Jetzt auf den Augen - Filme (2022)

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    Orpheus in der Unterwelt Spielfilm, DDR 1974


    Heute Vormittag ...

  • Wallenstein in der ersten Verfilmung von Franz-Peter Wirth - offenbar handelte es sich um eine Lebensaufgabe des Regisseurs:


    1.) Wilhelm Borchert, SWR 1961*

    2.) Rolf Boysen, ZDF 1978

    3.) Thomas Holtzmann, HR 1987


    * daneben Dieter Kirchlechner, Wolfgang Weiser, Ernst Fritz Fürbringer, Alexander Golling, Wolfgang Kieling, Hanns Ernst Jäger - u.a.

  • Den Film kenne zwar nicht, die Beschreibung bei JPC hört sich allerdings außerordentlich interessant an.


    Sie dreht den Spieß um und tötet einen Killer nach dem anderen, bis sie bei der mysteriösen Athena landet, bei der alle Fäden zusammenlaufen.


    WOW, genau mein Ding ...

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    Entscheidend ist nicht der bekannte Plot; sondern die Schärfe der Dialoge, der satirische Impetus.

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    Irgendwann ist auch mal gut. BRD 2020


    Sehr gelacht und auch geweint - dabei war es gar nicht komisch und eigentlich auch nicht traurig ...


    Die Eltern kündigen dem Sohn ihren gemeinsamen Selbstmord an. Der versucht das natürlich zu verhindern, daraus ergeben sich tragikomische Verwicklungen. Meine Frage: Selbstmörder, deren Versuch scheitert, müssen doch zwingend in die Psychiatrie für eine gewisse Zeit. Auf bloße Ankündigungen aber, so suggiert der Film, kann man aber nicht reagieren?

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    Eine 3. Verfilmung? Mir schwant Böses?


    Kürzlich lief:

    Die Wannseekonferenz (1984)



    Später kam ja:

    Die Wannseekonferenz (2001)


    Die alte deutsche Version ist viel besser als die angloamerikanische; weil letztere zu dick aufträgt und Kenneth Branagh Shakespeare mimt; Dietrich Mattausch dagegen ist der Pragmatiker Heydrich par excellence.

  • Eine 3. Verfilmung? Mir schwant Böses?

    Ich finds eigentlich sehr ansprechend und nachvollziehbar dargestellt. Heydrich agiert hier eher zurückhaltend, mehr als Moderator und Stichwortgeber ("Eichmann, berichten Sie"). Dies macht aus meiner Sicht auch Sinn, weil die Einzelheiten des Vorhabens auf Arbeitsebene (Referatsleiter) zwischen dem Ministerium des Äußeren und dem RSHA vorab zur Vorbereitung umfassend erörtert worden sein dürften. Eichmann berichtet z.B. anhand einer Karte über die Verteilung und Anzahl der jüdischen Bevölkerung im NS-Einflussbereich (vgl. die abweichende 1. Version). Insoweit - und wohl auch richtig - betrachtet, hatte Eichmann vermutlich einen sehr viel größeren Anteil an der Besprechung und den nachfolgenden Untaten, als von ihm nachträglich in Jerusalem eingestanden worden ist (vgl. Television Broadcast of the Eichmann Trial, Leo Hurwitz - 1961). Nachvollziehbar, denn schließlich ging es ja um sein Leben. Bekanntlich stand ihm diese Verteidigungsstrategie des Minimierens im Ergebnis nicht zur Seite.


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    Auch ich muss nach der Erstsichtung eindeutig sagen; dass meine Befürchtungen; hier würde mal wieder in zeitgeistiger Art und Weise das BÖSE groß ausgestellt und in moralischer Überlegenheit gebadet; um beim Publikum sichere Kasse zu machen; unbegründet waren. Meine Bedenken sind nicht völlig zerstreut worden; aber im Ganzen halte ich den Film für recht gut und auch als dritte Verfilmung überhaupt und zweite deutsche für absolut gerechtfertigt.


    Wie die beiden Vorgänger hält man sich weit es geht an das Protokoll und fügt nur hin und wieder eigenständige Szenen ein. Mit der Besetzung ist dem Regisseur, dem Sohn eines meiner Lieblingsschauspieler aus DDR-Zeiten; ein regelrechter Geniestreich geglückt. Wer sich in der bundesdeutschen Vorabend- und Krimilandschaft nicht so auskennt; wird das gar nicht recht zu würdigen wissen; aber praktisch alle Schauspieler gehören nicht zu den ganz großen Mimen, die abendfüllende Kinofilme für den Auslands-Oscar abdrehen; sind aber praktisch allabendlich auf deutschen Fernsehbildschirmen präsent.


    Johannes Allmayer, dessen Alemannisch das Schweizerische ahnen lässt und der immer kauzige und langweilige bis eigenbrötlerische, ja überexakte Figuren an der Grenze zu Asperger interpretiert, ist die Idealbesetzung für Adolf Eichmann; wenn auch ganz leicht kabarettistisch übersteuert. Maximilian Brückner; der obersympathische Bursche von nebenan aus der 2. Reihe, auch komödiantisch begabt; spielt mit Inbrunst, auch schon fast ein wenig übertrieben den Dr. Karl Eberhard Schöngarth, einen fanatischen Nationalsozialisten. Matthias Bundschuh; meist in Krimis aller Art als Übersensibelchen, schwuler Künstler oder extravaganter Adliger und Schöngeist unterwegs; gibt hier zwischen Kalkül und kalter Rechnerei bei prinzipiellem Einverständnis Erich Neumann, den Staatssekretär in Hermann Görings Behörde für den Vierjahresplan. Fabian Busch, auch Homo Sympathicus durch und durch; durfte im Untergang schon mal einen SS-Obersturmbannführer spielen, der sich nach der Kapitulation erschoss; und agiert hier überzeugend als Dr. Gerhard Klopfer, Martin Bormanns Faktotum in der Parteinkanzlei. Jakob Diehl als Gestapo-Müller ist eine prinzipiell starke Idee, der Bruder August spielte ja schon und auch international oft fanatische Vorzeigenazis; hier aber in dieser so vorsätzlichen bösen Pose; so ernst und als Einziger in der Runde ohne jedes Lächeln geht das an Heinrich Müller doch vorbei, dessen Persönlichkeit nicht so eindimensional war; Overacting durch Eingleisigkeit; verstörend dennoch und allemal. Godehard Giese kennt man aus unzähligen Folgen von Tatort und Polizeiruf; er gibt den eitlen, machtbewussten, aber auch klugen Dr. Wilhelm Stuckart, den Verfasser der Nürnberger Rassengesetzte; der weiß, wann er Heydrich nicht weiter reizen darf; geradezu adäquat. Peter Jordan; Bundschuh ähnlich im Gestus, aber etwas maskuliner; auch viel im Krimi unterwegs; überzeugt als Dr. Alfred Meyer, einen von zwei Vertretern des Ostministeriums.


    Auch Arnd Klawitter spielt in der Liga Jordan-Bundschuh und brilliert als Dr. Roland Freisler; der unbedingt den Führer treffen will und sich dafür nicht zu schade ist, die Stiefel anderer zu lecken. Frederic Linkemann kennt man aus den beliebten Eberhofer-Krimis und füllt mit kaum gebremster Lust die Rolle des Dr. Rudolf Lange aus; der auf Heimaturlaub von der mordenden Einsatzgruppe A keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Bürokraten in Parteien, Staat und Verwaltung macht. Thomas Loibl, mit der bekannteste Schauspieler; versucht den Friedrich Wilhelm Kritzinger, den Ministerialdirektor und Staatssekretär in der Reichskanzlei, als vorsichtigen, servilen und fast devoten Zweifler und Nichtvonbeginnanmitmacher zu spielen; was zumindest geschichtswissenschaftlich noch umstritten ist. Sascha Nathan, mehr so der dickliche Losertyp in der TV-Besetzungslandschaft, spielt Dr. Josef Bühler, den Intimus des besonders großen Scheusals Hans Frank, Generalgouverneur und hauptverantwortlich für alle Verbrechen in Polen. Markus Schleinzer, in Deutschland nicht so bekannt, spielt Otto Hofmann Otto Hofmann, der als Chef des SS-Rasse- und Siedlungshauptamts immer wieder das Wort nimmt und die ideologischen Prämissen vorträgt. Simon Schwarz, den Mitstar aus den Eberhofer-Krimis, sehr präsent im Fernsehen; komödiantisch begabt und oft leicht trottelig dargestellt; ausgerechnet Martin Luther spielen zu lassen, grenzt an Wahnsinn auf der Besetzungscouch; denn der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt (AA) spricht sechs Sprachen und gilt als Überflieger. Rafael Stachowiak ist noch nicht so bekannt; aber er hat ein sehr einprägsames Gesicht wie weiland Arno Wyzniewski oder ein abgemagerter Ulrich Matthes; der Dr. Georg Leibbrandt vom Ostministerium gerät ihm aber ein wenig zu aufdringlich vordergründig.


    Die von der neueren Forschung also erbrachte Erkenntnis, dass die Planer des Holocaust und der Endlösung keine abartigen Gestörten waren; sondern dynamische, karrierebewusste Männer aus der Mitte der Gesellschaft; wird hier wunderbar allein durch die Besetzungspolitik illustriert. Nur einer fällt aus dem Rahmen und das ist natürlich besonders schlimm: Philipp Hochmair ist ein wunderbarer Schauspieler; ein attraktiver Mann mit viel Volumen ohne dick zu sein, konziliant und leutselig; ein moderner Managertyp; dem man seine Kinder anvertrauen würde, fast sympathisch irgendwie. Ein Reinhard Heydrich ist das natürlich nicht: Dieser war weder so dämonisch; wie uns seine Kollegen im RSHA nach Kriegsende weismachen wollten, um ihre eigene Haut zu retten; noch war er ein reiner Technokrat ohne Interesse an weltanschaulichen Aspekten. Der SS-Obergruppenführer und General der Polizei, Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) und Stellvertretende Reichsprotektor in Böhmen und Mähren hätte der Konferenz ganz sicher anders präsidiert; Dietrich Mattausch spielt das 1984 wesentlich überzeugender. Einzig der lange Blick vor dem persönlichen Gespräch mit Stuckart nach dessen Vorschlag zur Sterilisation lässt ahnen; in welchen Dimensionen man sich das Ganze vorzustellen hat. Diese Unterhaltung unter vier Augen übrigens einer der Tiefpunkte des Films; die gequälte Wendung zu privaten Fragen wirkt peinlich. Aber es muss doch möglich sein, einen großen, schlanken, blonden Mann mit etwas höherer Stimme und dominanter Nase zu finden; der Heydrich ein wenig ähnlich sieht; der Schauspieler muss doch nicht bekannt sein. Und der ein Alphatier vorstellt, der zwar die Ministerial- und Parteibürokratie für seine Vorhaben einspannen und sich die Federführung garantieren lassen will; der aber auch genau weiß, dass er bei seinem Status und seiner Protektion durch Hitler, Himmler und Göring im Kreis von Gleichgesinnten keine Gefangenen machen muss.


    Etwa störend empfinde ich die an dieser Stelle eher unwahrscheinlichen Monologe ideologischer Natur, zu denen sich verschiedene Teilnehmer mehrfach bequemen; wohl, um dem unbedarften Zuschauer etwas beizubringen. Das gilt insbesondere auch für die Erklärung der genauen Vergasungsvorgänge zum Schluss; denn auch das halte ich in diesem Rahmen für wenig plausibel, die erste Verfilmung hielt sich hier bedeckter. Aber wahrscheinlich haben die Drehbuchschreiber wohl leider nicht zu Unrecht ein Publikum im Blick, dem die historischen Tatsachen nicht mehr so präsent sind wie meiner Generation, die wir mit der Familie Weiss aufgewachsen sind und zumindest im Osten zu KZ-Gedenkstätten-Besuchen zwangsverpflichtet wurden vor der Jugendweihe.

  • Die meisten Darsteller waren mir gar nicht geläufig. Wir schauen vermutlich zu wenig Vorabendkrimis. J. Diehl in der Müllerrolle habe ich erst gar nicht erkannt. J. Allmayer war mir in der Rolle des Magnus G. erinnerlich und selbstverständlich der Klopferdarsteller. Alle anderen Beteiligten musste ich erst "nachschlagen".


    Ein Besuch bei Tante Wiki zeigt, dass es sich zumeist auch um ausgewiesene Theaterdarsteller (in prominenten Rollen und an zentralen Orten) handelt, was diesem "Kammerspiel" wahrscheinlich zugute kommt.


    Der SS-Obergruppenführer und General der Polizei, Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) und Stellvertretende Reichsprotektor in Böhmen und Mähren hätte der Konferenz ganz sicher anders präsidiert;

    Möglicher Weise, aber


    Der Film mit Kenneth Branagh überzeichnet die Figuren und verharrt in Äußerlichkeiten und ich wüsste zu gerne, ob die Differenzierungen des deutschen Films der Wahrheit entsprechen.

    Ob da angesichts der eher dürftigen Quellenlage die eine oder andere Figur in Details überzeichnet wird oder nicht, interessiert mich eigentlich nicht sonderlich. Was haben wir denn? Da gibt es das Protokoll der Wannseekonferenz, die Aussagen Eichmanns in Jerusalem, Vernehmungen einiger Konferenzteilnehmer mit Robert M. W. Kempner. Das wäre es wohl. Insoweit mögen Details hinsichtlich der Darstellung einzelner Teilnehmer dieser Konferenz meinetwegen der Phantasie der Theater-, TV- und Kinomacher vorbehalten bleiben. Was mich wirklich an diesen Produktionen zweifeln lässt, ist der Umstand, dass Kritzinger (damals Ministerialdirektor in der sog. Reichskanzlei) und Stuckart (damals sog. SS-Gruppenführer und Staatssekretar im Innenministerium) in beiden Filmversionen als halbe "Widerstandskämpfer" dargestellt werden. Das halte ich nicht zuletzt auch mit Blick auf deren weitere Karriereentwichlung im NS-Terrorstaat zumindest für sehr zweifelhaft.