1770 - Mitridate, Ré di Ponto: DVD

  • Eine der genialsten Aufzeichnungen dieser Mozartoper, die ich zu meinen liebsten zähle, ist die 2006er Produktion aus Salzburg im Rahmen der M22 (Mozartjahr 2006 - 250. Geburtstag):



    Oder gleich der gesamte Motz-Klotz:



    (! FSK 16)


    Die skurrile (moderne) Inszenierung ist eigentlich selbsterklärend, weshalb ich sie schätze und momentan nicht näher darauf eingehe. Mit Richard Croft als Mitridate und Bejun Metha als Farnace absolut göttlich besetzt - Croft war imo nur durch Gösta Winbergh in dieser Rolle zu toppen gewesen (und zwar nicht die Vicenza-Einspielung, sondern die Schwetzinger, die es nur limitiert als LP vom damaligen SWF2 gab). Außerdem singen Netta Or, Miah Persson und Colin Lee, begleitet von Les Musiciens du Louvre (Marc Minkowski) - on period imstruments (opi).


    Absolut umwerfend sind die Arien Vado incontro al fatto (Mitridate, III. Akt) und Già degli occhi il velo è tolto (Farnace, Scena ultima) interpretiert.


    Einen Ausschnitt daraus gibt es bei Youtube zu hören und zu sehen:



    Einzig seltsam ist das Fehlen des ersten Rezitativs, so daß der Schnitt zwischen dem D-Dur der Sinfonia und der ersten Aria in C-Dur ungewohnt krass ist. Aber das ist schnell vergessen, denn diese Aufzeichnung fesselt von der ersten Sekunde an...


    :wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790



  • Mitridate, Gösta Winbergh
    Aspasia, Yvonne Kenny
    Sifare, Ann Murray
    Farnace, Anne Gjevang
    Ismene, Joan Rodgers
    Marzio, Peter Straka
    Arbate, Massimiliano Roncato
    Concentus Musicus Wien
    Nikolaus Harnoncourt


    Mise en scène et Réalisation, Jean-Pierre Ponnelle
    Costumes, Pet Halmen


    Vor Ewigkeiten auf SUC gesehen, wohl auch mal besessen; weiß nicht mehr, was dran ist.

    "Wir Asketen hingegen kaufen nie mehr Musik als man bei Tag und Nacht-Beschallung in 50 Jahren hören könnte und nie mehr Bücher als man bei einer mittleren Lebenserwartung von 287 Jahren lesen wird..." (Oolong)

  • Ob es davon nun eine DVD gibt, is mir gerade entglitten, allerdings eine interessante - mir bislang nicht bekannte - „Fassung“ (?) der Arie „Quell ribelle e quell ingrato“, gesungen von Michael Spyres:


    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Diese ist auch eher unbekannt:



    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Vielleicht diese?




    Michael Spyres, Mithridate

    Patricia Petibon, Aspasia

    Myrtò Papatanasiou, Siphare

    Christophe Dumaux, Farnace

    Sabine Devielhe, Ismene

    Cyrille Dubois, Marcius

    Jaël Azzaretti, Arbace


    Clément Hervieu-Léger, mise en scène

    Frédérique Plain, Dramaturgie

    Eric Ruf, Scénographie

    Caroline de Vivaise, Kostüme

    Bertrand Couderc, Licht


    Le Concert d'Astrée

    Emmanuelle Haïm


    Kooperation des Théâtre des Champs-Elysées / Opéra de Dijon

    Aufzeichnung vom 20. II. 2016 (Théâtre des Champs-Elysées)



    4 safety's sake mal bestellt ... mit frz. Untertiteln ... chinesisch wär' mir ehrlich gesagt jetzt hilfreicher ...


    Und: weil immer alle fragen, warum ich MiTHridate mit tH schreibe ... look the cover!

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Warum Sifare von einer Frau* gesungen wird, verstehe ich ebensowenig wie die Umstellung der Arien „In faccia all' oggetto“ / „Quell ribelle è quell ingrato“, wobei letztere eindeutig als Aktfinale I zu identifizieren ist ... gehört vielleicht zum Regiekonzept? Die Einleitungen einiger Arien werden leider etwas abgekürzt dargeboten.


    Umso mehr fasziniert mich die absolut konsequente und korrekte Umsetzung der Vorschläge :love::love::love:, die relativ willkürlichen (daher überaschenden - wenn man die Oper - wie ich, auswendig kennt) Oktavierungen und herausragenden Auszierungen (meist im da-capo-Teil). Ismene, Mithridates und Farnace sind top besetzt, Petibon sollte eigentlich Grandbon (oder besser Grandmeilleur) heißen (frei nach Beethoven) und die Inszenierung gefällt mir.


    Leider ist der erläuternde Text nur in frz. und engl. (der FSK-Hinweis allerdings auf deutsch!), so daß ich das Regiekonzept noch zu ergründen habe; vielleicht gelingt es mir?


    *Davon abgesehen ist „ihre“ Arie „Lungi da te...“ mit obligatem Horn umwerfend gesungen ... und mit phänomenaler Horn-Sifare-Cadenz versehen =O - da waren Experten mit Herz am Werk!


    Wo das anschließende Accompagnato herkommt, das auf „Nel grave torment“ vorbereitet, erschließt sich mir nicht (von Mozart nicht vertont, aber sehr passend und gelungen - und ich kann mich nicht erinnern, zur Nachkomposition angeheuert worden zu sein).


    Soviel zunächst zu DVD 1 (Atto Imo und IIdo) ... bislang jedenfalls der beste Mithridates, den ich je gehört und gesehen habe. Diese Oper ist so lebending, wie das auch schon Croft & Co. bewiesen haben; ich bin sicher, daß das auch mit Lucio Silla funzt ...


    :umfall::jubel:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • DVD II beinhaltet das Aktfinale II, das mit einem wunderschönen und virtuosen Duetto abschließt, und Akt III.

    Vielleicht diese?

    Definitiv nicht, denn zumindest bei dieser CD-Produktion wird die ältere Fassung nach dem Pariser Autograph der Arie „Va do incontro“ gesungen. Eine echte und wirklich überraschende Seltenheit! Wow!


    :jubel::jubel::jubel:


    Nach Aspasias beeindruckender l'Ombra-Scene folgt eine furienhafte und atemraubende Sifare mit „Se il rigor d'ingrata sorte“ ... 8| - und dann hat auch endlich Marzio seinen einwandfreien und beglückenden (einzigen Arien-) Auftritt ... die Tempi nimmt Haïm im Atto IIIzo deutlich fester und vorwärtsdrängender, ohne Hast aufkommen zu lassen, z. T. etwas gewagt, aber es klappt ohne Patzer. Letzter Ruhepunkt vor dem finalen Coro ist Farnaces „Giù dagli occhi ...“ - mit herzerweichenden Tönen in Es-Dur ...


    :love:


    Wer mit dieser DVD nicht die Oper des 14jähringen lieben lernt, hat im Leben verloren.


    *hä*:wink:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Die Ur- resp. Erstfassung der Arie „Vado in contro“ gibt's gratis (in leider nicht so bequemer Klangqualität) auf Youtube ... aus eben der oben gezeigten DVD-Gesamtaufnahme.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Petibon sollte eigentlich Grandbon (oder besser Grandmeilleur) heißen

    Hier der Beweis:





    :love:


    Ein historisches Theater-im-Theater immerhin; mit 60er-Jahre-Bestuhlung ... das muß mir mal bei Gelegenheit noch jemand näher erklären.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Und Ismene (für Yorick: die is mene!) gibt's auch noch:





    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • .... aber Bühnenbild und Kostüme sind scheußlich

    Nö, empfinde ich als erträglich - nur wenig sich mir erschließend. Jedenfalls interessanter und spannender als historisierende Allerwelts-Inszenierungen und längst nicht so krass wie Salisburgo MMVI ... die Inszenierung hier ist durchaus wärmer, heimischer und nicht so abstrakt (was ich aber durchaus auch sehr schätze).

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Christophe Dumaux (Farnace):





    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790