Aufnahmen opi


  • Heinrich Scheidemann (c1596-1596)

    Samuel Scheidt (1587-1654)


    Cantilena Anglica Fortunae


    Yoann Moulin, harpsichord

    (Philippe Humeau after Andreas Ruckers, 1615)


    Contents:


    Heinrich SCHEIDEMANN

    1 Praeambulum in G minor (WV41) [3:49]


    Samuel SCHEIDT

    2 Allemande: Also geht’s, also steht’s [7:02]


    Heinrich SCHEIDEMANN

    3. Pavana Lachrymae in D minor [7:08]

    4 Gagliarda in D [3:52]

    5 Praeludium in D minor, WV36 [2:26]


    Samuel SCHEIDT

    6 In dich hab ich gehoffett, SSWV208 [5:11]

    7 Courante [2:09]

    8 Cantilena Anglica Fortunae [5:44]


    Heinrich SCHEIDEMANN

    9 Fuga in D minor [2:16]

    10 Praeambulum in D, WV 34 [3:05]


    Samuel SCHEIDT

    11 O Gott, wir danken deiner güt [1:43]


    Heinrich SCHEIDEMANN

    12 Praeambulum in E minor, WV 37[1:32]


    Samuel SCHEIDT

    13 Fantasia super lo son ferito lasso [9:36]



    Recording: Centeilles, église Notre-Dame, April 2018

    Artistic direction, recording & editing: Jérôme Lejeune

    Cover illustration: Sebatian Stoskopff (1597-1657), Still Life with Shells and a Chip-Wood Box (c1626-1629) New York, Metropolitan Museum of Art.



    Unter dem Titel Die Erben des Orpheus von Amsterdam beschreibt Jérôme Lejeune im Booklet einen fiktiven Markttag zu Beginn des 17. Jh. in Amsterdam: Unter den Passanten seien viele Musiker, die zur Oude Kerk eilten , um Jan Pieterszoon Sweelinck spielen zu hören und sein Schüler zu werden. Sweelinck beeindrucke nicht nur wegen Qualität und Vielfalt seiner Musik sondern vor allem durch seine Fähigkeit, eine Synthese aller Gattungen der europäischen Musik seiner Zeit herzustellen.

    Die Niederlande seien damals ein europäisches Musikzentrum gewesen, Antwerpen eine der Hautstädte des europäischen Notendrucks, die Stadt der Ruckers, deren Cembali und Virginale nach ganz Europa exportiert wurden.Bedeutsam gewesen seien die Niederlande damals auch als Exilland für verschiedene Religionen, deren Musik nun auch in Amsterdam gehört werden konnte. Die Nähe verschiedener Kulturen habe Früchte getragen.Setze man sich mit Sweelincks Musik für Tasteninstrumente auseinander, so sei offensichtlich, dass die italienischen Modelle darin eine große Rolle spielten. Und um dieses Bild zu vervollständigen sei es offensichtlich, dass Sweelinck zwar vor allem Organist an der Oude Kerk gewesen sei, doch selbstverständlich auch andere Tastninstrumente spielte.



    Lejeune fährt fort:


    Zitat

    Kommen wir auf den Markttag zurück. Es ist vorstellbar, dass sich unter den Passanten, die zur Oude Kerk eilten, öfters Musiker befanden, die vor kurzem in Amsterdam angekommen waren und deren erster Wunsch darin bestand, den berühmten Organisten zu hören. Diese Musiker kamen vor allem aus Deutschland, dem Land in dem die Orgeln oft mit denen der Oude Kerk (3 Manuale und eine Pedalklaviatur) vergleichbar waren; man kann sich vorstellen, dass sie beeindruckt von dem waren, was sie gerade gehört hatten, und am Ende des Rezitals unten an der Treppe warteten, die zur Empore führte, bis der Meister herunterkam, sich ihm vorstellten und um die Ehre baten, zu seinen Schülern zu gehören. Einige der Namen jener Organisten, die eine solche Reise nach Amsterdam unternahmen, konnten identifiziert werden: Jacob Praetorius und Heinrich Scheidemann aus Hamburg, Melchior Schildt aus Hannover, Andreas Düben aus Stockholm, Paul Siefert aus Danzig, Samuel und Gottfried Scheidt aus Halle usw.Offenbar begegneten sich einige davon in Amsterdam, da sie sich unter den Bewunderern und Schülern von Sweelinck befanden.War das europäische Modell, das sie beim Amsterdamer Organisten lernen konnten wichtig, muss man abgesehen davon auch anerkennen, dass in Norddeutschland die verschiedenen Einflüsse zahlreich waren

    [ ... ]

    Mit dieser Evokation der deutschen Cembalomusik des beginnenden 17. Jh. beginnt Ricercar eine neue Reihe, die uns bis zum Beginn des folgenden Jahrhunderts führen wird!



    Yoann Moulin schreibt zu dieser Aufnahme:


    Zitat

    Als Jérôme Lejeune mir sein Projekt einer CD-Reihe rund um die deutsche Musik für Tasteninstrumente vorschlug, fühlte ich mich sehr geehrt und war ungeduldig, mich mit diesen Werken auseinanderzusetzen, die mich ebenso faszinieren, wie sie mich vor Fragen stellen. Ich meine, in diesen Stücken einen Glauben zu erkennen. Nicht den protestantischen Glauben, sondern den Glauben an eine Sprache von zwölf Tönen. An eine Macht, die sie in sich selbst besitzt, an einen wesensgemäß in seiner Struktur gegenwärtigen Sinn. An die Macht ihres Systems.Die Musik für die Musik.Weder Tanz noch Timbre noch Rhetorik, hier scheint mir alles Kombination, Zeitrechnung.Die Emotion ist formal, das Gefühl architektonisch.Schelmisch oder melancholisch, erzählend oder kontemplativ, italienisch oder französisch, die Sprache bleibt an sich kontrapunktisch, als wäre dies ihr einziger Gegenstand, ihr eigener Ausdruck.Eine Musik, die manchmal in ihrer entwaffnenden Vollständigkeit in mir schließlich als tief mystisch erklingt.



    Die Ankündigung von Jèrôme Lejeune nun eine neue Reihe mit deutscher Barockmusik zu beginnen, freut mich sehr. Und ich bin gespannt, was es da dann Neues zu entdecken gibt: unbekannte Musik, neue Eindrücke und auch, was sich geändert hat mit einer neuen Generation von Interpret*innen. In den letzten Jahren machten schon viele junge Musiker*innen auf sich aufmerksam wie auch Yoann Moulin, der mir auch hier gut gefällt.

    LeJeunes Beitrag im Booklet ist lesenswert wie die Aufnahme empfehlenswert — hört mal rein!


    lg vom eifelplatz, Chris.




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    Heinrich Scheidemann

    Samuel Scheidt

    Jan Pieterszoon Sweelinck

    Yoann Moulin

    Jérôme Lejeune


    Booklet


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