihrem Erscheinen in einer Radio-Rezension den „Blitze-Donner-Chor“ und den Eingangschoral hörte, war ich begeistert. Allerdings nimmt Gardiner – historisch informiert und mit historischem Instumentarium spielend – zwischen dem heute für mich fast unerträglichen Richter und Sigiswald Kuijken mit La Petite Bande, meiner dritten von fünf Einspielungen, eine Zwischenstellung ein: Er lässt den Monteverdi-Choir spielen, während Kuijken sich auf die Stimmen der doppelt besetzten Solisten plus Soprano in ripieno (ohne solistische Aufgaben) und zwei weitere Bässe für die „Nebenrollen“ beschränkt.

    Gerade die Choräle klingen in der Aufnahme von Kuijken zauberhaft durchsichtig. Dennoch fehlt mir auch bei Kuijken Entscheidendes, was verhindert, dass ich seine Aufnahme konzentriert folgen kann. Zum einen erscheint er mir als moderner Vertreter der Sichtweise der Passion als Ideenkunstwerk.
    Ich habe den Eindruck, dass er darum bemüht ist, den expressiven Ausdruck der Musik auf ein Minimum zu reduzieren. Zum anderen gibt es in der Aufnahme Schwächen, entweder der Aufnahme oder des Spiels, die dazu führen, dass beispielsweise in der Alt-Arie (Nr. 39) die Geigen untergehen und in Konkurrenz mit der Stimme eher als unterdrückte Störfaktoren in Erscheinung treten. ?(


    Ich glaube, ich werde mich noch einmal an die M P (Nr. 1) von Herrweghe ranpirschen, Eigentlich erschiene mir eine Aufnahme in der Besetzung wie bei Kuijken und mit dem Dirigat Gardiners am attraktivsten.

  • Gardiner habe ich nie besessen. Irgendwie ging er immer an mir vorbei. Doch bin ich inzwischen gut mit verschiedenen Einspielungen der MP eingedeckt, daß ich auch mal verzichten sollte. Meine erste war die von Brilliant Classics,



    D: Paul Goodwin (rec. 02/1994)


    und die hat sich in meinen Ohren immer noch sehr gut gehalten. Hohes Tempo (151 Minuten), solistische Besetzung, sehr gute Aussprache des Deutschen, pointiert rhythmisiert. Höre ich immer wieder mit Begeisterung... :thumbup:


    Kuijkens Lesart scheint einige Hörer nicht besonders zu begeistern. Ich habe das aber nie als Nachteil empfunden. Ich finde es auch nicht verkehrt, wenn man den Affekt zugunsten der theologischen Idee hinter der MP reduziert. Ich fand es durchaus erhellend und nachvollziehbar.


    Es ist ohnehin ein Vorteil, daß es so viele Aufnahmen gibt: man kann sehr leicht verschiedene interpretatorische Gewichtungen der MP kennenlernen, die in ihrer Gesamtheit durchaus ein bemerkenswertes Kaleidoskop an Aspekten hervorbringen. Ich empfinde es nicht als falsch, verschiedene Ansätze zu realisieren, auch wenn sie nicht immer überzeugen. Ich kenne sehr viele alte Aufnahmen (Ramin, Mengelberg, Richter, Lehmann), die mir auch wichtige Erkenntnisse beschert haben.



    jd :wink:

  • Ich habe auch noch eine ganz ordentliche Aufnahme aus der Brilliant-Bach-Gesamtedition. Das ist allerdings nicht die von dir angeführte Brilliant-Aufnahme, sondern mit D: Stephen Cleobury.


    Was die Interpretation angeht, gibt es natürlich unterschiedliche, gleichermaßen berechtigte Zugänge. Die verhaltene Darstellung bei Kuijken hat auch ihren Reiz, tatsächlich ist ein dramatischer Operngesang hier (zumindest) nicht sachgemäß. Mir erscheint es aber so, dass trotz großem Wohlklang an zahlreichen Stellen, das Konzept von Kuijken an anderen Stellen nicht ganz aufgeht. Bei Blitzen und Donner funktioniert es noch ganz gut, aber wenn dann die Hölle ihren feurigen Rachen eröffnen soll, dann ist mir das zu lakonisch.


    :wink:

  • Ich habe jetzt etwas intensiver in die Veldhoven-Aufnahme reingehört, die Teil des Projekts der Niederländischen Bachvereinigung ist, alle Werke von Bach online verfügbar zu machen, und muss sagen: Wow!
    Die Aufnahme ist dabei zu meiner neuen Lieblingsaufnahme zu avancieren und damit Gardiner abzulösen.
    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Dieses Jahr darf nur eine neue MP kommen, aber welche?


    Nikolaus Harnoncourt, 2000


    Christoph Pregardien
    Michael Schade
    Christine Schäfer
    Dorothea Röschmann
    Arnold Schoenberg Chor
    Wiener Sängerknaben
    Concentus Musicus Wien
    Nikolaus Harnoncourt


    Jos van Veldhoven, 2010


    Amaryllis Dieltiens
    Siri Karoline Thornhill
    Tim Mead, Gerd Türk
    Julian Podger
    Charles Daniels
    Kampen Boys Choir
    The Netherlands Bach Society
    Jos van Veldhoven



    Rudolf Lutz, 2013


    Charles Daniels
    Peter Harvey
    Joanne Lunn
    Margot Oitzinger
    Wolf Matthias Friedrich
    Chor der J. S. Bach-Stiftung
    Orchester der J. S.
    Bach-Stiftung
    Rudolf Lutz



    Frieder Bernius, 2015


    Hannah Morrison
    Sophie Harmsen
    Tilman Lichdi
    Peter Harvey
    Kammerchor Stuttgart
    Barockorchester Stuttgart
    Frieder Bernius

    Jan Willem de Vriend, 2014


    Jörg Dürmüller
    Marcos Fink
    Judith van Wanroij
    Helena Rasker
    Maarten Koningsberger
    Consensus Vocalis
    Netherlands Symphony Orchestra
    Jan Willem de Vriend


    Peter Seymour, 2014


    Charles Daniels
    Peter Harvey
    Bethany Seymour
    Nancy Cole
    Julian Podger
    Helen Neeves
    Sally Bruce-Payne
    Joseph Cornwell
    Matthew Brook
    Yorkshire Baroque Soloists
    Peter Seymour


    Rene Jacobs, 2012


    Werner Güra
    Johannes Weisser
    Sunhae Im
    Bernarda Fink
    Topi Lehtipuu
    Konstantin Wolff
    Staats- und Domchor Berlin
    RIAS Kammerchor
    Akademie
    für Alte Musik Berlin
    Rene Jacobs


    Richard Egarr, 2014



    James Gilchrist
    Sarah Conolly
    Elizabeth Watts
    Christopher Maltman
    Choir of the Academy of Ancient Music
    Academy of Ancient Music
    Richard
    Egarr


    Peter Dijkstra, 2013


    Karina Gauvin
    Gerhild Romberger
    Julian Pregardien
    Maximilian Schmitt
    Michael Nagy
    Karl-Magnus Fredriksson
    Chor des Bayerischen Rundfunks
    Regensburger Domspatzen
    Concerto Köln
    Peter Dijkstra

  • Dieses Jahr darf nur eine neue MP kommen, aber welche?

    Eine - von neun Vorgeschlagenen?!?


    Mensch, bist du brutal: bist doch sonst nicht so zimperlich... :umfall:


    Ich kenne nur eine: die von Jacobs. Meine Sichtweise hatte ich weiter oben schon dargelegt, inklusive Links. Von denen, die ich nicht kenne, würde ich blind Veldhoven vorschlagen... *sante*



    jd :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Eine - von neun Vorgeschlagenen?!?


    Mensch, bist du brutal: bist doch sonst nicht so zimperlich... :umfall:

    Na ja, ich habe schon sehr viele MPs und wann kommt man schon dazu, die drei Stunden am Stück zu hören. Ich splitte hier ungern, aktweise mag bei Opern gehen, hier nicht. Häppchenweise nur bei Klemperer, da ging das nicht anders.


    Die Aufnahmen habe ich schon in der Reihenfolge gerankt; von oben nach unten sinkt mein Interesse. Aber NH hat so viele widersprüchliche Bewertungen; Veldhoven soll ein wenig das Dramatische fehlen usw.

  • Aber NH hat so viele widersprüchliche Bewertungen; Veldhoven soll ein wenig das Dramatische fehlen

    Harnoncort hat - Veldhoven soll...hättehättefahradkette. Wen interessiert das Gesülze: hör in die Aufnahmen rein. Du hast doch spotify. Dann weißt du mehr.



    jd :wink:

  • Auch ohne Spotify kannst du dir die Interpretation von Veldhoven hier zu Gemüte führen. Es ist ja vermutlich nicht exakt die gleiche Aufführung wie auf CD, dürfte aber doch vergleichbar sein. Ich finde sie auf - ausnahmsweise mal auch auf Video, was mich normalerweise weniger interessiert - wirklich großartig. Höchst dramatisch und verinnerlicht; genau so wie ich die Matthäus-Passion innerlich erlebe.
    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Auch ohne Spotify kannst du dir die Interpretation von Veldhoven hier zu Gemüte führen. Es ist ja vermutlich nicht exakt die gleiche Aufführung wie auf CD, dürfte aber doch vergleichbar sein. Ich finde sie auf - ausnahmsweise mal auch auf Video, was mich normalerweise weniger interessiert - wirklich großartig. Höchst dramatisch und verinnerlicht; genau so wie ich die Matthäus-Passion innerlich erlebe.
    :wink:


    Danke nochmal, lieber Hermann, für diesen Hinweis. Ich habe das erste Drittel gehört und gesehen und mich vor einem Fehlkauf bewahrt. Das ist wunderschön, aber nicht meins. Bei der h-Moll-Messe funktioniert das; aber über drei Stunden fallen mir da die Augen zu. Mir fehlt das Expressive; eine Messe ist eben keine Passion ...

    • Offizieller Beitrag

    Matthäus Passion BWV 244: Einspielungen (opi)


    So verengt sich das Feld schneller als gedacht. NH geht gar nicht wegen opernhafter Elemente, Veldhoven zu undramatisch. Jacobs behagt mit hörenderweise wieder nicht, Dijkstra hat mir noch nie gefallen, de Vriend und Seymour kenne ich nicht wirklich; bleiben Lutz und Bernius. Des letzteren Mendelssohn mag ich sehr, mal sehen.

  • bleiben Lutz und Bernius


    Und wos is mit Egarr? *flirt*


    PS.1. Obwohl die Schnipsel von Lutz vielleicht besser klingen...
    PS.2. Bernius geht mal garnicht laut Schnipseln. Buchstabierend, leblos.


    LG
    Tamás
    *castor*

    Alle Wege führen zum Bach,
    .................................... wo der kleine Biber lebt!