KV 319 B-Dur [Nr. 33]

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    Die Sinfonie gehört für mich zu den „mittleren“ der Werkgruppe, die ich wiefolgt zu unterteilen vorschlage:

    Frühe Sinfonien: Nr. 1 KV 16 bis Nr. 30 KV 202 (könnte man noch in Kindheits- und Jugendwerke unterteilen)
    Mittlere Sinfonien: Nr. 31 KV 297 (Pariser) bis Nr. 36 KV 425 (Linzer)
    Späte Sinfonien: Nr. 38 (Prager) bis Nr. 41 (Jupiter)
    Die Einleitung zur Michael Haydns G-Dur Sinfonie, die früher insgesamt als Mozarts Nr. 37 (KV 444) gezählt wurde, lasse ich mal weg.

    Das Werk entstand im Sommer 1779 und hat klassisch vier Sätze, wobei das Menuett ein paar Jahre später, vermutlich Mitte der 1780er Jahre, nachgereicht wurde: (1) Allegro assai B-Dur 3/4, (2) Andante moderato Es-Dur 2/4, (3) Minuetto B-Dur 3/4, (4) Finale. Allegro assai B-Dur 2/4. Die Besetzung ist: 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Fagotte, Streicher.

    Ich sehe das Werk zwar auch nicht als „zentrales Werk“ in Mozarts sinfonischem Schaffen; merkwürdig allerdings ist es schon, daß „Rainer Zufall“ gerade in diesem Werk der mittleren Werkgruppe wie in der ersten Sinfonie KV 16 (2. Satz) und der letzten Sinfonie KV 551 (4. Satz; wohl hinreichend bekannt) das „Credo“-Thema aufnimmt (1. Satz, T. 143ff. f-g-b-a).

    Außerdem kommt mir der Kopfsatz rhythmisch kurios daher; ich finde es schwierig, den 3/4-Takt am Beginn mitzuhalten, wenn keine Partitur dabei liegt; das liegt zum einen vermutlich an den punktierten Vierteln (Violinen, Bratschen) in den Takten 5 und 9 sowie daran, daß das aufsteigende Achtelstaccato - mal mehr, mal weniger betont - auf Schlag 2 beginnt. Fand ich schon immer irgendwie verwirrend ... den Beginn des Allegro-Parts im Kopfsatz von KV 543 Es-Dur, ebenfalls 3/4-Takt, empfinde ich (wegen der Haltebögen) ähnlich irritierend.

    Es gibt keine Wiederholung der Exposition, die T. 138 endet und die Durchführung bedient sich zweier bisher noch nicht vorgestellter, völlig neuer musikalischer Themen: eben u.a. dem „Credo“. Seltenheitswert hat außerdem die Tatsache, daß die Violenstimmen häufig zweigeteilt sind und den Fagöttern eine von der Baßgruppe weitestgehend losgelöste, selbständige Rolle zugeteilt wird.

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    Auch im 2. Satz gibt es keine Wiederholung des A-Teils, die Durchführung (oder der Mittelteil) wartet wiederum mit komplett neuer Motivik auf; die Bläsergruppe (Oboen, Hörner und Fagotte) werden auch ohne Streicherbegleitung eingesetzt.

    Beim Menuett finde ich den Schluß des B-Teils gelungen: anstelle im piano (wie im A-Teil) zu enden, kommt die Passage im forte. Das Trio ist volkslied- oder wiegendliedartig. Auch im Menuett werden die Fagotte z.T. melodieführend oder mindestens -mittragend eingesetzt.

    Im Finale wird ebenfalls in der Durchführung neues Themenmaterial verabeitet. Die neckische Oboen-Fagott-Passage (130-137 und 334-342), die dann von den Streichern mit schlemischer Oktavierung aufgenommen wird, gefällt mir sehr. Insgesamt vergleiche ich den Satz mit seinem Drive gerne mit dem Finalsatz von Beethovens erster Sinfonie, zu der es, wenn man mag, auch „thematische“ Bezüge gibt (74ff. - bei Beethoven 94ff.). Oder auch später bei Mozart selbst (KV 467).

    Kurios ist der plötzliche Schluß, der in der Coda die Wiederaufnahme des Anfangsritornells vor der Überleitung zum 2. Thema ist (46-57). Als ich das zum ersten Male hörte, dachte ich noch, mein Cassettenrecorder sei kaputt ... Halloooo?

    Bach wasn't Abel. *rain*