03a - Streichquartett A-Dur KV 464 („the Drum“): Einspielungen (opi)

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    Insgesamt gebe ich zwar den Preußischen und dem Hoffmeister-Quartett den Vorzug gegenüber den Haydn gewidmeten Quartetten; in einem fiktiven „Ranking“ der sechs Haydn-Quartette (KV 387, 421, 428, 458, 464 und 465) steht allerdings das A-Dur bei mir an erster Stelle. Natürlich verachte ich nicht die langsame Einleitung des sogenannten Dissonanzen-Quartetts und auch nicht das melancholische d-moll-Quartett (in welchem Mozart die Einsetzenden Wehen seiner Frau Constanze verkomponiert haben soll; „Wehen-Quartett“).

    Ähnlich wie bei den Clavierkonzerten und Sinfonien, wo die großen C-Dur-Werke die berühmtesten (KV 467, 551) sind, dürfte dies auch bei den Haydn-Quartetten Mozarts mit 465 der Fall sein. Das A-Dur-Quartett bekleidet neben dem wunderbaren Es-Dur KV 428 und vielleicht sogar dem G-Dur 387 eher die Außenposten. Alle drei bezeichnender Weise übrigens ohne Werkbeinamen (Wehen-, Jagd-, Dissonanzen-).

    Teilt man die sechs Quartette in zwei Gruppen, so gehört KV 464 zu derjenigen, bei der zusammen mit 387 und 458 das Menuett an zweiter Stelle und der langsame Satz an dritter Stelle stehen. Zudem diente KV 464 wohl Beethoven als „Vorlage“ für sein Quartett op. 18 Nr. 5, das in Tonart, Satzfolge, Satzbezeichnungen und anderen Details (z.B. Variationssatz) dem Vorbild zu folgen scheint. In Georg Schünemanns Czernys Erinnerungen an Beethoven zitiert der Autor: Einst sah Beethoven bey mir [Czerny] die Partitur der 6 Mozartschen Quartette. Er schlug das 5te (in A) auf und sagte: ›Das ist ein Werk! Da sagte Mozart der Welt: 'seht, was ich machen könnte, wenn für euch die Zeit gekommen wäre!'‹

    Der Grund für meine persönliche Vorliebe dieses Quartetts ist der langsame (Variationen-) Satz, der im Englischen den Werkbeinamen „the Drum“ erhielt; dieser liebenswürdige Einfall klingt tatsächlich beim Einsatz des Cellos (später auch der Bratsche und der Violinen) in der sechsten Variation (T. 126, 2. Hälfte) wie eine kleine Trommel, was mir eben sehr gefällt (ich habe hier stets den Duracell-Hasen vor dem inneren Auge).

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    Die ohrenöffnende Aufnahme des Quatuor Mosaïques gefällt mir bezüglich dieser hier besonders federnd gespielten Stelle am besten und steht - in einzelne Sätze seziert - zum vollständigen Konsum auf Youtube bereit.


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    Hirwindungen sind machmal komisch unterwegs; der Nickname stammt übrigens nicht von mir, sondern von der englischen Wikipedia, die im Gegensatz zur deutschen immerhin ein paar Takte über das Quartett verliert. Reginald Berrett-Ayres soll die Assoziation hergestellt haben (ich vermute in: Joseph Haydn and the String-Quartet; Schirmer-Books, 1974, ISBN 978-0028704005). Er hatte dabei wohl eher die Royal (Scots?) Drummers im Ohr und vor Augen - bei mir sind es die Duracell-Häschen aus der Werbung (was habe ich schon sonst mit kleinen Trommeln am Hut gehabt?).

    Die besagte Stelle sprang mir damals sofort ins Ohr, als ich das Quartett kennenlernte; allein mir fehlten stets die passenden Worte zu einer Bescheibung. Dafür bin ich Berrett-Ayres jetzt sehr dankbar, daß das Kind einen Namen für mich hat.

    Im Autograph sind die Variationen des Andante (gestrichen: cantabile) als solche nicht explizit bezeichnet - auch in Drucken fehlt ein solcher Hinweis, der aber wohl entbehrlich ist. Die (so will man annehmen: obligatorische) 4. Variation (d-moll) hat Mozart erst nach Beendigung des Satzes nachträglich hinzukomponiert und als „4“ gekennzeichet, die folgende dann als „5“ (womit der Terminus Variation impliziert ist).

    Außerdem existiert ein Entwurf A-Dur für Streichquartett (170 Takte Autograph; die letzten vier Takte sind nicht vollständig instrumentiert) 6/8 ohne Tempoindikation (vielleicht: Allegro moderato oder ma non troppo?), welcher - sicher richtig - unter KV 464a eingereiht wurde. Es sollte sich um einen Entwurf für den Kopf- oder Finalsatz zu 464 handeln. Als Kopfsatz würde er dem Konzept von Beethovens op. 18 Nr. 5 durch das Metrum noch deutlich näher rücken und die Doppelung des 3/4-Taktes (Kopfsatz / Mernuett) vermeiden. Es ist überaus schade, daß der Satz nie von Mozart vollendet wurde.

    Hier erklingt er in einer Ergänzung von Erik Smith (1931-2004) im Rahmen der 1991er Complete Edition - bis einschließlich Minute 4 handelt es sich um Originaltext.

    Smith's completion of Mozart's 166-bar first shot at the finale of the string quartet K464 is brilliant testimony to his musicianship and understanding of Mozartian style.

    Was sich am geschickten Einfügen des kleinen Fugatos nach Abbruch des Fragments zeigt:

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    Witziger Weise hat das ausführende Quartett bei 2:45 drei Noten der 2. Violine (d-h-gis, die im Autograph wie in diversen Drucken stehen) nicht gespielt ... das klingt leer und falsch.

    Daß sich Mozart dagegen entschieden hat, muß man wohl staunend hinnehmen ...