02 - Filmographie

  • Einer meiner Lieblingsfilme zum Thema 'Beethoven' ist



    Copying Beethoven
    Ed Harris, Diane Kruger,
    Matthew Goode, Ralph Riach


    ...wobei ich finde, daß der deutsche Titel dem Film den besseren Arbeitstitel gibt: Klang der Stille.


    Eine im Prinzip frei erfundene Geschichte rund um die Uraufführung der 9. Sinfonie: Ein junges musikalisch begabtes Mädchen (Anna Holz) gelangt wie die Jungfrau zum Kinde in die Dienste Ludwig van Beethovens und unterstützt diesen bei der Arbeit an dessen letzter vollendeter Sinfonie (sie wirkt im Film sogar kompositorisch verbessernd auf das Werk ein, eine Stelle, die man so schnell beim Hören der Neunten dadurch nicht wieder vergisst). Der Film hat besonderen Tiefgang und ist mir persönlich sehr lieb geworden. Zudem hat mir der Film die Faszination der 'großen Fuge' eröffnet. Dabei ist der Film sehr abwechslungsreich: Neben aphorismentauglichen Bon-mots eben auch mit ziemlicher Witzigkeit gespickt.


    Für Mitglieder dieses Forums ist dieser wohl unumgänglich:



    Eroica - The day that changed music forever
    Ian Hart, Tim Pigott-Smith, Jack Davenport


    Es überrascht wohl niemanden, wenn ich verrate, daß der Film von Beethovens 'Eroica' handelt - genauer gesagt von der Uraufführungssituation im (später) danach benannten Eroica-Saal im Palais Lobkowitz, Wien. Das Palais gehört heute zum Österreichischen Theatermuseum und ist einen Besuch allemal wert. Der Rundgang beginnt im Eroica-Saal und führt über einen Schaubilderraum und Barockraum zum Figurentheater, einer Kostümausstellung zu einem nachgebauten Orchestergraben. Der Saal selbst ist nicht besonders groß, wirkt aber mondän und feinsinng zugleich. Die musikalischen Filmaufnahmen wurden ebendort gemacht. Das Privatorchester des Prinzen Lobkowitz wird durch das Orchestre Révolutionnaire & Romantique unter Sir Eliot Gardiners Leitung - fachgerecht kostümiert - wiedergegeben. Die Uraufführung kommt hier einer ersten Anspielprobe gleich, es wird dabei geredet, abgebrochen, neu gestartet, diskutiert und (wie bereits angedeutet) werden einige verbürgte Anekdoten z.B. um Ferdinand Ries mit eingebracht, was sehr amüsant ist, aber eben auch zum Verständnis des Werks beiträgt. Auch Joseph Haydn wird im Verlauf der Aufführung durch Anwesenheit und leichte Verwirrtheit glänzen (ein toller Darsteller übrigens!).


    Zum Zwecke der Filmcharakteristka wird aber die 3. Sinfonie hin und wieder gekürzt, so daß andere Umstände im Vordergrund stehen, was aber nicht im mindesten stören sollte, da es quasi als 'Zugabe' das gesamte Werk ohne Handlungsablauf im Nachgang nochmals optional komplett zu sehen gibt (ebenfalls originalkostümiert).
    Der Film ist wirklich sehr gelungen und für Eroica-Freunde ein Muss!


    Von eher unterhaltsamem Ins-Wochenende-Gleit-Wert sind die beiden nachfolgenden Filme, die bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterließen:



    Ludwig van B.
    Gary Oldman, Isabella Rossellini, Jeroen Krabbe



    Beethoven | Die ganze Wahrheit
    Wolfgang Reichmann, Mathieu Carriere,
    Dietmar Prinz, Nathalie Baye, Jane Birkin


    Wobei ich Mathieu Carriere hier wohl doch überaus schätze; er gefiel mir aber (wen wundert's?) als junger Törless in der Schlöndorffverfilmung des Musilstoffes natürlich noch besser. ;)

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Von eher unterhaltsamem Ins-Wochenende-Gleit-Wert sind die beiden nachfolgenden Filme, die bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterließen:



    Ludwig van B.
    Gary Oldman, Isabella Rossellini, Jeroen Krabbe

    Ludwig van B. - Meine unsterbliche Geliebte


    Allein der Introitus mit der "Missa Solemnis" entschädigt für alles ... :love:... verantwortlicher Dirigent ist wohl Solti ...

    "Je edler das Ding und je allmächtiger, desto fürchterlicher und teuflischer ist der Mißbrauch. Brand und Ueberschwemmung, die schädlichen Wirkungen von Feuer und Wasser, sind nichts gegen das Unheil, das die Vernunft stiften wird – wohl zu merken, die Vernunft ohne Gefühl, wie sie nach den Merkmahlen dieser Zeit uns bevorsteht …“ Georg Forster aus Paris an seine Frau am 16. April 1793

  • Mythos Beethoven - 6-teilige Dokumentation mit Uwe Bohm ( :jubel: ) und BuBi (leider auf dem falschen Instrument, aber grandios):


    3sat - Mediathek


    :S


    Und für jene, die widerrechtlich nicht im Besitze oder in Kenntnis von „Klang der Stille“ sind: gibt's hier auch 'ne Option.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


    Plaudite, amici, comedia finita est. Finis coronat virus. (Covid)

  • Habe ich mir gestern angeschaut (auf Englisch) und wurde sehr gut unterhalten. Das lag zunächst mal an einem beeindruckenden Ed Harris, den ich so frisch und unverkniffen - und trotz Überzeichnungen auch still und differenziert - nie erwartet hätte (seine eher groben und plakativen Interviewäußerungen zum Film legen das auch nicht nahe). Dazu gehört auch die Darstellung dieses Ludwigs, weit ab vom grimmigen Marmorsockel seiner kulturgeschichtlichen Überhöhung und Verzerrung. Dieser hier ist deftig und lebendig und witzig und nicht nur im Cholerischen emotional, sondern in seiner Zerrissenheit und Unverschämtheit liebenswürdig. Wie erfrischend!


    Und dann ist da noch diese filmisch grandiose Umsetzung der Uraufführung. Nicht nur ist sie als Dreh- und Angel- und Höhepunkt des Films in dessen Mitte platziert schon dieserart ungewöhnlich. Sie ist lang und intensiv und verfehlte bei mir nicht die Tränenrührung, die diesem Ausnahmemoment der Musikgeschichte gerecht wird. Man kann den Film sicher leichtfertig und unterhaltsam sehen, aber er hat eine Menge Feinheiten, die viel weiter gehen als es die Hand im Popkorn vermag. Und er macht etwas, dem sich viele Biopics nicht annehmen, die versuchen ein quasi dokumentarisches Bild historischer Verbürgtheit in Film zu verbauen: er erzählt sozusagen im Geiste und vermittelt eher ein Gefühl gegenüber Beethoven, das wohl gerade durch diesen eingeschlagenen Weg wesentlich erfolgreicher darin ist, ein adäquates Bild zu vermitteln. Zumal gerade dies als Übereinstimmung von Form und Inhalt den im Film dargestellten Auffassungen Beethovens entspricht, wie sie einigen Dialogen und der Schlüsselszene "Brückenzertrümmerung" zugrunde liegen.


    *sante*

    Es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.
    Johann Georg August Galletti (1750-1828)