Claviersonate Nr. 3 f-moll op. 5 (1854): Einspielungen (opi)


  • Piet Kuijken, Pianoforte J. B. Streicher N° 6680 (1868)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Jetzt hat mir der Chef doch tatsächlich den Anfang geklaut! 8-)



    Johannes Brahms

    Klaviersonate Nr. 3 f-moll op. 5 (1854)


    1. Satz: Allegro maestoso 11:31

    2. Satz: Andante 11:30

    3. Satz: Scherzo 4:52

    4. Satz: Intermezzo 3:49

    5. Satz: Finale 8:17


    Piet Kuijken, J. B. Streicher No. 6680 (1868)

    2015


    Ein außergewöhnlicher Glücksfall für die historische Aufführungspraxis und die pianistische Brahmsexegese überhaupt ist diese nach Hardy Rittner sieben Jahre zuvor (dazu später mehr) zweite mir bekannte opi-Aufnahme der 3. Klaviersonate. In ihr stimmt praktisch alles, vom Klang des Instruments bis zu den letzten Verästelungen der Interpretation.


    Das Streicherdingens klingt fast schon wie ein modernes Klavier, sehr kultiviert und dennoch sachlich; gerade in den so imposanten Partien des Kopfsatzes und des Scherzo verhindert der trockenere Klang ein Überborden der Töne; ohne dass sich im Andante oder in den Pianostellen der letzten beiden Sätze lyrische Einbußen ergäben. Kuijkens Entscheidung für eine sehr homogene Gesamtstruktur bekommt der reifsten Sonate Brahmsens sehr gut; allein die zeitliche Austarierung der ersten beiden Sätze, die sonst oft im Ungleichgewicht sich befinden; verleiht dem Gesamtbild eine solche Festigkeit, dass selbst der sehr eigenständige Schlusssatz, quasi eine eigene Sonate in Vorwegnahme der spätesten Klavierstücke, den Rahmen nicht mehr zu sprengen vermag.


    Es ist eine reine Lust, zuzuhören; wie sich der Solist nicht von der Hypertrophie des Kopfsatzes verlocken lässt und trotzdem in die Tasten haut; wie er den langsamen Satz bei aller Poesie nicht ins Adagio driften lässt; das Scherzo eigenständig gestaltet mit aller Agogik; und nach dem hier notwendig klingenden Intermezzo mir zum ersten Male das Finale verständlich macht; in dem die Strukturen der Moderne auf dem historischen Klavier plastischer hörbar werden als auf dem modernen Flügel.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793