Boxen-STOP: Klassik Mega Boxen - die Guten und die Miesen

  • Seit einiger Zeit werden immer wieder große Klassik-Kisten auf den Mark geworfen, teilweise wirklich zu Spottpreisen.


    Die Frage ist dann immer: lohnt sich das oder ist das nur Ramsch?


    Der Thread soll dazu dienen, einen guten, brauchbaren Überblick über die diversen Boxen zu erhalten. Es wäre daher nötig, auch detaillierter auf die enthaltenen CDs einzugehen.

  • Das Centre Musique Baroque de Versailles feierte 2007 sein zwanzigjähriges Bestehen. Ein ganzes Jahr gab es Konzerte, Opernaufführungen, Ballette usw. - ein Musikprogramm, wie es die französischen Könige nicht hätten besser gestalten können.


    Das CMBV wurde mit der Initiative des frz. Staates gegründet und sollte dazu dienen, im großen Stil das frz. Musikerbe des 17. und 18. Jahrhunderts zu pflegen und dieser großartigen Musik den Stellenwert zu geben, der ihr ohne Zweifel zukommt. Es wurde nicht nur eine Forschungsabteilung gegründet, sondern auch eine Singschule. Diese Schule wurde im ehemaligen „Hôtel des Menus Plaisirs“ ansässig. In diesem ehrwürdigen Bau, der in der Stadt Versailles unweit des Schlosses zu finden ist, hatte das „Concert Spirituel“ seinen Stammsitz und 1789 wurde dort die Generalstände-Versammlung einberufen. Leider existiert der berühmte Saal nicht mehr.
    Versailles wurde jedenfalls ab 1987 wieder zum musikalischen Zentrum französischer Barockmusik. Im Theater wurden wieder Opern gegeben, in der Kapelle die großen Motetten gesungen. Und seit seiner Gründung fanden unzählige Konzerte statt und eine große Zahl davon wurde auf CD veröffentlicht. Nun hat das CMBV eine großartige Box herausgebracht mit sage und schreibe 20 !!! CDs, die zum größten Teil bisher unveröffentlichte Aufnahmen bzw. Werke aufzuweisen haben.



    200 Ans de Musique à Versailles


    Die Ausführenden gehören zur absoluten Creme der Alten Musik:
    William Christie / Olivier Schneebeli / Les Folies Francaise / Ensemble Baroque de Limoges / Le Concert Spirituel / Les Agremens / La Grande Ecurie et la Chambre du Roy / Les Musiciens du Louvre u.v.a


    Diese Box ist auch für diejenigen geeignet, die bisher noch kaum Berührung mit dieser Musik hatten, denn umfangreicher und in besserer Qualität wird man so etwas nicht finden, zumal für den wirklich günstigen Preis. Die Tracklisten und Booklet-Texte sind auf einer zusätzlichen CD als PDF-Dateien abgespeichert. Es gibt aber auch eine neuere Edition mit richtigem Booklet. Es gibt noch einen zusätzlichen Text mit etwas Bildmaterial, der Einblicke in die Geschichte der Musik am schönsten Hof Europas gibt.


    Allerdings alles in französischer Sprache.


    Hier die 20 CDs im Überblick. Die CDs sind thematisch geordnet und die Papphüllen ziert das entsprechende Portrait des Königs, an dessen Hof die Musik gespielt wurde:



    CD 1: Louis XIII. „Les Salons Précieux du premier Baroque"


    Hier werden « Airs de Cour » von Anthoine Boesset und Lautenstücke meisterhaft von Monique Zanetti (Sopran) und Claire Antonini (Laute) vorgetragen.
    Boesset war unter Louis XIII. derjenige, der in Sachen Musik das Sagen hatte.



    CD 2: Louis XIII. „Musiques de Cour au Temps de Louis XIII“


    Eine ganze Sammlung von mehrstimmigen Liedern von Boesset, Richard, de Chancy, Moulinie, Lambert und Laquemant werden hier angestimmt. Dazu gibt es noch Cembalowerke von J. Champion de Chambonnières und einiges anderes. Ein tolles Programm, dargeboten vom „Il Seminario Musicale“ mir Gerard Lesne.



    CD 3: Louis XIV. „Lully, Créateur de l’Opéra Française"


    Auf dieser CD werden Auszüge aus zwei Hauptwerken Lullys, dem wichtigsten Komponisten am Hofe, vorgestellt:


    Isis (1677) und Amadis (1684). Die Auszüge sind meisterhaft, allein die Airs des Combattans mit den schmetternden Trompeten aus Amadis lassen den Pomp des Sonnenkönigs zumindest akustisch wieder auferstehen. Lange bevorzugte ich die alte Aufnahme von R. Leppard, kein anderes Ensemble konnte dieser Einspielung das Wasser reichen. Aber Schneebeli hat diesen Fanfaren den Galnz mit alten Instrumenten verliehen, den sie verdienen. Der Chor ist einfach fabelhaft – und die Chor-Chaconne aus Amadis könnte kein würdigere Abschluss dieser CD sein, meiner Meinung nach ist diese fast 15 minütige Chaconne die absolute Krönung aller Chaconnen und Passacaillen.


    Die Ausführenden:
    Veronique Géns / Les Pages et les Chantres du CMBV / Musica Florea / Schneebeli



    CD 4 : Louis XIV. « Lully et ses Successeurs à l’Académie Royale de Musique"


    Hier werden die Lully-Nachfolger an der königlichen Oper vorgestellt. André Cardinal Destouches mit „Callirhoé", Pascal Colasse mit « Achille et Polixène", Jean Baptiste Lully mit "Persée", Marain Marais mit seiner Chaconne aus "Sémélée" sowie Marc Antoine Charpentier mit seiner "Médée“ - es spielt das Concert Spirituel unter Hervé Niquet.



    CD 5 Louis XIV. „Concerts et Symphonies pour le Roi“


    Hier werden 2 der 4 Concerts Royaux von Couperin von den « Folies Francoises » dargeboten, in wirklich wunderbarer Art und Weise. Den zweiten Teil bilden die „Simphonies pour les Soupers du Roi“. Eine Suite von Delalande mit Stücken aus dem „Ballet Royal de la Jeunesse“ und den „Folies de Cardenio“. Diese Suite ist übrigens nicht in der Gesamteinspielung der Simphonie du Marais enthalten, da die beiden Ballette erst später in die Sammlung aufgenommen wurden.


    Die Simphonie du Marais wählte für ihre Gesamteinspielung die Sammlung von 1713. Die zweite Suite stammt von Lullys ältestem Sohn und trägt den Titel: „Concert donne au souper du Roi“ und ist eine wahre Rarität !


    Gespielt werden die zwei wunderschönen Orchestersuiten von der « Musica Florea » unter der Leitung von Marek Strynel.



    CD 6 Louis XIV. „Le Triomphe de la Piété Baroque »


    Hier geht es recht intim zu. Das Troisième Lecon de Tenebres von F. Couperin, die wohl berühmteste Vertonung des frz. Barock wird hier von „Les Arts Florissants“ unter Christie zum besten gegeben. Dieses Werk wurde allerdings in dieser Einspielung schon bei Erato mit den 2 anderen Lecons veröffentlicht. Es ist jedenfalls sehr schön interpretiert, aber erreicht nicht ganz diese erschütternde Dramatik die Savall auf dem Album „Tous les Matins du Monde“ vorgelegt hat. Dann werden Werke von Marc Antoine Charpentier vorgestellt, die „Litanies de la Vierge“ H. 83 und das Miserere H. 193.


    Es singt und spielt das Ensemble Jacques Moderne.


    Jordi Savall hat diese Werke einmal beschrieben und darauf aufmerksam gemacht, wann und in welchem Kontext sie entstanden sind. Die Regierung Louis XIV. neigte sich ihrem Ende, Frankreich war ausgeblutet aufgrund der vielen Kriege und wenn man sich diese Zeit der allgemeinen Not vor Augen führt, bekommen diese Werke eine ganz andere Bedeutung, sie sind in ihrer Art erschütternd. Die Interpretation ist wunderbar – anders kann man es nicht sagen.



    CD 7 „La Chapelle Royale au Temps de Louis XIV.“


    Das Collegium Vocale und das Ricercar Consort interpretieren zwei wunderschöne Motetten von Henri Dumont: Exultat animus und das Magnificat. Schneebeli uns seine Musiker des CMBV sind mit DER Grand Motet schlechthin vertreten, dem „Miserere“ von Lully, das ja auch schon auf CD veröffentlicht wurde.


    Den Abschluss bildet die Motette „De Profundis“ von Henri Desmarest, interpretiert vom Concert Spirituel unter Niquet. Eine schön gemachte CD, die einen repräsentativen Einblick in die geistliche Musik am Hof von Versailles vermittelt, wie sie jeden Tag für den König gegeben wurde.



    CD 8 Louis XIV. „Messe et Motets pour les Paroisses“


    Charpentier eröffnet die CD mit seiner "Messe des Morts à quatre voix“. Interpretiert vom Collegium Vocale und dem Ricercar Consort unter der Leitung von Philippe Pierlot. Es folgt die festliche Motette „In Convertendo“ von Sebastien de Brossard. Die Einspielung mit dem Ensemble Baroque de Limoges ist vor einigen Jahren schon bei Astrée erschienen. Den Abschluss bildet eine der „Grands Motets Lorraines“ von Desmarest, eingespielt von William Christie und Les Arts Florissants. Auch dieses Werk wurde früher schon auf CD veröffentlicht, bei Erato


    Die Interpretationen sind auch hier wieder ganz phantastisch.



    CD 9 Louis XV. „Rameau à l’Académie Royal de Musique"


    Da Lully eine eigene CD gewidmet wurde, muss man Rameau natürlich auch eine CD widmen. Und es wird auch gleich eines der Hauptwerke Rameaus vorgestellt, seine erste Tragèdie Lyrique, die er im Alter von 50 Jahren auf die Bühne brachte: „Hippolyte et Aricie“ die Auszüge sind der Gesamteinspielung der Musiciens du Louvre unter Minkowski entnommen. Die Sänger sprechen auch schon für sich: Jean Paul Fouchécourt, Veronique Géns, Bernarda Fink und Laurent Naouri. Das Ensemble Talens Lyriques unter Rousset kommt ebenfalls zum Zug. Sie spielen Auszüge aus „Les Fêtes d’Hébée“ „Zoroastre“ und ebenfalls „Hippolyte & Aricie“. Eine sehr schöne CD, die Rameau absolut würdig ist.



    CD 10 Louis XV. „Divertissement pour le bien-aimé"


    Auf der CD 10 ist eine « Petit Opera », ein Gemeinschaftswerk von Francois Francoeur, dem letzten Surintendanten der königlichen Musik unter Louis XV. und Francois Rebel, dem Sohn des berühmten Jean Féry Rebel, aufgenommen worden: Zélyndor, roi des Scythes. Die Interpretation ist absolut vorbildlich. Die Abschluss Chaconne findet sich auch in der Sammlung „Musiques pour les Tables Royales du Festin Royal en 1773“ wieder, die von Louis XVI. so sorgsam aufgehoben wurde.



    CD 11 Louis XV. "Divertissement pour le Théâtre des Petits – Appartements"


    Hier wird ein Werk von Francois Colin de Blamont, dem Surintendanten der Musik des Königs unter Louis XV., vorgetragen. Das Divertissement „Egine“, in einem Prolog und 2 Akten, das de Blamont für die Petits Appartements der Madame de Pompadour schrieb. Madame de Pompadour sang recht häufig die Hauptrollen in diesen Privatstücken für Louis XV. Beide Werke, Zerlyndor und Egine sind wirklich sehr schön interpretiert und Ersteinspielungen!



    CD 12 Louis XV. „Au Concert Spirituel“


    Hier werden zwei Motetten vorgestellt, die bei Erato schon auf CD erschienen sind. Die Grand Motet „Dominus Regnavit“ von Jean Joseph Cassanea de Mondonville Und die Grand Motet « In Convrtendo » von Jean Philippe Rameau. Die Einspielungen machte William Christie mit seinem Ensemble Les Arts Florissants – was soll man dazu noch sagen ? Einfach traumhafte Aufnahmen.



    CD 13 Louis XV. „La Chapelle Royale au Temps de Louis XV“


    Diese CD bietet wieder ausschließlich unveröffentlichte Aufnahmen. André Campra: Confitebor tibi domine , Jean Joseph Cassanéa de Mondonville: Nisi Dominus. Die beiden Motetten werden von dem Ensemble « Le Parnasse Français » gespielt. Alles sehr schön gelungen. Dazu gibt es Orgelwerke von Balbastre, Corette und Daquin, gespielt (auf der Schlosskirchen Orgel von Versailles) von Oliier Latry.



    CD 14 Louis XV. „La Renaissance de l’Orchestre Francaise“


    Hier werden Instrumentalwerke von Delalande und Mondonville vorgestellt. Auszüge aus dem Ballet Les Folies de Cardenio, meisterhaft gespielt vom Ensemble Baroque de Limoges. Diese Einspielung ist allerdings auch „vollständig“ auf CD erhältlich und von Mondonville zwei der Sonades en Simphonies die Minkowski mit den Musiciens du Louvre für Archiv eingespielt hat. Beides wunderbare Aufnahmen.



    CD 15 Louis XVI. „Les Italiens à la Cour de France"


    Die grandiose Capella della Pieta de Turchini spielt Auszüge aus Sacchinis Oper "Œdipe à Colone” und Didon, sowie Didone abbandonata von Piccinni. Roberta Invernizzi singt ihre Koloraturarien mit gekonnter Leichtigkeit. Beide Komponisten sollten unbedingt mehr Beachtung bekommen!



    CD 16 Louis XVI. „L’Opera Francais aux Portes du Romantisme“


    Und schon wieder ein Spitzen-Ensemble, das hier vertreten ist: Les Agrémens unter Guy van Waas begleiten den Sänger Pierre Yves Pruot, der teils phänomenale Arien von Kreutzer, Monsigny, Lesueur und Philidor singt. Das Ensemble spielt aber auch Instrumentalwerke: die Ouvertüre zu Sacchinis Dardanus und eine Ballettsuite zu Gossecs Sabinus. Abgeschlossen wird die CD mit Werken von Grétry, welche von Isabelle Poulenard und dem Ensembles „Les Palladins“ ebenfalls in erstklassiger Weise interpretiert werden.



    CD 17 Louis XVI. « L’Essor de la Symphonie Française »


    Hier werden vom Ensemble « Le Cercle de l’Harmonie » Sinfonien von Gossec, Le Duc und Rigel gespielt. Von Gossec erklingt die schon vom Concerto Köln eingespielte Siymphonie concertante du Ballet Mirza (also das Allegro). Von Le Duc wurde die Sinfonie in D-Dur ausgesucht und von Henri Joseph Rigel, die wunderbare Sinfonie in d-moll.



    CD 18 Louis XVI. „Les Premieres Heures du Pianoforte“


    Diese CD könnte man durchaus für überflüssig halten, die Prélude von Balbastre ist offensichtlich für das Cembalo geschrieben worden und Einspielungen der a-moll Sonate von Mozart und seinen frz. Variationen gibt es auch genug. Und trotzdem, so gut wie Staier die Werke spielt, habe ich sie noch nie gehört – ganz große Klasse!



    CD 19 Louis XVI. « Les Salons de Versailles au Temps des Lumières »


    Kammermusik vom Feinsten, ausgeführt von einem mir bisher unbekannten Ensemble, dem „Quatuor Cambini“ das natürlich auf alten Instrumenten spielt. Verstärkt wird das Quartett durch Alexis Kosseko (Traversflöte). So werden Quartette für Flöte von Devienne und Boccherini und reine Streichquartette von Cambini und Vachon gespielt. Eine ganz hervorragende Darbietung, auf diesem Sektor ist bisher sehr wenig einem größeren Kreis bekannt, das sollte sich schnellstens ändern !



    CD 20 Louis XVI. « Les Nouveaux Accents de la Foi au Temps de Louis XVI »


    Geistliche Musik am Hofe Louis XVI., schon das allein ist eine Rarität, wenn sie dann noch so wunderbar interpretiert wird, ist das ein doppeltes Vergnügen. Es erklingen zwei Grands Motets, die bei K617 schon auf CD veröffentlicht wurden:


    Gossec: Terribilis est , Giroust: Benedic anima mea
    Choeur de Chambre de Namur / Les Agremens / Malgoire


    Dann das « Oratorium » La Sortie d’Egypte von Henri-Joseph Rigel, das ebenfalls bei K617 schon veröffentlicht wurde und wirklich wunderbar gemacht ist. Les Pages et les Chantres du CMBV / Les Folies Francoises / Schneebeli


    Den Abschluss bilden 3 Orgelstücke, die wieder von Olivier Latry an der großen Orgel der Schlosskirche von Versailles gespielt wurden:


    Noel suisses von Nicolas Séjan, Morceau pour les Flutes von Guillaume Lasceaux. Und als letztes Stück « La Marche des Marseillois et air ca ira » in der Version von Balbastre.




    Fazit :


    Besser geht es kaum: 20 CDs mit Spitzenaufnahmen, die Creme der frz. Ensembles ist hier vertreten. Es werden einige der schönsten Stücke der frz. Barockmusik zumindest in Auszügen vorgestellt. Diese Box ist nicht nur wegen des Preises ein wahres Highlight, der Inhalt ist einfach der helle Wahnsinn. Ich bin davon mehr als begeistert und kann nur jedem raten – zuschlagen !!!


    Denn hier wird wirklich ein wahres Feuerwerk aufgefahren. Das ganze musikalische Repertoire von etwa 1610 – 1790 wird abgedeckt, in fabelhaften Interpretationen, alle großen Komponisten sind vertreten, ein Haufen bisher nie eingespielter Werke, einfach nur grandios!


    Alles im Allem – das Beste !

  • Ich bin ja gar nicht der große Aufnahmen-Besprecher, daher wird das auch jetzt sehr kurz.
    Ich kann es mir aber einfach machen, da ich ja (passend für's OPI-Forum) möglichst viel "Originalklang" will.
    Man liest mitunter, dass Strawinsky nicht der beste Dirigent für Strawinsky sei.
    Das glaube ich nicht. Mag sein, dass er technische Schwächen hatte beim Dirigieren. Beim Anhören seines Feuervogels ist davon (für einen nicht-Dirigenten) nichts zu bemerken. Mag sein, dass andere Dirigenten "mehr herausholen" aus den Stücken. Das spricht für mich aber GEGEN diese anderen Dirigenten. Strawinsky pflegt ab den 20er Jahren einen spröden absurden Stil. Wenn andere Dirigenten da Bonbons herausholen, ist das für mich schon eine stilwidrige Verfremdung - Strawinsky zeigt, wie's geht:


    22 Pflicht-CDs

  • Vor einiger Zeit hatte ich mir diese Box zugelegt, in der Erwartung einige Raritäten oder Aufnahmen zu ergattern die man so günstig vielleicht nicht wieder bekommt. Enttäuscht wurde ich nicht, obwohl es teilweise nicht so leicht war, alle CD's komplett anzuhören, denn zwischendurch gab es doch einige Aufnahmen, die man besser nie gemacht hätte.




    Für diese Box wurde extra eine Infoseite im Internet online gestellt die in großspurigen und sehr blumigen Worten, wie man es halt von den großen Classic Editions gewöhnt ist, von der Box und den Interpretationen schwärmte. Aber natürlich wissen wir Klassiksammler, dass solche Boxen immer mit Vorsicht zu genießen sind.... Brilliant Classics haben den Stein mit den Mega Boxen zum kleinen Preis ins Rollen gebracht und viele andere Label versuchen dass nun auch. Aber bei Brilliant zeigte sich ja bereits die große Schwachstelle - für uns „Feinschmecker“ zuviele Gräten in den Filetstücken. Zwar bekommt man ein riesiges, fast unüberschaubares Büffet aufgefahren, das auch tolle Gerichte verspricht, aber leider ist ein Großteil wohl beim Bahnhofseck zubereitet worden.


    Als langjähriger Hörer von Barockmusik, bin ich natürlich überkritisch, und das Urteil kann nur vernichtend sein, wenn man sich auf die blumigen Versprechungen bezieht. Denn ob diese Box, wie versprochen, von Musikwissenschaftlern zusammen gestellt worden ist, wage ich doch zu bezweifeln. Denn hier wurden einige Aufnahmen verwendet, da rollen sich mir die Fußnägel auf – aber dazu später mehr. Vielleicht musste man auch einfach gucken was gibt das Repertoire der verschiedenen Labels her u.a. Sony Classics und vor allem die Deutsche Harmonia mundi.


    Nun zuerst einmal das Positive.
    Diese Box ist für den Einsteiger, sowie den normalen Klassikhörer bestimmt bestens geeignet. Für den Barockmusikhörer eher weniger, denn die besten Aufnahmen daraus, dürfte er ohnehin haben und so viele ausgefallene Raritäten bietet die Box dann eben auch nicht. Das ganze ist hübsch aufgemacht, Zwar ist Marie Antoinette, gemalt von Vigée Lebrun nicht gerade kunsthistorisch im Barock anzusiedeln, aber ein schönes Design ist es allemal. Die CD’s selbts stehen in der fast schon edlen Box, und sind in einzelne Papphüllen gesteckt. Das ist allerdings etwas langweilig, da alle CD’s das gleiche Cover aufweisen und sich nur durch die Beschriftung unterscheiden – da hätte man durchaus mehr machen können. Bookletts sind auf einer beigelegten CD als PDF abgespeichert. Ein Infoblatt gibt nochmal zusätzlich Auskunft über das gesamte Programm. Besonders auffällig, neben dem altbekannten wie Bach, Händel und Vivaldi, hat man auch solche Komponisten aufgenommen, die zwar damals großen Ruhm genossen, Heute aber nur noch Kennern und Liebhabern vorbehalten sind: Carissimi, Lully, Charpentier, Frescobaldi, Fux und Monteverdi fallen da sofort ins Auge.


    Nun die Kritik, die aber eben sehr subjektiv gefärbt sein wird:
    So schön dieser Versuch auch ist, Unbekanntes ins Repertoire wie selbstverständlich einzufügen, so gibt es doch eine Menge zu nörgeln. 21 CD’s sind allein Bach vorbehalten. Warum um Himmels Willen ?! Nicht alles was der alte Bach verfasst hat, ist unbedingt ein Meisterwerk. Die einzige Rechtfertigung dafür ist, dass diese Werke größtenteils von Gustav Leonhardt gespielt werden – aber ich finde Bach ist absolut überrepräsentiert und auch mit Werken die man wirklich nicht kennen muss. Bei Händel fällt der Versuch sehr positiv auf, seinem Opernschaffen einen breiten Raum zu geben, gleich drei CD’s !


    Aber die Aufnahmen sind teilweise ungenießbar, vor allem der Giulio Cesare. Gab es da nichts besseres im Archiv ? Oder wäre es nicht klüger gewesen, die Gesamtaufnahme vom Rinaldo zu nehmen, als diese Auszüge ? Große Bereiche der Barockmusik sind leider gar nicht vertreten. Hätte man Bach nur auf die Hälfte reduziert, wäre dafür genug Raum gewesen. Es gibt weder die italienische Oper des 17. Jahrhunderts, noch Madrigale, noch Sonaten oder Consort Music des 17. Jahrhunderts, ganz zu schweigen vom Barockballett. Auch in dieser Edition wird der Schwerpunkt der Musik auf die Jahre 1710 – 1750 gelegt, dass der Großteil der Barockmusik, aber die hundert Jahre davor bilden, wird auch in dieser Edition nicht wirklich deutlich. Schade. Natürlich ist es unmöglich alle Genres zu berücksichtigen, welches Label könnte schon alles abdecken ? Aber trotzdem muss ich sagen, dass die 15 CD Edition der harmonia mundi france seinerzeit diese Box in jeder Beziehung an Qualität Lichtjahre voraus war. Doch leider wurde diese hervorragende Kennenlernbox sehr schnell wieder gestrichen – die Texte, die Musikauswahl, da war wirklich Sachverstand am Werke und die Lücken waren ausschließlich durch die Repertoirelücken des HMF Katalogs zu erklären und nicht ganz so extrem wie hier. Umso bedauerlicher, dass kaum Aufnahme der hervorragenden Vivarte Serie von Sony in die Collection mit aufgenommen wurde – eigentlich schon fast unverständlich.





    Nun die einzelnen CD’s im Überblick:



    CD 1&2 BACH: die 6 Brandenburgischen Konzerte
    La Petite Bande / S. Kuijken


    Die Aufnahme erschien bei DHM und gehört wohl zu den besten Einspielungen der Konzerte. Kuijken ist für seine elegante unkapriziösen Interpretationen bekannt. Diese Aufnahme ist erfrischen leichtfüßig, und mit sehr viel Esprit musiziert. Gleich zu Beginn also eine sehr positive Überraschung!



    CD 3 BACH: Ouvertures 1 & 2
    Collegium Aureum


    Eine recht betagte Aufnahme, zwar spielte das Collegium Aureum schon recht früh auf historischen Instrumenten, aber ein gewisses Gefühl der Schwerfälligkeit lässt sich nicht abstreiten. H.M. Linde spielt in der zweiten Suite die Traversflöte. Eine fast schon historische Aufnahme, die zwar einen gewissen Charme hat, aber da hätte man aber bestimmt auch etwas zeitgemäßeres im Archiv finden können.



    CD 4 BACH: das musikalische Opfer
    Ensemble Sigiswald Kuijken


    Meiner Meinung hat das Werk in dieser Edition nichts verloren. Das musikalische Opfer ist zum reinen anhören einfach langweilig und schwer verdaulich. Wahrscheinlich hat man nur als Musiker wirklichen Spaß daran. Kuijken und seine Truppe interpretieren allerdings mit so großer Hingabe, dass das zuhören nicht zur Qual wird.



    CD 5 BACH: Great Organ Works
    Gustav Leonhard


    Nun was soll man sagen, man glaubt bei Leonhardt, Bach würde selbst spielen. :D Die Orgelwerke sind auch sehr gut ausgesucht. Ein Highlight der Box !



    CD 6 BACH: die Kunst der Fuge
    Berliner Bach Akademie


    Noch so ein Werk, das man besser ungespielt lässt.... und erst recht nicht in so eine Edition aufnimmt. Die Berliner Bach Akademie tut jedoch etwas, was das Anhören dieser Stücke wirklich interessant machte: sie verwenden ein ziemlich buntes Instrumentarium es kommen sogar Klarinette, Vibraphon und Klavier zum Zuge. Also alles andere als eine HIP Einspielung, aber in dem Fall wirkt sich das mehr als positiv auf das Werk aus.



    CD 7 BACH: Goldberg Variationen / italienisches Konzert
    Gustav Leonhardt


    Diese Einspielung darf in keiner Sammlung fehlen – Leonhardt hat diese Werke einfach in unnachahmlicher Art und Weise eingespielt, sein Cembalo klingt wunderbar und auch das italienische Konzert ist hervorragend gelungen – so muss das sein. Ein weiterer Schatz dieser Edition!



    CD 8 BACH: Inventionen & Sinonias
    Gustav Leonhardt


    Und schon wieder eine Werksammlung die eigentlich hier nicht hergehört. Aber da auch hier wieder Leonhardt spielt mag man darüber hinweg sehen.



    CD 9 BACH: das wohltemperierte Klavier
    Gustav Leonhardt

    Siehe CD 8 ;)



    CD 10 BACH: Lautenwerke
    Julian Bream (Gitarre) Georg Malcolm (Cembalo ?)


    Tja was soll man dazu sagen. Lautenwerke sollte man eventuell auch auf einer Laute spielen... aber jeder wie er will. Da dies aber die einzige CD der Edition mit Lautenmusik der Barockzeit ist, finde ich die Auswahl dieser Aufnahme höchst fragwürdig und diskussionswürdig. Ich bin ein großer Liebhaber von Lautenmusik, umso mehr enttäuscht mich diese Wahl. Die Interpretation ist ganz nett, aber eine moderne Gitarre ist eben keine Laute. Mit den beiden Triosonaten BWV 525 / 529 kommt noch Malcolm mit einem Spinett hinzu (das ist kein Cembalo!!!) das war im Barock nichts unübliches, aber moderne Gitarre mit Spinett ist für mich wie Spinat mit Marmelade... Für die Lautenwerke hätte man z.B. auf die hervorragende Einspielung von Kirchhof bei Sony zurückgreifen können – Chance vertan – Schade.



    CD 11 BACH: Sonatas and Partitas for Solo Violin
    Rudolf Gähler


    - noch nicht gehört und auch in absehbarer Zeit keine Lust :O



    CD 12 & 13 BACH: Cello Suites
    Guido Schiefen


    Überraschend gut, Schiefen spielt mit angenehm wenig Vibrato und einer wirklich schönen Gestaltung.



    CD 14 BACH: Motets
    Cantus Cölln


    Tolle Aufnahme des Ensembles. Auch wenn ich die Werke nicht sonderlich schätze, hat das Ensemble mich zum zuhören gebracht.



    CD 15 BACH: Sacred Cantatas
    Brüggen


    Die ausgesuchten Kantaten (56 “ich will den Kreuzstab gerne tragen und 82 “ich habe genug”) gehören sicherlich zu den bekanntesten Kantaten. Jedoch hätte ich wohl eher die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ ausgesucht, egal. Die Interpretation ist hervorragend, Brüggen am Pult ist ein Genuss, ebenso der Bariton Max von Egmont.



    CD 16 BACH: Secular Cantates
    Collegium Aureum


    Hier wurden die Kantaten 202 “Hochzeitskantate” und 209 ”Non sà che sia dolore“ ausgesucht. Warum nicht die Bauern- und Kafeekantate? Das wäre doch eher im Sinne dieser Box gewesen. Die Einspielung ist natürlich wieder etwas älteren Datums, aber durchaus noch genießbar.



    CD 17 BACH: Christmas Oratorio (Auszüge)
    Gächinger Kantorei / Bach Collegium Stuttgart / Rilling


    Ich bleibe dabei, die Rilling Aufnahmen Bachscher Musik sind furchtbar. Verdienste hin oder her, es ist nicht zum aushalten, die Spielzeugtrompeten, die langweilige musikalische Gestaltung, das ist für ein anderes Publikum gemacht, nicht für mich. Da gibt es so viele schöne Alternativen.



    CD 18 BACH: St. John Passion & St. Matthwe Passion (Auszüge)
    Bach Ensemble der Europa Chor Akademie


    Das Orchester und der Chor sind so schwerfällig, dass sich der Charakter der Musik so wandelt, man glaubt fast ganz neue Werke zu hören. Auch die Dramatik die man sogar noch bei den alten Richter Aufnahmen hat, fehlt hier völlig. Nicht mein Bier der Kram.



    CD 20 & 21 BACH: Messe in h-moll
    Balthasar Neumann Ensemble / Hengelbrock


    Wow ! Diese Einspielung entschädigt für die miesen anderen Oratorienaufnahmen. Was für ein Sound und was für eine glasklare und geniale Interpretation. Da lasse ich sogar meine Koopmann Einspielung im Regal stehen, Hengelbrock hat mit dieser Einspielung bei mir absolut gepunktet. Kein Wunder, dass man diese Einspielung dann auch komplett mit aufgenomen hat – und das ist auch o.K., denn Bachs h-moll Messe ist eine typische hochbarocke Festmesse, wie sie typischer nicht sein könnte.



    CD 22 BACH / VIVALDI: Magnificat / Beatus vir / Gloria
    Gächinger Kantorei / Bach Collegium Stuttgart / Rilling


    Siehe CD17 :rolleyes:



    CD 23 BUXTEHUDE: Orgelwerke


    Nicht schlecht, aber doch lieber Koopman.



    CD 24 CORELLI: 6 Concerti Grossi
    Tafelmusik


    Eine ausgesprochen schöne Einspielung, das Tafelmusik Ensemble hat sich ja gerade bei dem “Barock Mainstream” als führendes Ensemble etabliert, die Einspielungen sind wunderbar gemacht, ohne Extravaganzen. Die Einspielungen von Händels und Bachs Orchesterwerken gehören für zu den besten die ich kenne, gerade weil sie nicht nur super spielen, sondern eben nicht auf Teufel komm raus die Werke gegen den Strich bürsten.



    CD 25 CORELLI: Sonatas Op.5 (La Follia)
    Frans Brügen / Anner Bylsma / Gustav Leonhardt


    Diese Interpretation dieser Sonaten ist in dieser Aufstellung schon fast ein Klassiker. Die Blockflöte verändert den Charakter der Sonaten allerdings so stark, dass man auf alle Fälle noch eine Einspielung mit Violinbesetzung dieser wunderbaren Werke haben sollte.



    CD 26 COUPERIN: Concerts Royaux
    Ensemble Sigiswald Kuijken


    Coueprins vier Konzerte gehören zu den schönsten Werken französischer Kammermusik aus der Zeit Louis XIV. Die Einspielung die bei der DHM erschien gehört sicherlich zu den besten Aufnahmen dieser Werke, zwar kommt kaum ein Ensemble an die neue Savall Einspielung heran, aber Kuijken mit seiner ganz besonderen Eleganz ist ein absoluter Gewinn, tolle CD!



    CD 27 FRESCOBALDI: Fiori Musicali
    Canticum


    Eine Orgelmesse von Frescobaldi, schon gewagt so etwas auszusuchen. Recht sperrig und für viele Hörer wohl eine Aufnahme die ziemlich flott aus dem Player fliegen wird.



    CD 28 FUX: Requiem
    Clemencic Consort


    Das Clemencic Consort ist ein Ensemble, um das ich mittlerweile einen Bogen mache. Zwar haben sie als ausführendes Musikensemble für A. Mnouchkines „Molière“ ein gewisses Renomée erhalten, aber das ist nun schon eine halbe Ewigkeit her. Die Aufnahmen von Clemecic leiden alle unter einer sehr seltsamen Aufnahmetechnik, abgesehen davon sind auch die Interpretationen nicht unbedingt das tollste was gibt. Oder wie es Salisburgensis einmal ausgedrückt hat, etwas besser machen als Clemencic ist noch das einfachste... Schönes Werk, aber ich bleibe da doch lieber bei den Fux Einspielungen von Duftschmid, denn die sind wirklich herausragend.



    CD 29 HÄNDEL : Music for the Royal Fireworks / Wassermusik
    Orchestre de Chambre / Paillard


    Diese Einspielung ist nun auch schon einige Jährchen alt, allerdings muss ich ganz deutlich sagen, dass die Einspielungen von Paillard nach all den Jahren (die meisten Aufnahmen entstanden in den 60er Jahren) noch Heute für mich ihren Reiz haben. Paillard setzte sich im besondere für die Musik Lullys ein, und das fließt auch in diese Interpretation mit ein, seine Einspielung von Händels berühmten Werken haben nur einen Wehmutstrophen – wie genial wären Paillards Einspielungen gewesen, wenn er historische Instrumente verwendet hätte, aber auch so sind das Aufnahmen die trotz ihres Alters einfach herrlich musikalisch sind. Kaum Vibrato, schöne Bläser, wunderbare Detailarbeit, schade dass man die Aufnahmen von Paillard hierzulande so wenig kennt und schätzt.



    CD 30 HÄNDEL: Orgelkonzerte Op.4
    Collegium Aureum


    Uraltaufnahme, die aber immer noch ganz nett zum anhören ist.



    CD 31 HÄNDEL: Concertos


    Alle Konzerte wurden vom London Festival Orchester eingespielt, also nicht HIP. Da die meisten Konzerte ohnehin Bearbeitungen sind, ist das auch nicht so tragisch. Neben dem „Harfenkonzert“ gibt es noch zwei Konzerte für Oboe, eines für zwei Celli und eines für Flöte. Eine nette musikalische Begleitung zu einem festlichen Mittagessen.



    CD 32 HÄNDEL: Chandos Te Deum / Chandos Anthem „Let God Arise“


    Ahhhh, wie erfrischend nach diesen ganzen Aufnahmen, endlich mal wieder richtige Darmsaiten zu hören und den Gehörgang nicht mit breitem Vibrato verklebt zu bekommen. Es spielt das Drottningholm Baroque Ensemble, als Chor sind die Vokalsolisten Frankfurt angetreten, die Leitung hat Gerhard Jennemann. Eine schöne Einspielung der beiden Werke. Die Chandos Anthems gehören ja nicht unbedingt zu den bekannten Werken Händels umso erfreulicher, dass man hier nun zwei davon ausgesucht hat und glücklicherweise zu so schönen Einspielungen gegriffen hat. Eine CD die sicherlich noch sehr oft bei mir im Player liegen wird.



    CD 33 HÄNDEL: Messiah (Highlights)


    Und nun wieder eine Mischung aus Verdi und Händel. The Mormon Tabernacle Choir ( :stumm: ) und the Philadelphia Orchestra geben sich unter Eugene Ormandy die Ehre. Ich enthalte mich lieber eines ausführlichen Kommentars und gehe weiter zur nächsten CD.



    CD 34 HÄNDEL: Rinaldo / Alessandro (Auszüge)
    La Grande Ecurie et la Chambre du Roy / J.C. Malgoire
    La Petite Bande / Kuijken


    Ein feiner Zug die Opern Händels zumindest in Auszügen in diese Box mit aufzunehmen. Schließlich war Händel ja auch in erster Linie Opernkomponist. Schade nur das man einige der Hauptarien aus Rinaldo vergessen hat, dafür aber eher weniger bedeutende Aren aus der Gesamteinspielung von Malgoire auswählte. Am bedauerlichsten ist das Fehlen der Arie „Cara sposa“. Die Einspielung des Alessandro ist nun ebenso wie die Rinaldo Einspielung nicht mehr taufrisch, trotzdem sind beide Produktionen immer noch sehr hörenswert. Der Alessandro und Kuijken ist natürlich wieder in der unvergleichlichen Eleganz die man von dem Ensemble her kennt aufgenommen.



    CD 35 HÄNDEL : Giulio Cesare / Tamerlano (Auszüge)


    Natürlich darf auch Händels wohl berühmteste Oper nicht fehlen: Giulio Cesare. Aber was für eine grottige Aufnahme hat man denn da ausgegraben ?????? Cesar wird von einem sichtlich überforderten Baryton gesungen, der Chor scheint die Tür zu Verdi Aufführung verpasst zu haben und das Orchester hätte wohl auch lieber Mahler oder Bruckner gespielt.Im Bass klimpert etwas Cembaloähnliches vor sich hin.Oh jeeeee, schnell weiter zur nächsten CD...


    Der Tamerlano ist eine weitere Gesamteinspielung von Malgoire für Sony gewesen, aber das Werk ist einfach langweilig, die wohl schwächste Händel Oper – sie als „Meisterwerk des Barock“ nun aufzuwerten halte ich für problematisch, da stehen andere Opern von Händel, wie Alcina, Ariodante, Orlando oder Riccardo Primo dann eher auf der Tagesordnung.



    CD 36 HÄNDEL: Serse (Highlghts)
    Hannover Band & Chorus / McGegan


    Eine der neuesten Einspielungen in dieser Box. Die Interpretation ist recht gut, wie man es von den Händel Einspielungen von McGegan gewohnt ist.



    CD 37 LULLY: Le Bourgeois Gentilhomme
    La Petit Bande / Leonhardt


    Eine der ältesten Lully Aufnahmen auf historischen Instrumenten. Die Bühnenmusiken zu Molières Komödie sind einfach unwiderstehlich, Ohrwürmer ohne Ende. Zwar gibt es mittlerweile bessere Einspielungen, aber diese Aufnahme ist trotzdem noch sehr empfehlenswert und kurzweilig



    CD 38 LULLY : Divertissements
    Capricio Stravagante / Sempé


    Eine meiner liebsten Lully CD’s, eine wunderbare Auswahl an Airs aus Lullys großen Werken. Wäre Guillemette Laurens jedoch mit einem vollen Orchester begleitet worden, anstatt mit einem Kammerensemble, so wäre diese Einspielung ein Jahrhundertereignis für Liebhaber geworden. Süße Melancholie und wunderschöne Musikalische Gestaltung.



    CD 39 MONTEVERDI: Vespro della Beata Vergine / CHARPENTIER: Te Deum
    Cantus Cölln / La Grande Ecurie et la Chambre du Roy / J.C. Malgoire


    Die Marienvesper von Monteverdi ist zweifelsfrei eines der wichtigsten Musikwerke des Barock. Die Einspielung von Cantus Cölln ist eher intim, wenn man sie mit den pompösen Versionen von Gardiner, Herrweghe oder Jacobs vergleicht. Dennoch musikalisch hervorragend gemacht.


    Das Te Deum von Charpentier darf natürlich auch nicht fehlen. Ich kenne eine Menge Einspielung dieses Werkes, aber ich muss gestehen, diese Einspielung von Malgoire ist nach wie vor meine liebste. Natürlich gibt es musikalisch bessere Interpretationen, jedoch hat diese Aufnahme einen ganz eigentümlichen, fast archaischen Reiz. Ich würde immer diese Aufnahme auswählen, allein schon wegen den Trompeten.



    CD 40 PERGOLESI : Stabat Mater
    Europa Symphony


    ach ja...was haben wird denn noch so in der Box...



    CD 41 PERGOLESI: La Serva padrona
    Collegium Aureum


    Diese Opera Buffa ist zwar musikgeschichtlich extrem wichtig, aber genausowenig kann ich das Werk leiden. deshalb: no comment.



    CD 42 PURCELL: Anthems & Hymns
    Gustav Leonhardt


    Die geistliche Musik von Purcell steht ja meist etwas im Schatten seiner Bühnenmusiken, sehr schön, dass man sich entschlossen hat doch eine ganze CD dieser wunderbaren Musik zu widmen. Die Interpretation unter Leonhardts Leitung ist auch außerordentlich gut gelungen. Ich muss es zugeben, diese Box hat mich zu einem Leonhardt Fan gemacht!



    CD 43 PURCELL: Theatre Music
    Tafelmusik / Lamon


    Was soll man noch sagen, wieder eine rundum gelungene Aufnahme des Ensembles. Die Oper Dido & Aeneas ist übrigens komplett auf der CD, in der Einspielung von Parrott, die ja auch zu eine der besten Einspielungen des Werkes zählt.



    CD 44 RAMEAU: Suites Les Indes Galantes / Pygmalion / Zoroastre etc.
    La Petite Bande / Collegium Aureum


    Eine interessante und kurzweilige Zusammenstellung von reinen Instrumentalnummern und Opernszenen. Allerdings sind die Aufnahmen des Collegium Aureum nicht mehr ganz up to Date, das zeigen schon die anderen Auszüge die von der Petite Bande ausgesucht wurden. Aber trotz allem eine schöne Rameau-Schnupper CD



    CD 45 A.SCARLATTI : Duet Cantatas
    Labelle / Brandes


    Alessandro Scarlatti hat über 600 Kantaten geschrieben – die Schönheit dieser Werke wird immer wieder aufs neue belegt, auch mit diese Einspielung. Schön wäre auch noch ein Oratorium gewesen, aber es ist schon sehr erfreulich dass der große Scarlatti endlich überhaupt vertreten ist.



    CD 46 D.SCARLATTI: Sonatas pour le Clavecin
    Andreas Staier


    Gott sei Dank keine Klavieraufnahme und dann auch noch mit Staier. So werden die spritzigen Sonaten von Scarlatti doch zu einem Fest.
    :jubel: :jubel: :jubel:



    CD 47 SCHÜTZ : Psalmen Davids (Auszüge)
    Musica Fiata



    CD 48 SCHÜTZ: Symphoniae Sacrae II
    Musica Fiata


    Beide Schützaufnahmen sind hervorragend. Die Musica Fiata gehören ja zu den Spezialisten dieser Epoche. So kann man die Musik von Schütz durchaus entdecken. Die Pslamen Davids gehören ja ohnehin zu seinen wichtigsten Werken und im Gegensatz zu vielen anderen Werken lassen sie es auch nicht am barocken Pomp fehlen.



    CD 49 TELEMANN: Concertos & Suites
    Collegium Mozarteum


    wieder so eine typische Barock Aufnahme aus den 60er oder 70ern. Falls das nette Sonntagsessen etwas länger dauert hier die passende zweite CD :D



    CD 50 TELEMANN : Tafelusik (Auszüge)
    Collegium Aureum


    Wenn man die Goebel Gesamtaufnahme hat, dann haben es alle anderen Einspielungen schwer - aber trotzdem nett gemacht. Zudem ist die Sammlung der "Tafelmusik" Telemanns Hauptwerk im Instrumentalbereich - wunderbar, dass man daran gedacht hat.



    CD 51 & 52 VIVALDI: L’Estro armonico
    St. Petersburg Soloists


    Oh Gott, was ist denn das ???????
    *kotz**kotz**kotz**kotz**kotz*


    Der Tiefpunkt dieser Box, wo hat man denn diese Amateuraufnahme ausgegraben ?! Schnell weg damit – unerträglich. *neee*



    CD 53 VIVALDI: 4 Jahreszeiten / 2 Oboenkonzerte
    La Petite Bande / Kuijken


    Die 4 Jahreszeiten unter Kuijken sind wunderbar gelungen. Wieder sehr elegant und ohne Sperenzien wie man sie von einigen italienischen Ensembles her kennt. Die Aufnahme kommt zwar recht konventionell daher, aber durch die fast schon erhabene Interpretation ist die Aufnahme mittlerweile zu einer meiner liebsten Einspielungen avanciert.



    CD 54 VIVALDI: Violinkonzerte Op.8
    English Chamber Orchestra / Zukermann



    CD 55 VIVALDI: 6 Concertos
    I Solisti Veneti / Scimone


    Beide CD’s mit Konzerten von Vivaldi folgen der Interpretationspraxis der 70er Jahre. Sehr hübsch aber unauffällig. Angenehm zu hören, aber auch etwas glatt. die dritte und vierte CD für das Familienessen :D



    CD 56 FROBERGER / KERLL / PACHELBEL: Orgelwerke
    Gustav Leonhardt


    *schwärm* Eine CD die schon in der Leonhardt Edition zu finden war, genauso wie Goldbergvariationen. Ein paar echte Entdeckungen.



    CD 57 BACH & HÄNDEL: Chöre
    Mormon Tabernacle Choir


    Oh nicht schon wieder die .... no comment



    CD 58 CARISSIMI: Jephte / D.SCARLATTI: Stabat Mater / VIVALDI: Stabat Mater
    Cantus Cölln / BBC Singers / English Bach Festival Ensemble J.C. Malgoire


    Eine interessante CD mit römischer Musik, wenn man mal von Vivaldi absieht. Die Aufnahme der Jephte mit Cantus Cölln ist hervorragend. Schön dass man das Hauptwerk des großen Carissimi hierfür ausgesucht hat. Das Stabat Mater von Domenico Scarlatti ist ein großartiges, aber nicht ganz leicht verdauliches Chorwerk. Manche sagen, es gehört zu den wichtigsten geistlichen Vokalkompositionen des Barock. Vivaldis Stabat Mater liegt hier in einer etwas betagten Aufnahme vor, aber dennoch kommt die Schönheit dieses Werkes gut zum tragen. Eine recht gelungene CD mit geistlicher Barockmusik, mal abseits von Bach.



    CD 59 Missa Salisburgensis
    Escolonia de Monserrat Collegium Aureum / Ulsamer


    War das vielleicht die erste Aufnahme dieser monumentalen Barockmesse? In jedem Fall eine beindruckende Leistung... bis auf die Knabenchöre und Knabensolisten. Aber auch trotz dieser Schwächen vermittelt die Aufnahme die Klanggewalt und Pracht des Werkes. Wenn man Feuer gefangen hat, dann wird man sowieso die McCreesh / Goebel Aufnahme haben wollen.



    CD 60 Baroque Highlights


    Diese CD ist ein wenig wie ein Katalogsampler, hier wurde einfach mal was drauf gepackt, was noch so rumgeflogen ist, so scheint’s zumindest... Ob das alles Highlights des Barock sind...na ja, aber irgendwie musste man ja die CD nennen. Mir kommt das eher so vor, dass man noch was gebraucht hat um das unselige Adagio von Giazotto (Albinoni hat diesen Kitsch nicht verfasst, verdammt noch mal!) und den Canon von Pachelbel unterzubringen. (beides übrigens extrem kitschig gespielt, danach habe ich erst mal einen Diabetes Test machen müssen) Das man hier aber auch noch mal Bach drauf gezwängt hat, ist nun wirklich zuviel des Guten. Schön hingegen ist wieder, das auch noch Komponisten wie Caldara und Cavalli zum Zuge kommen. Das ganze Endet mit dem „Reigen seeliger Geister“ aus Glucks Orfeo.


    Allerdings muss man sagen, dass diese CD von den reinen Interpretationen ziemlich schwach ist und aus einer anderen Zeit (60er Jahre) zu stammen scheint. Einzige Lichtpunkte sind da die Auszüge aus Aufnahmen des Harps Consorts, Al Ayre Espanol und dem Balthasar Neumann Ensemble.





    Fazit:


    Für den normalen Klassikhörer eine absolute Empfehlung, auch für einen Neuling bestimmt zu empfehlen. Für Barockfreaks ist diese Box allenfalls dazu geeignet kleinere Lücken zu füllen, zuviel ist dabei was unsere HIP verwöhnten Ohren missfallen könnte. Für den günstigen Preis kann man aber mit dem Kauf nichts falsch machen. Da sich konventionelle Einspielungen und Einsielungen der historisch informierten Aufführungspraxis die Waage halten, kann man selbst entscheiden welcher Ansatz einem am besten gefällt. Größter Kritikpunkt, die völlig ungerechtfertigte Überpräsenz des Thomaskantors. Sehr positiv ist, das Komponisten wie Monteverdi, Carissimi, Lully, Charpentier, Couperin und A. Scarlatti vertreten sind und das auch in meist hervorragenden Aufnahmen.

  • "Heiligs Blechle" dachte ich mir bei dieser Kiste - fast alle Aufnahmen dieser grandiosen Serie von Sony. Die Collection ist noch relativ neu, und noch nicht bei JPC gelistet.




    Diese Kiste ist ein wahres Juwel - keine einzig schwache Aufnahme, alles ganz großartige Einspielungen, die teilweise zu dem Besten zählen, was ich bisher kenne. Ich versuche, die 60 CDs kurz zu nennen:



    CD1 & 2 BACH : Die Lautenwerke
    (Lutz Kirchhof)


    Geniale Einspielung - und meiner Meinung auch die klangschönste. Kirchhof benutzt unterschiedliche Instrumente und spielt in den originalen Tonarten!



    3. BACH : Die Gambensonaten
    (Anner Bylsma, Bob Van Asperen)


    Eine Bearbeitung für Picolo Violoncello und Orgel - aber unglaublich schön.



    4. Das Niederländische Cembalo
    (Bob Van Asperen)


    Tolle und schöne Auswahl - wunderbar gespielt.


    5. BACH : Weltliche Kantaten BWV 206 & 207a
    (Frieder Bernius)


    toll!


    6. MOZART : Missa Longa
    (Philipp Cieslewicz, Carsten Muller, Tölzer Knabenchor)


    Knabenchor ist geschmacksache - ich finde die Aufnahme top.


    7. MOZART : Divertimento KV 334 & KV 247
    (L'Archibudelli)


    8. MOZART : Divertimento KV 563
    (L'Archibudelli)


    Das Ensemble L'Archibudelli liefert einfach atemberaubend schöne Interpretationen ab, egal ob Mozart, Haydn oder Beethoven - hinreißender Originalklang!


    9. SCHUBERT : Quintette à cordes D956
    (Vera Beths, Lisa Rautenberg, Steven Dann, Judy Gatwood, Anner Bylsma)


    Tolle und sinnliche Aufnahme.


    10. SCHUBERT : Symphonies n° 5 & 6
    (Bruno Weil)


    Vielleicht nicht so beeindruckend wie Immerseel - aber mich begeistert die Aufnahme.


    11-12. SCHÜTZ : Psalmen Davids SWV 22-47
    (Frieder Bernius)


    Wunderbare Schütz-Aufnahme.



    13-14. BACH : 6 Suites für Violoncello, BWV 1007-1012
    (Anner Bylsma)


    Meine persönliche Lieblingsaufnahme der Cellosuiten. Bylsma spielt auf dem Stradivari "Servais" Instrument.



    15. Italia Mia
    (Paul Van Nevel, Huelgas Ensemble)


    Italienische Madrigale vom weltbesten Vokalensemble!



    16. The Lute in Dance and Dream
    (Lutz Kirchhof)


    Lautenwerke aus 3 Jahrhunderten und aus ganz Europa - und das in der Interpretation von Kirchhof, einfach nur toll.



    17. BEETHOVEN : Sextuors, Quintette, Duo
    (L'Archibudelli)


    siehe CD8



    18. SCHUBERT : Symphonies n° 7 & 8
    (Bruno Weil)


    siehe CD 10



    19. BEETHOVEN : Trios à cordes Op.9 n° 1-3
    (L'Archibudelli)


    siehe CD8



    20. Febus Avant!
    (Paul van Nevel, Huelgas Ensemble)



    21. GOMBERT : Musique pour la cour de Charles V
    (Paul Van Nevel)


    Noch zwei ganz großartig gelungene Aufnahmen mit Vokalmusik.



    22. Airs de cour français du XVIIe siècle
    (Lutz Kirchhof)


    Für diese tolle CD kam ich zu spät, wie wunderbar, dass sie in dieser Box enthalten war. Max von Egmont singt hier einige der Lieder :umfall:



    23. VIVALDI : Les quatre saisons ; Sinfonia "Al Santo Sepolcro" ; Concerto Op.3
    (Charlotte Nediger, Tafelmusik)


    Das Tafelmusik Baroque Ensemble hat eigentlich nur wunderbarere Aufnahmen bisher angeliefert - ihre besten sind in dieser Box enthalten.


    24. HAYDN : Symponies n° 41-43
    (Bruno Weil, Tafelmusik)



    25. HAYDN : Symponies n° 44, 51 & 52
    (Bruno Weil, Tafelmusik)



    26-27. WEISS : œuvres pour luth vol. 1 & 2
    (Lutz Kirchhof)


    Eine ganz wunderbare Aufnahme der Lautenwerke von Weiss.


    28. VIVALDI : Sonates pour violoncelle et basse continue
    (Anner Bylsma)


    Wo Bylsma drauf steht, kann man bedenkenlos zugreifen.



    29. BEETHOVEN : Trios « L'Archiduc » & « des Esprits »
    (Anner Bylsma, Vera Beths, Jos Van Immerseel)



    30. HAENDEL : Concerti Grossi, Op. 3
    (Jeanne Lamon, Tafelmusik)



    31. Motets du XVIIe siècle
    (Niederaltaicher Scholaren)


    Eine echt tolle Aufnahme mit vielen Raritäten. das Repertoire bedient vor allem den süddeutschen und österreichischen Raum.



    32. HAYDN : Die 3 letzten Piano Trios
    (Anner Bylsma, Vera Beths, Robert Levin)



    33. BOCCHERINI : Concertos pour violoncelle en ut majeur et ré majeur
    (Jeanne Lamon, Tafelmusik)


    Was für eine Kombination - eine ganz großartige Aufnahme!


    34. BOCCHERINI : Sonates pour violoncelle
    (Anner Bylsma, Kenneth Slowik, Bob Van Asperen)



    35. MOZART : Quintette avec clarinet, quatuor avec clarinette, Trio Kegelstatt
    (L'Archibudelli)


    Absolut ernsthafte Konkurrenz für das Quatuor Mosaiques.


    36. Norddeutsche Orgelmusik
    (Gustav Leonhardt)



    37-38. C.P.E BACH : Die kompletten Flötensonaten
    (Barthold Kuijken, Bob Van Asperen)



    39. FRANCHOMME & CHOPIN : Grand Duo Concertant
    (Anner Bylsma, Lambert Orkis, Kenneth Slowik)



    40. SCHUBERT : Messe n° 5 ; Deutsche Messe
    (Bruno Weil)



    41. Orgelmusik aus Frankreich und den Niederlanden
    (Gustav Leonhardt)



    42-43. HAYDN : Die Schöpfung
    (Bruno Weil, Tafelmusik, Tölzer Knabenchor)



    44. AGRICOLA : Un labyrinthe secret
    (Paul Van Nevel, Huelgas Ensemble)



    45-46. BEETHOVEN : Sonates pour violoncelle et piano
    (Anner Bylsma, Jos Van Immerseel)



    47. MOZART : Requiem
    (Bruno Weil, Tafelmusik)



    48. SCHUBERT : Piano Trios n° 1 & 2
    (Anner Bylsma, Vera Beths, Jos Van Immerseel)



    49. VIVALDI : 11 concertos
    (Anner Bylsma, Jeanne Lamon, Tafelmusik)



    50. HAYDN : Die letzten 3 Streichquartette
    (L'Archibudelli)



    51. HAENDEL : Feuermusik
    (Jeanne Lamon, Tafelmusik)


    Diese Aufnahme der Feuerwerksmusik gehört zu den weltbesten auf historischen Instrumenten. Die Aufnahme lohnt sich aber auch wegen den 3 Concerti a Due Chori, die ebenfalls zu hören sind.



    52-54. TELEMANN : Die Pariser Quartette
    (Gustav Leonhardt)


    Legendäre und unerreichte Aufnahme.



    55. Utopia Triumphans (Musique de la Renaissance)
    (Paul Van Nevel, Huelgas Ensemble)


    Wenn man eine CD mit Vokalmusik der Renaissance besitzen sollte, dann ganz klar diese hier.


    56. BACH : Die Violinkonzerte
    (Jeanne Lamon, Tafelmusik)



    57-58. BACH : Die Brandenburgischen Konzerte
    (Jeanne Lamon, Tafelmusik)


    Für mich die nach wie vor beste Aufnahme!


    59. BRAHMS & SCHUMANN : Sonates pour violoncelle Op. 38 & Op. 99
    5 Pièces dans le style populaire Op. 102
    (Anner Bylsma, Lambert Orkis)



    60. HAENDEL : Watermusick / Suite aus Il Pastor Fido
    (Jeanne Lamon, Tafelmusik)


    Genauso toll wie alle Aufnahmen des Ensembles.



    Fazit:


    Eine der besten Boxen überhaupt - ein absolutes Muss. Originalklang in Vollendung, teilweise die besten Aufnahmen, großartige Werke - rundum gelungen.
    Kaufen !

  • "Heiligs Blechle" dachte ich mir bei dieser Kiste - fast alle Aufnahmen dieser grandiosen Serie von Sony. Die Collection ist noch relativ neu, und noch nicht bei JPC gelistet.
    (.........)
    Fazit:


    Eine der besten Boxen überhaupt - ein absolutes Muss. Originalklang in Vollendung, teilweise die besten Aufnahmen, großartige Werke - rundum gelungen.
    Kaufen !

    AAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!! Was tust du mir da an???? Die MUSSSSS ich haben!!! ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall:

    "Nichts gleicht der Trägheit, Dummheit, Dumpfheit vieler deutscher Geiger."
    Max Bruch (1838-1920)

  • AAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!! Was tust du mir da an???? Die MUSSSSS ich haben!!! ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall: :umfall:


    Ich muss sie zum Glück nicht kaufen ...
    60 Kraut-und-Rüben-CDs - das tu ich mir nicht an!
    Dann kenne ich mich gar nicht mehr aus in meiner Sammlung.
    Und einige Aufnahmen habe ich schon, einige andere Werke in anderen vorzüglichen Aufnahmen, also kein Kaufanreiz für mich.
    Glück gehabt.
    :)


  • CD 28 FUX: Requiem
    Clemencic Consort


    Das Clemencic Consort ist ein Ensemble, um das ich mittlerweile einen Bogen mache. Zwar haben sie als ausführendes Musikensemble für A. Mnouchkines „Molière“ ein gewisses Renomée erhalten, aber das ist nun schon eine halbe Ewigkeit her. Die Aufnahmen von Clemecic leiden alle unter einer sehr seltsamen Aufnahmetechnik, abgesehen davon sind auch die Interpretationen nicht unbedingt das tollste was gibt. Oder wie es Salisburgensis einmal ausgedrückt hat, etwas besser machen als Clemencic ist noch das einfachste... Schönes Werk, aber ich bleibe da doch lieber bei den Fux Einspielungen von Duftschmid, denn die sind wirklich herausragend.


    Größter Kritikpunkt, die völlig ungerechtfertigte Überpräsenz des Thomaskantors.


    Dem möchte ich ein wenig entgegenen.


    Heute früh habe ich etwas in meine arte-nova-Fux-Requiem-Clemencic-CD gehört und verglichen mit dem gegenwärtigen swing-HIP ist das schon irritierend hölzern und statisch. Allerdings gehört Clemencic einer älteren Generation an: selber Jahrgang wie Leonhardt, dessen Interpretationen auch nicht so elegant daherkommen. Ich kann jedenfalls mitnichten beurteilen, was nun HIPpologisch korrekter oder glaubhafter ist, ob also die dynamisch sehr aktiven beschwingten GegenwartsHIPpler nicht womöglich doch ein Auswuchs sind?


    Und Bach - das ist nun mal im Barock der Einzige, bei dem es einen "Kanon" gibt, den man kennen sollte, bei den anderen Komponisten ist das bislang weniger common sense. Und das geht dann kaum unter 20 CDs (mir fehlen leider noch ein paar dieser Pflichtstücke). Die Box nimmt also durchaus gerechtfertigterweise auf die Bedürfnisse der CD-Käufer Rücksicht. Im Musikbetrieb sieht es ja auch nicht anders aus, Barock ist zu 50% Bach.

  • Denn ob diese Box, wie versprochen, von Musikwissenschaftlern zusammen gestellt worden ist, wage ich doch zu bezweifeln. Denn hier wurden einige Aufnahmen verwendet, da rollen sich mir die Fußnägel auf


    Nochmal zur Sony-Box ...
    Die Interessen der Musikwissenschaftler sind nunmal sehr breit gestreut und die Geschmäcker sowieso.
    Dein Hauptkritikpunkt war ja die Verwendung einer Aufnahme der St. Petersburg Soloists.
    Nun, das ist auch Interpretationsgeschichte, und für Musikwissenschaftler sicher auch sehr interessant.
    Zu dem Ensemble habe ich diese Seite gefunden:
    http://rossica.8m.com/gantv/soloens.htm
    Dort sind ein paar Kritiken zu finden:


    Yuriy Temirkanov ist offenbar ein Dirigent.
    Und die Kritiker der Zeitungen sind oft ... Musikwissenschaftler.
    :D
    Die Lobesäußerungen sind gar nicht sooo alt, mir kommt's vor, als wäre 1994 gestern gewesen.
    :beatnik:
    Also - auch wenn einem die Box nicht zusagt - "unseriös" ist sie wohl nicht.

  • Heute früh habe ich etwas in meine arte-nova-Fux-Requiem-Clemencic-CD gehört und verglichen mit dem gegenwärtigen swing-HIP ist das schon irritierend hölzern und statisch. Allerdings gehört Clemencic einer älteren Generation an: selber Jahrgang wie Leonhardt, dessen Interpretationen auch nicht so elegant daherkommen. Ich kann jedenfalls mitnichten beurteilen, was nun HIPpologisch korrekter oder glaubhafter ist, ob also die dynamisch sehr aktiven beschwingten GegenwartsHIPpler nicht womöglich doch ein Auswuchs sind?


    Interessant ich hab's nicht so empfunden... - vor allem der Anfagsstück: die Triosonata "swingt" durchaus. Aber auch die Sanger sind erstklassig: man soll sich das "De profundis" anhören - Armonico tributo macht das keineswegs besser... und das Ensemble ist durchaus dynamisch aktiv (s. z.B. den Anfang des Dies irae). "Hölzern" ist IMO höchstens der Klang der Orgel, was aber durchaus reizvoll ist (s. das wundervolle Adagio nach K 400). Vielleicht bietet dieses Requiem nicht so viel platz zum "Swingen", wie jene von Biber, schlimm ist aber die Aufführung keinesfalls.
    Wie man auch meint: zur Zeit ist diese die beste Einspielung des Fuxschen Requiems überhaupt... :P


    Und wie erstklassig das Clemencic Consort sein kann, beweist diese Aufnahme, die auch aufnahmetechnisch besser gelungen ist:

    (für mich immer noch erste Wahl in puncto "Fidicinium sacro-profanum", und ich kenne alle Einspielungen des Werkes!)


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Zitat

    Also - auch wenn einem die Box nicht zusagt - "unseriös" ist sie wohl nicht.


    Das entspricht auch nicht meinem Fazit.


    Zitat

    Und Bach - das ist nun mal im Barock der Einzige, bei dem es einen "Kanon" gibt, den man kennen sollte, bei den anderen Komponisten ist das bislang weniger common sense. Und das geht dann kaum unter 20 CDs (mir fehlen leider noch ein paar dieser Pflichtstücke).


    Ja aber muss man das hinnehmen ?
    Ich denke nicht, dass die Sinfonien und Inventionen dazu berechtigen, das gesamte 17. Jahrhundert unter den Tisch fallen zu lassen.



    Zitat

    Die Box nimmt also durchaus gerechtfertigterweise auf die Bedürfnisse der CD-Käufer Rücksicht. Im Musikbetrieb sieht es ja auch nicht anders aus, Barock ist zu 50% Bach.


    Wie gesagt, mit der 15 CD Box der Harmonia Mundi France hat man auf weniger CDs eigentlich mehr von der Epoche.
    Ich denke, 5 CDs weniger von Bach hätten auch genügt.
    Dafür hätte man Sonaten von Biber und Schmelzer aufnehmen können, Madrigale und Airs de Cour, richtige Lautenmusik, Barockoper abseits von Händel....usw.

  • Dafür hätte man Sonaten von Biber und Schmelzer aufnehmen können, Madrigale und Airs de Cour, richtige Lautenmusik, Barockoper abseits von Händel....usw.


    Genau. Und die Vespro (Monteverdi) in voller länge... *sante*


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Ich denke nicht, dass die Sinfonien und Inventionen dazu berechtigen, das gesamte 17. Jahrhundert unter den Tisch fallen zu lassen.


    Ja, zumindest Monteverdis Orfeo ist mindestens genauso kanonisch wie die Sinfonien und Inventionen.
    Aber wahrscheinlich wird der nicht so gerne gehört/gekauft?

    Zitat

    muss man das hinnehmen ?


    Die Frage ist doch, welche Aufgabe diese Box hat ... ich gebe zu, die Selbstdarstellung nicht gelesen zu haben, vielleicht haben die PR-Fritzen danebengeschossen.
    ;)

    Zitat

    richtige Lautenmusik


    :D
    ...
    Stellst Du auch noch eine miese Box vor?
    ;)

  • Wir driften zwar etwas ab, aber man kann das ja als theme-in-theme subsumieren :D


    Clemencic liegt mir auch so überhaupt nicht - gepflegte Langeweile, zudem Nouva-Era @ its worst... :umfall:



    Ich habs bisher nicht einmal übers Herz gebracht, die CDs zu digitalisieren, weil ich eine Magenverstimmung meiner Festplatte befürchte... komischer Weise fand der Lullist diese Aufnahme stets gar nicht so übel...


    :beatnik:

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790


  • Ich meinte ja auch nur seine Aufnahmen mit Clemencic Consort... auch im Renaissance-Bereich gibt's da einige ganz gute.


    LG
    Tamás
    :wink:

  • Zitat

    Stellst Du auch noch eine miese Box vor?


    Na so wirklich was mieses hab ich nicht auf Lager - bzw. müsste ich mal genauer gucken.
    Aber eine Box, die ich weniger gelungen finde, ist diese hier:



    Inhalt:


    Rinaldo, 3 CDs
    Jean-Claude Malgoire, La Grande Écurie et La Chambre du Roy

    Carolyn Watkinson: Mezzo-Soprano (Rinaldo)
    Paul Esswood: Contralto (Goffredo)
    Charles Brett: Contralto (Eustazio)


    Giulio Cesare, 2 CDs
    Julius Rudel, New York City Opera

    Beverly Sills: Soprano (Cleopatra)
    Beverly Wolff: Mezzo-Soprano (Sextus)
    Maureen Forrester: Contralto (Cornelia)


    Tamerlano, 3 CDs
    Jean-Claude Malgoire, La Grande Écurie et La Chambre du Roy

    Mieke van der Sluis: Soprano (Asteria)
    Isabelle Poulenard: Soprano (Irene)
    Henri Ledroit: Countertenor (Tamerlano)


    Rodelinda, 3 CDs
    Michael Schneider, La Stagione

    Barbara Schlick: Soprano (Rodelinda)
    Claudia Schubert: Alto (Eduige)
    David Cordier: Countertenor (Bertarido)


    Alessandro, 3 CDs
    Sigiswald Kuijken, La Petite Bande

    Sophie Boulin: Soprano (Rossane)
    Isabelle Poulenard: Soprano (Lisaura)
    Ria Bollen: Contralto (Cleone)


    Lotario, 2 CDs
    Alan Curtis, Il Compresso Barocco

    Simone Kermes: Adelaide, Soprano
    Sara Mingardo: Lotario, Contralto
    Hilary Summers: Idelberto, Contralto


    Partenope, 3 CDs
    Sigiswald Kuijken, La Petite Bande

    Krisztina Laki: Partenope, Soprano
    Rosmira: Helga Müller Molinari, Contralto
    Arsace: René Jacobs, Contralto


    Serse, 3 CDs
    Jean-Claude Malgoire, La Grande Écurie et La Chambre du Roy

    Carolyn Watkinson: Serse, mezzo-soprano
    Paul Esswood: Arsamene, countertenor
    Ortrun Wenkel: Amastre, contralto
    Barbara Hendricks: Romilda, soprano



    1. Grund:


    Fast ausschließlich alte Aufnahmen, die eigentlich nicht mehr der gängigen Interpretation entsprechen. Die Art und Weise des Gesangs, der Instrumentalbegleitung, all das hat sich extrem gewandelt. Von fast allen Aufnahmen gibt es wesentlich bessere Einspielungen, mit deren Einzelkauf man wirklich besser bedient wäre. Vor allem der Giulio Cesare ist ungenießbar, weil es schlicht ein Arragemnt darstellt, ähnlich wie die historische Aufnahme der Alcina unter Bonygne. Einzig der Lotario mit Simone Kermes ist wirklich lohnend, ebenso der Alessandro unter Kuijken.


    2. Grund:


    Das generelle Repertoire, hier werden keinesfalls Händels Hauptwerke angeboten, sieht man mal vom Rinaldo, Serse, Rodelinda und Giulio Cesare ab. Die Box sugeriert aber etwas anderes. Vielleicht wollte man auch die großen Meisterwerke den Flops gegenüberstellen? Wenn man eine solche Box plant dann doch eher mit diesen Opern: Agrippina - Rinaldo - Giulio Cesare - Radamisto - Rodelinda - Orlando - Alcina - Serse


    Ich würde ganz klar sagen: lieber gute, aktuelle Aufnahmen der wichtigsten Opern kaufen, da hat man viel mehr davon.

  • Sind die Aufnahmen wirklich alle so alt? Was ist alt? Gut, Malgoire ist (wie auch Curtis) schon eine Weile unterwegs: der Rinaldo stammt von 1977, Serse von 1979 und Tamerlano von 1983. Der Cesare (Rudel, der mir nix sagt) ist von 1989 (wenn ich das richtig eruiert habe), Rodelinda (Schneider) von 1998, Alessandro und Partenope (Kuijken) von 1990, Lotario (Curtis) von 2004 (!) - und das ist auch die einzige, die ich gut kenne und die auch (mindestens) gut ist. Kuijkens Partenope ist auch nicht übel. Von Malgoire kenne ich nur die neueren Sachen, die ich sehr schätze.


    Aber, was Händels Opern betrifft - da gebe ich Dir gerne Recht, gibt es sicher mehrere interessantere Alternativen. Im Prinzip sind aber alle Aufnahmen auf historisch informierter Basis; insofern auch eine musikwissenschaftlich interessante Sache (allerdings nicht für mich). :D

    Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.

    W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

  • Also alles vor 1990 ist meistens schon wieder überlebt.
    Gerade in der Barockoper.


    Die Kuijken Aufnahmen sind soweit in Ordnung.
    Malgoire mag ich persönlich auch gerne, weil ich diese eigentlich schon historischen Aufnahmen sehr mag (Ich sammle den Kram ja)
    Aber ich glaube mit alternativen modernen Aufnahmen, wie unter Jacobs oder Hogwood ist man gerade beim Rinaldo viel besser dran.
    Ich habe die Box selbst nicht, aber die einzelnen Aufnahmen im Original.


    Wäre die Box billiger, dann würd ich sagen, kann man kaufen.