02/23 - Claviersonate f-moll op. 57 („Appassionata“): Einspielungen (opi)


  • Ludwig van Beethoven

    Klaviersonate Nr. 23 f-moll op. 57 (Appassionata) (1804)


    John Khouri (Hammerklavier: 1801 Broadwood grand fortepiano)

    26 Mai 1997 (Vacaville, California Performing Arts Center)


    Wer glaubt, es gäbe die wahrscheinlich bekannteste Klaviersonate Beethovens nicht opi, weil die Experten hier im Forum sich darüber ausschweigen, der irrt. Es gibt sie sehr wohl, hier zum Beispiel eine schon ältere Aufnahme des umtriebigen John Khouri, einer der bekanntesten Hammerklavier-Pianisten. Das von ihm genutzte 1801 Broadwood grand fortepiano gehört für mich im ersten Hördurchgang nicht zu den leicht zu liebenden Hammerklavieren.

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )


  • Ludwig van Beethoven

    Klaviersonate Nr. 23 f-moll op. 57 (Appassionata) (1804)


    Lambert Orkis

    2005


    Hier bekommt man gleich zwei historische Klaviere zu hören:

    Fortepiano by Thomas and Barbara Wolf based on the designed of Nannette Streicher (ca. 1814-1820)


    Fortepiano by R.J. Regier based on Viennese instruments from around the 1830s

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • CD 7


    Ludwig van Beethoven

    Klaviersonate Nr. 23 f-moll op. 57 (Appassionata) (1804)


    Zvi Meniker, Fortepiano: Salvatore Lagrassa (um 1815) - restauriert von Edwin Beunk & Johann Wennink (1993) 6 Oktaven

    1997


    Erster Eindruck seinerzeit: Jetzt im Ohr (2017)

    „Als ich es zuweilen unternommen habe, die ruhelose Geschäftigkeit der Menschen zu betrachten, wie auch die Gefahren und Strapazen, denen sie sich [...] aussetzen, woraus so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft unheilvolle Unternehmungen usw. erwachsen, habe ich häufig gesagt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einem einzigen Umstand herrühre, nämlich, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.“ (Blaise Pascal: Gedanken, I, )

  • Barbarus hic ergo sum, quia non intellegor ulli. (Covid)

    Wer glaubt, es gäbe die wahrscheinlich bekannteste Klaviersonate Beethovens nicht opi, weil die Experten hier im Forum sich darüber ausschweigen, der irrt. Es gibt sie sehr wohl,

    Natürlich; nur; die angeblich bekannteste Claviersonate rührt mich ebensowenig wie andere „best of's“ (prinzipiell bezogen auf alle mir bekannten Komponisten). Ich weiß nicht genau, woran das liegt; eine generelle Abscheu gegenüber den sogenannten best of's, die ich gerne zugebe, kann es in diesem Falle nicht sein, da es für mich niemals die berühmteste Sonate war (das bleibt für mich nachwievor die Sonate c-moll op. 13, bekannt als Pathétique) und mir ihre Präsenz als den best of's zugehörig bislang nicht bekannt war. Ich persönlich ziehe die Sonaten opp. 53, 81a und 111 vor (womit sie nicht automatisch zu den besten werden).


    Ich werde mich zunächst kurzfristig mit dieser Einspielung auseinandersetzen:



    Melvyn Tan, Hammerclavier Derek Adlam nach Nannette Streicher 1814


    Folgen werden mindestens Badura-Skoda und Brautigam im Vergleich; sollte ich wider erwarten Feuer fangen, folgen sicher weitere.


    Nicht verschweigen möchte ich an dieser Stelle ein - offenbar umstrittenes - Zitat aus Schindlers Beethographie:


    A. Schindler, S. 199 schrieb:

    Ein andermal bat ich ihn, mir den Schlüssel zu den beiden Sonaten Op. 57 (f-moll) und op. 29* (d-moll) anzugeben. Er erwiderte: „Lesen Sie nur Shakespeare's Sturm“.

    *recte: op. 31,2; das hat Schindler wohl mit dem gleichnamigen Streichquintett (bezogen auf den Finalsatz) verwechselt.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Ganz nebenbei haben meine jeder Herausforderung gewachsenen Ohren eine Parallelstelle von op. 57/iii zu KV 491/iii erhört:


    53-6ed718aa.png

    Beethoven, op. 57/iii


    56-930ba63d.png

    Mozart, KV 491/iii


    Sicher kein Zufall, aber auch keine Absicht.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Auch hier (verglichen mit der ForeSTone-Sonate) beeindruckt der Bass des Clementi-Instruments aus dem Jahre 1804, liebevoll und detailverliebt nachempfunden von Robert Smith (das Coverbild hingegen ziert m. E. eher einen 'das historische Instrument verallgemeinernden' Walterflügel, der aber sicher auch Vorbild für viele Clavierbauer dieser Zeit war):


    81e-71jat6L._SL300_.jpg


    Wie gut, daß er - Clementi (wie auch Newman :S ) - nicht nur komponiert hat; 8-)


    Das Werk erklingt hier nicht verschroben und hyperstilisiert: sondern frei von allem Ballast der vergangenen paar hundert Jahre; ohne dies hyperstilisieren zu wollen: einfach unvoreingenommen, frei. Das Instrument macht schon eine Menge mit, ohne Anzeichen der Gebeuteltheit zu zeigen (letztlich: schade); das könnte ein moderner Steinway mit furcht- und lustlosem Achselzucken sicherlich auch; lediglich der Klang ist hier detaillierter und individueller und nicht so steril wie bei einem modernen Flügel (deren Qualität ich sicher nicht anzuzweifeln geboren bin).


    Erschütternd: das Clementi-Instrument kann es sogar einem permanenten Nörgler wie mir recht machen ... ein Allrounder; nachwievor kann ich aber dieser Sonate, trotz der hier gerne gehörten Bässe (meine Fresse, haut der rein!), keine wirkliche Sympathie abringen ... sie spricht nicht zu und mit mir.


    Trotz allem: eine gelungene, sicher (mitunter auch mich) mitreißende Einspielung!


    *ägy*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)