Ausländische Sänger in deutschen Opern

  • Ich bin kein Operngänger, daher auch meine Frage: sind die denn technisch schlechter, vom Akzent abgesehen?

    Ganz im Gegenteil - die Sänger aus dem Ausland (insbesondere z. B .aus Korea) sind, was ich gehört habe, technisch oft sogar besser als deutsche Bewerber.


    Vitellia

  • Ganz im Gegenteil - die Sänger aus dem Ausland (insbesondere z. B .aus Korea) sind, was ich gehört habe, technisch oft sogar besser als deutsche Bewerber.

    In unserem Chor sind einige koreanische Soprane und Tenöre. Speziell die Sopranistinnen sind wirklich brilliant, kann ich nur sagen. Wenn wir Chorsolisten brauchen, sind die meist vorne mit dabei. Und Textverständnis ist eigentlich gegeben.
    Die angestoßene Diskussion kann ich aber durchaus nachvollziehen, der amerikanische "Torrero", den ich mal gehört habe, war ziemlich ... gewöhnungsbedürftig.

  • Das stimmt, die Sänger und Sängerinnen aus den Ostländern und China, Japan und Korea haben alle eine sehr gute Ausbildung genossen, doch wenn es um eine Vakanz in diesen Ländern geht, kommen sie lieber nach Deutschland, weil sie hier besser verdienen und auch besser zu "händeln" sind.


    Das Studium in diesen Ländern ist wesentlich strenger als bei uns und vielleicht sind sie an den Hochschulen ehrgeiziger, eifriger als die Deutschen.

  • Ich weiß nicht, ob die Ausbildung der Sänger in den asiatischen Ländern ähnlich aufgebaut ist, wie jene der Instrumentalisten, die quasi von Zirkusdompteuren dressiert werden... mit den hiesigen Moralvorstellungen lässt sich dies jedenfalls nicht vereinen (was nicht unbedingt meine persönliche Meinung ist). Insofern: wer lieber chillt, die Peitsche scheut und glaubt, es fällt alles vom Himmel, der muß eben selbst aus allen Wolken fallen, wenn die Konkurrenz irgendwie besser ist...


    :beatnik:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Dressur im Studium hört man aber. Egal ob bei Instrumentalisten oder Sängern. Die Darbietung ist meist technisch perfekt aber ansonsten völlig herzlos.
    Vielleicht studieren deshalb auch zahlreiche Asiaten an den Hochschulen hierzulande und vermutlich auch in anderen europäischen Ländern.

  • Dressur im Studium hört man aber. Egal ob bei Instrumentalisten oder Sängern. Die Darbietung ist meist technisch perfekt aber ansonsten völlig herzlos.
    Vielleicht studieren deshalb auch zahlreiche Asiaten an den Hochschulen hierzulande und vermutlich auch in anderen europäischen Ländern.



    So ist es, die Studenten gehen zur Aufnahmeprüfung viel besser vorbereitet und schon mit einer fast perfekten Technik.

  • Also ein eher schlechtes - wenn auch dennoch erträgliches - Beispiel ist wohl der Chor des Bach Collegium Japan (zumindest deren Solisten) - da erklingt des öfteren z.B. Zauber als ßauber (Beethovens Neunte). Pferfekt sind die Asiaten also auch nicht (immer), wenn es um die Aussprache geht. Solche Aussprache-Bugs mag ich eigentlich weniger - gegen delikate Dialekte hingegen habe ich rein gar nichts einzuwenden. Oder kann das als japanischer Dialekt durchgehen..?


    *hä*

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Da wären wir wieder beim Thema "Aussprache, ausländische Sänger in deutschen Opern". Italienisch ist die Sprache der Oper und wird von allen Sängern studiert. Ich weiß nicht wie die Italiener die Aussprache von deutschen oder sonstigen ausländischen Sängern hören, ob sie perfekt ist. Doch was ich nicht mag ist, wenn koreanische oder andere Sänger in deutschen Opern singen und die Aussprache zu wünschen lässt. Gibt es zu wenig deutschsprachige Sänger?

  • Liebe Musica,


    Meinen Dank, denn Du hast ein Thema aufgeworfen, dass eigentlich immer PRÄSENT ist........allerdings wirklich in beide Richtungen. (Bsp Dieskau als Rigoletto in ITALIANO). Es ist fast ein halbes Jahrhundert her, daß ich an der Hamburgischen Staatsoper Melitta Muszely und Vladimir Rudzdak (Deutsch gesungen) in Traviata + Rigelotto *yes**yes**yes* gehört habe (slawischer Akzent) da war ich 18 Jahre alt und schon 1 Jahr später sang Peter Pears zwar eine wunderbare Winterreise (am Klavier sein Lebenspartner B. Britten)....aber mir >vielen oinige Uhnstimmikaiden auf<. Als ich Jessye Norman's erstes Brahms Lieder Recital hörte, stimmte eigentlich ALLES, TROTZ des unüberhörbaren Akzentes. DAS EXTREMSTE BEISPIEL überhaupt, das ich allerdings nur von einer CD kenne, ist die WINTERREISE mit dem kanadischen Tenor John VICKERS: Hier stimmt im doppelten Sinne NICHTS RICHTIG.......einmal die Diktion, so >opernhaft< darf man meiner Meinung nach ein Schubert-Lied nicht singen....das tat/tut mir weh, wenn ich es im Moment in meinem Kopf höre (ohne daß die CD spielt)...und dann ein EXTREMER amerikanischer Akzent: (1.Lied) "Frähmd bin isch auusgezooohaegaen, frähmd kehrr isch wiheda haim....."


    Lieder/Arien/ Opern von Schubert, Mozart, Wagner , R. Strauss, sind im Bereich des GESUNGENEN >meine Favoriten<
    Jessye Norman ist beim Liedgesang, wie in ihrer Interpretation von Deutschen Opern (z.B. Sieglinde und Ariadne) ein gutes Beispiel dafür, daß ein in der Deklamation stimmiges Deutsch durch einen gewissen unüberhörbaren Akzent NICHT schlechter oder gar ungenießbar werden muß. Bei ihr hört man klar akzentuierte Vokale/Konsonanten und KEIN > Legatogemischdeutsch < wie bei Placido Domingo. Ich schätze diesen Sänger sehr...aber es fällt mir schwer, seinen Siemund, Parsifal und Tristan zu hören / zu ertragen. Andererseits hat es eine Bedeutung, wenn die MET bei der Besetzung des Italienischen Fachs bei Deutschen Sängern Vorbehalte hat und sehr vorsichtig ist. Metternich in den Fünfzigern, Grundheber (vor wenigen Jahren) sind Ausnahmen....bei den Frauen sieht es dezeit mit Damrau, Dasch, etc. ja wohl besser aus....ich fühle mich aber nicht kompetent, dies zu beurteilen. Bei Christine Schäfer (eine meiner Lieblingssängerinnen) weiß ich allerdings, daß sie im Italienischen Fach, z.B. TRAVIATA weniger überzeugend ist. ("Cherubino" zähle ich natürlich nicht dazu)



    Gruß.................Arnulfus

  • Bei Christine Schäfer (eine meiner Lieblingssängerinnen) weiß ich allerdings, daß sie im Italienischen Fach, z.B. TRAVIATA weniger überzeugend ist. ("Cherubino" zähle ich natürlich nicht dazu)


    Das liegt mE aber auch einfach daran, dass der doch eher leichte Stimmcharakter einer Christine Schäfer zu einem Cherubino besser passt als zu einer Violetta und das ganz unabhängig davon, ob das "italienisches" oder "deutsches" Fach ist. Allerdings braucht man für die Violetta ja auch eigentlich mindestens zwei verschiedene Sängerinnen, wenn man es ganz perfekt haben will. Zuerst einen Koloratursopran, um die rasanten Koloraturen im "Sempre libera" zu bewältigen, dann einen "lyrisch-dramatischen" Sopran, um den Anforderungen der anderen Akte gerecht zu werden.


    So und nun zurück zum Thema *flöt*


    Liebe Grüße


    Vitellia

  • da ich eine Fanatikerin bin in punkto Aussprache, fällt mir natürlich mehr auf, auch bei Chören. Wenn ich dann anstelle von Kyrie nur ürie höre, kein t am Ende eines Wortes, anstelle von Mädchen wird Medchen gesungen, das italienische offen e wird zum deutschen e....Aveee Maria, oder ein "der" wird zum "dea", dann tut mir das richtig weh. O Meeedchen mein Meeedchen, wie lieb ich dich...auch von deutschen Sängern...


    Schon die Werbung im Fernsehen, wenn die Zähne zu Zehne werden..schrecklich.

  • Schon die Werbung im Fernsehen, wenn die Zähne zu Zehne werden..schrecklich.


    Manche haben vielleicht nur zehne davon... :beatnik:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • on weird instruments


    Genau :thumbsup:


    da Ponte zumindest hatte (glaub ich) noch maximal zehn Zähne... bei den Sängern wird dies nicht anders gewesen sein. Ziemlich HIP also.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Aus Sicht der Sängerin kann ich da nur sagen - man muss mit der Aussprache wirklich übertreiben (und es hilft bei fremdsprachlichen Texten zu wissen, was man da eigentlich singt :rolleyes: ). Ich weiß nicht, wie oft mich meine (amerikanische) Korrepetitorin unterbricht, weil wieder ein t nicht klar genug war oder ein Vokal am Wortanfang nicht deutlich genug vom Wort davor abgesetzt. Oder wenn im Itallienischen die T's wieder zu stark aspiriert klingen oder Doppelkonsonanten nicht deutlich genug herausgestellt werden. Sie hält das Deutsche übrigens für eine durchaus gute Singsprache, eben weil u. a. die Vokale so klar sind.


    :wink: Vitellia

  • Aus aktuellem Anlass:



    dito


    Aufnahmen mit schrecklicher Aussprache gibt es genug und das ist für mich auch unerträglich, die Samples bei JPC haben da leider schon gereicht, disqualifiziert.


    Wie genau prüft ihr denn die Aussprache italienischer oder anderer nicht deutschprachiger Operntexte durch deutsche resp. deutschsprachige Interpreten? So mancher Italiener lacht sich womöglich 'nen Ast ab...


    Schade, daß es Menschen mit solchen Ansichten/Präferenzen gibt; musikalisch geht Euch viel durch die Lappen; ein bisschen stur und vielleicht arrogant ist da ja schon...

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Aus aktuellem Anlass:



    Wie genau prüft ihr denn die Aussprache italienischer oder anderer nicht deutschprachiger Operntexte durch deutsche resp. deutschsprachige Interpreten? So mancher Italiener lacht sich womöglich 'nen Ast ab...

    Natürlich gar nicht, was daran liegt; dass ich Deutscher bin und neben dem Russischen nur noch das Englische beherrsche. Ich kann nur prüfen, was ich kenne. Der Einwand, lieber Ulli, ist wirklich obsolet. :wink:


    Schade, daß es Menschen mit solchen Ansichten/Präferenzen gibt; musikalisch geht Euch viel durch die Lappen; ein bisschen stur und vielleicht arrogant ist da ja schon...

    Wie immer, lieber Ulli; ist der Mittelweg der goldene und jegliche Verabsolutierung einer aus Holz! *yes* Wenn ich nur auf das Idiomatische etwas geben würde, hätte ich so manche gute Beethoven-9 oder Mahler-8 nicht. Von vielen Bach-Sachen ganz zu schweigen; ich könnte hunderte Beispiele anführen. Purist und radikal bin ich persönlich nur beim deutschen Kunstlied. Deutsche Gedichte, deutsche Lyrik von deutschen Komponisten in Töne gesetzt; MÜSSEN für mich idiomatisch klingen! Ich komme ja eigentlich vom gesprochenen Wort her, messe dem Verhältnis von Wort und Ton in der Sakralmusik eine enorme Bedeutung bei. Beim muttersprachlichen Lied also kann ich Akzent nicht tolerieren; bei Opern bin ich mit Ausnahme von Wagner oder Strauss nicht ganz so empfindlich.

    .. .daß das Volk

    Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe

    Und es nur durch verdoppelte Arbeit

    zurückerobern könne. Wäre es da

    Nicht doch einfacher, die Regierung

    Löste das Volk auf und

    Wählte ein anderes?