Sinfonien: Gesamteinspielungen

  • Es gibt nur eine Gesamteinspielung und zwar die legendäre unter Jewgeni Fjodorowitsch Swetlanow. Diese ist mittlerweile dreimal aufgelegt worden bei drei verschiedenen Labels:


    Die erste stammt aus den 90ern von Olympia:


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    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Später hat Warner Ende der 2000er nachgelegt:


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    CD 1

    1. Sinfonie in c-Moll op. 3 (1908, überarbeitet 1921)

    25. Sinfonie in Des-Dur op.69 (1946)


    CD 2

    10. Sinfonie in f-Moll op. 30 (1926/1927)

    11. Sinfonie in b-Moll op. 34 (1931/1932)

    19. Sinfonie in Es-Dur op. 46 (1938/39)


    CD 3

    9. Sinfonie in e-Moll op. 28 (1926/1927)

    14. Sinfonie in C-Dur op. 37 (1933)


    CD 4

    7. Sinfonie in h-Moll op. 24 (1922)

    8. Sinfonie in A-Dur op. 26 1924/1925


    CD 5

    5. Sinfonie in D-Dur op. 18 (1918)

    12. Sinfonie in g-Moll op. 35 (1931/1932)


    CD 6

    4. Sinfonie in e-Moll op. 17 (1917/1918)

    15. Sinfonie in d-Moll op. 38 (1933/1934)


    CD 7

    17. Sinfonie in gis-Moll op. 41(1936/1937)

    20. Sinfonie in E-Dur (1940)


    CD 8

    22. Sinfonie in h-Moll „Ballade“ (1941)

    26. Sinfonie in C-Dur „Über russische Themen“ (1948)


    CD 9

    24. Sinfonie in f-Moll op. 63 (1943)

    27. Sinfonie in c-moll, Opus 85 (1949)


    CD 10

    3. Sinfonie in a-Moll op. 15 (1914)

    23. Sinfonie in a-Moll „Sinfonische Suite“ (1941)


    CD 11

    16. Sinfonie in F-Dur op. 39, „Der Luftfahrt“ (1935/1936)

    8. Sinfonie in A-Dur op. 26 (1924/1925)

    Begrüßungs-Ouvertüre in C-Dur op.48 (1939)


    CD 12

    2. Sinfonie in cis-Moll op. 11 (1910/1911)

    13. Sinfonie in b-Moll op. 36 (1933)

    Slawische Rhapsodie“, Ouvertüren-Fantasie auf altslawische Themen aus dem 16. Jahrhundert in d-Moll Sinfonieorchester op. 71 (1946)


    CD 13

    6. Sinfonie in es-Moll op. 23 (1921 bis 1923, überarbeitet 1947)

    „Pathetische Ouvertüre“ in c-Moll op.76 (1947)


    Caliban bei Amazon meint zum sinfonischen Werk des Komponisten:

    Zitat

    Der Titel dieser Rezension mag hochmütig klingen; aber ich habe mir die CD-Box bei Amazon eher aus Neugier und mit erheblicher Skepsis gekauft: Miaskowsky war für mich ein typischer Vertreter des sozialistischen Realismus; ich dachte an bombastische Märsche und viel hohl tönendes Pathos. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Dies gibt es durchaus auch in dieser Box, aber der Anteil solcher Entgleisungen überwiegt bei Weitem nicht. Wer nämlich gleich die erste CD mit der ersten Symphonie auflegt, ist zunächst angenehm überrascht. Das dreisätzige Werk steht erkennbar in der Wagner- und Brucknernachfolge und erinnert im musikalischen Gestus stark an Schönbergs Pelleas und Melisande. Der Vergleich liegt vor allem aufgrund der stark motivischen Arbeit in "verändernden Variationen" nahe, im Rahmen derer Bombastik oder Kitsch nicht vorkommen. Allerdings fehlt die Sinnlichkeit, die die Musik Rachmaninows, Medtners oder Skrjabins gelegentlich ausstrahlen. An ihre Stelle tritt eine düstere Schwere, die aber durch die Qualität der Erfindung und den künstlerische Anspruch für sich einnimmt. Auf derselben CD befindet sich schließlich auch die Symphonie Nr. 25 (von 27!!!), und man bemerkt: Beide Werke sind sich bis auf einige grellere Effekte erstaunlich ähnlich. An die Stelle der dunkel raunenden, sehr schwerblütigen Romantik tritt im Spätwerk eine romantisch-gelöste Heiterkeit. Ich würde den ersten Satz dieser Symphonie (Track 4 auf der ersten CD) jedem empfehlen, der sich einen Eindruck verschaffen möchte, wovon hier die Rede ist. Die Anlage des Satzes erinnert an ein Bruckner-Adagio; der musikalische Gestus selbst ist jedoch ganz individuell.

    Sollte ich auf eine unbekannten Goldader gestoßen sein? Wohl nicht ganz. Zunächst stellt die Ausgabe unter editorischen Gesichtspunkten eine ziemliche Katastrophe dar: Die ganze Präsentation zielt auf die Persönlichkeit des Dirigenten, der Komponist kommt auf rund zwei Seiten (Bookletgröße) zur Sprache: Die Informationen sind spärlich und bleiben weit hinter dem zurück, was aus wikipedia zu erfahren ist. So tragen die Symphonien laut Text wohl Namen; im Inhaltsverzeichnis fehlen diese Namen. Ins Auge sprang sofort die Symphonie "Die Kolchose"; ich erwartete Schreckliches und wurde noch einmal angenehm durch ein in den ersten Sätzen zurückgenommenes Werk überrascht, das sich wiederum durch seriöse musikalische Thematik und motivische Arbeit auszeichnet; allerdings fehlen hier auch nicht grell-groteske Elemente. Im Wikipedia-Artikel wird die sechste Symphonie (es handelt sich um die längste) als das eigentliche musikalische Ereignis im Leben des Komponisten herausgestellt. Sie nun wieder entsprach genau den Vorurteilen, die ich vor der Anschaffung hatte: Grell-ironisch auftrumpfende, manchmal fast banal zu nennende Themen, die vor allem auf "Schauwerte" setzen. Hier dürfte es sich um eine Arbeit für Parteizwecke gehandelt haben, die den Hörer kräftig durchschüttelt. Bei weiterem Durchforsten der 16 CD (ich bin noch weit von einem endgültigen Überblick entfernt, denn hier sind noch symphonische Balladen, Symphoniettas usw. eingespielt) stellt man fest, dass Werke dieses Kalibers, aber auch innerliche schwerblütige und musikalisch wesentlich Gehaltvollere einander abwechseln, und dass sogar in einem Werk oft musikalisch Hochkarätiges neben offensichtlichen Banalitäten steht. Dies kennt mann (allerdings in bedeutend milderer Form) auch von den schwächeren Shostakowitsch-Werken.

    Bedenkt man aber die Summe dieses Schaffens, so liegt hier eine Menge hochkarätiger spätromantisch bzw. expressionistischer Musik vor, die das Ohr des Hörers nicht beleidigt und die in Deutschland praktisch unbekannt ist. Wer den historischen Bruch der symphonischen Tradition nach Bruckner, Mahler und den Frühwerken Schönbergs (Verklärte Nacht, Pelleas) bedauert, kommt hier auf seine Kosten und hat viele Stunden Freude. Lassen Sie mich meine Bewertung nach meinem ersten Eindruck quantifizieren: Höchstens ein Drittel dieser Edition wird man musikalisch auf der Sollseite bilanzieren müssen; der Rest aber wiegt schwer und lohnt bei diesem Preis in jedem Fall die Anschaffung.



    Christa Becker ergänzt:


    Zitat

    Vieles wurde schon gesagt und der steigende Preis für die großartige Leistung von Svetlanov wird weiter nach oben klettern.

    Um seine Musik noch besser verstehen und genießen zu können, möchte ich folgendes ergänzen. Miaskovsky ist nicht nur der Schöpfer dieses gewaltigen sinfonischen Werkes, sondern auch einer der führenden Dozenten seiner Epoche in der SU (Sowjetunion) gewesen. Zu seinen Schülern gehörten z. B. Vissarion Shebalin, Aram Chatschaturjan, Dmitri Kabalewski und Andrei Eschpai. Und sein engster Freund war seit dem Studium Sergei Prokofjew. Sie tauschten regelmäßig ihre Werke zur Korrektur und Kritik aus und es war wohl Miaskovsky mitverantwortlich, der Prokofjew bewegte zurück in die SU zu kommen. Beide wären aus der russischen Musikgeschichte nicht wegzudenken.

    Wie schon gesagt, nimmt Miaskovsky die musikalische Tradition eines Wagners, Bruckners und Mahlers auf, aber er geht dabei seinen eigen Weg und bleibt seinen russischen Wurzeln treu. Natürlich muss er auch dem Kommunismus dienen, und brennt in den ersten zwei Jahrzehnten für dessen Ideen, mit der 6./ 8./ 12./ 16./ 21. und 22. Sinfonie, doch bleibt er wie Bruckner seiner eigentlichen Liebe, seiner Heimat und dessen Landschaft stets verbunden, wie in der 7./ 9./14./ 15./ 18. - 20. und 23.-26. Sinfonie. In ihnen spiegeln sich landschaftliche Bilder gehüllt in russischen oft schwermutigen bzw. wehmütigen aber auch immer heller werden energischen Melodien wieder. Der einsame Miaskovsky liebte den Spaziergang, die Zurückgezogenheit und die Weite seiner Heimat.

    Wenn man mit der 1.Sinfonie anfängt und nach der Reihe nach alle 27. Sinfonien durchschreitet, wird man erkennen dass man durch die finstere Nacht jener Zeit und diesem suchenden Künstler gewandert ist. Dabei ist die 3. Sym der dunkelste Punkt auf dieser Reise, wo sich seine Begegnungen als Russischer Offizier an der Front des I.Weltkriegs wieder spiegetn. Mit der 5. Sym wird er vom Pathos der Oktoberrevolution mitgerissen und komponiert wohl sein heroischstes Werk. Die angesprochene 6. Sym spiegelt kritisch den Beginn der Kommunistischen Ära wieder, dass mit dem hier leider fehlender Chor nachdenklich und trauend ausklingt. Diese ChorMelodie ist tief in der russischen Seele verankert und klinkt auch bei anderen Komponisten manchmal durch. Die 27.Sym ist sein Testament und fast alle Sinfonien noch einmal zusammen, wo er aus einer schwermütigen Stimmung zu einen marschierenden Aufbruchsfinale gelangt. Inhaltliche Parallelen zu Beethovens oder Tschaikowskis 5.Sym sind unverkennbar. Wer möchte schon gern, am Lebensende sein Lebenswerk in Frage stellen, auch wen er am Ende vom System in Frage gestellt wurde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss. So nimmt sein Schüler Boris Tschaikowski in seiner 2. Sym den Aufbau und Fragmente des Inhaltes und schafft ein sehr ironisches, sarkastisches und beunruhigend Werk das still endet.

    Was bleibt ist ein bemerkenswertes und hörenswertes Lebenswerk, geprägt von seiner Zeit mit Wehmut durchzogen mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sein Land und Volk und tief verankert in der sinfonischen Tradition..

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Seit einiger Zeit gibt es nun auch eine Edition von Alto:



    !!! Die CD-Aufteilung ist anders als bei Warner !!!


    CD 1

    1. Sinfonie in c-moll op. 3 (1908, überarbeitet 1921)

    25. Sinfonie in Des-Dur op.69 (1946)


    CD 2

    2. Sinfonie in cis-moll op. 11 (1910/1911)

    18. Sinfonie in C-Dur op. 42 (1937)


    CD 3

    3. Sinfonie in a-moll op. 15 (1914)

    13. Sinfonie in b-moll op. 36 (1933)


    CD 4

    4. Sinfonie in e-moll op. 17 (1917/1918)

    11. Sinfonie in b-moll op. 34 (1931/1932)


    CD 5

    5. Sinfonie in D-Dur op. 18 (1918)

    12. Sinfonie in g-moll op. 35 (1931/1932)


    CD 6

    6. Sinfonie in es-moll op. 23 (1921 bis 1923, überarbeitet 1947)


    CD 7

    7. Sinfonie in h-moll op. 24 (1922)

    26. Sinfonie in C-Dur „Über russische Themen“ (1948)


    CD 8

    8. Sinfonie in A-Dur op. 26 (1924/1925)

    10. Sinfonie in f-moll op. 30 (1926/1927)


    CD 9

    9. Sinfonie in e-moll op. 28 (1926/1927)

    20. Sinfonie in E-Dur (1940)


    CD 10

    14. Sinfonie in C-Dur op. 37 (1933)

    22. Sinfonie in h-moll „Ballade“ (1941)


    CD 11

    15. Sinfonie in d-moll op. 38 (1933/1934)

    27. Sinfonie in c-moll, Opus 85 (1949)


    CD 12

    16. Sinfonie in F-Dur op. 39, „Der Luftfahrt“ (1935/1936)

    19. Sinfonie in Es-Dur op. 46 (1938/39)


    CD 13

    17. Sinfonie in gis-moll op. 41(1936/1937)

    21. Sinfonie in fis-moll op. 51 (1940)


    CD 14

    23. Sinfonie in a-moll „Sinfonische Suite“ (1941)

    24. Sinfonie in f-moll op. 63 (1943)


    Der kenntnisreiche und absolut vertrauenswürdige Joachim Wagner schreibt zur Klangqualität der letzten beiden Boxen vergleichend:

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793