• Dieses junge Ensemble ist nicht zu verwechseln mit Ensemble Prisma Wien und Ensemble Prisma. Die vier Musizierenden Elisabeth Champollion, Franciska Anna Hajdu, Dávid Budai und Alon Sariel haben sich hier seit 2015 der Musik des 16./17. Jahrhunderts verschrieben und gewannen damals den 1. Preis des Internationalen Heinrich Ignaz Franz Biber Wettbewerb in Österreich. Dort wurde das Ensemble als "ungarisch" geführt, während es eher als "international" betitelt werden könnte.


    Elisabeth Champollion studierte in Bremen und Lyon Blockflöte bei Han Tol, Dörte Nienstedt und Pierre Hamon, spielt auch bei Boreas Quartett Bremen und Ensemble Volcania und lehrt seit 2019 Blockflöte/Consort- und Ensemblespiel an der Hochschule für Künste Bremen. Die Ungarin Franciska Anna Hajdu studierte Violine am Varga Tibor Institute of Musical Art in Györ und Barockvioline an der Hochschule für Künste Bremen bei Veronika Skuplik und war unter anderem mit dem Ensemble Weser-Renaissance und L'arpeggiata zu hören. Dávid Budai ist ebenfalls Ungar, begann auf der Violine und studierte dann Gambe in Leipzig und seit 2012 in Bremen bei Hille Perl. Auch er trat bereits mit Weser-Renaissance auf, des weiteren mit dem Bremer Barock Consort, Resonantia Leipzig und dem Michaelis Consort. Alon Sariel schließlich stammt aus Israel, ist Mandolinist, Lautenist und Dirigent, lernte in Jerusalem, Brüssel und Hannover und leitet das Ensemble Concerto Foscari, in dem übrigens auch die anderen drei Prismen in Erscheinung treten.


    Positiv bescheinigt wird dem Ensemble meist Spielfreude, Ideenreichtum und eine ausgeprägte Vorliebe für die Improvisation. 2019 gaben/geben Prisma neun Konzerte, überwiegend in Deutschland und Österreich. Bislang ist lediglich eine Einspielung aus dem Jahr 2018 auf CD erschienen (von mir im "Jetzt im Ohr"-Thread angesprochen und nun hier hin gebaut), unter anderem darin enthalten folgende angejazzte Tarantella von Athanasius Kircher:


    Quellen:

    https://www.prisma-music.eu/ueber-uns

    http://www.fiorimusicali-biber…o/teilnehmer15/Prisma.pdf

    https://www.elisabethchampollion.de/vita

    https://www.concerto-foscari.de/ensemble



    The Seasons (Works by Castello, Marini, Merula, Uccellini...)


    Prisma:

    Elisabeth Champollion: Flöte

    Franciska Anna Hajdu: Violine

    Dávid Budai: Viola da Gamba

    Alon Sariel: Laute
    2018


    Das Programm der CD:


    Zephyros - Spring

    Champollion: Prelude for recorder

    Palestrina: Vestiva i colli

    Turini: Sonata "E tanto tempo hormai"

    Uccellini: Maritati insieme la gallina, E'l cucco fanno un bel concerto

    Ciaconna: Variations by Monteverdi, Merula, Bertali and Dávid Budai


    Notos - Summer

    Hajdu: Prelude for violin solo

    Uccellini: La Luciminia contenta

    Fontana: Sonata settima

    Budai: Canario


    Euros - Autumn

    Anonymus: Prelude for lute solo/Upon la mi re

    Merula: La Cattarina

    Castello: Sonata duodecima

    Falconieri: Passacaille

    Interlude: Improvisation on Les Feuilles Mortes (Yves Montand, 1921-1991), extract from "La Caravaggia" by Tarquinio Merula

    Tarantella: Variations By Athanasius Kircher


    Boreas - Winter

    Marini: Prelude for viola da gamba based on "Retirata" from Baletto secondo

    Falconieri: La suave melodia

    Turini: Sonata a due canti

    Mantovana: Variations By Uccellini And Marini



    Ein Programm, das sich mit Musik der Renaissance am Übergang zum Frühbarock durch den Verlauf der Jahreszeiten bewegt, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dabei wechseln sich Sonaten, Tarantellen und Chaconnes und andere hübsche Kleinigkeiten großer Expressivität mit Solo-Präludien zu jeder Jahreszeit ab, teils ist das neu komponiert von Ensemblemitgliedern, teils von ihnen arrangiert.


    Nun bin ich mir nicht recht im Klaren, ob das Ganze frech oder brav ist. Doch, doch, da zwitschert und schabt es mitunter ganz schön und auch mit Humor - beispielsweise schwirrt im "Prelude for violin solo" des Sommers eine Fliege herum, bis sie zerpatscht wird, aber allein ist sie natürlich nicht. Und hier gelingt der Übergang zu Uccellinis "La Luciminia Contenta" ebenso geschmeidig wie spannungsreich und dynamisch, übrigens auch zu Beginn des Programms, wo sich eine verträumte, impressionistisch-chromatisch gefärbte Flöte schließlich in Palestrinas "Vestiva i colli" verfängt. Das gefällt mir gut. Ebenso das Spiel der vier Musizierenden: zart, präzise und verspielt. Mitreißend ist das eher nicht, dafür aber heimelig. Andererseits ist dann so etwas wie die zusammenarrangierten Ciaconna-Variationen zwar schön, aber nicht weiter überraschend (Chaconne geht immer...). Manchmal ist mir nicht ganz klar, wie konsequent oder doch auch beliebig das Programm gewählt ist. Und ein wenig fehlt mir persönlich der Schmutz und Staub und Matsch mancher Jahreszeit. Andererseits verdutzt dann aber eine kurze, jazzige Improvisation über "Les Feuilles Mortes" ("Autumn Leafs"). Jedenfalls geht das Ensemble sehr frei an die Arrangements. Es ist wohl beides: frech und brav.


    Beim Sound störte mich zunächst die doch etwas schneidende Violine nach den warmen Flöten- und Lautenklängen der ersten Stücke in Turinis Sonata "E tanto tempo hormai" (mit einem meiner Lieblingsthemen aus "Il était une filette" oder "Une jeune filette"). Violine stört Flöte, schien mir zu laut. Ebenso ist die Laute erstaunlich laut, teils deutlicher als die Gambe, wodurch sich aber auch manch schön markante Pointen setzen lassen. Ich merke außerdem, dass sich mein Ohr daran gewöhnt. Am wenigsten gefällt mir das Booklet, dessen Text erstmal allgemein zu Epoche und Affekten dahinschwurbelt, dann die einzelnen Stücke erläutert (manchmal in falscher Reihenfolge), aber über manche Stücke auch mal gar nichts sagt oder z.B. mich mit dem folgenden und einzigen Satz zu Fontanas "Sonata settima" achselzuckend zurücklässt: "The highly expressive excerpt from the set recorded here consists of a seccession of short slow and virtuosic sections". Und das Cover-Artwork lässt keinesfalls auf die angenehme Wärme der Einspielung schließen. Kurz: die Präsentation stützt nicht gerade das Hörvergnügen.


    Trotz dieser Punkte: mir gefällt diese CD und eine nächste Veröffentlichung von Prisma werde ich mir zweifellos anhören bzw. Ausschau halten nach einem Auftritt in der Nähe.


    *sante*

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)