h - Konzerte für Lira organizzata: Einspielungen (opi)

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    Quelle: Matthias.Loibner.net

    Perifer bekannt und als Gag in Menuetten von Mozart verwendet ist ja vielleicht noch die Drehleier... bei der man die Saiten durch ein Rad gestrichen und mittels einer Tastatur verkürzt hat, quasi eine Art bequeme Art, die Violine zu spielen. Aber: Faktisch ließ dieses Gerät kein mehrstimmiges Spiel zu, da ja eine Hand mit dem Drehen beschäftigt war. Also erfand man kurzerhand die "organisierte Leier", welche am Rad, das durch die rechte Hand gedreht wird, noch ein paar Knöpfe eingebaut bekam; durch das gezielte Drücken wird eine Pleuelmechanik in Bewegung gesetzt. Diese wiederum aktiviert mehrere Schöpfbälge die für die integrierte "Orgel" zuständig sind.

    Niemand anderes als Joseph Haydn hat sich kompositorisch für dieses Instrument interessiert und gleich ein Konzert für zwei Orgelleiern, ein Doppelkonzert demzufolge, erschaffen - die CD heißt sicher aus gutem Grund deLirium:

    1330227

    Joseph Haydn (1732-1809)
    deLirium
    Concerto, notturno per lire organizzate
    Divertimenti per Baryton

    Matthias Loibner & Thierry Nouat, vielles organisées
    Christophe Coin, direction et baryton à cordes
    Ensemble Baroque de Limoges
    Quatuor Mosaïques opi

    Enthalten sind das

    Doppelkonzert C-Dur Hob. VIIb:1
    für 2 dieser Orgelleiern, 2 Violinen, 2 Bratschen, Violoncello, 2 Hörner und Kontrabaß

    Notturno C-Dur Hob. II:32
    für 2 organisierte Leiern, 2 Clarinetten [!], keine Violinen, 2 Bratschen, Cello, 2 Hörner und Kontrabaß

    Diese Orgelleier klingt wirklich goldig - wie eine Wohnzimmerorgel. Manchmal erinnert sie in den Höhen an eine Glasharmonika - hinzu kommt der Klang der Saiten und Flötenhaftes. Durch die Schnarrsaiten, die auch bei der Drehleier vorhanden sind, klingt die Mittellage wie eine Drehorgel vom Jahrmarkt. Der Divertimentocharakter der beiden Konzerte wirkt schon sehr seltsam in Verbindung mit Orgelklängen. Aber ich mag die CD... eine Entdeckung!

    Das erste enthaltene Doppelkonzert für Orgelleiern ist sehr freudeversprühend - besonders betörend ist die Kadenz des ersten Satzes, in der die Instrumente manchmal [in den tieferen Lagen] so wunderbar quäkend erklingen. Man muß das einfach mögen! Den Klang der Orgelleier an sich präsentiert aber das Notturno C-Dur Hob. II:32 wesentlich besser - da hier die Violinen ausgelassen wurden, kann die eigentliche Drehleier (ohne Orgeltöne) sehr viel deutlicher herausgehört werden - da sie technisch bedingt stets ohne Vibrato erklingt, ist dies ein Vorteil gegenüber dem Doppelkonzert C-Dur Hob. VIIb:1, in dem die Violinen diesen Klang eher etwas verschleiern.

    Ich kann die Ohren einfach nicht voll genug bekommen von diesen zauberhaften Tönen! Hier ist dem schelmischen Komponisten und den grandiosen Artisten ein Quantensprung zwischen peinlichem Kitsch und wahrer Kunst gelungen:

    Deliriös! :thumbup:

    Matthias Loibner, Sezialist für derlei Drehleyer-Instrumente hat auch kürzlich Schuberts Winterreise mit Drehleyer eingespielt.

    Bach wasn't Abel. *rain*

    • Offizieller Beitrag

    Man findet leider noch recht wenige Einspielungen mit echten Lire organizzate, da diese erst in den letzten Jahren wieder rekonstruiert wurden; die Alternative mit (Kirchen-) Orgel mag ich nicht so. Aber man wird durchaus hin und wieder einmal fündig:

    Konzert für 2 Lyren usw. G-Dur Hob. VIIh:3

    Ensemble Baroque des Limoges
    Christophe Coin
    Matthias Loibner | Thierry Nouat | Tobie Miller


    Der langsamse Satz dieses G-Dur-Konzertes diente Haydn später als Vorlage für den Mittelsatz seiner Militaire-Sinfonie Hob. I:100 *birne*

    Bach wasn't Abel. *rain*