Bezuidenhout, Kristian (*1979): Clavier

  • Bezuidenhouts geringes Interesse an zeitlich angepassten Instrumenten scheint etwas notorisch zu sein, ich meine es schon öfters gelesen zu haben und auch in diesem Fall ...

    Vielleicht könnte einmal jemand sämtliche Aufnahmen Bezuidenhouts daraufhin untersuchen, ob Werk und Instrument in historischer Hinsicht kompatibel sind oder nicht. Vermutungen reichen mir nicht aus. Möglicherweise handelt es sich bei der von U Lee äußerst kritisch betrachteten Aufnahme um eine Ausnahme.

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    Tante Wiki weiß:


    Er gilt als Fachmann für die historische Aufführungspraxis und speziell für historische Tasteninstrumente,


    In meiner "Sammlung" taucht der Name nicht so oft auf ... begründet mit besagter Annahme ( = gewagte These), die wir nachfolgend ggfs. verifizieren werden:


    Bei der Neuausgabe der Beethovenschen Concerti opp. 19 & 73 wird konsequent ein Graf Conrad aus c1824 verwendet; auch (nur der Vollständigkeit halber, nicht, um zu nerven) an dieser Stelle nochmals: das Instrument ist für meine Begriffe für beide Concerti nicht unbedingt geeignet; bedingt für op. 73, da einigermaßen im zeitlichen Rahmen, also eher akzeptabel, da Beethoven niemals Eigentümer (lediglich leihweise und bereits ertaubter Besitzer) eines solchen Instrumentes war; für op. 19 komplett ungeeignet:



    Amazon bislang (?) nur als mp3-Download:


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    Mal so quergeschaut:



    Fortepiano Paul McNulty, nach Anton Walter & Sohn / Wien 1805) - da war Haydn fast schon tot. 1780er/1790er unbeledert hätte gepasst ... die letzten Sonaten hat Haydn etwa zehn, elf Jahre zuvor komponiert; die belederten Flügel sind eine komplett neue Generation.

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    Das ist längst nicht alles; bei Mozart scheint er mehr zu differenzieren (leider sind auf Anhieb nicht immer die bespielten Instrumente zu finden). Mozart spiele ich selber, da brauche ich keine Aufnahmen; bei Komponisten, die mich interessieren, steht aber wohl der Graf im Vordergrund (immer auch, wie bei nahezu allen Interpreten, bei Schubert - und gerade zu Schuberts Zeiten gab es eine so große Auswahl ...).


    Der weitgeschätzte Graf-Flügel scheint für die meisten Interpreten soetwas wie der "Steinway" unter den Fortepianos zu sein ... mich langweilt er eher ... es gibt aus der gleichen Zeit soviele nuancenreichere Instrumente, vgl. die Ahura-Mazda-Aufnahmen der Beethovenschen Claviersonaten (selbiger bei Schubert; Brautigam immerhin Walter, Stein & Graf); oder Schornsheim bei Haydn ...


    *yorick*

  • Ich kann dazu leider auch nicht mehr beitragen, die Haydn-Aufnahme war mir explizit negativ aufgefallen, da es mich grundsätzlich interessiert neben der hervorragenden Tom-Beghin-Gesamteinspielung und der Brilliant-Box weitere Alternativen zu kennen. Ansonsten muss ich bekennen, vage Vermutungen geäußert zu haben, nur aufgrund von Artikeln, die ich gelesen zu haben glaube, aber im Augenblick nicht verifizieren kann. Sollte man eigentlich nicht machen, immerhin hast Du ja schon etwas mehr Konkretes zu Tage gefördert. Wenn ich dazu komme, werde ich noch einmal recherchieren.

    P.S. Abgesehen davon kann es natürlich nicht darum gehen, einen Interpreten pauschal in eine Schublade zu stecken.

  • um doch noch einmal ein Beispiel für einen relativ unbekümmerten Umgang mit der Instrumentierung bei Bezuidenhout zu nennen:

    Diese CD, wohl Abschluss der Reihe zu Mozartscher Klaviermusik, wurde in Toccata 09/10 2018 besprochen, kritisch aufgrund der Wahl des Instruments: Paul McNulty Kopie eines Anton Walter & Sohn von 1805 (1756-1791!). Auf dem Cover ist das nicht angegeben, nur über die Zeitschrift, vermutlich Booklet kann man das erfahren. Diese Herangehensweise, das ist in dem Artikel angedeutet, scheint das ganze Projekt zu prägen, vermutlich habe ich mir das von daher gemerkt. Bei den Aufnahmen der Klavierkonzerte mit dem FBO habe ich gar nichts zum Instrument gefunden. Scheint also zumindest nicht so wichtig für ihn zu sein. Ich will das auch gar nicht kritisieren, kann man so oder so sehen, aber ich interessiere mich nun einmal für die Herangehensweise mit angepasstem Instrument, also opi.