Quatuor festetics (opi)

  • ARCANA schrieb:

    The Festetics Quartet performs on period instruments with special regard for historical performance practices; it combines the technique of using original instruments with the legendary tradition of Hungarian string quartets.


    István Kertész, Violine mailänder Schule, 18. Jahrhundert
    Erika Petöfi, Violine Matthias Thier, Wien 1770
    Péter Ligeti, Bratsche Matthias Albanus, Bolzano 1651
    Reszö Pertorini, Violoncello anonym, französisch, 17. Jahrhundert


    Manch einem Hörer mag Kertész Intonation (besonders in den Höhen) übel aufstossen und er (oder sie) mag das für falschklingend erachten - Intonationsprobleme sind das hingegen nicht, es liegt vielmehr mit der historischen (teilweise etwas in sich implodierten) Stimmung - ich mag es besonders gerne, weil es den Charakter der Werke unterstreicht. Hinzu kommt Kertész manchmal scheu wirkendes Spiel und die Tatsache, daß er es schafft, ohne viel Vibrato dennoch einen so singenden Tonschmelz zu erzeugen.


    Beim Label ARCANA erschienen sind zum einen die Einspielung sämtlicher Streichquartette Joseph Haydns, die späten Quartette Mozarts und schließlich die legendäre Interpretation von Schuberts C-Dur-Quintett D956 (die CDs finden sich hinter den entsprechenden Links).


    Beim Label HUNGAROTON sind in früheren Zeiten einige sehr hörenswerte Einspielungen von Werken eher unbekannter teilweise landsmännischer Komponisten erschienen - davon möchte ich nachfolgende besonders empfehlen:



    Joseph Bengraf (1745-1791)
    Streichquartette Nr. 1-6


    Es handelt sich um sechs kurze Quartettini, vom Charakter her sehr divertimentohaft, meistens nur dreisätzig [quick-slow-very quick], mit Ausnahme des als Nr. 6 herausgegebenen A-Dur Quartetts, welches viersätzig ist.


    Die Musik ist leicht und unterhaltsam in den Ecksätzen, melancholisch in den Mittelsätzen. Aufregend, daß Bengraf im Presto assai des F-Dur-Quartetts Nr. 5 das Hauptmotiv von Mozarts KV 545 verwendet (Rückführung und Reprise können bei jpc - Track 15 - probegehört werden). Vermutlich aber war Bengraf jener, welcher das Motiv in dieser Form zuerst verwendete: Zwar ist das Entstehungsdatum dieser Quartettreihe nicht bekannt, stilistisch aber dürften sie um 1775 entstanden sein. In ihrer Art entsprechen sie in etwa Boccherinis op. 33.



    Georg Druschetzky (1745-1819)
    Streichquintette in D, E,F, g
    Kriszta Véghelyi, Viola II


    Die 1806 komponierten Quintette stehen ganz unter den Sternen Mozarts und Haydns - ein absoluter Geheimtip also! Besonders angetan war ich gleich nach dem ersten Hören vom 2. Satz des g-moll-Quintetts - mittlerweile weiß ich auch warum: Druschetzky instrumentiert bzw. harmonisiert hier das Thema B-A-C-H in phantastischer Weise! Das g-moll-Werk ist übrigens - was eher selten anzutreffen ist - durchgängig (bis auf den lgs. Satz) in g-moll komponiert. Es ist das mozartischste von allen. Der letzte Satz macht hier eine Ausnahme: Beim allseits beliebten Spiel "Mozart oder Haydn?" würde letztgenannter eindeutig gewinnen - der Satz ist ja sowas von Haydn - besonders dankbar bin ich für die Stimmführung im Violoncello: einfach großartige Musik!


    Das vorhergehende Quintetto concertando hat seine Bezeichnung lediglich durch die Satzfolge schnell-langsam-schnell erhalten - ansonsten ist es aber ganz normal. Auch hier ist der Mittelsatz von besonderer Melancholie geprägt, was mich sehr fasziniert! Die übrigen Sätze warten mit wunderbaren Cello-Soli auf!


    Dem Es-Dur-Quintett habe ich sogleich den Werkbeinamen "Frühlingsquintett" verpasst. Es beginnt sehr frühlingshaft, spielt mit Jadgmotiven.



    Franz Grill (1756-1792)
    Sechs Streichquartette op. 7


    Franz Grill war valet-de-chambre des Grafen Ferenc Széchényi (1754-1820), der seinerseits Gründer des nach ihm benannten Nationalmuseums und der Landesbibliothek (in Budapest) war. Er was also nicht "hauptberuflich" Komponist, dennoch verbreiteten sich seine Werke sehr schnell nach Berlin, Schwerin, Dresden, Weimar, München, Regensburg, Brüssel, Paris, London, Kopenhagen, Oslo und Stockholm - was für die Qualität seiner Werke spricht. Grill wird nicht umhingekommen sein, während seines Wienaufenthalts in den 1780er Jahren Mozart oder mindestens dessen Musik zu begegnen: Die von dem quatuor festetics eingespielten Six Quatuors op. 7 dürften Ausgangs der 1780er Jahre entstanden sein (sie wurden 1791 bei Offenbach in Frankfurt a. M. gedruckt).


    Alle Werke sind nur dreisätzig in der typischen Folge schnell-langsam-schnell. Lediglich das letzte Quartett bildet eine Ausnahme: Es beginnt mit dem langsamen Satz, welcher in ein Allegro übergeht und dem ein Final-Allegretto folgt. Die Quartette sind insgesamt alle sehr kurz und übersichtlich gehalten; sie dauern im Schnitt nur knapp über 10 Minuten, wobei die Gewichtung stets auf dem Hauptsatz liegt.


    Es fällt sofort auf, daß Grill sehr gut mit Mozarts Musiksprache bewandert ist - die Werke sind melodienreich, harmonisch trotz Divertimentocharakter interessant und abwechslungsreich. Besonders in den langsamen Sätzen kommt Grill sehr nah an Mozart heran. Hervorzuheben - um nicht zu sagen: mein Lieblingssatz! - ist der Mittelsatz des C-Dur-Quartetts: ein vierminütiges Andante in a-moll, sehr bewegend und schmerzvoll, sehr opernhaft mit wunderbaren Lichtblicken. Die Werke sind eigentlich nicht kurz, sondern eher kompakt - denn in den wenigen Minuten der jeweiligen Sätze ist alles notwendige gesagt! Das ist besonders faszinierend an diesen Quartetten. Auch das g-moll-Quartett sei hervorgehoben: Es beginnt so typisch für ein in g-moll stehendes Quartett, verliert dann allerdings an mozartschem Gewicht und wird etwas lockerer.



    János Spech (1767-1836)
    Streichquartette op. 2 Nr. 1-3


    Obschon die drei enthaltenen Quartette (Nr. 1 g-moll, Nr. 2 Es-Dur, Nr. 3 C-Dur) im Gegensatz zu jenen Franz Grills eher an Haydn erinnern, würde ich diese Quartette gerne schon etwas in Beethovennähe rücken... besonders der 2. Satz des Es-Dur-Quartetts op. 2 Nr. 2 entspricht inhaltlich dem Adagio affettuoso ed appassionato aus Beethovens op. 18 Nr. 1, das ich eh besonders schätze.


    Spech gibt sich etwas mehr Zeit für die Entfaltung seiner Musik und komponiert zudem durchweg viersätzige Werke, bei denen an 2. resp. 3. Stelle jeweils ein Menuett steht. Am längsten ist das Es-Dur-Quartett mit knapp 30 Minuten, g-moll- und C-Dur-Quartett sind mit runden 20 Minuten Spieldauer etwa gleichlang. Sehr schön, daß auch hier wiederum ein Quartett in der bedeutungsvollen Tonart g-moll enthalten. Ein sehr intensives, teils aggressives Werk.


    Die Haydnnähe sollte nicht weiter verwundern, da Spech bei Haydn studierte. Katalin Fittler beschreibt meine Empfindungen zu dieser Musik im Booklet so: Der Themenkopf erinnert an Mozart, die die Faktur häufig durchwebende polyphone Bearbeitung bezeugt eine fundierte Kenntnis der Quartette Haydns, zahlreich kleine Gesten verraten den Einfluss der frühen Werke Beethovens, während die singende Thematik die Unbefangenheit der Melodien Schuberts reflektiert.



    Wer die typische Ungarische Musik mag, dem sei diese noch wärmstens anempfohlen:



    Márk Rózsavölgyi (1789-1848)
    Ballroom dances


    Eine wahrlich fetzige CD mit Musik, die vielleicht in dieser Art Joseph Haydn beeinflusst haben mag.

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Sie leben noch - der Beweis: brandneu!



    Mihály Mosonyi (1815-1870)
    Streichquartette Nr. 1, 2,5


    ...und allem Anschein nach sind sie wieder bei Hugaroton angekommen. :thumbsup:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790