De gustibus...

  • Mit moderner Kunst ist es wie mit moderner Musik oder mit moderner Opernaufführung...


    *hä* kein Verständnis dafür !

    „Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstler reden ja nur übers Geld.“

    • Offizieller Beitrag

    Da gehe ich nicht konform... bei Musik kenne ich kaum bis keine Gnade, bei bildener Kunst und Operntheater gehe ich gerne auf interessante Versuche ein, der heutige hat mich völlig überzeugt. Und gegen das Unverständnis kann man ja etwas tun, wenn man möchte: dafür sind ja die Künstler bei derlei Vernissagen extrem gesprächsbereit.


    :wink:

  • Letztlich ist das keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der intellektuellen Offenheit.


    Die Kunst ab etwa 1870 (und immer wieder vereinzelt auch früher) suchte einfach nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und völlig anderen sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten - eben ohne Rücksicht auf den Geschmack eines Publikums. Ich denke, es war eine riesige Leistung der Künstler, sich aus der bürgerlichen Bevormundung, die ab dem Ende des 18. Jahrhunderts mehr oder weniger die Kunstentwicklung verhinderte, zu befreien. Zuvor hatten Kirche und Adel bestimmt, wie Kunst zu sein hatte - das funktionierte auch, weil diese Personen ein unglaubliches Wissen in den Bereichen Kunstgeschichte, Musik, Poesie, Literatur, Philosophie und vielen anderen musischen Bereichen hatten - das gehörte zur Erziehung des Adels. Sie förderten stets die Avantgarde - das Bürgetum jedoch nie - das sollte man sich unbedingt bewusst machen!


    Im Gegenteil sogar: da, wo das normale Volk am Ruder war, wurde avantgardischte Kunst systematisch verhindert und bekämpft. Adorno sprach der Kunst - vor allem der Musik jener Zeit - jegliche Qualität ab. Dies konnte er auch leicht tun - fehlte doch der Gesellschaft meist jegliche humanistische Bildung, um die Feinheiten und hochintellektuellen Anspielungen in den Opern und "höfischen Divertissements" zu begreifen. Adorno ist aber mitlerweile so fundamental wiederlegt, dass man seine Schriften - gerade in Bezug auf Kunst und Musik - nur noch als peinlich empfinden kann. Diese intellektuelle Durchdringung fehlt meiner Meinung nach der Musik des 19. Jahrhunderts vollkommen, wie in der Literatur und der Poesie setzt sie nur auf Emotion und Pathos. Eben jene Pole mit denen man ein großes, wenig gebildetes Publikum trotzdem ansprechen kann. Bei der Kunst in jeglicher Form bis etwa 1800 gab es immer zwei Seiten. Einmal das hintergründig Intellektuelle, vor allem in den Opernlibretti oder Kantaten, dann die reine Ästhetik, um das Publikum anzusprechen.


    Bei moderner Kunst verzichtet man auf diese "Berieselungs-Asthetik" schlicht, weil sie nicht mehr als nötig erachtet wird. Die jetzige Kunst fordert eine fundamentale Auseinandersetzung mit sich und der Welt. Und das ist sehr oft nicht angenehm - aber es bereichert den Geist. Aber das Publikum muss sich einlassen können. Es bedarf einiges an Arbeit, vor allem an sich selbst, um diese Offenheit zu bekommen. Aber es lohnt sich. Kein Werk des 17. oder 18. jahrhunderts hat mich je so beschäftigen können, wie ein Besuch einer avantgardistischen Kunstausstellung.


    Gerade Opern haben sehr oft zeitlose Themen, die man unglaublich gut in unsere Zeit, in unser Verständnis von der Welt übertragen kann. Macht man einfach eine vermeintlich historische Aufführung, dann geht aufgrund der nicht vorhandenen humanistischen Bildung die eigentliche "Message" des Werkes am Publikum vorbei. An manche, stark konservativ geprägten Plattformen im Internet wird immer wieder aufs Neue gegen das sogenannte "Regietheater" gewettert, da sieht man ein paar Bilder, ein paar Szenen aus dem Zusammenhang, dann wird das Fallbeil geschwungen,
    weil man nicht die Plüschästhetik der 60er Jahre zu sehen bekommt. Und dieser Kitsch wird dann auch noch als "historisch richtig" und "Im Sinne des Komponisten" dargestellt.


    Fakt ist jedoch, dass es bisher KEINE (!) einzige historische getreue Opernaufführung in unserer Zeit bisher gab. Es gab Annäherungen, Interpretationen, mehr nicht. Abgesehen davon ist es immer dämlich, etwas zu verurteilen, ohne es je selbst erlebt zu haben. Aber das Nachdenken über das gerade erlebte, scheint extrem unerwünscht und unangenehm zu sein. Letztlich nimmt man sich selbst damit aber extrem viel. Wenn man sich einmal darüber bewusst geworden ist, dass jede Dekade ihre eigene Opernästhetik (Regie) hat, dann wird der Wunsch nach vermeintlich historischen Aufführungen ziemlich verkümmern. Ich kenne z.B. Opernaufführungen, die angeblich historisch sein sollten: aus den 70er, den 80er, den 90er Jahren und ganz frische - und wie sehen sie aus ? Wie Opernaufführungen aus den 70er, den 80er oder 90er Jahren.


    Genauso wenig kann man im Stil des 17. oder 18. jahrhunderts komponieren, schreiben oder malen - durch die ganzen modernen Eindrücke und um das Wissen was später kam, wird das Ergebnis immer verfälscht und niemals die gleiche Ästhetik und Wirkung haben. Man kann eigentlich nur ganz frei Jonathan Meese zitieren: das, was Künstler schaffen, ist ein Angebot - man muss es einfach annehmen. Ich zähle mich jedenfalls zu jenem Publikum, dass jeder neuen Herangehensweise ganz offen aufgeschlossen ist. Ich habe keine Lust mit Scheuklappen durch die Kunst zu stolpern - und ich bedaure jeden, der seine Vorurteile nicht bremsen kann.

  • Letztlich ist das keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der intellektuellen Offenheit.
    Die Kunst ab etwa 1870 (und immer wieder vereinzelt auch früher) suchte einfach nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und völlig anderen sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten - eben ohne Rücksicht auf den Geschmack eines Publikums.
    Ich denke es war eine riesige Leistung der Künstler sich aus der bürgerlichen Bevormundung die ab dem Ende des 18. Jahrhunderts mehr oder weniger die Kunstentwicklung verhinderte. Zuvor hatte Kirche und Adel bestimmt wie Kunst zu sein hatte - das funktionierte auch, weil diese Personen ein unglaubliches Wissen, in den Bereichen Kunstgeschichte, Musik, Poesie, Literatur, Philosophie und vielen anderen musischen Bereichen hatten - das gehörte zur Erziehung des Adels.
    Sie förderten stets die Avantgarde - das Bürgetum jedoch nie - das sollte man sich unbedingt bewusst machen!


    Lustig, diese Sicht ist mir völlig neu.
    Aber wenn wir bei der Kunst ab 1870 sind ... wir haben da den Dualismus offizieller Salon versus Experimentierer "ohne Technik". Letztere (Cézanne, van Gogh u.a.) hatten dann den großen Durchbruch und ihre Kunst etablierte sich neben Bouguereau, Alma-Tadema etc.
    Bouguereau wurde dann in der Zeit, als die Moderne akademisch wurde, für wertlos erklärt und hat sich erst vor wenigen Jahrzehnten wieder seinen Platz in den Museen zurückerobert.
    Die Vorstellung, dass die Salonmalerei des späten 19. Jahrhunderts zurückgebliebener Mist war, ist doch inzwischen genauso obsolet wie Adorno.
    Und welche Rolle spielt jetzt das Bürgertum? Welche Rolle Adel und Kirche? Die Moderne Kunst hatte doch in erster Linie bürgerliche Kunden.

    Zitat

    Im Gegenteil sogar, da wo das normale Volk am Ruder war, wurde avantgardischte Kunst systematisch verhindert und bekämpft.
    Adorno sprach der Kunst - vor allem der Musik jener Zeit jegliche Qualität ab - dies konnte er auch leicht tun - fehlte doch der Gesellschaft meist jegliche humanistische Bildung
    um die Feinheiten und hochintellektuellen Anspielungen in den Opern und "höfischen Divertissements" zu begreifen. Adorno ist aber mitlerweile so fundamental wiederlegt, dass man seine Schriften - gerade in Bezug auf Kunst und Musik - nur noch als peinlich empfinden kann.
    Diese intellektuelle Durchdringung fehlt meiner Meinung nach der Musik des 19. Jahrhunderts vollkommen, wie in der Literatur und der Poesie setzt sie nur auf Emotion und Pathos.
    Eben jene Pole mit denen man ein großes, wenig gebildetes Publikum trotzdem ansprechen kann. Bei der Kunst in jeglicher Form bis etwa 1800 gab es immer zwei Seiten.
    Einmal das hintergründig Intellektuelle, vor allem in den Opernlibretti oder Kantaten, dann die reine Ästhetik um das Publikum anzusprechen.


    Das ist jetzt schon sehr unklar. Dass Brahms weniger intellektuell ist als Händel würde ich erstmal nicht annehmen.

  • Zitat

    von Lullist
    Letztlich ist das keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der intellektuellen Offenheit.


    Denkst du wirklich, dass ein hohes IQ und Intellekt garantieren für Gefallen an moderne Kunst? Oder Barockmusik??
    Tut mir leid, aber da liegst du falsch! Kunst muß ansprechen und jeder muß seinen Weg dahin selbst finden. Ob er dabei großen Bogen macht um modernes oder altes, das sei jedem selbst überlassen. Ich bin fest überzeugt, wenn man genug gelebt und erlebt hat, hat man seinen Weg schon längst gefunden und ausgebaut, wie immer er auch sein mag. Von moderner Kunst ist meiner Meinung nach noch am meisten brauchbares in der Literatur zu finden. Alle andere setzen auf: "Publikum versteht mein Werk ncht, also ist die blöd!" Und viele Künstler sind ja bereit, darüber zu reden. Sagt man denn dann immer noch: "Ich verstehe aber immer noch nicht", riskiert man als dämlich abgestempelt zu werden! Nichts leichter aber, als Bücher und Musik zu schreiben, die niemand versteht! Könnte ich kiloweise produzieren! Wäre mir aber peinlich!!


    (Neulich ist mir sogar ein Buch über dem Weg gelaufen in welcher man nachlesen kann, was man sagen soll in einer Ausstellung, um nicht als dämlich zu gelten! Lächerlich!!! Dann kann man gleich zum McDonald gehen und aus sich selbst, einen perfekten weissen Schaf machen!!!)

    Ich habe dann doch lieber meiner Meinung.


    LG an alle :wink:


    "Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
    Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
    So sei mir wenigstens für das verbunden,
    Was ich zurück behielt."
    (Lessing)

  • Mit moderner Kunst ist es wie mit moderner Musik oder mit moderner Opernaufführung...


    *hä* kein Verständnis dafür !


    Alfred, bist Du Das? :D Falls nicht: Was Du wolle? *hä*


    Wenn das keine der billigen Plattitüden bleiben soll, mit denen üblicherweise die Ressentiments gegenüber "moderner" Kunst in Worte gekleidet werden, dann bitte ich Dich herzlich um einen Beitrag mit mehr Substanz: :thumbdown:


    Was ist für Dich moderne Kunst und wann beginnt sie? Wieso zählt Musik für Dich nicht zur Kunst? Wann ist eine Opernaufführung modern? Wie oft, ab wann und auf welche Weise hast Du Dich mit moderner Kunst beschäftigt? Mit anderen Worten, auf welche persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse stützt sich Dein Pauschalurteil? Hast Du die Dich schon mit der gesamten moderne Kunst auseinandergesetzt, daß Du Dir ein derartiges Urteil überhaupt erlauben kannst? :boese:


    Falls Du allerdings unter 15 Jahre sein solltest, sehe ich Dir Deinen jugendlichen Leichtsinn nach und gehe davon aus, Du lernst noch dazu. :wink:

    Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz. (Klaus Kinski)

  • Sicher haben wir heute einen anderen Geschmack und andere Möglichkeiten wie unsere Steinzeit-Vorfahren ....


    Altes Holz so zu bearbeiten, das man darauf Glasscheiben befestigt, die wiederum mit Gewindestangen zusammengehalten werden, ist für mich sicher eine handwerkliche Herausforderung, aber Kunst ??


    Für soetwas bin ich nicht intellektuell genug !


    Auch dafür nicht, wenn die Minister bei Turandot Stühle auf den Rücken gebunden kriegen .....(Aufführung Wiesbaden)


    *flöt*

    „Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstler reden ja nur übers Geld.“

    • Offizieller Beitrag


    Ein paar Kadenzformeln aneinander reihen oder Fugen konstruieren ist im Wesentlichen nichts anderes als gutes Handwerk. Wo Kunst anfängt, ist Definitionssache. Für mich habe ich entschieden, daß ein Kunstwerk dann ein Kunstwerk ist, wenn dies mindestens eine Person (neben dem Künstler) als solches empfindet. Damit ist aber nicht definiert, daß ich es selbst schön finde (wobei eben auch der Schönheitsaspekt heute nicht mehr zwingend gegeben ist), aber ist akzeptiere eben den Status.


    :wink:

  • Zitat

    Denkst du wirklich, dass ein hoches IQ und Intellekt garantieren für gefallen an moderne Kunst? Oder Barockmusik??


    Das hast Du falsch verstanden - intellektuelle Offenheit würde ich vielleicht noch mit "Bereitschaft zum Lernen" oder "Offen für neue Eindrücke und Sichtweise" oder "Neugier auf andere Ideen" beschreiben. Außerdem denke ich nicht, das Wissen etwas mit IQ zu tun hat. IQ ist eine Sache, der ich absolut nichts abgewinnen kann, weil sie die Menschen in Wertigkeiten einteilt.


    Zitat

    Die Moderne Kunst hatte doch in erster Linie bürgerliche Kunden.


    Das schon, logischerweise - weil formal ab 1918 alle Bürger sind... Es ist doch ganz klar, dass ein Adliger, der seit seiner Kindheit mit Homer, Ovid und Aristoteles erzogen wurde einen anderen Wissenhorizont hatte als ein Handschuhmacher oder ein Tuchhändler und damit einen anderen Bezug zur Kunst, auch zur Musik - kaum ein Hof existierte ohne Künstler. Wenn ich in heute Ausstellungen gehe, dann trifft man dort auch zu 99% nur eine bestimte Klientel - entweder Künstler, Intellektuelle oder Geldadel, aber kaum "normale Bürgerliche". Wird ein berühmter Künstler ausgestellt, dann kommen auch die Politiker...


    Zitat

    Das ist jetzt schon sehr unklar. Dass Brahms weniger intellektuell ist als Händel würde ich erstmal nicht annehmen.


    Diesen Vergleich würde ich jetzt auch nicht als besonders glücklich ansehen - aber mach mal Wagner mit Peri - vor allem die Opernlibretti. Mir ging es in erster Linie um die Verbindung zwischen Wort und Musik - also Oper. Gerade Händel komponierte ja in erster Linie für das Bürgertum, daher auch relativ konservativ.


    Zitat

    daß ein Kunstwerk dann ein Kunstwerk ist, wenn dies mindestens eine Person (neben dem Künstler) als solches empfindet.


    :thumbup:

  • Wo Kunst anfängt, ist Definitionssache. Für mich habe ich entschieden, daß ein Kunstwerk dann ein Kunstwerk ist, wenn dies mindestens eine Person als solches empfindet.

    Die "billigste" Kunst, von Euronen her gesehen, umgibt uns im großen Stil. Wir brauchen nur die Augen auf zu machen und in der Schöpfung die Meisterwerke zu betrachten die uns umgeben, in uns wohnen. Zum Beispiel etwas was uns manchmal lästig wird, sind Löwenzahn Blumen. Für jeden ist es selbstverständlich, dass sie heute gelb blühen und morgen ihre Schirmchen ausgebildet haben. Aber wo sind die gelben Blütenblätter geblieben? Haben sie sich über Nacht in besagte Schirmchen umgewandelt?

    Es ist doch ganz klar, dass ein Adliger, der seit seiner Kindheit mit Homer, Ovid und Aristoteles erzogen wurde einen anderen Wissenhorizont hatte als ein Handschuhmacher oder ein Tuchhändler und damit einen anderen bezug zur Kunst.
    Wenn ich in heute Ausstellungen gehe, dann trifft man dort auch zu 99% nur eine bestimte Klientel - entweder Künstler, Intellektuelle oder Geldadel, aber kaum "normale Bürgerliche".

    In dem eben beschriebenen können oft die "normal Bürgerlichen" ein klärendes Wort mitreden. Bei Homer etc. nicht. Wer kommt der wahren (was ist wahre) Kunst am nächsten? Wenn Kunst etwas ist, was ich als solches empfinde, dann bin ich reich umgeben von Kunst, die mein Herz jederzeit in Wallung versetzt. *sante* Wenn Kunst nur Dinge sind, die ein Mensch hergestellt hat und möglichst viel Geld dafür bekommt, bin ich arm. *hä*


  • Das schon, logischerweise - weil formal ab 1918 alle Bürger sind...


    Wir können unsere Diskussion ja auf die Moderne vor 1918 beschränken, da war ohnehin schon alles da.
    Welche Rolle spielten denn Adel und Kirche bei der Etablierung von Dada?
    :D

    Zitat

    Wenn ich in heute Ausstellungen gehe, dann trifft man dort auch zu 99% nur eine bestimte Klientel - entweder Künstler, Intellektuelle oder Geldadel, aber kaum "normale Bürgerliche". Wird ein berühmter Künstler ausgestellt, dann kommen auch die Politiker...


    Ich nehme an, im 17. Jahrhundert hatten die "normalen Adligen" auch mehr Interesse an der Jagd als an intellekuell anstrengender Literatur.


    Aber freilich - die Adligen hatten Zeit. Das ist vielleicht der größte Unterschied zum modernen Geldadel?

    • Offizieller Beitrag

    Aber freilich - die Adligen hatten Zeit. Das ist vielleicht der größte Unterschied zum modernen Geldadel?


    *hmmm* Daß die heutzutage noch mehr Geld und noch mehr Zeit haben, um sich durch Kunst vermeintlich wichtig zu machen?
    Vielleicht ist die Kunst eher das Verstehen von Kunst?


    Die "billigste" Kunst, von Euronen her gesehen, umgibt uns im großen Stil. Wir brauchen nur die Augen auf zu machen und in der Schöpfung die Meisterwerke zu betrachten die uns umgeben, in uns wohnen. Zum Beispiel etwas was uns manchmal lästig wird, sind Löwenzahn Blumen


    Nochmals *hmmm*
    Ich würde es doch gerne sehen, wenn man Kunst als etwas bewußt Menschengeschaffenes betrachtet (meinetwegen mit göttlicher Inspiration). Ein malender Affe produziert für mich sicher keine Kunst, da er sich seiner Tätigkeit ja gar nicht bewußt ist - und Kunst entsteht m. E. nicht aus sich selbst heraus, sondern eben nur dann, wenn man sie dazu erhebt. Ich weiß, daß ist eine nicht ganz ungefährliche These...


    Zitat von Barocker

    Für soetwas bin ich nicht intellektuell genug !


    Das behauptest Du jetzt nur, um Dich zu schützen... nimm mal folgendes Gemeines, aber Interessantes, an: Du erbst einen Gegenstand, von dem Du weißt, daß er in Fachkreisen als Kunst gilt und mehrere Millionen €uronen wert ist. Für Dich ist das aber auf den ersten Blick der reinste Schrott. Du hast also zwei Möglichkeiten:


    a) wegwerfen
    b) verkaufen


    (Verschenken wäre nur eine Unterform von a).


    Wie entscheidest Du Dich?


    *flirt*


    Selbst, wenn die Hürde des Kunst-seins-oder-nicht-seins erfolgreich übersprungen wurde, folgt stehenden Fußes dies nächste: handelt es sich um gute oder um schlechte Kunst? All diese Erörterungen kann man natürlich recht einfach umgehen, indem man 'Etwas' einfach als ästhetisch oder unästhetisch empfindet, egal ob es sich dabei um Kunst handelt oder nicht...


    :wink:

  • na gut, bei den gesellschaftlichen dingen kenne ich mich eh nicht aus.
    und bei den libretti des 19. jahrhunderts auch nicht.
    dass die opernlibretti des 17. jahrhunderts oft von verblüffender qualität sind, ist mir auch schon aufgefallen.
    dadurch wird die musik aber nicht intellektueller. (*)
    na, ich werde mal demnächst bei rossinis tancredi mitlesen, mal sehen, ob ich dann eine meinung haben werde.


    ...



    (*) in barocken zeiten war es ja durchaus gängig, dass die gebildeten auftraggeber dem maler recht genau erklärten, welche figuren er denn auf seinem fresko zu platzieren hätte - die intellektuelle leistung für den gebildeten betrachter kam also nicht vom künstler.

  • Selbst, wenn die Hürde des Kunst-seins-oder-nicht-seins erfolgreich übersprungen wurde, folgt stehenden Fußes dies nächste: handelt es sich um gute oder um schlechte Kunst?


    na eben, ob kunst oder nicht ist doch komplett egal.
    dada wollte ja keine kunst und heißt jetzt trotzdem so.


    übrigens ist die "intellektuelle" kunst meistens gar nicht besonders intellektuell.


    naja, jeder findet irgendwas scheiße.
    da kann man nix machen.

    • Offizieller Beitrag

    (*) in barocken zeiten war es ja durchaus gängig, dass die gebildeten auftraggeber dem maler recht genau erklärten, welche figuren er denn auf seinem fresko zu platzieren hätte - die intellektuelle leistung für den gebildeten betrachter kam also nicht vom künstler.


    *hmmm* Das kann man jetzt als 'dumm gelaufen' interpretieren oder man qualifiziert die Vorgabengeber einfach als Inspirationsquelle ab und wertet sie dann wieder etwas auf, damit sie nicht ganz untergehen. Wie machen wir das eigentlich (am liebsten)?


    :?:

    • Offizieller Beitrag

    na eben, ob kunst oder nicht ist doch komplett egal.


    Klar. Aber auch das muss man irgendwie begründen, z.B. so: man nimmt einfach an, alles sei göttlich (von der Pusteblume bis zum Hubschrauber-Quartett). Somit ist dann entweder alles Kunst oder nichts. Der Künstler ist dann nur der Lakai Gottes; nur fragt sich dann, warum Gott zwar die Pusteblume selbst gemacht hat, nicht aber das Hubschrauber-Quartett? Konnte er nicht, wollte er nicht? Vielleicht wollte er einfach jemanden haben, der den Kopf dafür hinhält und der teuflische Kollege war gerade nicht greifbar... (was imo oft vorkommt, der Mann ist viel beschäftigt). Krankheiten z.B. gelten ja auch nicht als Kunstwerk, sondern als Strafe (oder Prüfung) Gottes... also das wird mir jetzt echt zu heißt hier (ich hoffe, niemand nimmt dies bierernst).


    :umfall:


    Nochmal zu den Inspirationsquellen, auch Musen genannt: ohne diese (Personen) gäbe es viele Kunstwerke garnicht: kein Auftrag, kein Kunstwerk. War es also vielleicht die Kunst selbst, die den Künstler nicht erreichte und diesen Umweg gehen mußte, um über die Inspirationsquelle zu ihrem Schöpfer zu gelangen?


    Fragen über Fragen... 8-)

  • Wenn es schon Kunst sein soll, wenn nur ein einziger Mensch es als Kunst ansieht, oder alles Kunst ist, vom Gänseblümchen bis zur Sixtinischen Kapelle, dann ist das eine wertlose Definition, weil sie nicht differenziert, sondern alles umfaßt. Hilft also nicht weiter. In früheren Epochen, in denen die Menschen noch ein sicheres, wenn auch zeitgebundenes Stilgefühl besaßen, wäre die Beantwortung der Frage bestimmt einfacher, aber auch nicht endgültig gewesen.


    Ich meine, dem Nachdenken über Kunst kommt eine eigenständige Bedeutung zu, der Weg ist sozusagen das Ziel. Wenn man Kunst von Kitsch, Unterhaltung oder Handwerk einigermaßan abgrenzen kann, wenn man wenigstens ein Kriterium zur Unterscheidung hat (egal, ob es die anderen teilen), dann ist das schon ein wichtiger Schritt.


    Für mich jedenfalls ist Kunst ein bewußter, individueller menschlicher Schaffensakt, der die Welt des sinnlich Wahrnehmbaren transzendiert und eine Verbindung zum bzw. einen Einbruch des Göttlichen in die diesseitige Welt ermöglicht.


    Das Gemälde des Schimpansen fällt bei dieser Definition ebenso raus wie eine Butterblume oder Beus' Fettfleck. Der ESC - Hauptthema auf Carpaccio - ist ebensowenig Kunst wie ein Bürohochhaus, ein Gemälde von Picasso oder Grosz, oder die Musik von Andre Riöh oder Nancarrow.


    Abstrakte Malerei zB. oder Musik von Galina Ustvolskaya dagegen schon.

    Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz. (Klaus Kinski)

  • welchen Alfred meinst Du denn ?

    daß Du Dir ein derartiges Urteil überhaupt erlauben kannst? :boese:

    nein, 15 bin ich auch nicht mehr ...........


    Als selbsternannter Sachverständiger kannst Du, welche Meinung auch immer, vertreten.
    Anderen Personen, mußt Du Ihre Auffassung aber schon zugestehen ..........


    So am Rande bemekt; in einem Nachbar-Forum, verfeinden sich Musikliebhaber bei der Frage, ob LENA eine Künstlerin ist ?! ......


    *yepp* jedem das seine

    „Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstler reden ja nur übers Geld.“

    • Offizieller Beitrag

    Ich meine, dem Nachdenken über Kunst kommt eine eigenständige Bedeutung zu, der Weg ist sozusagen das Ziel. Wenn man Kunst von Kitsch, Unterhaltung oder Handwerk einigermaßan abgrenzen kann, wenn man wenigstens ein Kriterium zur Unterscheidung hat (egal, ob es die anderen teilen), dann ist das schon ein wichtiger Schritt.


    Für mich jedenfalls ist Kunst ein bewußter, individueller menschlicher Schaffensakt, der die Welt des sinnlich Wahrnehmbaren transzendiert und eine Verbindung zum bzw. einen Einbruch des Göttlichen in die diesseitige Welt ermöglicht.


    Schön definiert. Würde ich sofort unterschreiben, wenn das hier ginge...


    Das Gemälde des Schimpansen fällt bei dieser Definition ebenso raus wie eine Butterblume oder Beus' Fettfleck. Der ESC - Hauptthema auf Carpaccio - ist ebensowenig Kunst wie ein Bürohochhaus, ein Gemälde von Picasso oder Grosz, oder die Musik von Andre Riöh oder Nancarrow.


    ...oder ebensoviel... (btw: Ri-ö macht Musik? DAS ist mir neu...)


    :thumbup:

    • Offizieller Beitrag

    So am Rande bemekt; in einem Nachbar-Forum, verfeinden sich Musikliebhaber bei der Frage, ob LENA eine Künstlerin ist ?! .


    ...was in diesem Forum hier natürlich schön unterbleibt, weil wir alle brav sind.


    ^^


    Deinen Beitrag, den ich aus dem anderen Thread hierher verschoben habe, habe ich bewußt als provokante Eröffnung gewählt. Du bist Dir sicher ebenso bewußt, daß man eine Meinung haben kann, diese aber auch begründen können sollte (alles andere wäre Gift für eine interessante und weiterführende Diskussion). Der von Dir sogenannte 'selbsternannte Sachverständige' wollte Dich bestimmt nur dezent darauf hinweisen... ;)


    :wink: