Jetzt im Ohr (2019)


  • Eugen d’Albert

    Tiefland, Musikdrama 2 Akte und Prolog (1903): Auszüge


    Marta – Inge Borkh
    Nando – Johannes Elteste
    Nuri – Catarina Alda
    Pedro – Hans Hopf
    Sebastiano – Thomas Stewart
    Tommaso – Hans-Bruno Ernst

    Chor der Deutschen Oper Berlin

    Bamberger Symphoniker

    Hans Löwlein

    9. November 1964 (Bamberg at Kulturraum)

    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi


  • Eugen d’Albert

    Tiefland, Musikdrama 2 Akte und Prolog (1903)


    Ernst Gutstein

    Theo Adam

    Günther Leib

    Hanne-Lore Kuhse

    Heinz Hoppe

    Rosemarie Rönisch


    Staatskapelle Dresden

    Paul Schmitz

    1963


    Gestern am späteren Abend ...

    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi

  • CD 7


    Felix Mendelssohn Bartholdy

    Geistliche Chorwerke: Choral-Harmonisierungen (Vom Himmel hoch; Das deutsche Gloria; Wie schön leuchtet der Morgenstern)
    Kyrie in c (1823), Jube Domine (1822), Cantique pour l'Eglise Wallone, 2 Englische Psalmen, 7 Psalmen (Lobwasser), 11 Psalmmotetten

    Choralharmonisierungen (1843) [10.25]


    Kyrie in C (1823) [12.18]
    Jube Domine (1822) [6.20]
    Cantique pour l’Eglise Wallone de Francfort (1846) [1.34]
    2 English Psalms (1839) [5.24]
    7 Psalms (1843) [6.53]
    13 Psalm Motets (1821) [35.24]


    Chamber Choir of Europe

    Wurttembergische Philharmonie Reutlingen
    Nicol Matt
    2002 (Kloster Bronnbach, Wertheim)

    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi


  • Ich hieraus:

    CD 7


    Johannes Brahms

    Klaviersonate Nr. 3 f-moll op. 5 (1854)


    Grigory Sokolov, Klavier

    20. Oktober 1993 (Salle Gaveau, Paris: live)


    Nach einerstündiger Radtour mit Babsi bei schneidendem Wind und Eisregen in heißer Wanne ...

    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi

  • CD 1


    GREAT CONDUCTORS OF THE 20th CENTURY 11: NICOLAI MALKO


    Michail Glinka

    Ouvertüre: Ruslan und Ljudmila, 1837–42


    Philharmonia Orchestra
    Nicolai Malko

    17. Februar 1956 (Kingsway Hall, London)


    Alexander Borodin

    Sinfonie Nr. 2 h-Moll (1869–76)


    Philharmonia Orchestra
    Nicolai Malko

    23. September 1955 (Kingsway Hall, London)


    Nikolai Rimski-Korsakow

    Snjegurotschka (Schneeflöckchen, 1880–81, UA 1882): Tanz der Gaukler


    Philharmonia Orchestra
    Nicolai Malko

    1. März 1956 (Kingsway Hall, London)


    Pjotr Tschaikowski

    Suite aus dem Ballett Der Nussknacker op. 71a (1892)


    Philharmonia Orchestra
    Nicolai Malko

    9./ 11. Februar 1956 (Kingsway Hall, London)


    Sergei Prokofjew

    Sinfonie Nr. 7 cis-moll, op. 131 (1951/52)


    Philharmonia Orchestra
    Nicolai Malko

    4./ 7. Februar 1955 (Kingsway Hall, London)

    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi


  • Ich hieraus:

    CD 4


    51JGtQdUvhL._SX300_.jpg



    Johann Sebastian Bach

    Orgelwerke Vol.4a: Toccata & Fuge BWV 540; Choräle BWV 651-661 Choräle BWV 651-661

    1: Toccata et Fuga in F-Dur, BWV540

    2: Fantasia super "Komm, Heiliger Geist", BWV651

    3: Komm, Heiliger Geist, BWV652

    4: An Wasserflüssen Babylon, BWV653

    5: Schmücke dich, o liebe Seele, BWV654

    6: Trio super "Herr Jesu Christ, dich zu uns wend", BWV655

    7: O Lamm Gottes unschuldig, BWV656

    8: Nun danket alle Gott, BWV657

    9: Von Gott will ich nicht lassen, BWV658

    10: Nun komm, der Heiden Heiland, BWV659

    11: Trio super "Nun komm, der Heiden Heiland", BWV660

    12: Nun komm, der Heiden Heiland, BWV661


    Matthias Eisenberg / Orgel St. Ulrici, Braunschweig
    1990


    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi

  • Weihevolle cis-Moll-Langsamkeit, allerdings ohne Präludium .....

  • CD 8


    Felix Mendelssohn Bartholdy

    Geistliche Chorwerke: 3 Motetten op. 39, Vespergesang, 2 Geistliche Männerchöre op. 115 et altera


    Veni Domine Op. 39 (1830) [3.47]
    Laudate Pueri Op. 39 (1837) [5.45]
    Surrexit pastor bonus (1830) [7.36]
    Hebe deine Augen auf (from Elijah) [1.48]
    O beata et benedicta (1830) [3.00]
    Vespergesang ‘Adspice domine’ Op. 121 (1830) [11.22]
    Zwei Geistliche Mannerchore Op. 115 (1833) [5.45]
    Trauergesang Op. 116 (1845) [3.56]
    Jauchzet dem Herrn alle Welt (1844) [4.20]
    Denn er hat seinen Englen (1844) [3.14]
    Zum Abensegen ‘Herr sei gnadig’ [2.27]


    Chamber Choir of Europe

    Wurttembergische Philharmonie Reutlingen
    Nicol Matt
    2002 (Kloster Bronnbach, Wertheim)

    "Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern." Indira Gandhi

  • J. S. Bach / Musikalisches Opfer / Siegbert Rampe / La Stravaganza Hamburg*:


    81wjY5RJz%2BL._SL340_.jpg


    Rec. in St. Laurentius-Kirche Munkbarup (SH), Mai 1992


    Andrea Theinert - Traversflöte,

    Gesine Hildebrandt - Violine,

    Barbara Gerber - Cello,

    Siegbert Rampe - Cembali (ein- und zweimanualig)


    In den Ricercari à 3 & à 6 bespielt Rampe den Nachbau eines einmanualigen thüringischen Cembalos mit drei 8'-Registern auf zwei Chören, dessen, so Rampe in seinem fundierten Begleittext, "sonorer Klang mit außergewöhnlicher Tondauer und überdeutlicher Ansprache zu weitreichender Transparenz gerade auch in der sechsstimmigen Fuge" führe. Sicher ein Merkmal, das sich auch bei wiederholtem Hören dieser Aufnahme bestätigt. Hervorzuheben ist auch die Traversflöte, die in der exquisieten und lebhaften Spielweise von Andreas Theinert dem kammermusikalischen Geschehen besondere Konturen verleiht.

    Begleittext von Siegbert Rampe - Intention und Entstehung, Thema und Tonart, Disposition und Gliederung, Form und Struktur, Instrumentierung, Aufführung


    * später Umbenennung in Nova Stravaganza


  • Eugen d'Albert: Der Golem


    Mark Morouse - Der Golem (Bariton)

    Alfred Reiter - Rabbi Loew (Bass)

    Tansel Akzeybek - sein Jünger (Tenor)

    Ingeborg Greiner - Lea (Sopran)

    Giorgos Kanaris - Kaiser Rudolph II. (Bariton)

    Mark Rosenthal - 1. Jude (Tenor)

    Sven Bakin - 2. Jude (Bass)


    Chor des Theater Bonn

    Beethoven Orchester Bonn

    Stefan Blunier

    2010


    Meine Einlassungen:


    Wie bereits weiter oben erwähnt, ist der Golem-Stoff ein sehr vielschichtiger. Er gründet tief in der jüdischen Geschichte, Kabbala, (Zahlen-)Mystik, Legendenbildung, seine schriftlich überlieferten Ursprünge gehen zurück ins 12. Jahrhundert und letztlich bis auf die talmudische Schöpfungsgeschichte. Seine Tradition reflektiert die von Migration und Verfolgung geplagte Identität des Judentums. Wer den historisch wispernden Zauber der Stadt Prag liebt, kommt an ihm ebenso wenig vorbei wie der Gelegenheitstourist. Er ist verknüpft mit mittelalterlicher Alchemie, enthält Elemente des Schaurigen und transportiert die Frage nach dem Göttlichen im Menschen bzw. die Vermessenheit, Hybris und Selbstüberschätzung des Homo faber. Damit bestehen intertextuelle Verknüpfungen zu anderen Stoffen und Themen wie dem Turmbau zu Babel, den Motiven des Homunkulus und Doppelgänger (wie in Meyrinks Roman genutzt) bis zur künstlichen Intelligenz unserer Zeit, die gleichermaßen als Hoffnungsträger und Schreckensszenario gesehen werden kann.


    D'Alberts Oper (das Libretto von Ferdinand Lion basiert auf dem Drama "Der Golem. Ghettolegende in drei Aufzügen" von Arthur Holitscher aus dem Jahre 1908) beinhaltet viele dieser Bezüge ebenfalls, für mich steht allerdings die leidende Perspektive des Geschöpfs selbst im Vordergrund. Seine Zerrissenheit zwischen Folgsamkeit, Zweifel, leidvoller Trauer, Wut, Macht und Ohnmacht fesselte mich. Erzählt wird die Schöpfung oder vielmehr die Neuschöpfung des Golem durch Rabbi Loew, der die vor langer Zeit vergrabene Figur reanimiert, und es scheint, er tut dies einfach, weil er es kann. Abgesehen von gewissen Zweifeln angesichts der ihm gegenüberstehenden Monstrosität im ersten Akt erkennt er erst spät, als das Ganze im dritten Akt katastrophal geworden ist: "Es wuchs mein Werk über den Plan hinaus. So schuf auch Gott seine Welt, sie stürmte dann ohne ihn vor, über alle Zeit" und "Ich griff und wühlte in tiefste Kreise. [...] Vermessen in Wahn". Der Golem hat ihm als Diener zu arbeiten, macht Küchendienste, kleidet ihn an. Dementsprechend gibt er ihm auch eines nicht: Sprache. Das ist nun gerade für eine tragende Rolle in einer Oper etwas ungünstig - also gibt es auch Lea, die "Tochter" des Rabbi, deren eigentliche Herkunft im Dunkel bleibt und die sowohl als krank leidend (sie plagen Nachtmahre und Somnambulismus) wie auch als ungleichgewichtiges Wesen beschrieben wird: in ihr liege "nur das weibliche, einsam, es fehlt das Gegengewicht, und sie sinkt ungehemmt nach einer Seite".


    Lea ist es nun, die dem Golem - singend natürlich, eine sehr schöne Szene - das Sprechen lehrt. Das ist ein weiterer Akt auf dem Schöpfungsweg des Golem, der sich hier mit den aufeinander folgenden Entwicklungsschritten Lebendigkeit ("Seele") - Sprache - (Selbst-)Bewusstsein - Liebe beschreiben lässt. Zunächst ist die Schöpfung dieses monströsen Wesens von außen angeregt, irgendwann aber verselbstständigt sich der weitere Weg des Geschöpfs, denn mit dem Bewusstsein kommt auch die Erinnerung ("Jahre, Jahre. Drückt nicht mehr die Erde, erdrücken die Jahre. Dem wandernden Urvolk gehöre ich.") und die Erkenntnis der eigenen leidvollen Existenz, was Schmerz bereitet und Zorn gebiert. Die ersten Worte des Golem sind "Nacht", "Tag", "Wasser" und dann bereits "Leiden" und "Ich leide". Nur die Liebe kann sich dem Schrecken der leidenden Kreatur entgegenstellen und so erkennen sich der zweifellos sehr männliche Golem und die sehr weibliche Lea als Partner im Leid, als zwei Teile eines Ganzen, als Yin und Yang - wie überhaupt derartige Polaritäten im Text der Oper besonders betont werden: Nacht und Tag, Schaffen und Zerstören, Verborgenes und Geoffenbartes, neu und alt, Erde und Himmel, der "Lebend-Tote" und besonders schön nennt der Golem sie "O Überirdische" und Lea ihn "O Unterirdischer".


    Dass der Rabbi ihre Verbindung nicht duldet und stattdessen Lea im Sternwartenturm Tycho von Brahes versteckt, resultiert in elementarer, zerstörerischer Wut, mit der der Golem nun Prag heimsucht: "Stadt sei gegrüßt, wir ringen bis du die Geliebte zu meinen Füßen ausspei'st. Ich stemme die Häuser der Straßen auseinander. Ich spiele Fangball mit Sonne und Mond. Ich reiß die Bäume aus und trag sie mit den Wurzeln in der Luft. Die Menschen werden erzittern". Schließlich kann es nicht sein Schöpfer Loew sein, der den Golem bändigt, sondern die Vollendung der Verbundenheit mit Lea: der Rabbi vermählt sie, womit allerdings beide ihr Leben aushauchen, der Golem letztlich dauerhaft deaktiviert als Loew ihm das Papierkügelchen mit 72 Schriftzeichen des "geheimnisvoll umschrieb'nen Gottesnamens" wieder aus dem Mund nimmt, mit dem er das Geschöpf belebt hatte.


    Die Figur des Golem erhält in ihrer Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung einen besonderen Fokus, ist gezeichnet als zerrissene Existenz, die unter der Last der Jahrhunderte leidet, die Brutalität der Menschen nicht versteht, in sich unbändige Kraft und Gehorsam vereint und zugleich als letztlich göttlich geschaffenes Wesen die Kleinheit des über sie herrschenden Menschen erkennt: "Weh euch! Weh allen! Ich bin der Bote der andern Welt. All euer Licht ist nur ein Funke in der Allmacht". Das ist überaus spannend und bereichert die Bezüge des kunstgeschichtlich immer wieder aufgegriffenen Stoffes der Golem-Legenden um eine weitere Perspektive.


    D'Alberts Musik trägt diese Geschichte differenziert feinsinnig und unaufdringlich präzise. Dabei bedient sie sich eines umfangreichen Einsatzes an Klangfarben des solistisch besetzten Orchesters. Die Palette, die d'Albert zur Verfügung steht, ist reich, beinhaltet teils folkloristische Elemente (hier aber weitgehender als z.B. im Verismus von "Tiefland" im Dienste der musikalischen Gesamtanlage verarbeitet und aufgegangen), prägnant-dezent eingesetzte Klangeffekte sowie sphärisch transzendente und dunkel geerdete Farben. Es beginnt schon überaus dräuend und nervös, eine strahlend lichte Episode ist die Vision der Begegnung von König Salomo und der Königin von Saba, die Rabbi Loew den Kaiser Rudolph II. bei dessen Überraschungsbesuch zur Linderung seines Weltschmerzes schauen lässt (verglichen mit dem durch den Besuch unterbrochenen Schöpfungsakt ein marginales Zauberkunststückchen für den Rabbi), mit schwergewichtiger Leitmotivik schreitet der Golem durch seine Oper, immer wieder tun sich Abgründe auf, der heilige Zorn des Golem und seine Zerstörungswut werden ebenso ohrenfällig wie die Zartheit, die ihm in den Szenen mit Lea innewohnt. All das geht ohne plumpe Effekthascherei auf in einem (pro Akt) durchkomponierten Erzählfluss, der - um hier auch mal ein Yin und ein Yang zusammenzubringen - die Qualitäten des Librettos mit der Komposition zu einem harmonischen Opernganzen vereinigt, das bei der Uraufführung in Frankfurt 1926 das Publikum begeisterte - und hernach recht schnell golemhaft im Erdboden verschwand bis ihm erst 1983 wieder Leben eingehaucht wurde.


    Bei der klangtechnisch exquisiten Einspielung handelt es sich um eine Liveaufnahme, die aus vier Aufführungen im Januar 2010 erstellt wurde. Das Orchester ist glasklar eingefangen, so sehr, dass man manch soufflierenden Einsatz linkerhand heraushören kann. Und besonders auffällig ist die enorme Räumlichkeit, mit der dem Hörenden die Singenden begegnen: jeder Positionswechsel auf der Bühne, jedes Um- und Abwenden ist hörbar, was mir erst gewöhnungsbedürftig, dann aber sehr positiv zur Plastizität der Aufnahme beitragend erschien. Im Booklet wird dies übrigens extra mit dem Verweis auf den akustischen Einfluss des Bühnenbilds der Aufführung erläutert, das in den Akten 1 und 2 unter anderem in einer sich über der Szene wölbenden Kuppel bestand.


    Entgegen dem Spiel des Orchesters erreichten mich die Sängerinnen und Sänger nicht so positiv. Sie wirkten auf mich sehr angestrengt, da wäre mir angesichts der immensen Klang- und Emotionspalette ein größeres Spektrum im Ausdruck lieber gewesen. Und ich mag es nicht, wenn ich ein "a" nicht von einem "i" und "e" unterscheiden kann. Am ehesten überzeugte mich Mark Morouse als Golem, z.B. wenn er sich zunächst noch die Worte abringen muss, deren Sprache er gerade erst erlernt. Dem gegenüber steht Akzeybeks Jünger, der ungestüm alles heraushaut, was vielleicht der Unbedarftheit seiner Eleven-Figur entsprechen mag (Vermessenheit auch hier, denn er wünscht sich vom Rabbi für seine Beteiligung am Schöpfungsakt nicht weniger als Lea zur Frau), aber jedenfalls bei mir nicht zum Hörgenuss beigetragen hat. Dem ungeachtet ist diese Oper uneingeschränkt und diese Veröffentlichung lediglich mit den genannten Abstrichen ein bereicherndes Hörerlebnis, dem ich gestern sehr gerne gefolgt bin.


    *sante*

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)