Levit, Igor (*1987): Klavier

  • Wikipedia: Igor Levit

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    Ich wollte diesen Thread schon längst eröffnet haben; aber es hinderte mich die gewaltige Medienhysterie der letzten Jahr, welcher gleichzeitig die Skepsis vieler ausgewiesener Experten im Netz entgegenstand, die vor allem mit seinem Bach und Beethoven so ihre Schwierigkeiten haben. Ich besitze wohl bis auf die letzten beiden Namenalben mit gemischtem Programm und die Beethovensonaten-GA alle seine noch gar nicht so zahlreichen Einspielungen und weiß zum Beispiel, dass Max die Aufnahme Frederic Rzewskis lobend erwähnte.


    Inzwischen lässt sich aber hier ein differenzierteres Bild des Pianisten gewinnen:

    Heute entdeckt (Hinweis vom BR bei Facebook): Igor Levit berichtet in 32 Podcast-Folgen über die Sonaten, je eine Folge pro Sonate:

    https://www.br.de/mediathek/po…odcast-32-x-beethoven/826

    Werde ich mir sicher mal anhören.


    00 - Claviersonaten


    Diese Reihe ist vor allem deshalb bemerkendswert, weil sie neben der Einführung in das Sonatenwerk noch anderes leistet. Sie stellt uns einen Künstler vor, den man vielleicht bislang in Sachen aggressiver Vermarktungsstrategie und auf Grund erster Hörerfahrungen anders wahrgenommen hat; sie zeigt, was ein Gespräch zwischen Künstler und Musikkenner leisten kann für das Verständnis; und sie bestätigt, wie unterhaltsam und lehrreich das Geistige und Schöne sein kann. Überdies ist eben das Eigentliche, die Analyse der 32 Klaviersonaten aus der Perspektive des Pianisten, eine wahre Fundgrube an Erkenntnissen für den Laien.

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Mir liefert derzeit nur YT einen Eindruck. Was ich da höre, missfällt mir jedenfalls nicht. Die Fuge aus Regers Telemann-Variationen, Vergleiche sind da eher schwierig, weil das Werk selten gespielt wird, kann sich für meinen Geschmack hören lassen (man muss freilich auch bedenken, dass die Aufnahme bereits 14 Jahre alt ist, also ein gerade einmal 18 jähriger am Flügel sitzt). In jedem Fall hat er offenbar ein Gespür für kontrapunktische Strukturen, die das Ergebnis in meinen Ohren als recht transparent erscheinen lassen. Da rennt Levit, jedenfalls bei mir offene Türen ein. Von Virtuosität will ich gar nicht reden - die darf man ihm wohl zuschreiben. Schade nur, dass Igor Levit für seine Darstellungen der Werke von Komponisten des Barock oder der Wiener Klassik modernes Geflügel nutzt.