Missa Tu es Petrus à 6: Einspielungen

  • Es gibt zwei Messen mit diesem Namen:

    • Druck: Missarum liber duodecimus (Erede di Girolamo Scotto, Venedig 1601) - basierend auf eine Antiphon
    • Erstdruck: Missarum - Liber Decimusquintus (Breitkopf & Härtel, Leipzig 1887) - basierend auf eigener Motette


    -----


    Eigentlich eine Affenschande, mit sowas den Thread zu eröffnen:


    Gottfried Preinfalk


    (C) 1994 Point Classics 267117-2 [22:41]


    ORF-Chor

    Bläser-Ensemble

    D: Gottfried Preinfalk


    Welche Messe das ist, konnte ich nicht feststellen.


    Diese Einspielung ist insofern wohl authentisch, weil Preinfalk (1914-1986) tatsächlich den Chor aufgebaut und geleitet hat. Die CD stammt allerdings aus jenem reichhaltigen Sumpf der Aufnahme-Aquisition, worin ein gewisser Alfred Scholz der König ist. Ich vermute, hier wurde eine Studioaufnahme des ORF übernommen und in unzähligen Billig-Editionen dutzendweise verwurstet.


    Der Chor ist gemischt besetzt und recht umfangreich. Es herrscht Vibrato und ein wenig dynamischer Klang vor. Zwar ist die Gesangsleistung handwerklich ganz in Ordnung, doch hier herrscht wieder ein fetter Klang vor. Dazu kommt noch der Umstand, daß Bläser ziemlich tranig colla parte mitspielen. Mir erscheint die ganze Realisierung wenig adäquat, weil sie kaum ein Gefühl für die polyphone Struktur entwickelt. Das geht eindeutig besser. - Klangtechnisch ist es eine solide Stereo-Aufnahme - vom Klang her würde ich auf die 1970er Jahre tippen, wann das eingespielt worden ist.


    Insgesamt eine Möglichkeit, Palestrina zu hören, wenn man keine Ahnung von der Materie hat - aber ich empfinde es als wenig ergiebig. Man braucht schon mehr als Handwerk, um eine überzeugende Interpretation abzuliefern.


    Ziemlich mau... :thumbdown:

  • Die ist auch nicht viel jünger:


    Hans Schrems (1966)


    (P) 1966 Archiv Produktion SAPM 198 341 [24:34]

    rec. Juli 1965 (St. Emmeram, Regensburg)


    Regensburger Domchor

    D: Hans Schrems


    Es ist die Messe aus dem Erstdruck von 1887, basierend auf seiner eigenen Motette.


    Die DG begann Ende der 1950er Jahre eine Zusammenarbeit mit den Regensburgern unter dem damaligen Leiter Theobald Schrems. Es entstanden Aufnahmen mit Weihnachtsliedern oder Werken aus der Klassik (Haydn, Schubert). Ab 1961 widmete sich der Chor der Vokalpolyphonie der ausgehenden Renaissance, die allesamt bei der Archiv Produktion veröffentlicht wurden. Als Ende 1963 Schrems verstarb, übernahm sein Neffe Hans den Domchor, den er bis zu seinem eigenen Tod 1969 leitete. Danach wurde die Zusammenarbeit zwischen Chor und Label beendet.


    Hauptaugenmerk dabei war Palestrina, den man insgesamt vier LPs widmete. Die Einspielung dieser Messe war auf der dritten LP zu finden.


    Der Chor ist rein männlich besetzt: er besteht aus den Domspatzen für Sopran und Alt sowie weiteren Erwachsenen für die tiefen Stimmen. Intonation sind präzise, Vibrato erstaunlich gering, die Größe der Besetzung im damals üblichen Rahmen. Wenn man diese Einspielung mit der obigen vom ORF-Chor vergleicht, so ist es schon erstaunlich, wie überzeugender Schrems daherkommt: im ganzen Satz schwebt eine Leichtigkeit und Unbekümmertheit mit, die selbst heute noch wenig vom wahren Alter der Aufnahme verrät. Der Ausdruck geht tiefer, wirkt nicht so oberflächlich, wenn auch noch genug Luft nach oben ist. Klanglich ist der Chor sehr gut eingefangen worden: sehr nah, mit gutem Stereopanorama und nicht übermächtig flach im Tutti. Das war damals sicherlich eine vorzügliche Aufnahme von Palestrinas Messe gewesen, die immer noch ihre Meriten hat.


    Gut... :)