Über LIED-Kultur und Interpretationen gestern und heute

  • Traum durch die Dämmerung (Richard Strauss)


    Ich habe (was selten vorkommt) soeben auf YouToube mal geguckt, ?(:wink: ob und was an Aufnahmen über das Richard Strauss-Lied >>TRAUM durch die DÄMMERUNG<<existiert. Von der Sedlmeyer (1928) bis zu hübschen Jungs (Sängern dieser Tage), die allerdings nicht so besonders gut singen können, ist ALLES vorhanden.


    Die wichtigsten Aufnahmen von einem meiner Lieblingslieder, sind von den Interpreten Heinrich Schlusnus (Deutscher Bariton, 1888 bis 1952) und Peter Anders (Deutscher Tenor, 1905(?) bis 1954)) Auf You Toube kann man BEIDE mit diesem Lied hören. Schlusnus hat wärend seiner langen Karriere DREI Mal dieses Lied aufgenommen, die erste stammt aus dem Jahr 1930. Es existieren Fassungen für Singstimme mit Klavierbegleitung, wie auch mit Orchesterbegleitung.




    Hört mal rein........es lohnt !!!............>>Perlen Deutschen Liedgesangs<<. *neee**neee**neee*
    Arnulfus


    Traum durch die Dämmerung
    Weite Wiesen im Dämmergrau;
    die Sonne verglomm, die Sterne ziehn,
    nun geh' ich zu der schönsten Frau,
    weit über Wiesen im Dämmergrau,
    tief in den Busch von Jasmin.


    Durch Dämmergrau in der Liebe Land;
    ich gehe nicht schnell, ich eile nicht;
    mich zieht ein weiches samtenes Band
    durch Dämmergrau in der Liebe Land,
    in ein mildes, blaues Licht.


  • Richard Strauss: Traum durch die Dämmerung


    Im Nachtrag zum Beitrag von heute nachmittag, mit den beiden Musikbeispielen des Strauss'schen Liedes TRAUM durch die DÄMMERUNG, in Interpretationen von Peter Anders und Heinrisch Schlusnus, möchte ich mich zunächst auf den Bariton konzentrieren. Den Stellenwert, den sein Liedgesang für mich hat, ist ein ganz besonderer. Ich liebe diese warme Stimme mit dem eindringlichen Vermittlungsethos, zumal die Textverständlichkeit sich auf wundersame Weise ins Ohr quasi einschmeichelt. Ich habe eben nochmal gesucht und sechs verschiedene Interpretationen dieses Liedes mit Schlusnus gefunden. Die You Toube-Aufnahme ist von 1943 und recht elegisch in ihrer Ausstrahlung, fast melancholisch. Eine andere Version, z.B. die von 1930, ist entschieden dramatischer angelegt.


    Peter Anders hat mit Furtwängler einige Strauss'sche Orchesterlieder (1943) aufgenommen, die seine Interpretation von >Traum durch die Dämmerung< übertreffen. Ich war so überrascht, diese beiden Sänger mit >meinem Lieblingslied von R. Strauss< auf You Toube zu finden, daß ich den Anders hinzugenommen habe. Wenn einen dieses Lied mit seiner Melancholie anspricht, einen diese unnachahmlichen Zuneigungs-Attitüde erfasst, gewissermaßen mit Haut und Haar......dann kann dieses filigrane Kunstlied dutzende Male hintereinander gespielt, ein unverzichtbarer Teil des Tages werden. (ich spreche natürlich von mir)


    Bald mehr von Heinrich Schlusnus...................Arnulfus


  • Heinrich Schlusnus, DER Liedsänger zwischen den Weltkriegen I + II oder ein ergreifendes "Ständchen"


    Eine seiner letzten und schönsten Aufnahmen ist der Mahler-Zyklus
    >Die Lieder eines fahrenden Gesellen<.
    Es ist eine 1950 beim Hessischen Rundfunk unter Winfried Zillig entstandene Aufnahme, wo der 62 jährige Sänger (zwei Jahre vor seinem Tod) in einer unbeschreiblichen Schlichtheit, aber unverändert mit seinem typischen warmen Ton, mehr narrativ singend, als man es von dem einstigen Deutschen Paradebariton des Italienischen Fachs gewohnt war. Die Stimme ist schon etwas brüchig, doch von unverändernd eindringlicher Gestaltungskraft, wenn auch mehr nach innen als expressiv gestaltend. Diese Aufnahme wird von verschiedenen Firmen angeboten.


    Im letzten Kriegsjahr, 1918, gab der 30jährige in Berlin seinen ersten Liederabend. Über 2000 Liederabende wurden es insgesamt und zwar in der ganzen Welt, der letzte war 1951. Schlusnus vorallem, neben Erna Berger, und dem Dänen Helge Rosvaenge, waren die >Deutschen Säulen< für den Erfolg, ja Siegeszug der ersten richtigen Verdi-Erfolgsgeschichte in Deutschland...und zwar ab 1928 an der Berliner Staatsoper.


    Hier soll es jedoch um LIEDER gehen. Da fällt auf, dass Schubert zwar mit der bevorzugte Liedkomponist des Sängers war, er aber nie einen kompletten Zyklus aufgenommen hat, nicht die „Winterreise“, nicht die „Müllerin". Von seinen damaligen Hauptkonkurrenten im Baritonfach, Gerhard Hüsch und Heinrich Rehkemper, existieren dagegen Gesamtaufnahmen.


    Als einziger bedeutender Bariton des Deutschen Sprachraumes, vor der sehr langen Fast-Alleinherrschaft Dieskaus, ist Hans Hotter zu nennen. Mir persönlich gefällt Hüsch’s „Winterreise“ (1933, Begleiter Hans Udo Müller) besser als Hotter’s Erstling (1942) unter Michael Raucheisen.


    Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals bei einer Liedinterpretation von Schlusnus den Liedtext zur Hilfe nehmen musste, da wirklich jedes Wort zu verstehen ist. In gewissem Sinne ist er der große Antipode Fischer-Dieskaus im Liedgesang, da seine Gesangsstil ein völlig anderer ist. Schlusnus ist ein Melodiker, der den Text ausschmückt, er singt Poesie und Geschichten. Der Text als dramaturgisches Schwergewicht ist seine Priorität und sein Anliegen nicht. Da er für heutige Ohren tendentiell doch eher >gefühlsbetont< gestaltet, mag Manches sein Liedgesang etwas altbacken romantisch vorkommen. Für mich ist er der größte Liedgestalter in seinem Stimmfach. Momente von Verfremdung, Tonfärbung zur Deutung und Hervorhebung von Text-Schwerpunkten, gibt es bei ihm praktisch nicht. Schlusnus Liedgesang vermeidet Deklamation, und manieristische Momente, wie sie bei Dieskau und der Schwarzkopf teilweise existieren.


    Während ich schreibe, höre ich seit gut einer Stunde seine Schubert-Lieder voller Zartheit, Fernweh, Geheimnis, satter Bestimmtheit, Charme, großer poesievoller Dichte, romantischem Colorit, verklärt , kräftig strahlend, geheimnisvoll flüsternd, ja mit >Liebesduft<..............


    Mit Schlusnus gibt es eigentlich ziemlich alle bekannten Lieder von Schubert.


    Arnulfus