HWV 68 - Theodora (1750): inszeniert (DVD)

    • Offizieller Beitrag

    Eine der meiner Ansicht und meines Hörens nach phänomenalsten Inszenierungen und musikalischen Darbietungen von Theodora ist die 1996er Glyndebourne-Produktion von Peter Sellars:



    Dawn Upshaw, Theodora
    David Daniels, Didymus
    Frode Olsen, Valens
    Richard Croft, Septimius
    Lorraine Hunt Lieberson, Irene


    Continuo:
    Jonathan Hinden, Orgel
    Susan Sheppard, Violoncello
    Elizabeth Kenny, Theorbe


    Orchestra of the Age of Enlightenment
    William Christie
    opi


    Absolute Starbesetzung: Dawn Upshaw***** David Daniels****** Richard Croft***** Lorraine Hunt Lieberson *****


    :umfall::jubel::jubel::jubel::umfall:


    Hier wird durch die Inszenierung sehr schön gezeigt, daß die Oratorien dieser Zeit sehr oft nur Oper unter dem Deckmantel der Geistlichkeit war. Vertont wurde kein biblischer Stoff, sondern die letzte Episode aus dem Leben der Märtyrerin, welche im Jahr 304 n. Chr. während der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian starb. Diese DVD ist abolut hörens- und sehenswert. Die Handlung wurde - auf andere Weise perfekt wie in der Münchener Bolton-Rodelinda - ins moderne Amerika verlegt und zeichnet überspitzt karrikiert (und durchaus witzig), aber auch mit dem erforderlichen Tiefgang.


    Das Wunderbare ist auch, wie sich die moderne Sichtweise mit der historischen Interpretationsweise verbindet.


    Einen optisch leider weniger repräsentativen (und leicht irreführenden), dafür musikalisch hoch beachtlichen Ausschnitt kann man auf DuRöhre.de sehen und hören:


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    Wie atemberaubend ist doch die lange Pause bei 6'00 und die anschließend einsetzende Tiefe der Stimme Lorraine Hunt Liebersons mit ihrer himmlischen Auflösung.


    Wer diese Einspielung nicht genossen hat, hat nicht gelebt.


    :P

  • Hallo Ulli,
    Dieser Video-Ausschnitt ist wirklich UNGLAUBLICH eindringlich... DAS sagt jemand, wie ich, der eigentlich Musik-Videos (DVD's) eher schmäht, da HÖREN Vorrang hat... und mich Bilder oft davon Ablenken die Ohren zu spitzen. DANKE !!!


    Arnulfus

  • Ich besitze die DVD und finde sie ebenfalls geradezu überirdisch. Hunt Lieberson singt wie nicht von dieser Welt, entrückt, am Abgrund. Die verlinkte Arie gehört zu den wirklich heiligen Momenten in der Musik, umwerfend interpretiert.


    Ich bin gespannt, es ist soeben eine weitere DVD erschienen, mit einer ähnlichen Starbesetzung, Schäfer-Mehta-Fink, und ich könnte mir vorstellen, dass Bernarda Fink eine ganz andere, aber ebenfalls tief berührende Interpretation der Irene liefern wird.



    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

  • Leider hat mir die Fink-Inszenierung nicht gefallen, aber ich bin ja nun was die Inszenierung von Oratorien angeht, sehr skeptisch.


    Ich habe die Inszenierung im Kino gesehen (im International) und die Bilder waren vermutlich für mich überdemensional bzw. schlicht zu groß.
    Am beeindruckensten finde ich Septimius, in dieser Inszenierung, aber auch generell im Libretto. Er hat als einzige Figur einen wirklich inneren Konflikt zu bewältigen und macht auch eine Entwicklung durch, während die anderen an ihrer Umwelt leiden, aber innerlich vollster Überzeugung sind.


    Fink plaziert die Handlung in eine moderne Schickimicki-Gesellschaft, in der die Machtstrukturen anders herausgearbeitet werden als wenn die Römer als militärische Macht dargestellt werden würden. Die Macht drückt sich in seiner Inszenierung auf dem Terrain der Sexualität und der Geschlechterrollen aus.


    Das Historische geht dabei unter. Ich hätte es halt gerne etwas politischer gehabt. Die Christen wären dann Verfechter der geistigen Freiheit gegen eine totalitäre römische Gesellschaft.


    Abgesehen von der Inszenierung hat mir die Musik sehr gefallen und die Orgeleinlage war wunderbar, weil ich die Augen geschlossen hatte angesichts der nervigen Inszenierung, in der Mehta für mich mehr überzeugt als Schäfer.

    "Auf Bäumen, die noch gestern dürre,
    Sieht man schon heut ein liebliches Gewirre
    Von Blätter-schwangern Knospen stehn."
    (Barthold Hinrich Brockes)

    • Offizieller Beitrag

    William Christie ( Glyndebourne 1996)



    Music - George Frideric Handel
    Libretto - Thomas Morell


    Conductor - William Christie
    Director - Peter Sellars
    Assistant Director - John Ramster
    Set Designer - George Tsypin
    Costume Designer - Duna Ramicova
    Lighting Designer - James F. Ingalls


    Theodora - Dawn Upshaw
    Didymus - David Daniels
    Valens - Frode Olsen
    Septimus - Richard Croft
    Irene - Lorraine Hunt


    Harpsichord and Organ continuo - Jonathan Hinden
    Cello continuo - Susan Sheppard
    Theorbo continuo - Elizabeth Kenny
    Orchestra of the Age of Enlightement


    Lighting Director - Brian Turner
    Audio Director - John Middleton
    Directed for Video by - Peter Sellars


    Ups, war schon. Macht nüscht ... 8-)