BWV 051 "Jauchzet Gott in allen Landen"

  • Guten Abend


    Bachs virtuose Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ BWV 51 für Solosopran, Tromba, Streicher und Bc. gehört mit zu meinen Lieblingskantaten. Als echte „Cantata“ ist sie in dieser Instrumentalbesetzung in Bachs Kantatenkompositionen einmalig, bei italienischen Meistern z.B. A. Scarlatti findet man dies häufiger. Bachs Sohn Wilhelm Friedemann fügte später noch eine zweite Trompeten- und eine Paukenstimmen hinzu. Aufgeführt wurde sie höchstwahrscheinlich an 17. September 1730. J. S. Bach hat den Deckel des Umschlages der Aufführungsmaterialien für BWV 51 mit dem Zusatz mit der Angabe: "Dominica 15 post Trinitatis et In ogni Tempo", also "Zum 15. Sonntag nach Trinitatis und für jede Zeit" versehen. Durchaus könnte er diese Kantate auch für eine herausgehobene Festlichkeit des kirchlichen, öffentlichen oder höfischen Lebens komponiert haben. Denkbar wäre eine Aufführung am sächisch-weißenfelsischen Hof, wo der Typus der Solokantate für Sopran und Trompete beliebt war; hier käme wieder Bachs singende Ehefrau (samt seinem Trompetespielenden Schwiegervater oder Schwägern) ins Spiel. Immerhin feierte Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels im Februar 1729 seinen Geburtstag, Bach war eingeladen und brachte den Titel als Sachsen-weißenfelsischer Hofkapellmeister mit nach Hause. Es wurde schon viel spekuliert, wer in Leipzig den Solopart gesungen haben könnte, diskutiert als Solist von BWV 51 damals wurde schon der talentierte Thomasschüler Christoph Nichelmann. Möglich auch, dass einer der in Italien ausgebildeten fünf Sopranisten für den Dresdner Hof, die im Sommer 1730 in Dresden eintrafen, die Partie sangen. Für ein neues Opernensemble am Dresdner Hof wurden um 1728 Sängerinnen und Kastraten in Italien ausgebildet, man wollte sich wohl die Kosten für die teuren Primadonnen und berühmten Kastraten (primi uomini) sparen. 1730 kamen drei Sängerinnen und vier Kastraten - darunter Giovanni Bindi u. Dominico Annibali - nach Dresden. Denkbar, dass von denen wer die Kantate gesungen hatte?


    Mit Sicherheit hat Bachs 2. Ehefrau Anna Magdalena gelegentlich dieses Werk gesungen. Sie und ihre Schwester wurden u.a. von der berühmten Sopranistin Christiane Pauline Kellner ausgebildet. Sie wird es wohl nicht in Leipzig offiziell in den Kirchen getan haben, könnte die Kantate aber privaten Anlässen, am Köthner Hof und am sächisch-weißenfelsischen Hof bei Konzerten oder bei Hochzeitsfeierlichkeiten gesungen haben. Dieses Bravourstück, das wie bereits erwähnt, laut Partiturangabe auch in ogni Tempo, also "für jede Zeit" geeignet ist, passt für mich auch zu höfischen Festen, Trauungen oder sonstigen Gelegenheiten, bei denen sich die Solisten dem Publikum, um ihre außerordentliche Virtuosität zu beweisen können, präsentieren wollte.


    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Guten Tag


    von der Kantate BWV51 "Jauchzet Gott in allen Landen" habe ich folgende Einspielungen:


    1. )


    Marianne Kweksilber und das Leonhardt Consort; diese rhythmisch und schwingende Einspielung ist, wenn auch die Sängerin etwas neutral wirkt, heute durchaus noch hörenswert.
    In der Gesamtaufnahme der Bach´schen Kantaten durch N. Harnoncourt und G. Leonhardt wurde die Kantate 51 schon damals (1976 ) -entgegen der bei diesen Einspielungen geübten Praxis, die Sopranpartien durch Knaben singen zu lassen- die Partie mit einer Sängerin besetzt.





    2. )


    Nancy Argenta und das Ensemble Sonnerie; eine schlicht und schlanke Aufnahme von 1994, die Sängerin agiert klangschön mit flüssigen Koloraturen.




    3.)


    Christiane Schäfer und die Musica Antiqua Köln, hier in der vBearbeitung dieser Kantate durch Bachs ältesten Sohn Wilhelm Friedemann Bach der eine weitere Trompetenstimme und Pauken hinzu fügte, was mehr pompös als festlich wirkt. Die Sängerin wirkt hier gelegendlich etwas angestrengt und gehetzt.





    4.)



    Meine Referenzaufnahme mit Carolyn Sampson und dem Bach Collegium Japan; herrlich ausbalancierte, stimmige Tempi
    und trotz aller Virtuosität ein geistliches Werk und kein übertriebenes Bravourstück.




    5. )


    Natalie Dessa und Le Concert d'Astree; teils etwas schnelle und fast zu pefekte Aufnahme der beiden Damen Dessay und Haim.


    Gruß :wink:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard