Solamente Naturali (opi)

    • Offizieller Beitrag

    Ein Ensemble, dem ich in letzter Zeit häufiger begegne, ist Solamente Naturali. Gegründet wurde das Ensemble vom ersten Violinisten Milos Valent. Der Flötist Didier Talpan leitet das auf historischen Instrumenten musizierende Ensemble seit 2007. Solamente Naturali ist in der Zusammensetzung sehr variabel und tritt in Besetzungsgrößen vom Duo bis hin zu 40 Instrumentalmusikern (+ Gesangssolisten) in Erscheinung; das Repertoire ist dementsprechend vielseitig. Das Label Brilliant hat in den letzten Jahren und Monaten etliche Produktionen mit diesem Ensemble herausgebracht und zu Schleuderpreisen auf den Markt geworfen; mir ist es schleierhaft, wie das funktioneren kann (aber mir soll es recht sein). Der offizielle jpc-Preis für eine CD beträgt 6,99 € - bei 2001 sind die Einzel-CDs oftmals für noch wesentlich weniger Geld zu bekommen (3,99 € oder 4,99 €). Die Booklets sind dabei sehr informativ, ohne all zu sehr in die Tiefe zu gehen, außerdem auf festem Untergrund gedruckt und mit (in der Regel) ansprechenden Coverbildern versehen: für mich eine runde Sache!


    Das Ensemble spielt für meinen Geschmack erstklassig und bietet auch Randrepertoire an. Mir sind folgende Einspielungen bekannt:



    Joh. Chr. Bach & W. A. Mozart
    Complete Concert Arias with obbligati instruments


    Was für phänomenale (mir bis dato gänzlich unbekannte) Stimmen: Hjördis Thébault (Sopran), Hiroko Kouda (Sopran) und Gustáv Belácek (Bassbariaton): astrein und bewundernswert. Thébault wird hier als Sopran geführt, m. E. ist sie aber eher ein ganz wunderbarer und warmtimbrierter Mezzo. Hiroko Kouda wartet mit dramatischen Klängen auf (Ah, lo previdi) und Gustáv Belácek hat ebenfalls eine sehr sonore, nicht schwarze, aber doch extrem runde, warme und weiche (vielleicht väterliche) Tiefe. Es ist wirklich interessant, das große Vorbild Mozarts, Johann Christian Bach, in diesem Metier mit Mozart direkt vergleichen zu können. In der Tat ist der Unterschied für den Nichtkenner kaum auszumachen, wenn es beim Vergleich um die Werke geht, die überhaupt vergleichbar sind: die beiden 'späten' Werke KV 505 und 612 nehmen natürlich eine herausragende Sonderstellung ein (hier konnte Bach mangels Lebenszeit nicht mehr mithalten). Der verwendete Hammerflügel ist ein Produkt des berühmten Anonymous - erbaut um 1785 in Süddeutschland, restauriert von Christopher Clarke: silbriger Klang, allerdings nicht so klimprig wie Walters Geräte. Die Instrumentalsolisten sind auch hervorragend - wirklich: eine schicke CD!



    Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
    Symphonien Wq. 183 Nr. 1-4 (Hamburger)


    Eine wirklich großartige Einspielung dieser umwerfenden Sinfonien Carl Philipp Emanuel Bachs, die ich wirklich nur empfehlen kann. Auch als Einstieg in die Musikwelt Carl Philipp Emanuel Bachs halte ich diese faszinierende Musik für überaus geeignet: mitreißend musiziert, das Sperrige, Schroffe und Rauhe der Musik (was ihn von seinem Bruder Johann Christian, dem eher süßlichen, unterscheidet) sehr schön herausgearbeitet. Durch diese Werke (bzw. Einspielung derselben) hat sich Carl Philipp sehr zu Recht in meiner Wertschätzung, die in den vergangenen zwei Jahren überaus zugenommen hat, vor seinen Bruder geschoben (dessen Musik ich aber nachwievor sehr schätze).



    Johann Nepomuk Hummel (1778-1837)
    Septett op. 74 & Septett op. 114


    Hummels Kammermusik ist ohnehin eine Entdeckung wert. Das Septett op. 74 gefällt mir zwar in der Version als Clavierquintett (welches Schubert als Vorlage zu seinem Forellenquintett benutzten sollte) besser, aber dennoch ist auch dies eine gelungene Einspielung dieser selten zu hörenden Werke.



    Johann Nepomuk Hummel (1778-1837)
    Mathilde von Guise


    Daß Hummel auch im Bereich der Oper kompositorisch tätig war, liegt nicht unbedingt auf der Hand - war er doch Claviervirtuose. Stilistisch ist das Werk für meinen Geschmack nicht unbedingt die Krone der Schöpfung, aber es gibt durchaus sehr tolle Momente, die zu hören es sich lohnt... zumal zu diesem Preis. Dieser Umstand ist aber nicht unbedingt Hummel zuzuschreiben, sondern eher dem damaligen Zeitgeschmack, der mit meinem nicht ganz konform geht. Und Hummel konnte auch mit Gesangsstimmen hervorragend jonglieren. Das wird vermutlich auch die CD mit der Einspielung seiner Missa Solemnis C-Dur zeigen, die ich aber nicht kenne:



    CDs dieses Ensembles werde ich jedenfalls derzeit blind kaufen, wenn sie mir begegnen. Welche Einspielungen kennt ihr und was haltet ihr davon?


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Solamente naturali machen erfreulicher Weise mit ihrem Hummelprogramm weiter: in naher Zukunft werden alle Clavierkonzerte des Mr. Bumblebee in historischer Aufführungspraxis erscheinen. Volume I ist bereits am Start:



    Johann Nepomuk Hummel (1778–1837)
    Klavierkonzerte Vol.1
    Clavierkonzert a-moll op. 85
    Clavierkonzert G-Dur op. 73
    Introduktion & Rondo brillant f-moll op. 127


    Alessandro Commellato, Hammerflügel
    (Joseph Böhm, Wien 1825 / Ignace Pleyel, Paris 1837)
    Solamente Naturali (opi)
    Didier Talpain


    *yepp*

    • Offizieller Beitrag

    Wartet seit Mitte Oktober auf potentielle Käufer:



    Johann Christian Bach (1735-1782)
    Amadis des Gaule


    Philippe Do, Katia Velletaz, Hjördis Thebault
    Solamente Naturali Bratislava
    Musica Florea Prag
    Diedier Talpain


    Zitat von jpc

    Meisterwerk ohne Folgen
    Die Uraufführung von Johann Christian Bachs Oper Amadis de Gaule 1779 in Paris stand bedauerlicherweise ganz im Schatten des Streits zwischen Gluckisten und Piccinisten, die jeweils die Oper des jüngsten Bach-Sohns ablehnten, wodurch Bachs Meisterwerk praktisch folgenlos blieb. Dabei besticht das Stück durch die geschickte Verbindung italienischer und französischer Stilelemente. Die erste Gesamtaufnahme auf historischen Instrumenten leistet ein gutes Stück Wiedergutmachung an diesem sträflich vernachlässigten Stück.


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    Solamente naturali wartet demnächst mit einer Weltpremiere auf: Vivaldis Concerto in F RV Anh. 130. Die CD mit dem Titel "Italian concerts from Podolínec" ist momentan weder bei jpc noch bei Amazon gelistet. Einen Eindruck kann man sich aber auf der Homegape des geschätzten Ensembles verschaffen (im Trailer wird natürlich ein anderes Concerto gespielt).


    :wink:

    • Offizieller Beitrag

    Leider noch nicht jottpezeh- und amazonisiert, aber darauf dürfen wir uns freuen:



    Charles Neidich spielt Mozart auf der Bassettclarinette...


    :love:


    Neidich hatte seinerzeit bereits mit dem Orpheus Chamber Orchestra (HUP) eine Einspielung vorgelegt, bei der lediglich das Orchester störte...