02/21 - Claviersonate C-Dur op. 53 („Waldstein“): Einspielungen (opi)


  • Sehr konventionell, ordentlich und speziell für Haptiker ... ist dieses Album aufbereitet: auf vier Teile aufklappbarer Pappschuber (heißen die Dinger so?), das Booklet ordentlich geschützt in einem separaten Einschub (vollständig abgedeckt), mit einem Krampfanfall vorbeugenden Fingerausschnitt versehen, zum leichten Herausnehmen verstaut (also nicht bloß in einer Lasche, die schnell ausreißt und bei der das Booklet schnell Eselsohren bekommt), 16 Seiten umfassend, allerdings leider nur in Französisch abgefasst. Geschmackvoll bebildert - wie ich es empfinde - enthält die CD aus der Serie Beethoven 1803-1806 neben der Waldsteinsonate noch die F-Dur-Sonate op. 54, die Appassionata f-moll op. 57 und das Andante favori WoO 57. Gespielt wird auf einem aus der Sammlung Edwin Beuncks stammenden Michael Rosenbergerflügel aus dem Wien des Jahres 1803 (anzunehmender Weise obligatorisch von Beunck restauriert).


    Ich bin schon ganz gespannt, was der denn, der Herr Rosenberger, als musikalisches Sprachrohr via Pierre Bouyer zum Thema 'Waldstein' zu sagen hat ...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • (Nach dem Seitenwechsel ist zunächst ein Link auf die Tabelle der Einspielungen erforderlich geworden)


    Wie erwartet: der Rosenberger präsentiert sich nicht als das technisch überperfekte Instrument (was auch gut so ist), sondern verzaubert mich damit, daß er eben die Grenzen seines Seins und der auferlegten Bürde der Sonate aufzeigt. Für manch eine/n mag das eine „Schepperkiste“ sein: in meinen Ohren klingt das schön und verleiht der Sonate Charakter und Charisma. Dazu ist er natürlich besonders klangschön und entfaltet seine zerbrechliche Blüte in der Introduzione zum Finalsatz (meist als 2. Satz deklariert). Der Übergang gelingt hier auch sehr elegant und nahezu unscheinbar, wie es sich für eine organische Introduzione in der m. E. von van Beethoven gedachten Form gehört: plötzlich und unerwartet in medias res. Trotz gewisser Ausbrüche wohnt zuweilen gerade dem Finalsatz eine gewisse überirdische Ruhe inne, ohne daß jedoch das angeschlagene stark Tempo zurückgenommen werden müsste: ein zunächst unentschiedenes Hin und Her zwischen konkurrierenden Welten; die gute (oder besser: positive) Seite gewinnt natürlich mit überzeugender, traubenkerniger Fragrance.


    Sehr schön! Wunderbar! :love:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)