03 - Tripelkonzert C-Dur op. 56

  • Lehne ich mich zu weit aus dem Bett, wenn ich sage, der Tripper war vielleicht nicht Beethovens größter Wurf?!

    Offenbar steht Du mit Deiner Meinung nicht ganz allein da; zitiert nach Wikipedia:

    Das Tripelkonzert wurde am 18. Februar 1808 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt. Oft wird irrtümlich als erste öffentliche Aufführung ein Konzert im Mai 1808 in Wien angegeben. Die öffentliche Reaktion auf das Konzert war eher verhalten, sodass die nächsten bekannten Aufführungen des Werks erst in den Jahren 1820 und 1830 stattfanden.


    Für den Musikwissenschaftler Leon Plantinga handelt es sich bei dem Tripelkonzert um ein »interlude in the French manner«, also ein Intermezzo im französischen Stil. Ferner bescheinigte Plantinga dem Werk »[A] certain indistinctness of expression and a kind of sponginess of construction«, also eine gewisse Undeutlichkeit des Ausdrucks und eine irgendwie schwammige Konstruktion.

    Wer auch immer dieser Plantinga ist, Wikipedia scheint es auch nicht darauf anzulegen, das Werk in irgendeiner Weise inspirierend darzustellen oder lobzupreisen.


    Die "Konstruktion" ist eine Mischung aus Sinfonia Concertante, Solokonzert, Claviertrio und Sinfonie; Konzerte mit einem weiteren Soloinstrument neben dem Clavier selbst sind eher seltener zu finden: Mozart versuchte sich an einem Konzert für Clavier und Violine (D-Dur KV 315f; dort auch noch als Sinfonia concertante betitelt), gab den Plan aber leider auf (hier heißt es sinngemäß bei Köchel, es gehöre wohl zu den größten Verlusten der Menschheit, daß dieses Konzert niemals von Mozart selbst vollendet wurde). Das würde ich entsprechend auf das sogenannte Tripelkonzert übertragen, hätte es unvollendet bleiben müssen. Auch Beethoven versuchte sich vor seinem Wurf op. 56 im Genre Sinfonia Concertante, ließ aber aus sicherlich guten Gründen wieder davon ab.


    Inzwischen scheint mir aber op. 56 doch als populäres Werk anerkannt zu sein, gibt es doch eine respektable Anzahl von Einspielungen namhafter Künstler (für diese also ein Muss?). Wer kennt es nicht oder hat zumindest schon einmal davon gehört? Im Konzertbetrieb taucht es eher seltener auf, was damit zu erklären versucht wird, daß die Besetzung nicht alltäglich ist. Dabei benötigt man doch bloß ein Claviertrio und ein Orchester (beides gibt es en masse); man könnte in einem solchen Konzert eben zusätzlich auch das Claviertrio als solches kammermusikalisch unterwegs sein lassen und ein oder zwei reine Orchesterwerke dazugeben oder jeweils ein Clavier-, Violin- und Cellokonzert. Wie auch immer, Möglichkeiten gäbe es viele. Gleiches gälte für die Chorfantasie und deren Besetzung, bei der sinngemäß das gleiche behauptet wird. Man schaue einfach mal, wie die Konzertpläne der damaligen Zeit aussahen: buntgemischte Sträuße! Lieder, Claviersonaten und -konzerte, freie Fantasien, eingerahmt von den Sätzen einer Sinfonie. Equilbey fasst nun beide in dieser Hinsicht angeblich problematischen Werke auf einer CD zusammen ... so what? Geht also.


    Vielleicht ist das Werk nicht besonders tiefgründig, aber dafür gibt es nun einmal GsD keine Gesetze; es ist fröhlich, macht Spaß beim Hören und Spielen und zeigt ggfs. einmal eine andere Seite des Komponisten Beethoven, die vielleicht etwas ungewohnt erscheinen mag. Vielleicht auch nicht. Beethoven war jedenfalls witziger (sowohl im historischen als auch im modernen Sinne) als gemeinhin angenommen wird.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Wikipedia schrieb:

    Es wird allgemein angenommen, dass Beethoven seinen damaligen Klavierschüler Erzherzog Rudolf von Österrreich als Klaviersolisten vorsah und den Klavierpart dementsprechend nicht zu anspruchsvoll anlegte. Diese Angabe beruht auf einer Aussage von Beethovens zeitweiligem Sekretär und späterem Biographen Anton Schindler. Die Musikwissenschaftlerin Susan Kagan hält diese Annahme für unwahrscheinlich; sie vermutet vielmehr, dass Beethoven sich selbst als Klaviersolisten vorgesehen hatte.

    Ja was denn jetzt? Aber letztlich spielt es zumindest für mich keine Rolle, wie anspruchsvoll der Clavierpart (oder andere Solistenparte) ist (sind); dasselbe Thema kommt ja schnell auch bei op. 61a auf ... kann man/frau/divers nicht einfach Musik hören und genießen? Musik muß nicht virtuos sein (kann sie natürlich), aber das ist für mich grundsätzlich kein Genußkriterium. Virtuosität wertet Musik für mich nicht per se auf; allenfalls den/die/das Exekutierenden. Wenn ich selbst als Hörer ein Instrument ohnehin nicht spielen kann, was soll das dann? Dann ist alles virtuoser als ich selbst es bin. Vielleicht wäre es einen separaten Thread wert, der das Thema "Welche Ansprüche muß Musik (für Euch) erfüllen?" ... bleiben wir aber hier besser bei op. 56, entstanden zusammen mit unserer Patronin op. 55, darauf folgten opp. 58 und 61 ... es befindet sich also neben der Waldsteinsonate, der Appassionata, der 4. Sinfonie, den drei Quartetten op. 59 uvm. in guter Gesellschaft und hat eine Opus-Nummer (dahingehend war Beethoven sehr selbstkritisch). Und: Ähnlichkeiten in Struktur und Melodie findet man bei allen drei Konzerten.


    Was genau ist jetzt an op. 56 so schlecht oder langweilig?

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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  • Was genau ist jetzt an op. 56 so schlecht oder langweilig?

    Offenbar nichts; op. 56 ist einfach 'ne geile Nummer. Nicht 55, nicht 57, NEIN: 56. Zwei aufeinanderfolgende Zahlen. Fünf und Sechs. So einfach. Und DREI Solisten. Plus ein Orchester. WOW.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


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