01. - Clavierkonzert op. 15 C-Dur: Einspielungen (opi)

  • ... die verfügbaren Einspielungen gibt es etwas später; zunächst ein Link zur Originalpartitur des erstveröffentlichen Konzertes unseres Patrons:


    IMSLP


    Immer wieder erstaunlich, wie viel Beethoven bereits im Original grundlegend geändert hat ... der Kompositionsprozess ist quasi nachvollziehbar; Treffer vier: „Notenausgaben; Holograph manuscript“ ... sehr beeindruckend. Bei Mozart z.B. gibt es nur „Reinschriften“ mit gelegentlichen und eher seltenen Änderungen (wenn: insbesondere bei KV 491).


    Beethoven war wirklich der krasseste Compositeur ever ... er komponierte, wie ich Beiträge schreibe ... *wait**omg*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus.

  • Zum Vergleich stehen (zumindest für mich, der auch Lubin/Hogwood, Brautigam/Parrott, Immerseel/Weil, Levin/Gardiner hören könnte) an:



    Ronald Brautigam, Fortepiano Paul McNulty 2012; Walter & Sohn c1805

    Die Kölner Akademie

    Michael ALexander Willens


    vs.



    Arthur Schoonderwoerd, Fortepiano Anton Walter c1800 von Paul Poletti & Gerard Tuinman

    Ensemble Cristofori


    Was beide Aufnahmen verbindet: die korrekte Wahl eines reifen Walter-Instrumentes, verbunden mit der bisherigen Ausnahme, daß beide Interpreten (wie übrigens auch Levin!) in Takt 172 ein f3 anstelle des gewohnten fis3 spielen (inzwischen konnte ich anhand des Scans der Originalpartitur jedenfalls feststellen, daß die betreffende Note nicht um einen Halbton erhöht wurde und hier insofern a) korrekt wiedergegeben wird und b) auf entsprechend frühem Instrument nicht anders umsetzbar ist):


    32-1568ac58.jpg

    [Quelle: ISMLP]


    Offenbar hat Walter, nachdem c1800 sein Stiefsohn ins Unternehmen eingestiegen ist, den Ambitus der Instrumente weiter ausgebaut: das von Brautigam verwendete Instrument reicht bis c4, insofern hätte er den „Miss-Stand“ einfach „korrigieren“ können - was Beethoven mit entsprechendem Instrument vermutlich auch getan hätte, zu jener Zeit hingegen besaß er noch ein „kleineres“ Instrument, wie es auch von Mozart verwendet wurde; Brautigam - das rechne ich ihm hoch an - spielt hier also, anders als Schoonderwoerd, der nicht anders konnte, da die früheren Instrumente bei f3 quasi „abgeriegelt“ waren, bewusst das f anstelle des von den Ohren geforderten fis (würde man diesen Ton mit einem Auflösungszeichen versehen, könnte dies als Fehldruck interpretiert werden; ein Rufzeichen mit separater Anmerkung könnte helfen).


    Nachzuhören ist die Stelle bei


    - Schoonderwoerd: 4'56 / 4'57

    - Brautigam (2019): 4'25 / 4'26


    Was beide Aufnahmen unterscheidet: es bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung, daß Schoonerwoerds Ergebnis insgesamt kammermusikalischer erklingt, da hier solistisch besetzt ist; nichtsdestotrotz leiden die Fortestellen im Orchester in keiner Weise unter der solistischen Besetzung; ganz im Gegenteil wirken sie deutlich transparenter, der Klang mischt sich nicht unnötig, einzelne Instrumente sind herauszuhören, das Blech kann eine ganz eigene (stärkere) Wirkung entfalten.


    Der bei 5'37 (Schoonderwoerd) im Mittelsatz einsetzende Walzer kommt bei Brautigam (4'57) nicht sehr deutlich heraus. Das Finale gelingt Brautigam für mein Empfinden deutlich schmissiger.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus.