01 - Kurzbiographie

    • Offizieller Beitrag

    Antonín Leopold Dvořák wird am 8.September 1841 in Mühlhausen (Nelahozewes) bei Prag geboren. Der Vater ist Metzger und Gastwirt, man wird also von einfachen Verhältnissen sprechen können, denen Dvořak entstammt. Musikalität liegt aber in der Familie, so gibt der Vater die Metzgerei auf und verdient sein Geld als Bratscher, es gab Onkel, die ebenfalls Berufsmusiker waren. Die Eltern Dvořák haben neun Kinder, von denen Antonín das älteste ist.


    1853 besucht er die Fortbildungsschule in Zlonice, wo er Violin-, Viola, Orgel- und Harmonielehreunterricht bei Antonín Liehmann bekommt und außerdem Deutsch lernt. Im November 1856 ging er nach Böhmisch Kamnitz (Česká Kamenice) und ab 1857 nach Prag zur Orgelschule. Nach zwei Jahren (1859) schloss er die Schule ab und verdingte sich als Bratschist in verschiedenen Orchestern (u.a. bei Karl Komzák, mit dessen Orchester er in Biergärten und Gaststätten Tanzmusik gab, später als Bratschist am Prager Interimstheater unter der Leitung von Smetana, als Organist und als Musiklehrer (unter anderem als Lehrer seiner späteren Frau Anna Čermáková) , insgesamt bis 1871.


    In diese Zeit fallen bereits wichtige Kompositionen: das erste Streichquintett a-moll op.1 (Juni 1861), die ersten beiden Symphonien, ein frühes, heute beinahe vergessenes Cellokonzert A-dur, einige Lieder (1865) und die erste Oper „Alfred“ (1870), die allerdings zu seinen Lebzeiten niemals aufgeführt wird.


    Der große, öffentliche Durchbruch gelingt ihm am 9.März 1873 mit der Uraufführung des Chorhymnus „Die Erben des weißen Berges“ op.30.


    Musikalisch orientiert er sich in dieser Zeit an der neudeutschen Schule, sein Vorbild ist Franz Liszt; ein Antrag auf ein Reisestipendium nach Weimar zum Meister wird jedoch abschlägig beschieden. Andere Bewerbungen um Stipendien sind erfolgreicher, so bekommt er 1874 erstmals 400 Gulden aus dem Wiener Stipendium für „mittellose, talentvolle Künstler“. Mitglied der Gutachterkommission waren klangvolle Namen wie Eduard Hanslick und später Johannes Brahms


    Dvořáks Oper „Der König und der Köhler“ war kein Erfolg, die Proben am Interimstheater werden abgebrochen, man erachtet das Stück als zu schwierig und unsicher. Er überdenkt seinen Kompositionsstil, arbeitet die Oper gründlich um und führt sie dann 1874 trotzdem auf. Von nun an wendet er sich ab von Liszt und der Neudeutschen Schule, hin zu Brahms. Brahms und Dvořák verbindet seit 1878 eine lebenslange Freundschaft, nachdem Brahms sich bei seinem Verleger Simrock für Dvořák eingesetzt hatte. Brahms gefallen die „frische, lustige und reiche Erfindung“, besonders haben es ihm die Bläserserenade op.44, das Streichsextett op.48 und die Legenden op.59 angetan.


    1874-1877 ist Dvořák Organist an der Kirche St. Adalbert.


    Die „Klänge aus Mähren, Slawische Rhapsodien" op.45 und die erste Folge der „Slawischen Tänze" op.46 (beide 1878) bis hin zur sechsten Symphonie op.60 begründen seinen Ruf als nationaler tschechischer Komponist im In- und Ausland. Dabei übernimmt er nicht einfach Melodien aus der Volksmusik, sondern schafft es, das slawische Fühlen und Denken selbst in die Musik zu bringen, ohne zu zitieren. Man meint, slawische Volksmusik zu hören, ihren Geist zu spüren.


    Diese Periode endet ca. 1880. Politische Umstände führen zu einer antitschechischen Stimmung in Deutschland und Österreich, die auch Dvořák zu spüren bekommt. In dem Maße, in dem sich die Stimmung im Ausland gegen tschechische nationale Töne wendet, wächst die Nachfrage in der Heimat. Dvořáks Tonsprache dieser Zeit wird ernster, weniger von nationalem, folkloristischem Kolorit geprägt. Am 23.12.1880 führt er sein „Stabat Mater“ op.68 erstmals auf.


    1884 unternimmt er die erste von mehreren Englandreisen, gibt im März Konzerte in London, wird im Juni Mitglied der Philharmonic Society, 1885 kommt es zur Uraufführung der Siebten Symphonie d-moll op.70 in London. Besonders mit seinen Vokalwerken, dem Stabat Mater, der Kantate „Die Geisterbraut“ (1884), dem Requiem (1891) und dem ersten großen tschechischsprachigen Oratorium „Die heilige Ludmilla“ op.71 (1885/86) feiert er in England Erfolge.


    Zurück in der Heimat erwirbt Dvořák eine Sommerresidenz in Vysoká. Hier in der Zurückgezogenheit und in der Natur lässt er es etwas ruhiger angehen.


    Seit Januar 1891 (mit nunmehr 49 Jahren) ist er Kompositionsprofessor am Prager Konservatorium, erhält im März die Ehrendoktorwürde der Karlsuniversität in Prag.


    Schon 1892 unterbricht er seine Tätigkeit am Konservatorium, um für zweieinhalb Jahre bis 1895 die Leitung des National Conservatory in New York von Jeanette Thurber zu übernehmen. Die „neue Welt“ übt nachhaltigen Eindruck auf Dvořák aus, alleine darüber lassen sich Artikel und Bücher schreiben. Er lernt indianische Musik und die Musik der farbigen Bevölkerung kennen. Bekanntestes Zeugnis seiner Eindrücke ist sein heute der breiten Masse wohl bekanntestes Werk, die Neunte Symphonie e-moll op.95 „Aus der neuen Welt“ (Uraufführung am 16.12.1893), dazu das 12.Streichquartett F-dur op.96 und das Streichquintett op.97. Im April 1895 endet das amerikanische Intermezzo. Es bleibt unklar, ob es finanzielle Schwierigkeiten von Thurber oder private Sorgen um die Daheimgebliebenen waren, die ihn zur Abreise bewogen.


    Daheim in Prag erwirbt er ein Palais in der Prager Neustadt, das er „Villa Amerika“ nennt und in dem sich heute das Dvořák-Museum befindet. Er unterrichtet wieder am Konservatorium, dessen Leitung er 1901 übernimmt.


    Seine letzte Englandreise unternimmt er 1896, wo er in London am 19.März 1896 das Cellokonzert d-moll op.104 aus der Taufe hebt, das noch in amerikanischer Zeit entstanden ist. Doch jetzt ist erst mal Schluss mit der absoluten Musik.


    1896 besinnt er sich der alten Einflüsse der neudeutschen Schule und komponiert symphonische Dichtungen, innerhalb eines Jahres 1896 den „Wassermann“, die „Mittagshexe“, das „Goldene Spinnrad“ und die „Waldtaube“ — Werke, denen ein eigener Thread gebührt. Das „Heldenlied“ kommt noch im Folgejahr dazu. Im März 1897 ist es auch, als er den schwerkranken Freund Brahms in Wien besucht, den er dann am 3.April mit zu Grabe trägt. Dvořák ist jetzt 55 Jahre alt.


    In seinen letzten Lebensjahren komponiert er keine Instrumentalwerke mehr, nur noch Opern. Seine bis heute bekannteste Oper wird Rusalka, die am 31.März 1901 in Prag uraufgeführt wird. Den letzten Auftritt als Dirigent erlebt die Welt am 4.4.1900, Dvořák ist jetzt 58.


    Während der Uraufführung seiner letzten Oper „Armida“ 1903 wird ihm unwohl, er leidet an einer schweren Lebererkrankung. Am 1.Mai 1904 erliegt er einem Gehirnschlag. Antonín Dvořák wird nur 62 Jahre alt. Die Welt und Prag trauern um den Meister, tausende begleiten den Trauerzug.


    Er liegt auf einem Ehrenfriedhof des Vyšehrad, einem mittelalterlichen Burgwall südlich der Prager Innenstadt.


    Seine Musik lebt stets von der Melodik, Dvořák schöpft aus einem schier unerschöpflichen Schatz an Erfindungen, er hat der tschechischen Musik eine Identität gegeben und hinterlässt ein reichhaltiges Erbe an neun Symphonien (von denen nur die letzten fünf als Nr.1-5 zu seinen Lebzeiten gedruckt werden), je ein Klavier, Violin- und Cellokonzert, zahlreiche Opern, Kammermusikwerke aller Gattungen, Lieder und Klaviermusik sowie einen reichen Fundus an Vokalkompositionen. Nur Orgelwerke von ihm kenne ich nicht, obgleich er lange als Organist gearbeitet hat.


    Quellen:
    Harenbergs Komponistenlexikon, Harenberg, Dortmund 2001
    Elisabeth Schmierer: Komponisten-Portraits, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2003
    Arnold Feil: Metzler Musik Chronik, 2.erw.Aufl., Metzlersche Verlagsbuchhandlung und C.E.Poeschel Verlag, Stuttgart 2005
    Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Antonín_Dvořák

    • Offizieller Beitrag

    Sicher ist, daß der Komponist Josef Suk (1874-1935) Dvořáks Tochter Otilie Dvořáková (1878–1905) heiratete, womit er zu dessen Schwiegersohn wurde. Aus dieser Verbindung ging der Geiger Josef Suk (1929-2011) hervor. Die drei Künstler sind z.B. auf dieser CD vereint:



    Josef Suk (1874-1935)
    Dvořák-Liedtranskriptionen für Violine / Viola & Klavier


    Josef Suk (Violine & Viola)
    Vladimir Ashkenazy (Klavier)


    Außerdem war dereinst (2005) bei Wikipedia zu lesen, daß Dvořák angeblich ein Ururenkel von Johann Sebastian Bach sein soll:


    Zitat

    Eine relativ neue Erkenntnis der Musikforschung der letzten Jahre ist, dass Antonín Dvoráks ein Ururenkel des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach ist. Bachs jüngste Tochter Regine Susanna Bach war mit dem böhmischen Musiker Petr Venceslas Przky verheiratet. Bei Aufräumarbeiten in DvoYáks Elternhaus im Jahr 2003 fand sich eine Aufzeichnung seines Vaters, aus welcher hervorgeht, dass diese Regine Susanne Przky seine Großmutter war. ("Musicologiy Quartely", Ausgabe IV/2004).


    Dieser Passus ist aber bei Wikipedia wieder eliminiert worden; vermutlich (und soweit ich mich erinnere), weil die Namensgleichheit der genannten Regine Susanne Przky eher ein Zufall war und es sich nicht nachweislich um dieselbe Person gehandelt hat.


    :wink: