Sinfonie in D/d: Einspielungen (opi)

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    Die einzige Sinfonie Juan Crisóstomo de Arriagas lässt gleich die haarspaltenden Spezialisten zur Tonartenbestimmung anrücken.

    Da bin ich schon :D

    Im Kern steht diese Sinfonie sicherlich in d-moll, ihr vorangestelt ist jedoch eine langsame Einleitung in D-Dur; langsame Einleitungen werden bei der Geschlechtsbestimmung normalerweise außen vor gelassen... Haydns Londoner Sinfonie D-Dur wartet mit einer d-moll-Einleitung auf. Arriagas Werk endet zudem in D-Dur. Anbei eine kurze Skizze der Tonarten dieses Werks:

    1. Satz: Einleitung D-Dur | Hauptsatz d-moll
    2. Satz: Andante A-Dur
    3. Satz: Minuetto D-Dur
    4. Satz: Allegro con moto d-moll (Schluß in strahlendem D-Dur)

    Letztlich aber endet das Werk geschlechtslos (ohne Harmoniefüllung) einzig auf dem 'Grundton'. Würde man beispielsweise Mozarts d-moll-Clavierkonzert KV 466 eine langsame Einleitung in D-Dur voranstellen, würde man auch nicht den Grundtenor des Werkes plötzlich von moll nach Dur verwandeln (das Werk endet übrigens ebenfalls in D-Dur). Um diesem Umstand und den unterschiedlichen Ansichten gerecht zu werden, sollte man die Sinfonie vielleicht mit solche als in D/d bezeichnen.

    Wer das Werk zum ersten Mal hört, ohne den wahren Autor zu kennen, dürfte zunächst sehr stark an Franz Schuberts frühe Sinfonien erinnert werden (und vielleicht versuchen, eine solche zu verorten): Arriagas Sinfonie beinhaltet die Melodik der drei ersten, die Tragik der Vierten und die Verbindlichkeit und Reife der Sechsten.

    Auf historischen Instrumenten wurde die Sinfonie bislang (imo) zweifach eingespielt:

    Il Fondamento
    Paul Dombrecht

    Le Concert des Nations
    Jordi Savall

    Ich halte beide Einspielungen trotz ihrer verschiedenen Ansätze für gleichwertig. Beide CDs enthalten zudem die Ouvertüre zur (außer ebendieser) verschollenen Oper Los Esclavos felices, die mit ihren überschäumenden Melodien sehr hörenswert ist. Die Edition Dombrecht wartet noch mit zwei Konzertouvertüren (opp. 1 und 20) auf, bei Savall ist lediglich op. 1 (als Nonetto betitelt) mit von der Partie.

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    Auf historischen Instrumenten wurde die Sinfonie bislang (imo) zweifach eingespielt:


    Da hatte ich wohl eine übersehen - das kam mir gleich spanisch vor:

    51PEB4r+HbL._AC_UY218_.jpg [jpc deest]

    Concerto Köln

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    Besetzung:

    2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten in C, 2 Fagotte, 2 Hörner in F, 2 Trompeten in B, Pauken in D/A, Streicher.

    Satzfolge:

    I Adagio - Allegro vivace - Presto
    II Andante (ohne Trompeten und Pauken)
    III Minuetto. Allegro
    IV Allegro con moto

    Zeiten:

    01 IF 9:58 | CK 8:32 | JS 10:26
    02 IF 8:26 | CK 8:35 | JS 7:36
    03 IF 3:56 | CK 3:59 | JS 3:48
    04 IF 7:15 | CK 4:52 | JS 7:24

    Der erste Satz geht ohne Wiederholung durchkomponiert direkt in die Durchführung über, zur deutlich kürzeren Spielzeit des CK Köln im Finalsatz s.w.u.; am meisten ausgeglichen - in Bezug auf die Tempowahl der einzelnen Sätze - erscheint mir JS, der mich aber wiederum im ersten Satz zum Rumkritzeln in der Partitur veranlasste:

    Überhaupt scheint JS (wie IF) eine andere Quelle zu benutzen: im ersten Satz - weit vor der oben gezeigten Stelle - weicht der gespielte Notentext (beginnend 2:44, g-moll; T. 74) deutlich ab: eine zusätzliche, in der mir bekannten Partitur nicht abgedruckte, Überleitungsphrase lässt den Eingang des Allegro-vivace-Teils ca. 30 Takte wiederholen. Offensichtlich benutzt er nicht die von José de Arriaga 1930 herausgegebene - und offenbar veränderte, leicht verkürzte und romantisierte sowie mit Auf- und Abstrichen bei den Streichern versehene - Ausgabe. Kleinere Abweichungen lassen sich weiterhin feststellen. Ich nehme daher an, daß Savall und Dombrecht (der die Original-Fassung ebenfalls spielt) dem originären Notentext am nächsten sind.

    Zitat

    Wer das Werk zum ersten Mal hört, ohne den wahren Autor zu kennen, dürfte zunächst sehr stark an Franz Schuberts frühe Sinfonien erinnert werden (und vielleicht versuchen, eine solche zu verorten): Arriagas Sinfonie beinhaltet die Melodik der drei ersten, die Tragik der Vierten und die Verbindlichkeit und Reife der Sechsten.


    In gewisser Weise empfinde ich ja auch Mozarts „Prager" nahestehend (die selbst wiederum der DG-Sinfonia angelehnt ist) und - zumindest im Finalsatz - Beethoven (irgendwie allgemein).

    Bei CK klingen die Holzbläser für mein Empfinden etwas schriller als üblich, was mich nicht stört, aber auffallend ist. Concerto Köln spielt die veränderte Version, was auch die kürzere Spielzeit im Finalsatz erklärt, die eine Wiederholung des ersten Teils nicht vorsieht - und ist damit (ausnahmsweise) raus. Und meine Partitur kann in die Tonne ... diese hier ist wohl maßgebend.

    • Offizieller Beitrag

    Spannende Ausführungen, Comandante. *yepp* Bleibt die Frage, wollte ich eben anheben, warum der Mann keine weiteren Sinfonien komponiert hat? Bis ich das Sterbedatum ersah und sich die Frage transformiert in "Was wäre noch von ihm gekommen?" ...

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    Juan Crisóstomo de Arriaga (1806-1826)
    L'Oeuvre Orchestrale: Symphonie à Grand Orchestre En Ré, Los Esclavos Felices, Ouverture Pastorale, Ouverture Opus 1 "Nonetto" [45:06]

    L’oeuvre orchestrale e Orchestral works e Orkestra Lana e Obra orquestal
    SYMPHONIE A GRAND ORCHESTRE en re
    Premier enregistrement de la version originale
    Adagio - Allegro vivace - Presto
    Andante
    Minuetto : Allegro - Trio
    Allegro con moto

    LOS ESCLAVOS FELICES, ouverture pastorale
    OUVERTURE opus 1 “Nonetto”

    LE CONCERT DES NATIONS
    La Capella Reial de Catalunya

    Direction : gr -Di SAVALL

    Revi icologiques : Symphonie eu r&. Jes? Antonio Gomez | Los eschavos felices, “Nonetto’, Jordi Savall
    Enregistrement realise au Chäteau de Gala ( nvier 1994 par Nicolas Bartholomee, assist@ de Manuel Mohino
    Montage numeri N | Mohino (Musica Numeris)

    LE CONCERT DES NATIONS
    Manfredo KRAEMER, premier violon
    Santi AUBERT, Balasz BOZZAI, Gracielz CHAMALE, Lydia CEVIDALLI, Erik DORSET,
    Nicolas MAZZOLENI, Eva POSVANESZ, Fabrizio ZANELLA, Gustavo ZARBA, violons I
    Corrado BOLSI, Davide AMODIO, Paulik LASZLO, Mauro LOPES, Silvia MONDINO,
    Attilio MOTZO, Enrico PARIZZI, Erzsebet RACZ, violons II
    Angelo BARTOLETTI, Andrea ALBERTANI, Martin BARRERA,
    Judit FOLDESS, Johanna GAMERITH, Joelle PERDAENS, altos
    Balazs MATE, Bruno COCSET, Nina DIEHL, Laura FOLCH, Norbert ZAUBERMAN, violomeelles
    Andrew ACKERMANN, Richard MYRON, Roberto SENSI, contrebasses
    Linde BRUNMAYR, Charles ZEBLEY, ; » Alfredo BERNARDINI, Alesandro PIQUE, hautbois
    Diego MONTES, Guy VAN WAA! ® Guy FERBER, Roland CALLMAR, trompettes
    ’Thomas MULLER, Raul DIAZ, Javier BONET, cr: * Josep BORRAS, Yves BERTIN, bassons « Pedro ESTEVAN, timbales

    OUVERTURE opus 1 “Nonetto”
    Manfredo KRAEMER, Pablo VALETTI, zioloxs « Angelo BARTOLETTI, vio/a « Balazs MATE, »
    Lorenz DUFTSCHMID, violone « Michael BEHRINGER, : ® Linde BRUNMAYR, fläte t
    Diego MONTES, Guy Van WAAS, darinetzes « Thomas MULLER, Gabriele ROCHETTI,

    Le Concert des Nations
    La Capella Reial De Catalunya
    Jordi Savall
    Januar 1994

    Mal die kompletten diskografischen Angaben vom Booklet.

    "Wenn man sich nur das Urteilen abgewöhnen könnte, dieses dilettantische Verfälschen der Dinge! Wir wollen immer verstanden werden und sind selber unerbittlich verständnislos." (Verdi bei Franz Werfel)